Mit 90 Millionen Tonnen gefangenem Fisch erreichte die kommerzielle Fischerei in den späten 1980er Jahren ihren Höhepunkt. Seitdem steigen die Fangmengen, die Fischer weltweit jedes Jahr aus den Ozeanen ziehen, nicht mehr. Und diese extreme Ausbeutung der Meere hat ihren Preis: Nicht etwa Schutzmaßnahmen halten die Fangquote konstant, sondern "wir haben schlicht keinen Raum mehr, um die Fischereigewässer auszudehnen", sagt Wilf Swartz vom Fischereizentrum der Universität von British Columbia in Vancouver (Kanada).

In einer Studie im Wissenschaftsmagazin PLoS One , das online erscheint, berichten er und seine Kollegen von der dramatischen Überfischung der Weltmeere. Viele Fischer schöpften die vorhandenen Gründe so weit aus, bis kein Fisch mehr übrig sei, sagt Mitautor Daniel Pauly. Nur knapp 0,1 Prozent der weltweiten Gewässer seien geschützt. Hier dürfen keine Netze ausgeworfen werden.

Fische in Not: Den Beständen in der Nordsee und im Nordostatlantik geht es schlecht © Anne Gerdes/ZEIT Grafik

Die Wissenschaftler werteten Daten aus den Jahren 1950 bis 2005 aus. Bis zu den 1970er Jahren seien die Fischereigründe jährlich um je eine Million Quadratkilometer ausgedehnt worden. Von den 1980er bis in die frühen 1990er Jahre habe sich diese Rate verdreifacht. Unter anderem landen deswegen überhaupt noch Millionen Tonnen Fisch auf unseren Tellern.

Die Forscher analysierten nicht allein die Zahlen der angelandeten Tiere. Sie berücksichtigten zudem, wie viele Algen und andere Kleinstlebewesen nötig sind, um die jeweilige Fangmenge zu ernähren. Dies ist vergleichbar mit der Menge Gras, die das Vieh jährlich frisst, damit der Mensch Milch und Fleisch produzieren kann. Mit dieser Methode konnten die Forscher auch vergleichen, wie sich die Fischerei auf verschiedene Arten auswirkt, beispielsweise Thunfisch oder Sardinen.

Swartz und seine Kollegen weisen darauf hin, dass die Datenbasis ihrer Untersuchung nicht vollständig ist. Aus afrikanischen Gewässern lägen wenige Daten vor, und im Pazifik gebe es einen hohen Anteil von illegalen Fischern.