Dioxin-SkandalMaßlosigkeit vergiftet unsere Lebensmittel

Der Dioxin-Skandal offenbart die Gier nach Billignahrung. Nur ein Bewusstseinswandel kann die Qualität unseres Essens auf Dauer verbessern. von 

Woher kommt die Milch, das Fleisch, die Eier? Viele Verbraucher vor den Supermarkttheken sind durch Lebensmittelskandale verunsichert

Woher kommt die Milch, das Fleisch, die Eier? Viele Verbraucher vor den Supermarkttheken sind durch Lebensmittelskandale verunsichert  |  © testfight/photocase.com

Unsere Sucht nach billigen Schnitzeln, Eiern und Milchprodukten hat jegliches Maß verloren. Seit Tagen verunsichert einmal mehr ein Lebensmittelskandal die Verbraucher: Eier bleiben in Supermarktregalen liegen, viele fragen sich, ob Putenbrüste und Minutensteaks unter ihrer Cellophan-Verpackung noch genießbar sind.

Dabei wird niemand an dioxinverseuchten Produkten akut erkranken, niemand daran sterben . Die Krux liegt in diesem und vergangenen Skandalen viel tiefer und uns dämmert, dass etwas ganz Grundsätzliches verkehrt läuft. Wir sind zu rücksichtslosen Essern geworden, deren Motto lautet: lieber billig als Bio, Masse statt Qualität.

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Viele empören sich, sind entsetzt über Dinge, die wir nicht sehen, wenn wir im Discounter vor den Regalen stehen. Woher stammt das gemischte Hackfleisch, 500 Gramm für nicht mal zwei Euro, der Liter Milch für unter 60 Cent oder die Zehner-Packung Eier, Bodenhaltung, für 1,29 Euro? Unsere Lebensmittel sind heute nicht nur günstiger denn je, sondern vielen Menschen so wenig wert wie nie zuvor. Noch vor wenigen Jahrzehnten gaben die Deutschen gut die Hälfte ihrer Einkommen für Nahrung aus, heute sind es keine 12 Prozent mehr.

Die Industrialisierung der Nahrung hat ein Ausmaß angenommen, dass der Überblick fast unmöglich scheint. Dabei sind Lebensmittel aus der Industrieküche auch eine Errungenschaft – nie waren sie sicherer und hygienischer . Doch zu billiges Essen ist zum Problem geworden. Es vernichtet die nachhaltige Landwirtschaft, ob diese nun industriell arbeitet oder nicht. Was zählt ist der Ertrag und der Preis. Ein System, das sich zunehmend herunterwirtschaftet, weil der Verbraucher nach Spottpreisen schreit, ist der ideale Nährboden für Trickser, Betrüger und Manipulatoren.

Ein erster Schuldiger im derzeitigen Dioxin-Fall war schnell gefunden , ein einzelner Übeltäter heißt es, auch von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Obwohl die eigentliche Herkunft des Giftes noch immer nicht eindeutig geklärt ist, wurden rasch schärfere Kontrollen gefordert, populistisch mit harten Konsequenzen gedroht.

Doch die Verantwortlichen haben aus vergangenen Skandalen wenig gelernt. Mehr Kontrollen mögen das Problem entschärfen, lösen werden sie es nicht. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der Bauernhöfe in Deutschland fast halbiert. Der Preisdruck steigt, gespart wird, wo es geht. Landwirte sind gezwungen, immer mehr aus ihren Böden herauszuholen, Dünger und Pestizide verseuchen das Grundwasser mit Nitraten, zerstören Ackerland und Artenvielfalt. Hundertausende Hühner und Schweine werden zusammengepfercht, um unsere Fleischeslust zu befriedigen.

Wir wissen das, und wer es nicht weiß, ahnt es. Auch deswegen ist das Interesse an dem derzeitigen Dioxin-Skandal so groß. Es geht nicht nur um das Gift in unseren Lebensmitteln. Längst hat unser Konsumverhalten unsere Nahrung verseucht. Allerdings können wir etwas dafür tun, sie besser zu machen. Der Verbraucher muss fragen, woher seine Lebensmittel kommen. Er sollte nicht die Augen verschließen vor einer Industrie, die im Preiskampf alles Mögliche in unser Essen mischt – Erlaubtes und Unerlaubtes.

Im aktuellen Haushalt der Europäischen Union fließen fast 60 Milliarden Euro in die Landwirtschaft. Erst in zwei Jahren soll vermehrt auf ökologischeres Verhalten der Industrie hingearbeitet werden. Ein längst überfälliger Schritt, den die Politik nun beschleunigen sollte. Wenngleich auch Ökobauern nicht vor Lebensmittelskandalen gefeit sind. Auch Bio-Eier waren vergangenes Jahr durch zu hohe Dioxin-Werte aufgefallen.

Aus heutigen und vergangenen Skandalen lässt sich eines lernen: Wir brauchen ein ganz neues Bewusstsein , was wir der Umwelt, den Tieren und letztlich uns selbst antun. Trotz Bio-Siegeln und Öko-Märkten ist dem größten Teil der Landwirtschaft der Qualitätswettbewerb abhanden gekommen, weil die meisten Verbraucher nur noch auf den Preis schielen. Und das bei dem, was uns heilig sein sollte: Unserem täglich Brot.

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Leserkommentare
    • Merlyn
    • 11. Januar 2011 16:19 Uhr

    Was sollen ihrer Meinung nach denn die Menschen die zum Beispiel Hartz IV bekommen und sich gar keine teueren Lebensmittel leisten können essen?

    Haferschleim? Weizenkleie? Den Kit aus den Fenstern?

    Für viele Menschen sind günstige Lebensmittel wie sie in dem Artikel angeprangert werden die einzige Alternative ausreichend zu essen zu bekommen.

    Ich persönlich kann dem Artikel nichts abgewinnen, da er weder Fakten bringt, noch eine wirkliche Alternative.

    27 Leserempfehlungen
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    • PW
    • 11. Januar 2011 16:36 Uhr

    Man braucht kein Fleisch, um zu überleben. Auch Hartzer nicht.
    Bitte bemühen Sie sich um sachliche Formulierungen. Danke. Die Redaktion/wg

    Die Masse in Deutschland besteht aber nicht aus Hartz IV -Empfängern. Für die gibt es unter anderem die "Tafeln", in denen auch gute, regionale Lebensmittel zum kleinen Preis zu bekommen sind.

    Es lohnt sich übrigens mal länger den Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters im Auge zu behalten. Sehr interessant, wie viele teure Karossen dort vorfahren. Die sollen sich gute Essen nicht leisten können?
    Sorry - die wollen (noch) nicht. [...]

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Umgangston. Danke. Die Redaktion/lv

    • chamsi
    • 11. Januar 2011 16:46 Uhr

    sondern wirklich eine Frage von Phantasie beim Einkauf und
    Ideenreichtum beim Kochen.
    Da z.Zt. hier in der Zeit eine Serie von Artikeln über
    unsere Ernährung veröffentlicht wird, habe ich meine
    tägliche Zubereitung einmal auf den Aspekt "Kosten"
    hin überprüft.
    Deshalb ganz konkret: vorgestern Salat mit überbackenem Ziegenkäse (3,50 Euro), gestern Zucchinipfanne mit Chili, Zwiebeln,Rosmarinkartoffeln und Ei ( 3,95 Euro),
    heute Büffelmozarella mit Tomaten, Mais und Knoblauchtoast
    (4,50 Euro) alle Zutaten sind Bio.
    Wenn ich zweimal die Woche Fisch/Fleisch esse, dann wird es
    teurer. Bleibt aber immer unter 10 Euro.
    Je nach individueller, finanzieller Möglichkeit ist es
    möglich, "konventionelles" Essen teilweise oder ganz zu
    substituieren.
    Es wäre schön, wenn Ernährung und konkret auch "Kochen"
    in den Unterricht unserer Kinder einfliessen würden.
    Es wäre wichtig für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden
    durch Genuß und gemeinsames Kochen/Essen, und ist durch seine Bedeutung für Umwelt etc. auch darüberhinaus gesellschaftlich relevant.

    Ich finde es nicht korrekt wenn sie Hartz IV Empfänger vor den Karren spannen um billige Lebensmittel zu fordern. Auch wenn ich selbst nicht im Geld schwimme und auch schon den Pfennig in der Tasche umdrehen musste, stimme ich dem Autor doch zu das eine zu geringe Wertschätzung für die Leistung der Landwirtschaft herrscht.

    Zudem haben sich die Menschen vor 100 Jahren die körperlich sehr hart schuften mussten hauptsächlich von Haferschleim, Dinkelstopfer und änlichem Getreidemuß ernährt.

    Was ist daran also schlecht , mein Frühstücksmüsli besteht auch im wesentlichen daraus.

    Würde sich die FDP nicht gegen die Mindestlöhne sperren wäre bei vielen Menschen Hartz IV auch vom Tisch.

    Das eigentlich perverse ist doch das sich Produkte, die nicht BIO sind überhaupt "Lebensmittel" nennen dürfen!

    Das war ja klar, daß hier wieder die Hartz4 Empfänger strapaziert werden. Sie habens leider nicht begriffen.
    Zu Zeiten meiner Großmutter gab es am Sonntag Fleisch. Heute leben wir in so einem Überfluss, daß wir 3mal am Tag Fleisch fressen wollen.
    Also zur Antwort auf ihre Frage. Weizenkleie oder Haferschleim wär mal ein ganz guter Anfang. Wenn Sie Fensterkit essen wollen, dann sollten Sie doch eher auf Fertigprodukte zurückgreifen.

    1. Die breite Mehrheit der "Hauptsache billig"-Konsumenten ist weder Hartz 4 - Empfänger noch im Billiglohnsektor beschäftigt. Es handelt sich dabei um einen Verbrauchertypus, der in so gut wie allen Einkommensschichten zu finden ist.

    2. Die Mär, dass ohne diese Art der Billigstnahrung arme Menschen verhungern müssten, ist schlichtweg nicht wahr. Ich selbst habe während meines Studiums auch nicht mehr Geld zur Verfügung gehabt als ein Erwerbsloser - trotzdem war ich nicht auf unredliche Dumpingpreis-Kost angewiesen, sondern bezog meine Lebensmittel aus dem Bioladen, ohne dafür nennenswerte Abstriche bei der Lebensqualität hinnehmen zu müssen.

    • gorgo
    • 11. Januar 2011 18:53 Uhr

    Das ist doch Augenwischerei! Als wäre das Essverhalten all derer, die mehr besitzen, anders, wenn jeder Hartz IVler 200 Euro mehr bekäme und sich Bio im Überfluss leisten könnte.
    Natürlich gehört Hartz IV erhöht - trotzdem ernährt sich auch der Hartz IVler gesünder, wenn er giftfrei wenig oder gar kein Fleisch isst und sich damit Bio sehr wohl leisten kann, wenn auch nicht in Delikatessen schwelgen.
    Der berühmte Hartz IVler dient doch den meisten nur als Ausrede, um das eigene (!) Konsumverhalten nicht in Frage stellen zu müssen.
    Auch Bio ist heute tatsächlich billiger geworden. Für zwei bis drei Euro pro Person lassen sich jede Menge leckere und gesunde Gemüse-Getreidegericht kochen - bloß die meisten wissen gar nicht mehr, wie man preiswert kocht. Ein Mal die Woche Fleisch, Saisongemüse und -obst, dann bleibt man gesund. Was kaufen HartzIVler tatsächlich? Die billigen Varianten von dem, was andere auch kaufen, nehme ich an: Tiefkühlpizza, Süßigkeiten en Masse (zählt mal Regale...), Fertiggerichte und Brot mit viel, viel Matschwurst - und dazu Gummiäpfel, die keinen Geschmack mehr haben... Und lieber ein Bier weniger, aber dafür ein zwei Jährchen älter, fitter sowieso...

    • macey
    • 11. Januar 2011 18:59 Uhr

    Auch als Hartz-IV-Bezieher kann man sich gesund ernähren. Man muss nur, wie die Deutschen noch vor einigen Jahrzehnten, nur ein Mal pro Woche Fleisch essen, Fertignahrung und Fastfood meiden und selbst kochen!
    Selbst die Diskounter bieten jede Menge Biolebensmittel an. Bei Aldi gibt es sehr preisgünstig Bioeier, Biokartoffeln und Biomöhren. Mit einem guten Kochbuch und ein bisschen Phantasie kann man mit diesen wenigen Zutaten wunderbare preiswerte Gerichte zaubern.
    Du bist, was du isst. Wer giftige Lebensmittel isst, der ist vergiftet. Wer vergiftet ist, der wird krank. Es sind häufig Krankheiten, die zum Tode führen, nach langem Siechtum.

    Zitat "Ein System, das sich zunehmend herunterwirtschaftet, weil der Verbraucher nach Spottpreisen schreit"

    Der Verbraucher schreit nach garnichts. Diese Mär wird ständig benutzt wenn die Konzerne ihre Gewinnspannen erhöhen wollen. Der Verbraucher ist Schuld. Er hat, bei in der Masse sinkenden Einkommen, ja auch so viele Möglichkeiten auszuweichen oder die Herkunft zu kontrollieren. Die Industrie weicht ja auch überhaupt nicht ins Ausland aus um strengere Regeln im Inland zu unterlaufen.

    Zitat "Wir brauchen ein ganz neues Bewusstsein, was wir der Umwelt, den Tieren und letztlich uns selbst antun."

    Ich denke "wir" haben dieses Bewusstsein zum Großteil schon. Aber so lange Firmen betrügen können, die Politik wegsieht, Ökolabels zum Reinwaschen missbraucht werden und solche Labels (EU-Ökolabel) nur absolute Mindeststandards repräsentieren, fehlt das Vertrauen. Da liegt der Hase im Pfeffer. Dazu gehört es auch wenn man immer wieder erfährt, dass verbrecherische Unternehmen die EU-Bestimmungen durch auslagern ins Ausland unterlaufen und das als legitime Praxis gilt.

    Ist es nicht mittlerweile weitverbreitet, dass der Erfolg der Industrie fast immer vor der Moral steht?

    Diese Problematik wird mir hier von den Leserkommentarten zu einseitig betrachtet. Dieser Artikel ist gut gelungen, da er die Verantwortung des Einzelnen thematisiert und diese auch einfordert. Natürlich möchten das jene Verbraucher nicht hören, die sich noch nie für die Herkunft ihrer Lebensmittel interessiert haben und ihre Prioritäten woanders sehen. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass z.B. ein Harz 4 Empfänger weniger Möglichkeiten hat „ökologisch bewusst“ zu essen als jemand, der ein besseres Einkommen hat. Hier sind wir aber wieder bei der Prioritätenfrage angekommen. Es ist ja kein Geheimnis, dass der Fleischkonsum der Deutschen so hoch ist, dass es gesundheitlich bedenklich wird. Sollte man wieder zum Sonntagsbraten zurück finden, könnten sich alle Einkommensschichten Fleisch aus ökologischer Herkunft leisten. Hier muss zweifelsohne an die Vernunft und die Sensibilität der Verbraucher appelliert werden. Gleichwohl kann der Verbraucher es nicht leisten bei seinem täglichen Einkauf jede Verpackung umzudrehen, um die „schlechten“ Zutaten herauszukristallisieren. Während es noch nachvollziehbar erscheint tierische Produkte in Biomärkten zu kaufen, verliert der Endverbraucher die Nähe zu allen anderen Produkten und deren Herstellungsverfahren. Um hier den Preisdruck und somit den Qualitätsverlust einzudämmen braucht es zweifelsohne konkrete Handlungen der Politiker.

  1. 1."Geiz ist geil" wird von den Unternehmen benutzt, nicht vom Verbraucher.
    2. Viele Verbraucher können nicht anders als auf preiswerte Lebensmittel zurückzugreifen, weil sie wenig Netto in der Tasche haben.
    3. Preiswerte Lebensmittel sind nicht gleich schlecht. Das beweisen uns täglich Ökotest und Warentest.
    Hochpreisige Ware wird eher manipuliert, weil dadurch die Gewinnspanne größer wird.
    4. Auch in BIO-Eier fand sich in 2010 Dioxin.
    5. Erfahren wir jetzt durch diesen Skandal, daß Unmengen von Lebensmittel auch für das Ausland produziert werden. Dort sind die Lebensmittelpreise um ein Vielfaches höher (England, Korea). Trotzdem wird dieser Dreck untergemischt.

    20 Leserempfehlungen
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    Gehen wir die Liste der Argumente doch mal durch:

    "1."Geiz ist geil" wird von den Unternehmen benutzt, nicht vom Verbraucher."
    Falsch. Die Unternehmen bedienen lediglich einen Impuls, den die Verbraucher nur zu gern aufgreifen bzw. schon von sich aus bedienen. Die "Hauptsache Billig"-Fraktion zieht sich durch so gut wie alle Einkommensschichten - und das nicht (nur), weil die Werbung sie dahingehend manipuliert.

    "2. Viele Verbraucher können nicht anders als auf preiswerte Lebensmittel zurückzugreifen, weil sie wenig Netto in der Tasche haben."

    Falsch. Als einer der unmittelbar Betroffenen kann ich nur sagen, dass die Mär vom armen Schlucker, der ohne Billighack aus Gammelfleisch verhungern muss, schlichtweg unwahr ist. Mein Haushalt verfügt derzeit lediglich über Ressourcen auf Hartz 4- Niveau - und dennoch können wir uns Bionahrung und Frisches vom Wochenmarkt leisten.

    "3. Preiswerte Lebensmittel sind nicht gleich schlecht. Das beweisen uns täglich Ökotest und Warentest.
    Hochpreisige Ware wird eher manipuliert, weil dadurch die Gewinnspanne größer wird."

    Selbstredend. Ein hoher Preis deutet nicht automatisch auf höhere Qualität hin, ein niedriger nicht auf unredliche Praktiken. Aber bei Mischhack für unter 2 Euro hört es dann doch eindeutig auf. Zu diesen Konditionen kann man schlichtweg keine nachhaltige Viehzucht betreiben und dabei noch Gewinn machen.

  2. vergessen sie nicht: wenn jemand gerade so um die runden kommt mit seinen 900-1200,- euro netto im monat, ja stellen sie sich vor, dann holt er sich das hackfleisch 500g für 1,99 und nicht das bio-putenfilet 1kg zu 24,50 euro.

    das problem liegt tiefer als sie denken. stellen sie sich vor, es gibt eine menge leute die kratzen gerade so jeden monat ihre letzten cents zusammen um über die runden zu kommen. ist es verwunderlich dass diesen menschen, und es werden immer mehr, ihr ideologisches bio-gerede - selbst wenn sie es wollten - nie und nimmer in die tat umsetzen können?

    viel zu vielen ist scheinbar die reale (finazielle) situation in den meisten haushalten deutschlands nicht ansatzweise bekannt.

    Anm: Bitte achten Sie auf einen sachlichen Umgangston. Die Redaktion/lv

    18 Leserempfehlungen
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    Ihre Anmerkung zu dem Leserbeitrag von @ Vinzensheim ist meiner
    Betrachtung nach nicht gerechtfertigt .
    Die Argumente des Lesers beschreiben die Wirklichkeit vieler
    Bürger , die als Geringverdiener , Kleinrentner
    oder H-IV- Empfänger diesem Land ihren Alltag zu bewältigen haben .
    Bei aller Sachlichkeit scheint ihnen , entgangen zu sein ,
    das unter Lebensmittel- Discountern seit Jahren ein Preiskampf zu Lasten von Klein und mittelständischen Zulieferungs- Betrieben
    ausgefochten wird . Das Sie den Futtermittelerzeugerskandal für sich zur Leserschelte verwenden ,ist weder originell , noch faktisch gerechtfertigt , wenn Sie das Ursache- Wirkungprinzip der Billigangebote Ihren Lesern näherbringen wollten . Es ist richtig , Deutschland ist innerhalb der EU
    im Verzehr billiger Agrar oder Fleischprodukte kaum zu überbieten .
    Wahr ist aber auch , das Niedriglöhne und Preisdrückerei innerhalb des fleischverarbeitenden Gewerbe oder sonstiger Sparten der
    Lebensmittelbranche als branchenüblich erkannt werden . Die steuerliche Begünstigung sich ansiedelnder Mastbetriebe , als auch
    der Billigimport von Verbrauchererzeugnissen aus Osteuropa
    tragen ebenso dazu bei , das den Kunden im Supermarkt Billigwaren
    angeboten werden können .
    Den Dioxinskandal der Futtermittelbranche kann und sollte nicht
    am Endverbraucher abgearbeitet werden .

  3. ...Herr Stockrahm.

    "Der Verbraucher muss fragen, woher seine Lebensmittel kommen."

    Viel Spaß dabei. Ich sehe sie schon im nächsten Supermarkt die Leiharbeits-Regaleinräumerin bequatschen...

    "Er sollte nicht die Augen verschließen vor einer Industrie, die im Preiskampf alles Möglich in unser Essen mischt – Erlaubtes und Unerlaubtes."

    Tun das die Verbraucher? Ist es nicht vielmehr so, dass Industrie und Politik alles Mögliche in Bewegung setzen, um die ganzen Zusatzstoffe möglichst intransparent zu halten und die Grenzwerte hoch? Ist denn nicht der Markt und die Konkurrenz das alleinig seeligmachende? Wurde nicht kürzlich noch der verstorbene Albrecht in der ZEIT wegen seines BILLIG-Marktes gehuldigt?

    Lieber Herr Stockrahm, natürlich können die Verbraucher etwas tun, aber sie haben weder die finanziellen Mittel, noch die Transparenz um hier grundsätzliches zu bewirken. Davon abgesehen sind die meisten schlicht überfordert, auch zeitlich, ich muss nachher auch noch einkaufen gehen und mein Zettel ist lang. Keine Zeit für den vormittäglichen Wochenmarkt und sowohl Fleischer wie Reformhaus schliessen früh...

    Sie sollten nicht in das Konsumenten-Bashing einfallen, es ist schändlich und lenkt die Aufmerksamkeit von den wirklich Verantwortlichen ab.

    18 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Lieber erold5858,

    es geht darum, all diese Dinge die Sie nennen einzufordern. Und es geht hier auch nicht um Konsumenten-Bashing. Ich selbst zähle mich ja auch zu diesen Konsumenten.

    Es gibt hier zwei Mechanismen: die Industrie, die die Preise drückt, aber eben auch wir Verbraucher, die preiswerte Lebensmittel verlangen.

    Allerdings muss es eine Grenze geben. Nur weil unsere Lebensmittel, allen voran Fleisch, Eier und Milchprodukte zu billig sind, bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass sie teuer sein müssen.

    Wir müssen uns nur grundsätzlich Gedanken machen, wie unsere Lebensmittelkette funktioniert. Die Agrarpolitik muss sich ändern, die derzeit die industrielle Landwirtschaft fördert, ohne ökologische Hintergedanken.

    Und die Frage ist auch, ob wir so viel Fleisch und Eier essen müssen, wie wir es tun.

  4. Hartz IV orientiert sich am Existenzminimum. Steigen die Lebensmittelpreise, muss auch der Hartz-IV-Satz steigen.

    5 Leserempfehlungen
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    ...Herr Stockrahm hat aber nicht wertvollere Lebensmittel gefordert (die bekäme man bei entsprechenden Vorschriften und Aufsicht automatisch), sondern ein Umdenken des Konsumenten. Wenn der kein Geld hat, kann er das aber nicht. Ein Henne-Ei-Problem.

    Einem Herr Stockrahm kann ich das entschuldigen, er ist noch jung. Ich erlebe diese pseudo-moralische, absolut weltfremde und nichts bewirkende Aufpuschung in den Medien schon seit Jahren. Mal sind die Verbraucher schuld an den Zuständen in anderen Ländern, mal daran, dass der Binnemarkt krankt, mal an der industriellen Landwirtschaft, dem Klimawandel oder dem verschwinden von Tante-Emma-Läden.

    Wenn wir eine Demokratie hätten (die den Namen verdient), würde ich dem vielleicht sogar zustimmen, aber so ist das einfach nur verlogen. Die Politiker lassen sich schmieren und wir zahlen die Zeche...

  5. ... den Regierungsmitgliedern in Berlin um die Ohren, die sich in den Hartz IV-Verhandlungen gerade auch damit beschäftigen, wie wenig (Über)Lebensmittel in D kosten dürfen!

    Staatlicherseits wird verordnet und von vielen steuerzahlenden Bürgern genauesten nachgerechnet und verargumentiert, dass Nahrung im Idealfall einen gegen Null gehenden Geldwert zu haben hat.

    Und dann wundern wir uns, dass es nicht möglich ist, für ein Nichts an Ressourcen eine nennenswerte Qualität zu produzieren?

    Kai Hamann

    18 Leserempfehlungen
  6. Erwarten Sie aber nicht, daß die Hartz IV Empfänger und Aufstocker, Zeitarbeiter und sonstige Niedriglohnsektoropfer gleich den Biomärkten anstürmen werden. Sie gehen ja alle aus guten Grund bei den Discountern einkaufen. Ihnen bleibt nur der Dioxin-Ei übrig, denn sie haben keine Wahl. Es ist hier im Lande schon länger einiges verkehrt, aber keiner will es so wirklich wahrgenommen haben.

    10 Leserempfehlungen
    • PW
    • 11. Januar 2011 16:36 Uhr

    Man braucht kein Fleisch, um zu überleben. Auch Hartzer nicht.
    Bitte bemühen Sie sich um sachliche Formulierungen. Danke. Die Redaktion/wg

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wunderbarer Artikel"
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    Da fragt man sich doch, woher der Gemüsestand ("Gemüse aus der Region") im Winter Tomaten her hat.
    Helfen wird hier nur Transparenz und strenge Gesetze. Erst wenn der Kunde wirklich weiß was er da kauft, kann man ihn dafür verantwortlich machen!

    Irgendwie muss man dem Ganzen ja eine nahrhafte Seite abgewinnen, oder?

    =;)
    Kai Hamann

    sondern um Lebensmittel im Allgemeinen.
    Auch die pflanzlichen Lebensmittel werden durch die Maßlosigkeit der Hersteller mit Giften verseucht oder es werden Urwälder platt gemacht und die Lebensgrundlage der dort lebenden Tiere vernichtet.

    das ist anmassend und menschenverachtend! wer gibt ihnen das recht anderen vorzuschreiben wie sie leben sollen? auch der begriff hartzer ist schon zynisch und menschenverachtend genug. [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass der Originalkommentar, auf den Sie sich beziehen, inzwischen moderiert wurde. Bitte achten Sie ihrerseits auf sachliche Vergleiche. Danke. Die Redaktion/wg

    • TDU
    • 12. Januar 2011 10:05 Uhr

    Ob amn ohen Fleisch genauso gesund wird wie mit, ist noch ncit erweisen. Die Amerikaner galten zur Zeit der frei verfügbaren Rinderherden als besternährtes Volk der Welt. (Inidanerproblem mal ausser acht gelassen)

    Und ich denke auch Sie sind mit Fleisch groß geworden. Wollen Sie als experimentieren, machen Sie es mit ihren eigenen Kindern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ilse Aigner | Artenvielfalt | Bodenhaltung | Discounter | Essen | Euro
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