Artenvielfalt Forscher entdecken ungewöhnlichen Lemuren
Auf Madagaskar lebt ein Lemur mit Federzunge. Der Gabelstreifenmaki könnte eine neue Art auf der Insel sein, deren biologische Vielfalt einzigartig und bedroht ist.
Das putzige Tierchen ist etwa so groß wie ein Eichhörnchen, hat braune runde Kulleraugen, dünnhäutige nackte Ohren und ein gräuliches, weiches Fell. Besonderes Kennzeichen: Eine dunkle gabelförmige, Fellzeichnung im Gesicht.
Äußerlich unterscheidet sich der Lemur, kaum von den anderen Gabelstreifenmakis (Gattung: Phaner), die auf Madagaskar heimisch sind. Doch nicht umsonst richtet sich derzeit alle Aufmerksamkeit der Primatenforschung auf das Tier, denn dieser Lemur ist anders. Unter seiner Zunge fanden Wissenschaftler um Russel Mittermeier von der Umweltorganisation Conservation International Strukturen, die an fein verzweigte Federn erinnern. Sie vermuten, dass der kleine Primat damit Nektar aus Blüten trinkt. Dieses Merkmal ist es auch, das die Forscher glauben lässt, das possierliche Tier könnte gar eine neue Art sein.
Dem Forscher war der Gabelstreifenmaki bereits 1995 während einer Expedition durch den Norden Madagaskars aufgefallen. Damals hatte Mittermeier allerdings keine Zeit, das Tier genauer zu bestimmen. Im Oktober diesen Jahres organisierte er nun eine weitere Reise in den Regenwald. Zusammen mit dem Genetiker Ed Louis vom Omaha-Zoo in Nebraska und einem Fernsehteam des britischen Senders BBC durchkämmte er das Daraina-Gebiet.
Das Team machte sich nach Sonnenuntergang auf die Suche – denn Gabelstreifenmakis sind nachtaktiv und sehr scheu. Allerdings verraten sich die Primaten durch laute Rufe, wenn sie mit ihren Artgenossen kommunizieren. Schließlich konnten die Helfer der Forscher ein ausgewachsenes Männchen einfangen und es betäuben. Bei genauerer Untersuchung entdeckten sie am nächsten Morgen dann den federartigen Auswuchs unter der Zunge des Makis. Ein BBC-Video zeigt die Forschungsexpedition durch den Regenwald.
Die Wissenschaftler nahmen Blutproben und statteten den Gabelstreifenmaki mit einem Mikrochip aus – so können sie ihn identifizieren, falls er wieder einmal in die Gefangenschaft eines Forschers gerät.
Derzeit unterscheidet die Wissenschaft vier Arten von Gabelstreifenmakis – sie alle leben auf Madagaskar. Ein Gentest soll nun zeigen, ob das Tier mit der Federzunge eine eigene fünfte Art ist. Allerdings ist es nicht leicht, Tiere, von denen erst wenige Exemplare untersucht wurden, eindeutig einer Art zuzuordnen. Von vielen Lemuren lagern in Museen nur wenige alte Schädel – oft das einzige Indiz für eine Bestimmung. "Um eine neue Art belegen zu können, braucht man ausreichend Vergleichsmaterial", sagt die Primatologin Linn Groeneveld vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
Dazu müssten die Forscher auf Madagaskar allerdings eine ganze Reihe der scheuen Lemuren einfangen. "Abgesehen davon gibt es eine wissenschaftliche Debatte darum, wie man Arten voneinander abgrenzen kann", sagt die Spezialistin für Fettschwanzmakis, die selbst auf Madagaskar geforscht hat. Wissenschaftler streiten vor allem darum, welche Daten vorliegen müssen, damit eine neue Art beschrieben werden kann. Und dabei geht es nicht nur um Merkmale des Körperbaus und der Genetik, sondern auch um Informationen zum Lebensraum, zum Verhalten, zur Ernährung und um viele andere Faktoren. All das macht es schwierig, ein einzelnes Tier mit einem besonderen Merkmal zu einer neuen Art zu erklären.
Die Wissenschaftler um Russel Mittermeier setzen sich neben ihrer Forschung auch für den Artenschutz ein. Die Entdeckung einer neuen Art, um neue Unterstützer zu werben, kann da hilfreich sein, noch dazu, wenn Medien darüber berichten.
Zugleich könnte der Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit für die bedrohte Natur den unabhängigen Blick auf ein gefundenes Tier auch verstellen. Fest steht: Der Schutz des verbliebenen Regenwaldes auf Madagaskar ist längst überfällig. Die letzten dort lebenden Tiere – egal welcher Art – sind vom Aussterben bedroht. Der Regenwald der Insel ist bereits zu 90 Prozent zerstört – Ursachen dafür sind Armut, Überbevölkerung und die sich ausbreitende Landwirtschaft.
Noch immer werden auf der Insel vor der Ostküste Mosambiks regelmäßig Tiere entdeckt, darunter auch Säugetiere, die zu bisher unbekannten Arten gehören könnten. Auf Madagaskar hat sich im Laufe der Evolution eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt. Die Insel löste sich vor rund 150 Millionen Jahren von Afrika und vor etwa 90 Millionen Jahren vom indischen Subkontinent. Seither konnten sich Tiere und Pflanzen dort ungestört ausbreiten. Die meisten madagassischen Arten kommen daher nur dort vor.
- Datum 14.12.2010 - 15:14 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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...muss man in einem gut gemachten Artikel, aber wissen, was man sagt...
Nehmen Sie es bitte nicht persönlich, aber weniger wäre hier ganz bestimmt mehr gewesen. Dabei war es bistimmt noch lange nicht alles, was z.B; Frau Groeneveld Ihnen hätte erzählen können.
Gut hätte ich es gefunden, wenn wirklich klar gesagt worden wäre,dass mit Sicherheit mehr Arten aussterben als wir wissen. Eben weil sie vorher nicht als Arten registriert worden sind.
"Neue" Arten, die (so schreiben Sie) regelmässig entdeckt werden, sind Arten-Buchhalter-Jargon, wie eben ein Buchhalter einen alten Beleg finden kann, der ihm neu ist.
Das Foto von den schönen grünen Hügeln in Madagaskar zeigt die armselige Restvegetation, die das Feuer (einstweilig) übriggelassen hat.
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