Dioxin-Skandal : Maßlosigkeit vergiftet unsere Lebensmittel

Der Dioxin-Skandal offenbart die Gier nach Billignahrung. Nur ein Bewusstseinswandel kann die Qualität unseres Essens auf Dauer verbessern.
Woher kommt die Milch, das Fleisch, die Eier? Viele Verbraucher vor den Supermarkttheken sind durch Lebensmittelskandale verunsichert

Unsere Sucht nach billigen Schnitzeln, Eiern und Milchprodukten hat jegliches Maß verloren. Seit Tagen verunsichert einmal mehr ein Lebensmittelskandal die Verbraucher: Eier bleiben in Supermarktregalen liegen, viele fragen sich, ob Putenbrüste und Minutensteaks unter ihrer Cellophan-Verpackung noch genießbar sind.

Dabei wird niemand an dioxinverseuchten Produkten akut erkranken, niemand daran sterben . Die Krux liegt in diesem und vergangenen Skandalen viel tiefer und uns dämmert, dass etwas ganz Grundsätzliches verkehrt läuft. Wir sind zu rücksichtslosen Essern geworden, deren Motto lautet: lieber billig als Bio, Masse statt Qualität.

Viele empören sich, sind entsetzt über Dinge, die wir nicht sehen, wenn wir im Discounter vor den Regalen stehen. Woher stammt das gemischte Hackfleisch, 500 Gramm für nicht mal zwei Euro, der Liter Milch für unter 60 Cent oder die Zehner-Packung Eier, Bodenhaltung, für 1,29 Euro? Unsere Lebensmittel sind heute nicht nur günstiger denn je, sondern vielen Menschen so wenig wert wie nie zuvor. Noch vor wenigen Jahrzehnten gaben die Deutschen gut die Hälfte ihrer Einkommen für Nahrung aus, heute sind es keine 12 Prozent mehr.

Die Industrialisierung der Nahrung hat ein Ausmaß angenommen, dass der Überblick fast unmöglich scheint. Dabei sind Lebensmittel aus der Industrieküche auch eine Errungenschaft – nie waren sie sicherer und hygienischer . Doch zu billiges Essen ist zum Problem geworden. Es vernichtet die nachhaltige Landwirtschaft, ob diese nun industriell arbeitet oder nicht. Was zählt ist der Ertrag und der Preis. Ein System, das sich zunehmend herunterwirtschaftet, weil der Verbraucher nach Spottpreisen schreit, ist der ideale Nährboden für Trickser, Betrüger und Manipulatoren.

Ein erster Schuldiger im derzeitigen Dioxin-Fall war schnell gefunden , ein einzelner Übeltäter heißt es, auch von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Obwohl die eigentliche Herkunft des Giftes noch immer nicht eindeutig geklärt ist, wurden rasch schärfere Kontrollen gefordert, populistisch mit harten Konsequenzen gedroht.

Doch die Verantwortlichen haben aus vergangenen Skandalen wenig gelernt. Mehr Kontrollen mögen das Problem entschärfen, lösen werden sie es nicht. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der Bauernhöfe in Deutschland fast halbiert. Der Preisdruck steigt, gespart wird, wo es geht. Landwirte sind gezwungen, immer mehr aus ihren Böden herauszuholen, Dünger und Pestizide verseuchen das Grundwasser mit Nitraten, zerstören Ackerland und Artenvielfalt. Hundertausende Hühner und Schweine werden zusammengepfercht, um unsere Fleischeslust zu befriedigen.

Wir wissen das, und wer es nicht weiß, ahnt es. Auch deswegen ist das Interesse an dem derzeitigen Dioxin-Skandal so groß. Es geht nicht nur um das Gift in unseren Lebensmitteln. Längst hat unser Konsumverhalten unsere Nahrung verseucht. Allerdings können wir etwas dafür tun, sie besser zu machen. Der Verbraucher muss fragen, woher seine Lebensmittel kommen. Er sollte nicht die Augen verschließen vor einer Industrie, die im Preiskampf alles Mögliche in unser Essen mischt – Erlaubtes und Unerlaubtes.

Im aktuellen Haushalt der Europäischen Union fließen fast 60 Milliarden Euro in die Landwirtschaft. Erst in zwei Jahren soll vermehrt auf ökologischeres Verhalten der Industrie hingearbeitet werden. Ein längst überfälliger Schritt, den die Politik nun beschleunigen sollte. Wenngleich auch Ökobauern nicht vor Lebensmittelskandalen gefeit sind. Auch Bio-Eier waren vergangenes Jahr durch zu hohe Dioxin-Werte aufgefallen.

Aus heutigen und vergangenen Skandalen lässt sich eines lernen: Wir brauchen ein ganz neues Bewusstsein , was wir der Umwelt, den Tieren und letztlich uns selbst antun. Trotz Bio-Siegeln und Öko-Märkten ist dem größten Teil der Landwirtschaft der Qualitätswettbewerb abhanden gekommen, weil die meisten Verbraucher nur noch auf den Preis schielen. Und das bei dem, was uns heilig sein sollte: Unserem täglich Brot.

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Kommentare

282 Kommentare Seite 1 von 42 Kommentieren

Wunderbarer Artikel

Was sollen ihrer Meinung nach denn die Menschen die zum Beispiel Hartz IV bekommen und sich gar keine teueren Lebensmittel leisten können essen?

Haferschleim? Weizenkleie? Den Kit aus den Fenstern?

Für viele Menschen sind günstige Lebensmittel wie sie in dem Artikel angeprangert werden die einzige Alternative ausreichend zu essen zu bekommen.

Ich persönlich kann dem Artikel nichts abgewinnen, da er weder Fakten bringt, noch eine wirkliche Alternative.

Mercedes & Co. statt gutes Essen

Die Masse in Deutschland besteht aber nicht aus Hartz IV -Empfängern. Für die gibt es unter anderem die "Tafeln", in denen auch gute, regionale Lebensmittel zum kleinen Preis zu bekommen sind.

Es lohnt sich übrigens mal länger den Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters im Auge zu behalten. Sehr interessant, wie viele teure Karossen dort vorfahren. Die sollen sich gute Essen nicht leisten können?
Sorry - die wollen (noch) nicht. [...]

Bitte achten Sie auf einen sachlichen Umgangston. Danke. Die Redaktion/lv

Es ist eben nicht immer eine Frage von "teurem Essen"....

sondern wirklich eine Frage von Phantasie beim Einkauf und
Ideenreichtum beim Kochen.
Da z.Zt. hier in der Zeit eine Serie von Artikeln über
unsere Ernährung veröffentlicht wird, habe ich meine
tägliche Zubereitung einmal auf den Aspekt "Kosten"
hin überprüft.
Deshalb ganz konkret: vorgestern Salat mit überbackenem Ziegenkäse (3,50 Euro), gestern Zucchinipfanne mit Chili, Zwiebeln,Rosmarinkartoffeln und Ei ( 3,95 Euro),
heute Büffelmozarella mit Tomaten, Mais und Knoblauchtoast
(4,50 Euro) alle Zutaten sind Bio.
Wenn ich zweimal die Woche Fisch/Fleisch esse, dann wird es
teurer. Bleibt aber immer unter 10 Euro.
Je nach individueller, finanzieller Möglichkeit ist es
möglich, "konventionelles" Essen teilweise oder ganz zu
substituieren.
Es wäre schön, wenn Ernährung und konkret auch "Kochen"
in den Unterricht unserer Kinder einfliessen würden.
Es wäre wichtig für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden
durch Genuß und gemeinsames Kochen/Essen, und ist durch seine Bedeutung für Umwelt etc. auch darüberhinaus gesellschaftlich relevant.

Falschen Esel vor den Karren gespannt.

Ich finde es nicht korrekt wenn sie Hartz IV Empfänger vor den Karren spannen um billige Lebensmittel zu fordern. Auch wenn ich selbst nicht im Geld schwimme und auch schon den Pfennig in der Tasche umdrehen musste, stimme ich dem Autor doch zu das eine zu geringe Wertschätzung für die Leistung der Landwirtschaft herrscht.

Zudem haben sich die Menschen vor 100 Jahren die körperlich sehr hart schuften mussten hauptsächlich von Haferschleim, Dinkelstopfer und änlichem Getreidemuß ernährt.

Was ist daran also schlecht , mein Frühstücksmüsli besteht auch im wesentlichen daraus.

Würde sich die FDP nicht gegen die Mindestlöhne sperren wäre bei vielen Menschen Hartz IV auch vom Tisch.

Das eigentlich perverse ist doch das sich Produkte, die nicht BIO sind überhaupt "Lebensmittel" nennen dürfen!

@11. wissen sie eigentlich

wie viele leute mit dem mercedes "aus besseren zeiten" heute noch rumfahren, in wirklichkeit aber am erbe ihrer vorfahren ständig abschnitte machen, nur um den schein des "gehobenen mittelstandes" noch eine weile hinzuhalten.

und wissen sie was: neben den immer wieder angeprangerten "hartzern" sind es vor allem all die menschen aus der unterschicht, welche sich tagtäglich 8-12h abrackern um gerade so alles bezahlen zu können. dies sind die wahren verlierer unseres gesellschaftssystems. und diese leute gehen sicher nicht im biomarkt einkaufen - die haben andere probleme, von denen leute wie sie nicht ansatzweise was verstehen.

@ 34 Vinzenheim

Lieber Vinzenheim,

wenn Sie sich da nicht irren. Ich komme aus einer Familie, die sich nie ein Auto (geschweige denn einen Mercedes) leisten konnte. Von daher habe ich diese guten Zeiten, von denen Sie sprechen, nie gesehen. In meiner Familie gibt es nichts zu erben. Daher kenne ich die Verhältnisse, die Sie (schreibt man in der Anrede übrigens groß) ansprechen besser als sie denken.

Machen Sie sich den Spaß und beobachten Sie den Discounterparkplatz und Sie sehen, was ich meinte. Da parken nicht die geerbten Karossen, sondern die aktuellen Modelle. zumindest bei uns in der Region ist das so.

@ all:

Ich weiß, wer Wert auf gute und gesunde Lebensmittel legt findet auch Wege, sie sich zu leisten (von Ausnahmen natürlich abgesehen). Der Rest der Republik, der der Geiz ist Geil Mentalität folgen möchte, und damit natürlich auch die Gier der Nahrungsmittelkonzerne fördert, soll sich dann aber nicht über schlechte und ungesunde Nahrungsmittel beschweren (wer braucht eigentlich u.a. all den Fertigtütenkram, der unnützerweise angeboten wird?).

Machen Sie folgenden Versuch:
Kaufen Sie ein richtiges Bio-Vollkornbrot (nicht so einen angeblichen "Biovollkornverschnitt" aus dem Supermarkt).
Essen Sie morgens eine Scheibe davon. Sie werden feststellen, dass Sie nicht so schnell wieder hungrig sind, wie nach einem konventionellen Brot.
Es liefert mehr Energie, hält nachhaltiger satt - sie essen im Endeffekt weniger und gesünder. Da ist der Spareffekt im Lebensmittel eingebaut ;-)

Ach herrje...

1. Die breite Mehrheit der "Hauptsache billig"-Konsumenten ist weder Hartz 4 - Empfänger noch im Billiglohnsektor beschäftigt. Es handelt sich dabei um einen Verbrauchertypus, der in so gut wie allen Einkommensschichten zu finden ist.

2. Die Mär, dass ohne diese Art der Billigstnahrung arme Menschen verhungern müssten, ist schlichtweg nicht wahr. Ich selbst habe während meines Studiums auch nicht mehr Geld zur Verfügung gehabt als ein Erwerbsloser - trotzdem war ich nicht auf unredliche Dumpingpreis-Kost angewiesen, sondern bezog meine Lebensmittel aus dem Bioladen, ohne dafür nennenswerte Abstriche bei der Lebensqualität hinnehmen zu müssen.

Ach hört doch auf mit Hartz IV...

Das ist doch Augenwischerei! Als wäre das Essverhalten all derer, die mehr besitzen, anders, wenn jeder Hartz IVler 200 Euro mehr bekäme und sich Bio im Überfluss leisten könnte.
Natürlich gehört Hartz IV erhöht - trotzdem ernährt sich auch der Hartz IVler gesünder, wenn er giftfrei wenig oder gar kein Fleisch isst und sich damit Bio sehr wohl leisten kann, wenn auch nicht in Delikatessen schwelgen.
Der berühmte Hartz IVler dient doch den meisten nur als Ausrede, um das eigene (!) Konsumverhalten nicht in Frage stellen zu müssen.
Auch Bio ist heute tatsächlich billiger geworden. Für zwei bis drei Euro pro Person lassen sich jede Menge leckere und gesunde Gemüse-Getreidegericht kochen - bloß die meisten wissen gar nicht mehr, wie man preiswert kocht. Ein Mal die Woche Fleisch, Saisongemüse und -obst, dann bleibt man gesund. Was kaufen HartzIVler tatsächlich? Die billigen Varianten von dem, was andere auch kaufen, nehme ich an: Tiefkühlpizza, Süßigkeiten en Masse (zählt mal Regale...), Fertiggerichte und Brot mit viel, viel Matschwurst - und dazu Gummiäpfel, die keinen Geschmack mehr haben... Und lieber ein Bier weniger, aber dafür ein zwei Jährchen älter, fitter sowieso...

Du bist, was du isst

Auch als Hartz-IV-Bezieher kann man sich gesund ernähren. Man muss nur, wie die Deutschen noch vor einigen Jahrzehnten, nur ein Mal pro Woche Fleisch essen, Fertignahrung und Fastfood meiden und selbst kochen!
Selbst die Diskounter bieten jede Menge Biolebensmittel an. Bei Aldi gibt es sehr preisgünstig Bioeier, Biokartoffeln und Biomöhren. Mit einem guten Kochbuch und ein bisschen Phantasie kann man mit diesen wenigen Zutaten wunderbare preiswerte Gerichte zaubern.
Du bist, was du isst. Wer giftige Lebensmittel isst, der ist vergiftet. Wer vergiftet ist, der wird krank. Es sind häufig Krankheiten, die zum Tode führen, nach langem Siechtum.

Antwort auf 16

Tja, sie geben also im Schnitt zwischen 3,50 und 4,50 pro Tag für eine einzige Mahlzeit am Tag aus. Ich nehme an, dass Sie am Ende aber doch ein wenig wenig mehr als diese eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen, oder?

Denn bei Ihrer schönen Rechnung übersehen Sie irgendwie, dass ein Erwachsener, sei es Harzer oder Aufstockergerade einmal 4,29 Euro und einem Kind 2,57 Euro zustehen. Und braucht mehr als nur eine Mahlzeit am Tag. So schön Ihre Rechnung auch sein mag, für viele Menschen sind bereits diese Summen, die Sie für nur eine Mahlezeit am Tag veranschlagen, unbezahlbar - da hilft übrigens auch keine Kochkunst oder "Phantasie und Ideenreichtum". Die Sätze sind einfach nur gotterbärmlich niedrig. Und wenn es dann auch noch unvorhergesehene Ausgaben gibt, wie Kopiergeld für die Kinder, Schreibhefte etc., dann wird es eben noch enger.
Ach ja und der Hinweis auf die Tafeln ist bei den Sätzen auch ein Witz.
Was genau ist daran so schwer zu verstehen, dass es mittlerweile viel zu viele Menschen in diesem Land gibt, die darauf angewiesen sind, das zu Essen, was sie irgendwie auftreiben können? (was historisch gesehen übrigens nichts neues ist, zu allen Zeiten haben die Armen immer nur den Dreck zu Essen bekommen, für denen sich die besser gestellten zu fein waren - die Verachtung, mit denen man den Armen damals die Essenreste abtat, ist heute auf die übertragen worden, sie sich das billigste vom billigen im Discounter holen - Geschichte wiederholt sich irgendwie immer wieder)

industrielle Selbstkontrolle = Unterstützung zum Betrug

Zitat "Ein System, das sich zunehmend herunterwirtschaftet, weil der Verbraucher nach Spottpreisen schreit"

Der Verbraucher schreit nach garnichts. Diese Mär wird ständig benutzt wenn die Konzerne ihre Gewinnspannen erhöhen wollen. Der Verbraucher ist Schuld. Er hat, bei in der Masse sinkenden Einkommen, ja auch so viele Möglichkeiten auszuweichen oder die Herkunft zu kontrollieren. Die Industrie weicht ja auch überhaupt nicht ins Ausland aus um strengere Regeln im Inland zu unterlaufen.

Zitat "Wir brauchen ein ganz neues Bewusstsein, was wir der Umwelt, den Tieren und letztlich uns selbst antun."

Ich denke "wir" haben dieses Bewusstsein zum Großteil schon. Aber so lange Firmen betrügen können, die Politik wegsieht, Ökolabels zum Reinwaschen missbraucht werden und solche Labels (EU-Ökolabel) nur absolute Mindeststandards repräsentieren, fehlt das Vertrauen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Dazu gehört es auch wenn man immer wieder erfährt, dass verbrecherische Unternehmen die EU-Bestimmungen durch auslagern ins Ausland unterlaufen und das als legitime Praxis gilt.

ALDI hat Kultstatus- und zwar seit Jahrzehnten

gerade bei denen, die es absolut nicht nötig hätten, dort einzukaufen.
Nicht umsonst gibt es derartige Billigmärkte in den vornehmsten Villengegenden (z.B. Berlin-Wannsee)
mit einer "Dunkelziffer" von Millionären, die bevorzugt dort einkaufen.
Nach den damit verbundenen Dumping-Lohn-Arbeitsbedingungen fragt gerade von denen niemand.

Ich kenne welche. Gleich mehrere. Die sind allerdings konsequente Vegetarier.

"Unsere Sucht nach billigen Schnitzeln, Eiern und Milchprodukten hat jegliches Maß verloren."

Diese Sucht wurde uns jedoch systematisch antrainiert. Es begann in den 60ern mit dem Slogan: "Heute bleibt die Küche
kalt, gehn wir in den Wienerwald." Gleichzeitig begann die Ära der Legehühner-Batterien...

Werbe-Slogans wie "Geiz ist geil" gehörten aus Gründen volkswirtschaftlicher Schadensbegrenzung, indirekter Aufforderung zur Verletzung des Tierschutzes und Gefahr im Verzuge für die menschliche Gesundheit, gesetzlich verboten!

Und da der Fisch bekanntlich vom "Kopf" her zu stinken anfängt, müsste der "geforderte Bewusstseinswandel" auch von dort aus eingeleitet werden, - von Politik und Wirtschaft.

Sarrazin hat jedoch als Finanzsenator ausdrücklich auf der Grundlage von "ALDI"-Einkäufen für die H4ler den frugalen Menue-PLan erstellt und somit, ehrlich, wie er nun mal ist, dokumentiert, wie nützlich für den Staatshaushalt ausgerechnet diese Ketten sind.

Reformhaus-Wasser predigen und selbst A-Wein trinken:
DAS ist die wahre "spät-römische Dekadenz"!

zu 170

Aldi hat für mich keinen Kult-Status.
Wie ich es es schon oben einmal schrieb.
Aldi ist für mich in Bezug auf Grundnahrungsmittel ein preiswerter Kaufmann.
Aldi brauche ich nicht, um mir Hummer oder Garnelen leisten zu können. Das esse ich nicht.
Aldi hat im Grunde ein einfaches Sortiment. Das finde ich nachhaltiger als die Beschaffungsvielfalt eines Konsumtempels wie KaDeWe oder die Hochregale von REAL, wo ich 1.000 verschiedene Auswahlmöglichkeiten habe.

Die Eigentümer, die Brüder Albrecht, sind vom einfachen Einzelhändler (einen kleinen Laden in Essen) durch ihr kaufmännisches Geschick und ihrer Idee zu Milliardären geworden, ohne das ich es ihnen neide. Aldi ist keine Aktiengesellschaft.
Das Bio-Angebot ist zwar spärlich, aber uns genügt es.
Aldi hat vielfach regionale Angebote, zB bei Obst, Gemüse und Milch.
Also, so schlecht finde ich diesen Laden nicht.
Es ist aber auch nicht so, daß wir alles dort kaufen.

zu 250

Da wäre ich mir an Ihrer Stelle nicht so sicher.
Hier eine Produktbeschreibung von Taifun-Soja.
Das Unternehmen produziert überwiegend "regional", kauft aber Soja aus Brasilien zu:

"Auch bei Sojabohnen, die wir außerhalb von Europa zukaufen, legen wir höchste Qualitätsmaßstäbe an und berücksichtigen zusätzlich ökologische und soziale Belange. Aus diesem Grund haben wir ein Anbauprojekt in Brasilien, wo wir mit Kleinbauern in direktem Kontakt stehen."

Klar doch

Warum nicht selbst Soja im Garten, auf Balkon oder Terrasse anpflanzen? Hühner dort halten. Warum nicht dort auch Urlaub machen, statt umweltschädlich in die Ferne zu schweifen, warum amerikanische Filme gucken und indischen Tee trinken? Usw. Warum Handel? Wir können uns doch auch alle die Wohnungen mit Erzeugnissen der Maschinenbauindustrie vollstellen und die Gärten mit Autos, denn die Brasilianer können ihre Autos selber bauen. Airbus-Flugzeuge braucht keiner mehr, wenn alle erkannt haben, daß Transport (auch) umweltschädlich ist.

zu 262

Sie sollten meinen Kommentar richtig lesen, bevor Sie polemisieren.
"warum überhaupt aus solchen exotischen Ländern Essen importieren, wenn es in Europa auch wächst "

Wenn etwas in Europa wächst, ist es zunächst hier zu kaufen.
Bei Essen ist das für mich ganz klar: regional vor global.
Wobei ich zunächst nach deutschen Lebensmitteln Ausschau halte, bevor ich Produkte aus Frankreich oder Spanien kaufe.

Nur wenn es Lebensmittel sind, die hier nicht anbaubar sind und die man als Konsument für eine Notwendigkeit hält, z.B. Bananen oder Pfeffer, dann Handel.

Was ist daran verkehrt ?

PS: Airbusse brauche ich nicht, weil ich nicht fliege. Aber das ist ein anderes Thema.

Regional, falls nennenswert vorhanden

Wenn möglich regional vor global. Sehen Sie, das halte ich auch so, und ich fliege nicht zum Haareschneiden nach Rimini. Aber der Handel ist nun einmal global, und unser Wohlstand hängt auch davon ab, daß so vieles in andere Länder exportiert wird, ob Maschinen, Flugzeuge oder was auch immer. Ein wenig importieren müssen wir schon auch, sonst wird das Ganze allzu einseitig, und die andern verlieren die Lust daran ...

Wikipedia zur Sojabohne:

"Ein Anbau kommt in Europa nur dort in Betracht, wo während der unter europäischen Klimabedingungen gegebenen Vegetationszeit von 150 bis 180 Tagen eine Wärmesumme von 1500 bis 2000 °C bezogen auf einen Schwellenwert von 6 °C erreicht wird. Zur Keimung der Sojasaat ist eine Bodentemperatur von cirka 10 °C erforderlich.

Bereits in den 1930er-Jahren wurde in Deutschland zunächst versuchsweise, rasch aber auch kommerziell Sojabohnen-Anbau betrieben. Hintergrund war, dass die Regierung des Dritten Reichs unabhängiger von Ölimporten zu werden versuchte.

Wegen witterungsbedingter Ernteausfälle wurde der Soja-Anbau in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg kaum noch weiterbetrieben.

Erst seit 1997 bauen auch Landwirte in Süddeutschland in der Region um Freiburg im Breisgau wieder den eiweißreichen Rohstoff im Auftrag des Tofu-Herstellers Taifun-Tofu, einem Demeter-Partner, an. Mittlerweile werden 1000 Tonnen Sojabohnen auf ca. 1000 Hektar Anbaufläche produziert, was 0,0005 % der Weltproduktion entspricht."

Zurück zum Sonntagsbraten!

Diese Problematik wird mir hier von den Leserkommentarten zu einseitig betrachtet. Dieser Artikel ist gut gelungen, da er die Verantwortung des Einzelnen thematisiert und diese auch einfordert. Natürlich möchten das jene Verbraucher nicht hören, die sich noch nie für die Herkunft ihrer Lebensmittel interessiert haben und ihre Prioritäten woanders sehen. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass z.B. ein Harz 4 Empfänger weniger Möglichkeiten hat „ökologisch bewusst“ zu essen als jemand, der ein besseres Einkommen hat. Hier sind wir aber wieder bei der Prioritätenfrage angekommen. Es ist ja kein Geheimnis, dass der Fleischkonsum der Deutschen so hoch ist, dass es gesundheitlich bedenklich wird. Sollte man wieder zum Sonntagsbraten zurück finden, könnten sich alle Einkommensschichten Fleisch aus ökologischer Herkunft leisten. Hier muss zweifelsohne an die Vernunft und die Sensibilität der Verbraucher appelliert werden. Gleichwohl kann der Verbraucher es nicht leisten bei seinem täglichen Einkauf jede Verpackung umzudrehen, um die „schlechten“ Zutaten herauszukristallisieren. Während es noch nachvollziehbar erscheint tierische Produkte in Biomärkten zu kaufen, verliert der Endverbraucher die Nähe zu allen anderen Produkten und deren Herstellungsverfahren. Um hier den Preisdruck und somit den Qualitätsverlust einzudämmen braucht es zweifelsohne konkrete Handlungen der Politiker.

Ist es wirklich die Gier nach billigen Lebensmitteln ?

1."Geiz ist geil" wird von den Unternehmen benutzt, nicht vom Verbraucher.
2. Viele Verbraucher können nicht anders als auf preiswerte Lebensmittel zurückzugreifen, weil sie wenig Netto in der Tasche haben.
3. Preiswerte Lebensmittel sind nicht gleich schlecht. Das beweisen uns täglich Ökotest und Warentest.
Hochpreisige Ware wird eher manipuliert, weil dadurch die Gewinnspanne größer wird.
4. Auch in BIO-Eier fand sich in 2010 Dioxin.
5. Erfahren wir jetzt durch diesen Skandal, daß Unmengen von Lebensmittel auch für das Ausland produziert werden. Dort sind die Lebensmittelpreise um ein Vielfaches höher (England, Korea). Trotzdem wird dieser Dreck untergemischt.

Falsch, falsch, falsch

Gehen wir die Liste der Argumente doch mal durch:

"1."Geiz ist geil" wird von den Unternehmen benutzt, nicht vom Verbraucher."
Falsch. Die Unternehmen bedienen lediglich einen Impuls, den die Verbraucher nur zu gern aufgreifen bzw. schon von sich aus bedienen. Die "Hauptsache Billig"-Fraktion zieht sich durch so gut wie alle Einkommensschichten - und das nicht (nur), weil die Werbung sie dahingehend manipuliert.

"2. Viele Verbraucher können nicht anders als auf preiswerte Lebensmittel zurückzugreifen, weil sie wenig Netto in der Tasche haben."

Falsch. Als einer der unmittelbar Betroffenen kann ich nur sagen, dass die Mär vom armen Schlucker, der ohne Billighack aus Gammelfleisch verhungern muss, schlichtweg unwahr ist. Mein Haushalt verfügt derzeit lediglich über Ressourcen auf Hartz 4- Niveau - und dennoch können wir uns Bionahrung und Frisches vom Wochenmarkt leisten.

"3. Preiswerte Lebensmittel sind nicht gleich schlecht. Das beweisen uns täglich Ökotest und Warentest.
Hochpreisige Ware wird eher manipuliert, weil dadurch die Gewinnspanne größer wird."

Selbstredend. Ein hoher Preis deutet nicht automatisch auf höhere Qualität hin, ein niedriger nicht auf unredliche Praktiken. Aber bei Mischhack für unter 2 Euro hört es dann doch eindeutig auf. Zu diesen Konditionen kann man schlichtweg keine nachhaltige Viehzucht betreiben und dabei noch Gewinn machen.

kein geld, kein bio, keine zeit ideologisches geschwafel

vergessen sie nicht: wenn jemand gerade so um die runden kommt mit seinen 900-1200,- euro netto im monat, ja stellen sie sich vor, dann holt er sich das hackfleisch 500g für 1,99 und nicht das bio-putenfilet 1kg zu 24,50 euro.

das problem liegt tiefer als sie denken. stellen sie sich vor, es gibt eine menge leute die kratzen gerade so jeden monat ihre letzten cents zusammen um über die runden zu kommen. ist es verwunderlich dass diesen menschen, und es werden immer mehr, ihr ideologisches bio-gerede - selbst wenn sie es wollten - nie und nimmer in die tat umsetzen können?

viel zu vielen ist scheinbar die reale (finazielle) situation in den meisten haushalten deutschlands nicht ansatzweise bekannt.

Anm: Bitte achten Sie auf einen sachlichen Umgangston. Die Redaktion/lv

Liebe Zeitredaktion

Ihre Anmerkung zu dem Leserbeitrag von @ Vinzensheim ist meiner
Betrachtung nach nicht gerechtfertigt .
Die Argumente des Lesers beschreiben die Wirklichkeit vieler
Bürger , die als Geringverdiener , Kleinrentner
oder H-IV- Empfänger diesem Land ihren Alltag zu bewältigen haben .
Bei aller Sachlichkeit scheint ihnen , entgangen zu sein ,
das unter Lebensmittel- Discountern seit Jahren ein Preiskampf zu Lasten von Klein und mittelständischen Zulieferungs- Betrieben
ausgefochten wird . Das Sie den Futtermittelerzeugerskandal für sich zur Leserschelte verwenden ,ist weder originell , noch faktisch gerechtfertigt , wenn Sie das Ursache- Wirkungprinzip der Billigangebote Ihren Lesern näherbringen wollten . Es ist richtig , Deutschland ist innerhalb der EU
im Verzehr billiger Agrar oder Fleischprodukte kaum zu überbieten .
Wahr ist aber auch , das Niedriglöhne und Preisdrückerei innerhalb des fleischverarbeitenden Gewerbe oder sonstiger Sparten der
Lebensmittelbranche als branchenüblich erkannt werden . Die steuerliche Begünstigung sich ansiedelnder Mastbetriebe , als auch
der Billigimport von Verbrauchererzeugnissen aus Osteuropa
tragen ebenso dazu bei , das den Kunden im Supermarkt Billigwaren
angeboten werden können .
Den Dioxinskandal der Futtermittelbranche kann und sollte nicht
am Endverbraucher abgearbeitet werden .

Lieber...

...Herr Stockrahm.

"Der Verbraucher muss fragen, woher seine Lebensmittel kommen."

Viel Spaß dabei. Ich sehe sie schon im nächsten Supermarkt die Leiharbeits-Regaleinräumerin bequatschen...

"Er sollte nicht die Augen verschließen vor einer Industrie, die im Preiskampf alles Möglich in unser Essen mischt – Erlaubtes und Unerlaubtes."

Tun das die Verbraucher? Ist es nicht vielmehr so, dass Industrie und Politik alles Mögliche in Bewegung setzen, um die ganzen Zusatzstoffe möglichst intransparent zu halten und die Grenzwerte hoch? Ist denn nicht der Markt und die Konkurrenz das alleinig seeligmachende? Wurde nicht kürzlich noch der verstorbene Albrecht in der ZEIT wegen seines BILLIG-Marktes gehuldigt?

Lieber Herr Stockrahm, natürlich können die Verbraucher etwas tun, aber sie haben weder die finanziellen Mittel, noch die Transparenz um hier grundsätzliches zu bewirken. Davon abgesehen sind die meisten schlicht überfordert, auch zeitlich, ich muss nachher auch noch einkaufen gehen und mein Zettel ist lang. Keine Zeit für den vormittäglichen Wochenmarkt und sowohl Fleischer wie Reformhaus schliessen früh...

Sie sollten nicht in das Konsumenten-Bashing einfallen, es ist schändlich und lenkt die Aufmerksamkeit von den wirklich Verantwortlichen ab.

Wir müssen diese Dinge einfordern

Lieber erold5858,

es geht darum, all diese Dinge die Sie nennen einzufordern. Und es geht hier auch nicht um Konsumenten-Bashing. Ich selbst zähle mich ja auch zu diesen Konsumenten.

Es gibt hier zwei Mechanismen: die Industrie, die die Preise drückt, aber eben auch wir Verbraucher, die preiswerte Lebensmittel verlangen.

Allerdings muss es eine Grenze geben. Nur weil unsere Lebensmittel, allen voran Fleisch, Eier und Milchprodukte zu billig sind, bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass sie teuer sein müssen.

Wir müssen uns nur grundsätzlich Gedanken machen, wie unsere Lebensmittelkette funktioniert. Die Agrarpolitik muss sich ändern, die derzeit die industrielle Landwirtschaft fördert, ohne ökologische Hintergedanken.

Und die Frage ist auch, ob wir so viel Fleisch und Eier essen müssen, wie wir es tun.