Naturschutz in AfrikaDie tödliche Jagd nach Elfenbein geht weiter

Obwohl die internationale Gemeinschaft den Schutz der Elefanten gestärkt hat, erlegen illegale Wilderer noch immer Tiere. Auch Nashörner sind wieder stärker bedroht. von  und dpa

Ein Elefanten-Weibchen und sein Junges streifen Mitte Dezember durch das Lewa-Schutzgebiet im Norden Kenias. Seitdem vier Länder im Jahr 2007 ihr bereits vorhandenes Elfenbein wieder handeln durften, hat die Wilderei wieder zugenommen.

2010 war das Internationale Jahr des Artenschutzes . Im März lehnten die Mitgliedsstaaten der internationalen Artenschutzkonferenz (Cites) einen Antrag der afrikanischen Staaten Tansania und Sambia ab, das Moratorium zum Verkauf von Elfenbein zu lockern. Seit 1989 ist der Handel mit Stoßzähnen verboten – doch die illegale Jagd auf Afrikas Elefanten geht weiter.

Wie Wildhüter und Umweltorganisationen berichten, hat die Jagd auf die bedrohten Tiere in der afrikanischen Savanne in den vergangenen Wochen wieder zugenommen. Erst Anfang Dezember wurden zwei Männer aus Singapur mit fast 100 Kilogramm Elfenbein auf dem Flughafen von Nairobi festgenommen.

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Einige Tierschützer wie die Elefanten-Forscherin Cynthia Moss von der Organisation Amboseli Trust for Elephants glauben, die verstärkte Anwesenheit chinesischer Geschäftsleute und Arbeiter in Afrika heize den Schmuggel als zusätzliches Geschäftsfeld weiter an. Nicht nur Elefanten sind bedroht,  im Laikipia-Distrikt im zentralen Hochland Kenias wurden erst vor wenigen Wochen mehrere Nashörner auf dem Gelände eines privaten Wildreservats getötet.

Ende November hatten Ranger der kenianischen Naturschutzbehörde KWS einige Wilderer überrascht, als diese die Stoßzähne getöteter Elefanten beseitigten. Als die Wildhüter sie anhalten wollten, eröffneten die Männer sofort das Feuer aus automatischen Waffen. Nach einem heftigen Feuergefecht waren zwei Wilderer tot, ein Wildhüter verletzt. Die Schießerei in der Umgebung von Tsavo, dem größten der kenianischen Nationalparks, erinnerte an die schon fast vergessene Zeit der "Tsavo-Kriege" in den 1970er und 80er Jahren. Damals hatte die Jagd auf das kostbare Elfenbein die Zahl der in Kenia lebenden Elefanten drastisch reduziert.

Erst das weltweite Verbot des Elfenbeinhandels entschärfte die Lage für das größte Landsäugetier der Erde. Heute leben in Tsavo wieder fast 12.000 Elefanten – so viele wie nirgends sonst in Kenia. Doch auch wenn der Handel mit Elfenbein illegal ist: Der Schmuggel mit dem begehrten Material aus den Stoßzähnen von Elefanten geht weiter.

Das Artenschutzabkommen

1973 wurde das "Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen" geschlossen. Das "Washingtoner Artenschutzübereinkommen" (Cites) ist in Deutschland seit 1976 gültig und bis heute sind mehr als 174 Staaten beigetreten.

Die Artenschutzregelungen gelten für lebende oder tote Tiere und Pflanzen, ihre Entwicklungsformen sowie alle aus ihnen gewonnenen Erzeugnisse.

Je nach Gefährdungsgrad werden die Arten im EU-Recht in vier unterschiedlichen Anhängen, von A bis D, aufgeführt. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Anhang A

In Anhang A sind alle von der Ausrottung bedrohte Arten aufgeführt, die durch den Handel beeinträchtigt werden oder beeinträchtigt werden könnten sowie Arten, die nach Ansicht der EU im internationalen Handel so gefragt sind, dass jeglicher Handel das Überleben der Art gefährden würde.

Erfasst sind einige Affenarten, alle Wale, einige Bären- und Katzenarten, bestimmte Papageien, Greifvögel, Eulen und Kraniche, diverse Landschildkröten und Krokodile, alle Meeresschildkröten, einige Riesenschlangenarten sowie verschiedene Kakteen-, Orchideen-, Euphorbien- und Aloearten. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Anhang B

Arten, deren Erhaltungssituation zumeist noch eine geordnete wirtschaftliche Nutzung unter wissenschaftlicher Kontrolle zulässt und Arten, die international in solchen Mengen gehandelt werden, die das Überleben der Art oder von Populationen in bestimmten Ländern gefährden können, finden sich in Anhang B.

Gelistet sind alle Affen, Bären, Katzen, Papageien (außer Rosenköpfchen, Wellensittich, Nymphensittich und Halsbandsittich), Greifvögel, Eulen, Flamingos und Kraniche, alle Landschildkröten, Krokodile, Riesenschlangen, Warane, Pfeilgiftfrösche, Störe, Riesenmuscheln und Steinkorallen sowie alle Kakteen, Orchideen, Euphorbien, Alpenveilchen und Aloe-Arten (ausgenommen Aloe vera).
Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Anhang C

Anhang C enthält national reglementierte Arten oder Populationen, für deren Schutz eine internationale Kontrolle notwendig erscheint, soweit diese Arten nicht bereits in Anhang A oder B beziehungsweise wegen Vorbehalts der EU in Anhang D aufgeführt werden. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Anhang D

Der vierte Anhang enthält die Arten, die zwar handelsrelevant sind, aber noch nicht unter die internationalen Schutzkategorien fallen. Bei diesen Arten rechtfertigt der Umfang der Einfuhren in die EU eine mengenmäßige Überwachung, um gegebenenfalls aus den so ermittelten Zahlen eine stärkere Unterschutzstellung herzuleiten. Quelle: Bundesamt für Naturschutz

Auch im südlichen Afrika schlugen Tierschützer Alarm, die südafrikanische Regierung sprach mit Blick auf das Ausmaß der Wilderei sogar von einem "Notstand". Allein in Südafrika, wo fast 90 Prozent der etwa 23.000 Nashörner Afrikas leben, wurden 2010 bis Anfang Dezember mehr als 300 Spitz- und Breitmaulnashörner von Wilderern erlegt. 2009 waren es nur 122. In Simbabwe soll der Bestand an Nashörnern binnen zwei Jahren um 15 Prozent gesunken sein.

Künftig will das Militär in Südafrika Drohnen gegen Wilderer einsetzen, um sie aus der Luft  aufzuspüren. Verteidigungsministerin Lindiwe Sisula sagte, um die "außergewöhnlich brutalen" Nashorn-Jäger zu verfolgen, würden Wilderer zunächst mit Farbpatronen beschossen, "um dann vielleicht doch schärfere Mittel einzusetzen". Ob das dann scharfe Munition wäre, sagte sie nicht.

Die Behörden vermuten organisierte Kriminalität hinter den Wilderern, die mit Hubschraubern und Betäubungsgewehren operieren. Schließlich ist das Nashorn-Geschäft sehr lukrativ: Bis zu 60.000 US-Dollar (45.500 Euro) kostet ein Kilogramm verarbeitetes Nashorn-Pulver auf den Märkten Asiens – das Pulver soll angeblich die Potenz fördern.

Die Naturschutzorganisation WWF spricht von einer "besonders besorgniserregenden" Lage. Auf lange Sicht bedrohe die Wilderei den Erhalt der Nashörner ernsthaft, denn die Fortpflanzung der Tiere brauche erhebliche Zeit. Der WWF fordert mehr Härte gegen Wilderer und ein schärferes Vorgehen vor allem in Südafrika, wo die Gesetze "zu lasch gehandhabt" würden – noch nie erhielt ein Wilderer auch nur annähernd die Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis.

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Leserkommentare
    • Gafra
    • 27. Dezember 2010 16:43 Uhr

    führt zur möglichen Ausrottung aller möglicher Tierarten und zu widerwärtigsten Grausamkeiten, wenn beispielsweise lebenden Nashörnern das Horn abgesägt wird oder lebenden Affen das Hirn aus dem Kopf gelöffelt wird. http://www.youtube.com/verify_age?next_url=http://www.youtube.com/watch?...
    Es gibt wirklich keine Barbarei, die Tieren nicht angetan wird!
    Ich sehe auch wieder immer mehr Frauen mit Pelzen,viele Pelze kommen aus China und werden dort von lebendig gehäuteten Tieren "geerntet"!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    seit sie aus Afrika aufgebrochen sind. Außerdem ist Pelz voll ÖKO weil nachwachsend im Gegensatz zum üblichen Outfit von Ökos, der wird aus Erdöl gemacht.

    Allerdings ist Wilderei, das Ausrotten ganzer Arten und übermäßige "Benutzung" der Natur nicht blos kontraproduktiv sondern der helle Wahnsinn!

    P.S: Einen Pelz hab ich auch. Sehr praktisch im Winter!

  1. seit sie aus Afrika aufgebrochen sind. Außerdem ist Pelz voll ÖKO weil nachwachsend im Gegensatz zum üblichen Outfit von Ökos, der wird aus Erdöl gemacht.

    Allerdings ist Wilderei, das Ausrotten ganzer Arten und übermäßige "Benutzung" der Natur nicht blos kontraproduktiv sondern der helle Wahnsinn!

    P.S: Einen Pelz hab ich auch. Sehr praktisch im Winter!

    Antwort auf "Diese Potenz-Sch...."
    • Bindu
    • 28. Dezember 2010 18:07 Uhr

    Die ganze Welt schaut zu und keiner unternimmt etwas! Jeder hat Angst die Chinesen vielleicht durch Kritik verärgern zu können und deswegen keine Geschäfte mehr mit ihnen machen zu können. Welch ein verlogener Haufen Menschen! Wenn man nur mal überlegt wieviel Stempel aus Elefenbein die glauben zu benötigen; bei der Menschenmasse...einfach nur pervers. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/lv

    • hase02
    • 22. Februar 2011 17:48 Uhr

    Keiner möchte die Tierwelt, bestimmte Tierarten ausrotten, auch wenn es so scheint. Kein Pelzträger-/in befürwortet eine Ausrottung, woher sollen sonst die zukünftigen Felle geerntet werden.

    Manche Praktiken, ob es die Mode oder Wihneinrichtungen betrifft, ist seltsam, ist verachtenswert. Daran kann nur eine Masse, die Verbraucher etwas ändern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Artenschutz | Drohne | Fortpflanzung | Jagd | Kenia | Schmuggel
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