Überfischung der Meere Weltfischereibericht gibt Anlass zur Sorge

Ein Drittel aller Fischgründe sind überfischt, meldet die Welternährungsbehörde FAO. Die Nachfrage nach Speisefischen nimmt zu. Umweltschützer fordern ein Umdenken.

Speisefische an einem Stand auf der Grünen Woche in Berlin

Speisefische an einem Stand auf der Grünen Woche in Berlin

Die Zahlen, die die Welternährungsbehörde FAO der Vereinten Nationen am Montag in Rom präsentierte, sind alarmierend. Nach ihrem neuesten Weltfischereibericht waren im Jahr 2008 etwa 32 Prozent der Fischgründe auf der Erde überfischt. Nur 15 Prozent der Fischbestände waren stabil oder noch fast unberührt. Im Durchschnitt haben sich die Bestände nicht erholt. Die Situation ist gleichbleibend schlecht für viele bedrohte Arten im Meer. Richard Graininger, Mitautor des Berichts, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Die Überfischung müsse dringend zurückgehen, forderte der FAO-Fischereiexperte.

Der weltweite Pro-Kopf-Fischkonsum ist auf Rekordniveau gestiegen: Im Durchschnitt hat 2009 jeder Erwachsene 17,2 Kilogramm Fisch gegessen. Vor allem in China steigt die Nachfrage nach Fisch, der im Vergleich mit Fleisch als besonders gesundes Nahrungsmittel gilt. China ist mit 14,8 Millionen Tonnen pro Jahr (2008) der größte Fischproduzent und betreibt die weltweit größten Fischzuchten, gefolgt von Peru, Indonesien und den USA.

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Die am häufigsten gefischten Arten sind Sardellen, Alaska-Dorsch, Atlantischer Hering und Skipjack-Tunfisch. "Der Raubbau in den Ozeanen setzt sich ungebremst fort – und gleichzeitig verlieren wir das Reservepotenzial", sagt Karoline Schacht, Fischereiexpertin der Umweltstiftung WWF in Deutschland. "Die Fischereiindustrie setzt mit dieser Entwicklung die Ernährungssicherheit der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie die Gesundheit der Meere aufs Spiel."

Infografik: Überfischung
Fische in Not: Den Beständen in der Nordsee und im Nordostatlantik geht es schlecht

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Fischerei und Fischzucht sind die Existenzgrundlage für rund 540 Millionen Menschen, das sind acht Prozent der Weltbevölkerung. Im Jahr 2009 wurden weltweit 145 Millionen Tonnen Fisch produziert – ein neuer Rekord. 2007 waren es noch 140 Millionen. Vor allem der Anteil von Fisch aus Aquafarmen wächst. Lange Zeit galt die Fischzucht als umweltfreundliche Alternative zum Wildfang. Inzwischen zeigt sich allerdings vielerorts, dass Fischfarmen die Umwelt belasten und den Meeresbewohnern in freier Wildbahn schaden können.

Ein großes Problem bleibt die illegale Fischerei. Im Weltfischereibericht fordern Wissenschaftler mehr Transparenz. So könnte eine offizielle Registrierung jedes Fischkutters unabhängig von der Flagge, unter der er fährt, die Kontrolle der Fischer vereinfachen.

Beim Artenschutz haben Fische noch immer das Nachsehen. Stark bedroht ist vor allem der Rote Tunfisch, der unter anderem zu Sushi verarbeitet wird und bei Verbrauchern immer beliebter wird. Auch 30 Haiarten gelten als akut gefährdet. In Asien werden sie wegen ihrer Flossen gejagt, die dort als Delikatesse gelten. Häufig werden den Tieren die Flossen bei lebendigem Leib abgeschnitten. Zurück ins Meer geworfen verenden die Haie qualvoll, und das restliche Haifleisch wird nicht genutzt. Nach einem Bericht der Umweltorganisationen Traffic und Pew fallen jährlich 73 Millionen Haie dieser Jagd zum Opfer. Die 20 Länder mit den höchsten Fangmengen, angeführt von Indonesien, Indien, Spanien und Taiwan, fischen demnach 640.000 Tonnen Hai pro Jahr aus den Meeren. Ein Versuch, den Schutz bedrohter Haie auszuweiten, scheiterte im März auf der Artenschutzkonferenz in Doha.

Der WWF fordert, endlich den Zustand der Fischbestände zu verbessern statt vorwiegend auf den Ausbau gewinnträchtiger, aber teilweise umweltgefährdender Aquakulturen zu setzen. Hier sehen die Umweltschützer die Europäische Union in der Verantwortung: Sie ist der weltweit größte Importmarkt für Fisch und Fischprodukte mit einem Wert von 32 Milliarden Euro im Jahr 2008. Zudem weist die EU einen überdurchschnittlich hohen Anteil überfischter Bestände in den eigenen Gewässern auf.

Der FAO-Bericht bestätigt, dass Verbraucher neben einer hohen Qualität des angebotenen Fischs zunehmend auch Garantien für dessen nachhaltige Produktion fordern. Verbrauchern in Deutschland empfiehlt der WWF in seinem Einkaufsratgeber Fisch und Meeresfrüchte, beim Einkauf auf Fische aus gefährdeten Beständen zu verzichten, darunter Tunfisch, Nordseekabeljau und Rotbarsch. Alaska-Seelachs oder Zuchtfische mit Biosiegel gelten hingegen als empfehlenswert.

 
Leser-Kommentare
    • redon
    • 31.01.2011 um 17:15 Uhr

    Der FAO-Bericht hat über 200 Seiten. Warum werten Sie diese seriöse Quelle nicht etwas umfangreicher aus? Warum bieten sie stattdessen Umweltorganisationen soviel Platz im Artikel? Irgendwie habe ich bei der ZEIT häufig das Gefühl, es würde eine politische Agenda vorangetrieben, auch wenn "Wissenschaftsredaktion" drauf steht.

    Laut der FAO ist die illegale, nicht dokumentierte und unregulierte Fischerei (IUU) eine wichtige Ursache der Überfischung (und nicht "die Fischereiindustrie", was auch immer das sein soll). Hier hätte man mehr schreiben können. Was sind die Ansätze zur Bekämpfung der IUU? Wo sind die Erfolge, wo sind die Probleme?

    Auch hinter dem Aquakultur-bashing steckt eine politische Agenda. Aquakulturen stehen in Konkurrenz zu anderen Nutzungsmöglichkeiten von Küstengewässern und Flussufern. Aber sie bieten eben auch ein erhebliches Potenzial für Einkommensverbesserung und Welternährung. Zur Biosicherheit von Aquakulturen schreibt die FAO in ihrem Bericht auch einiges. Stattdessen lese ich nur die Empfehlung des WWF, auf Aquakulturen zu verzichten.

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    Sie wollen mir doch nicht weiß machen, dass Die Fischereiindustrie nicht an der Überfischung schuld ist. Auch die FAO Möchte dies uns nicht glauben machen. Der Illegale Fischfang ist sicherlich ein Problem da die Fischfangquoten ohnehin schon viel zu hoch sind.

    Aquakulturen sind auch nicht unbedenklich, vor allem nicht, wenn diese in der freien Natur angelegt sind. Durch die hohe Fischdichte in den Kulturen müssen Antibiotika eingesetzt werden die dem Ökosystem in der Umgebung schaden.

    Schöne Grüße

    Redaktion

    Lieber Leser,

    Sie können sicher sein: Auf ZEIT ONLINE wird keine politische Agenda verfolgt. Mir liegt der 200-Seiten-Bericht vor und ich habe versucht, das wichtigste in der dafür vorhandenen Zeit zusammenzufassen. Dabei schien es mir fair, auch die Positionen von Umweltschützern zu nennen.

    Es handelt sich hierbei um eine Meldung. Sicherlich könnte man auch einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema schreiben - einige solcher Beiträge aus jüngster Zeit sind entsprechend verlinkt.

    Wir sind stets um eine sachliche aus ausgewogene Berichterstattung bemüht.

    Beste Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    Sie wollen mir doch nicht weiß machen, dass Die Fischereiindustrie nicht an der Überfischung schuld ist. Auch die FAO Möchte dies uns nicht glauben machen. Der Illegale Fischfang ist sicherlich ein Problem da die Fischfangquoten ohnehin schon viel zu hoch sind.

    Aquakulturen sind auch nicht unbedenklich, vor allem nicht, wenn diese in der freien Natur angelegt sind. Durch die hohe Fischdichte in den Kulturen müssen Antibiotika eingesetzt werden die dem Ökosystem in der Umgebung schaden.

    Schöne Grüße

    Redaktion

    Lieber Leser,

    Sie können sicher sein: Auf ZEIT ONLINE wird keine politische Agenda verfolgt. Mir liegt der 200-Seiten-Bericht vor und ich habe versucht, das wichtigste in der dafür vorhandenen Zeit zusammenzufassen. Dabei schien es mir fair, auch die Positionen von Umweltschützern zu nennen.

    Es handelt sich hierbei um eine Meldung. Sicherlich könnte man auch einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema schreiben - einige solcher Beiträge aus jüngster Zeit sind entsprechend verlinkt.

    Wir sind stets um eine sachliche aus ausgewogene Berichterstattung bemüht.

    Beste Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

  1. Sie wollen mir doch nicht weiß machen, dass Die Fischereiindustrie nicht an der Überfischung schuld ist. Auch die FAO Möchte dies uns nicht glauben machen. Der Illegale Fischfang ist sicherlich ein Problem da die Fischfangquoten ohnehin schon viel zu hoch sind.

    Aquakulturen sind auch nicht unbedenklich, vor allem nicht, wenn diese in der freien Natur angelegt sind. Durch die hohe Fischdichte in den Kulturen müssen Antibiotika eingesetzt werden die dem Ökosystem in der Umgebung schaden.

    Schöne Grüße

  2. seit durch die piraterie vor somaliland und puntland sich keine west/östlichen raubfischer mehr in die region trauen, haben sich in den letzten jahren die fischbestände entscheidend erhohlt,also nur mal so zum nachdenken

  3. sich auch verschreiben, der sinn ist aber nicht entstellt, mit oder ohne h zuviel oder zuwenig

    Antwort auf
  4. ob die vielen Tonnen Fisch, welche im überversorgten Westen aus den Supermarktregalen in den Müll wandern, weil sie nicht rechtzeitig konsumiert werden, statistisch in den Pro Kopf Verbrauch einfließen ?

    • asx
    • 01.02.2011 um 3:45 Uhr

    "Häufig werden den Tieren die Flossen bei lebendigem Leib abgeschnitten. Zurück ins Meer geworfen verenden die Haie qualvoll, und das restliche Haifleisch wird nicht genutzt."

    Klar, spart Platz für noch mehr Haifischflossen. Die sind mehr Wert als der ganze Rest vom Vieh, sind ja nur paar hundert Kilo.
    Das ist doch die hochgepriesene "traditionelle chinesische Medizin". Nashornhörner, Haiflossen und Tigerpenise fördern die Potenz (liebe Redaktion: erst wiki, dann löschen). Wenn ich sowas lese wünschte ich mir, Mao hätte die "traditionelle chinesische Kultur" da drüben noch etwas gründlicher plattgemacht. Da bin ausnahmsweise auf einer Wellenlänge mit Greenpeace.

    Wer Haie und Thunfische mal life vor sich hatte wird zu dem Schluss kommen, dass man sowas nicht frisst! Bewundernswerte Geschöpfe, die vor die Linse und nicht ins Sushi irgendeines Ökos/Japaners gehören.

    Aber irgendwie finde ich es lustig. Hier wird allenthalben über "Tierrechte" etc. gestritten. Da wird eine Grundsatzdebatte über die Rechte von Batteriehühnern, Mastsäuen und Milchkühen geführt. Und danach gehen wir alle schön Sushi essen, weil Thunfische gibts ja nicht mehr lange.

    Die Fleischindustrie sollte mal bei der Fischindustrie eine Schulung "erfolgreiches Lobbying" machen...

    • Gafra
    • 01.02.2011 um 8:42 Uhr

    http://albert-schweitzer-...
    http://albert-schweitzer-...
    Inzwischen weiß man, dass die Fische nicht aus Freude springen, wenn sie so an Land gezogen werden, sondern fürchterliche und oft stundenlange Qualen erleiden. Aber sie können ja nicht schreien, deshalb meint man wohl, sie fühlten keine Schmerzen.
    Auch der Angel"sport" hat da ein paar sehr dunkle Seiten.

  5. Redaktion

    Lieber Leser,

    Sie können sicher sein: Auf ZEIT ONLINE wird keine politische Agenda verfolgt. Mir liegt der 200-Seiten-Bericht vor und ich habe versucht, das wichtigste in der dafür vorhandenen Zeit zusammenzufassen. Dabei schien es mir fair, auch die Positionen von Umweltschützern zu nennen.

    Es handelt sich hierbei um eine Meldung. Sicherlich könnte man auch einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema schreiben - einige solcher Beiträge aus jüngster Zeit sind entsprechend verlinkt.

    Wir sind stets um eine sachliche aus ausgewogene Berichterstattung bemüht.

    Beste Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

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    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten auf polemische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/se

    ABER wie immer alles eine einzige Umweltkatastrope, nicht wahr???

    Kein Fisch ist vom Aussterben bedroht, lediglich ein Produktionsrückgang droht, aber das muss man ja nicht so überdeutlich schreiben, nicht wahr?

    Ca. die Hälfte der Fische und Meeresfrüchte sind aus Fischzucht, die man gar nicht überfischen kann, 99% der Welternährung sowieso unabhängig davon, wo braucht es da ein "Umdenken"???

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten auf polemische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/se

    ABER wie immer alles eine einzige Umweltkatastrope, nicht wahr???

    Kein Fisch ist vom Aussterben bedroht, lediglich ein Produktionsrückgang droht, aber das muss man ja nicht so überdeutlich schreiben, nicht wahr?

    Ca. die Hälfte der Fische und Meeresfrüchte sind aus Fischzucht, die man gar nicht überfischen kann, 99% der Welternährung sowieso unabhängig davon, wo braucht es da ein "Umdenken"???

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