Wirbelsturm "Yasi"Australien im Visier der Zyklone

Wirbelsturm "Yasi" wütete in Down Under wie Hurrikan "Katrina" 2005 in New Orleans. Doch die Australier waren vorbereitet. Nun warten sie auf den nächsten Zyklon. von 

Zyklon "Yasi" wirbelt über der Nordostküste Australiens

Zyklon "Yasi" wirbelt über der Nordostküste Australiens  |  © Nasa

Das Monster aus Wasserdampf, Regen und Luftströmen war gigantisch: Mit einer Spannbreite von 650 Kilometern ist der Zyklon Yasi über den Nordosten Australiens gefegt. Zusammen mit seinen Ausläufern hätte er mehrere Länder in Mitteleuropa unter sich bedecken können. Die Ministerpräsidentin des Bundesstaates Queensland hatte ihre Bürger auf schlimmste Verwüstungen eingeschworen. Der Jahrhundertsturm werde "Zerstörung und Leid" in bisher nie dagewesenem Ausmaß mit sich bringen, hatte Anna Bligh gewarnt, ehe Yasi auf die Küste schlug.

Mit unglaublicher Wucht donnerte der Zyklon über das nördliche Queensland. Über der australischen Coral Sea zog er mit Windspitzengeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde an Land. Die Schäden sind zwar beträchtlich, doch die verwüsteten Ortschaften und zerstörten Gegenden sind noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Bislang sei nur ein Mensch gestorben, nur sehr wenige würden vermisst. Die Regierung entsandte 4000 Soldaten in das Krisengebiet.

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Yasi war ähnlich gewaltig wie Hurrikan Katrina , der 2005 die Stadt New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana überflutete. Sieben bis acht Meter hohe Wellen schlugen 2005 an Küstenabschnitten in den US-Bundesstaaten Florida und Mississippi auf. Im nördlichen Queensland hat allein das zeitgleiche Eintreffen der Ebbe am betroffenen Küstenstreifen schweren Überflutungen entgegengewirkt. Die Höhe der Wellen an der Küste hatte hingegen ähnliche Ausmaße wie damals bei Katrina . Vor der Küste Australiens berichtet der Klimaforscher David Jones vom National Climate Centre (NCC) von "bis zu 18 Meter hohen Wellen" im Bereich des Great Barrier Reef. Die Wassermassen hätten das berühmte Korallenriff in der Sturmnacht "zweifellos beschädigt". "Diese enormen Wellen waren die höchsten, die wir jemals in Queensland gemessen haben", sagt Jones. Im Vergleich der mitgeführten Regenmengen übertraf Yasi Hurrikan Katrina sogar um ein Vielfaches. Während der Wirbelsturm im Süden der USA wütete, fielen bis zu 380 Liter auf den Quadratmeter. Yasi habe dem betroffenen australischen Küstenstreifen dagegen "bis zu 1000 Liter pro Quadratmeter" beschert, berichtet Jones.

Orkane und Wirbelstürme

Als Orkan bezeichnet man einen schweren Sturm ab Stärke 12 auf der Beaufort-Skala. Sie erreichen Windgeschwindigkeiten von mindestens 64 Knoten. Das sind knapp 120 Kilometer pro Stunde.

Hurrikans, Taifune und Zyklone sind tropische Wirbelstürme, deren herausragendes Merkmal ist, dass sie ihre Energie aus dem tropisch warmen Meer beziehen. Bei Wassertemperaturen der oberen 50 Meter von mehr als 26,5 Grad Celsius verdunstet langsam viel Feuchtigkeit, die beim Aufstieg in der Atmosphäre wieder kondensiert und ihre Wärmeenergie schnell an die Luftmassen abgibt – und den Sturm antreibt.

Hurrikan und Taifun

Im Atlantik, Nord- und Südpazifik werden tropische Wirbelstürme als Hurrikane bezeichnet, im asiatischen Raum heißen sie Taifune.

Hurrikans und Taifune sind großräumige Gebilde, deren imposante Wolkenwirbel vielfach einen Durchmesser von 200 Kilometern erreichen und von der Erddrehung in Rotation versetzt werden.

Verliert ein Hurrikan oder Taifun den Kontakt zum Meer – "geht also an Land" – verliert er seinen Energienachschub und schwächt sich ab.

Ein tropischer Sturm wird definitionsgemäß erst dann zum Hurrikan oder Taifun, wenn er Windstärke 12 oder mehr (118 km/h) erreicht.
 

Zyklon

Zyklon ist die Bezeichnung für tropische Wirbelstürme im Golf von Bengalen und im indischen Ozean. Derartige Stürme können mehrere Meter hohe Wellen aufwirbeln, die schließlich im Bereich von Bangladesch, Myanmar oder Indien auf Land treffen. Damit führen die Zyklone zu großen Verwüstungen, weil sie meist in besonders flachen Regionen aufs Land treffen. Das kann zu Überschwemmungen bis im Landesinneren führen, da die flachen Übergänge vom Flussdelta ins Meer kaum Schutz für die Menschen und die Gebäude bieten.

Tornados

Tornados sind dagegen viel kleiner und zeichnen sich durch ihre Spiralform aus. Sie entstehen über dem Festland – vor allem in den USA – wenn unter einer Gewitterwolke Warmluft aufsteigt und sich der Wind dann zu einem Strudel formt. Unterhalb der Wolke wird das als Schlauch sichtbar.

Tornados können Geschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometer pro Stunde erreichen. Der Sog des Tornados fegt alles in die Luft, was der Windspirale in die Quere kommt.

Doch im Gegensatz zu den Amerikanern waren die Australier vorbereitet und hatten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Dass Yasi nach bisherigen Ermittlungen der Behörden wesentlich geringere Sachschäden als Katrina (Gesamtschaden: rund 91 Milliarden US-Dollar) verursachte, hat unterschiedliche Gründe. Einige in den USA betroffene Gebiete liegen unterhalb des Meeresspiegels. Zudem sind die Regionen dichter besiedelt als das nördliche Queensland. Das ist für die weitere Zugbahn von Yasi relevant, denn inzwischen regnet der tropische Wirbelsturm über vergleichsweise unbewohntem Gebiet. Die Gesamtfläche der USA entspricht in etwa der des australischen Festlands, doch haben die USA eine 15 mal größere Bevölkerung. Yasi traf einen relativ dünn besiedelten Küstenstreifen, das Auge des Zyklons verfehlte die beiden großen Städte Townsville (180.000 Einwohner) und Cairns (130.000) knapp.

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Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Fotostrecke zu öffnen  |  © Reuters

Um wie viel schlimmer es für Queensland hätte kommen können, zeigt ein anderer Vergleich, der mit dem Zyklon Tracy im australischen Northern Territory vor 37 Jahren. Tracy wies mit 50 Kilometern zwar nur ein Dreizehntel der Spannbreite von Yasi auf, seine Windspitzengeschwindigkeiten waren mit 217 Kilometern pro Stunde zudem deutlich geringer. Seine Sturmfluten erreichten maximal vier Meter über dem Normalpegel. Doch Tracy zog direkt über das Stadtgebiet von Darwin und riss an Weihnachten 1974 71 Menschen in den Tod. Zudem verwüstete der Zyklon 90 Prozent aller Gebäude Darwins.

Leserkommentare
    • elvis99
    • 04. Februar 2011 16:53 Uhr

    dazu übergehen, Häuser aus Ziegeln und Beton zu errichten statt aus Pappmaché, wäre die Verwüstungskraft solcher Wetterereignisse weniger dramatisch - für die Volkswirtschaft im Allgemeinen und für die Betroffenen im Einzelnen. Aber solange man nicht aus seinen Fehlern lernt ..

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    • siljan
    • 04. Februar 2011 17:12 Uhr

    Ein Steinhaus im tropischen Klima. Können Sie gerne bauen und dürfen auch gerne drin wohnen. Ohne Klimaanlage nicht zu empfehlen. Und das Dach, wenn nicht ebnso bunkerfest gebaut fliegt Ihnen trotzdem weg.

    Was natülcich nicht heißen soll, daß man in solchen Gegenden nicht solide bauen sollte. Kann man aber auch mit Holz. kostet halt nur mehr. und das ist das Problem. Mann kann oder will es sich nicht leisten. Jedenfalls solagen nicht zwei Stürme solchen Kalibers pro Jahr in Zukunft vorbeischauen. Ist wie bei Erdbeben. Wenn so was alle 50 Jahre passiert habene s die Leut spätestens nach 5 jahren vergessen und bauen wieder billig und schnell.

    • siljan
    • 04. Februar 2011 17:12 Uhr

    Ein Steinhaus im tropischen Klima. Können Sie gerne bauen und dürfen auch gerne drin wohnen. Ohne Klimaanlage nicht zu empfehlen. Und das Dach, wenn nicht ebnso bunkerfest gebaut fliegt Ihnen trotzdem weg.

    Was natülcich nicht heißen soll, daß man in solchen Gegenden nicht solide bauen sollte. Kann man aber auch mit Holz. kostet halt nur mehr. und das ist das Problem. Mann kann oder will es sich nicht leisten. Jedenfalls solagen nicht zwei Stürme solchen Kalibers pro Jahr in Zukunft vorbeischauen. Ist wie bei Erdbeben. Wenn so was alle 50 Jahre passiert habene s die Leut spätestens nach 5 jahren vergessen und bauen wieder billig und schnell.

    • elvis99
    • 04. Februar 2011 19:55 Uhr

    ist weder der Süden der USA noch Australien im Allgemeinen so arm, dass man ihnen keine Klimaanlage zumuten kann. Und ein Dach zu ersetzen ist einfacher und günstiger, als jedes Mal sein Haus komplett neu bauen und einrichten zu müssen.

    Und soweit ich mich erinnere, ist gerade im Süden der USA ein Hurrikan nichts besonderes mehr, und es passiert sowas weit öfter als zwei Mal im Jahr.

    • carol
    • 04. Februar 2011 22:42 Uhr

    für alle vögel die den ganzen winter rumgejammert haben, dass es zu kalt sei:

    DAS IST NORMAL!

    • siljan
    • 05. Februar 2011 18:20 Uhr

    Klimaanlagen fressen Strom. Und das wo wir wegen CO2 alle schön sparen sollten um eben solche Strüme nicht weiter zu befeuern. Irgendwie widersinnig.

    Und wenn ihnene "nur" das Dach wegfliegt dürften SIe auch bei einem Steinhaus einen fast kompletten Ausfall haben oder denken Sie bei den REgenfällen und den dadurch verursachten Schäden können Sie einfach wieder ein DAch aufsetzen? Das müsste vorher erstmal entkernt werden. Neu verputzt. NEue Böden, etc. KÖnnen Sie im Grunde abreissen und neu bauen.

    FÜr Amerika haben sie Recht für Australien hingegen sind solche Stürme eher bisher die Ausnahme und der Grund warum nicht solide gebaut wird

    Sorry Das ich hier den Advocatus Diaboli spiele. In beiden Fällen würde ich eine solide Holzbauweise bevorzugen. Luftig aber standfest. Das muß kein Widerspruch sein. ISt den Klimazonen aber angemessener. Und kann so standfest wie ein Steinhaus sein.

    Billig würde aber auch das nicht. Und bedenken SIe auch wenn Australien zur westlichen Welt gehört dürfte bei den akutellen Zahlen der durchschnittliche Australier allenfalls zwo drittel des deutschen Durchschnittsverdienstes haben bei ansonsten vergleichbaren Lebenskosten.

    Nur so als Einwände.

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    • evu
    • 06. Februar 2011 6:19 Uhr

    aus stein gebaut war und es war nur noch die haelfte davon uebrig. hier in australien haben ueber 95 % der leute eine klimaanlage, meist ein sogenanntes split system (ueber der eingangstuer) das sowohl kuehlen als auch heizen kann.

    • evu
    • 06. Februar 2011 6:19 Uhr

    aus stein gebaut war und es war nur noch die haelfte davon uebrig. hier in australien haben ueber 95 % der leute eine klimaanlage, meist ein sogenanntes split system (ueber der eingangstuer) das sowohl kuehlen als auch heizen kann.

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    • siljan
    • 07. Februar 2011 17:43 Uhr

    Macht wohl vor allem im Süden Sinn wo es mal auch kalt werden kann wie in Canberra?

    Ansonsten. Wenn ein Sturm mal schon an die 300 km/h erreicht fliegen auch die steinwände weg. Wir verwöhnten europäer machen uns da ja oft keine Vorstellung von der Gewalt eines Zyklons oder Hurrikanes. Dagegen ist selbst ein irischer Wintersturm kaum mehr als ein laues Lüftchen. Ich habe mal Bilder von Hurrikans gesehen ( Corpus christi meine ich ) Da saheb auch duie Steinhäuser nicht mehr frisch aus...

    • siljan
    • 07. Februar 2011 17:43 Uhr

    Macht wohl vor allem im Süden Sinn wo es mal auch kalt werden kann wie in Canberra?

    Ansonsten. Wenn ein Sturm mal schon an die 300 km/h erreicht fliegen auch die steinwände weg. Wir verwöhnten europäer machen uns da ja oft keine Vorstellung von der Gewalt eines Zyklons oder Hurrikanes. Dagegen ist selbst ein irischer Wintersturm kaum mehr als ein laues Lüftchen. Ich habe mal Bilder von Hurrikans gesehen ( Corpus christi meine ich ) Da saheb auch duie Steinhäuser nicht mehr frisch aus...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Australien | Hurrikan | USA | Wirbelsturm | Zyklon | Queensland
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