Jahrhundertbeben in Japan Mehr als 10.000 Menschen werden vermisst

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben ist das Ausmaß der Katastrophe noch immer nicht überschaubar. Mindestens 1.800 Menschen sollen ums Leben gekommen sein, Hunderttausende sind obdachlos.

Menschen flüchten nach der Explosion an einem beschädigten Atomkraftwerk

Menschen flüchten nach der Explosion an einem beschädigten Atomkraftwerk

Nach dem Tsunami und dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans, herrscht im Land weiter der Ausnahmezustand. Mehr als 1800 Menschen sollen ihr Leben verloren haben. Diese Zahl ergibt sich der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge aus der bisher von der Polizei bestätigten Zahl von 687 Toten und der Zahl der Vermissten. Allerdings wird erwartet, dass die Zahl der Todesopfer steigen wird - allein in der Ortschaft Minamisanriku in der schwer betroffenen Provinz Miyagi gab es von 9500 Menschen und damit von jedem zweiten Bewohner kein Lebenszeichen.

Seit dem Erdstoß der Stärke 8,9 vom Freitag seien 3000 Menschen gerettet worden, sagte Ministerpräsident Naoto Kan am Samstag. 300.000 Menschen mussten nach Polizeiangaben ihre Häuser verlassen. Darunter sind auch 80. 000 Anwohner des Atomkraftwerks Fukushima, wo es nach dem Erdbeben zu einem ernsten Störfall und am Samstag zu einer Explosion kam.

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Das Erdbeben vom 11. März

In fast 90 Prozent der Fälle werden Tsunamis durch Seebeben ausgelöst. Dabei brechen oder reißen aufeinander stoßende Erdplatten und erschüttern den Untergrund des Ozeans. In Japan taucht die Pazifische unter die Eurasische Platte.

Durch solche Erdverschiebungen können gewaltige Wassermassen in Bewegung gesetzt werden. Einmal angestoßen, beginnt eine Kettenreaktion: So wie ein Dominostein den nächsten anstößt, pflanzt sich die Bewegungsenergie im Wasser fort – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern in der Stunde.

In Japan ereignete sich am 11. März 2011 um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) ein großes Erdbeben der Stärke 9. Zahlreiche weitere Beben erschütterten die Region. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und fast 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokyo. Das Beben löste mehrere Flutwellen aus, die weite Landstriche verwüsteten.

Mehr als 15.800 Menschen starben durch die Naturkatastrophen, mehr als 3.600 gelten weiterhin als vermisst. Rund 120.000 Gebäude wurden zerstört, Hunderttausende weitere zum Teil erheblich beschädigt (Quelle: National Police Agency, Japan).

Der Tsunami

Eigentlich bedeutet das japanische Wort Tsunami "Hafenwelle". Meist ist es aber nicht eine einzige Welle, die ausgelöst durch ein Erdbeben die Küsten trifft, sondern die Erschütterungen lösen gleich eine ganze Serie von Flutwellen aus.

Treffen diese Wellen nach ihrer rasanten Ausbreitung über den offenen Ozean auf flachere Gewässer, türmen sich die Wassermassen meterhoch auf. Als gewaltige Brecher schlagen die Fluten an Land und können so kilometerweit ins Landesinnere vordringen.

Mit Beben muss man auf Japans Hauptinsel Honshu stets rechnen. Das Land liegt im Bereich des Pazifischen Feuerrings. Damit ist ein Vulkangürtel gemeint, der den Pazifischen Ozean umringt.

GAU in Fukushima

Während des Bebens am 11. März 2011 wurde auch das an der Ostküste der Präfektur Fukushima gelegene Atomkraftwerk Fukushima-1 beschädigt. Der anschließende Tsunami zerstörte sowohl die Notstromversorgung als auch wichtige Kontrollmöglichkeiten der sechs Reaktoren.

Nachdem das Kühlsystem ausfiel, kam es zu mehreren Explosionen durch entzündeten Wasserstoff. Die Wände der Reaktoren 1, 2, 3 und 4 wurden teils schwer dadurch beschädigt. Zudem ereigneten sich Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3. Radioaktivität trat in hohen Mengen in die Umwelt aus. Das umliegende Gebiet musste evakuiert werden. Noch immer sind Städte und Dörfer in einem Radius von 20 Kilometern um die Atomanlage gesperrt. Rund 80.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.

Der AKW-Betreiber Tepco versucht, die havarierten Reaktoren langfristig unter Kontrolle zu halten. Zuletzt gab es aber wieder Probleme in Reaktor 2.

Während am beschädigten Atomkraftwerk eine Kernschmelze droht, dauern die Rettungsarbeiten im Nordosten Japans an. Die japanische Regierung hat mehr als 50.000 Soldaten, 300 Militärflugzeuge und 40 Schiffe in die vom Erdbeben betroffenen Gebiete geschickt. Auch die USA, Südkorea, Australien, Neuseeland, Singapur und Deutschland haben bereits Katastrophenhelfer entsandt.

Die Situation ist in vielen Teilen Japans chaotisch, starke Nachbeben erschüttern das Land immer wieder. Es gibt vielerorts keinen Strom. Die Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) rief Unternehmen und Bewohner auf, Strom zu sparen. Das Telefonnetz ist in vielen Regionen zusammengebrochen, auch an Trinkwasser fehlt es im Katastrophengebiet.

Twitter, Behördenseiten und Livestreams

Erdbeben- und Wetterdienste: Meteorologischer Dienst Japans, Japanseite des Potsdamer Geoforschungszentrums, Liveübersicht des Geoforschungszentrums über neue Erdstöße,Tsunamiwarnzentrum der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA, Erdbebenvorhersage-Institut Tokyo, Erdbebenerforschungszentrum Tokyo

Reaktorsicherheit: japanische Atomaufsichtsbehörde, internationale Atomenergiebehörde IAEA, Facebookseite der IAEA mit aktuellen Informationen, englischsprachige Seite des AKW-Betreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco)

Nachrichtenblogs: CNN, Wall Street Journal, japanische Nachrichtenagentur Kyodo (auf englisch)

Livestream: öffentlich-rechtlicher japanischer Sender NHK

Notfallinformationen: Informationen über Evakuierungen in der Region Fukushima (englisch), Google "Person Finder" auf japanisch, Google "Person Finder" auf englisch, Google-Seite mit Nachrichten, aber auch Notfallhinweisen und Telefonnummern

Karten und Grafiken: Satellitenfotos vorher/nachher bei der New York Times, interaktive Grafik eines Siedewasserreaktors bei der NYT, Erdbebenrisiko-Karte Japans bei U.S. Geological Survey

Durch die vom Beben ausgelöste gewaltige Flutwelle wurden bis weit ins Land hinein Schiffe, Züge, Häuser, Autos, Straßen und Menschen mitgerissen. Mindestens eine Stadt wurde vollkommen zerstört. Ganze Dörfer wurden weggespült. Raffinerien brannten, am Samstag stiegen immer noch dicke Rauchsäulen in den Himmel.

In der Hafenstadt Senai in der Miyagi-Präfektur barg die Polizei bereits 200 bis 300 Tote. Die Stadt Rikuzentakada in der Inwate-Präfektur ist gänzlich überflutet, nur noch wenige Gebäude stehen. Die Japanische Eisenbahngesellschaft meldet zudem, dass vier Züge vermisst werden. Auch ein Schiff mit 100 Passagieren an Bord konnte noch nicht geborgen werden. Mehrere Feuer wurden in Kesennuma gemeldet. 1.800 Häuser sollen in Minamisoma zerstört worden sein.

 
Leser-Kommentare
  1. Anzunehmen ist hier wirklich Murphies Gesetz. Jedes Risiko tritt auch ein. Bislang gibt es nur Fernbildern von dem explodierten AKW. Nicht mal Handy-Bilder. Danach ist zu vermuten, dass das AKW sich gestern schon selbst überlassen wurde.

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    Ich verstehe nicht warum mit Unwissen Mitleser verunsichert werden.

    Es sollte bekannt sein, dass viele Industriekonzerne Fotohandys auf dem Werksgelände nicht erlauben. Zudem wird der Kriesenstab und das Vorortpersonal mit anderen Dingen beschäftigt sein.

    Ich verstehe nicht warum mit Unwissen Mitleser verunsichert werden.

    Es sollte bekannt sein, dass viele Industriekonzerne Fotohandys auf dem Werksgelände nicht erlauben. Zudem wird der Kriesenstab und das Vorortpersonal mit anderen Dingen beschäftigt sein.

  2. Gestern war von einem Todesopfer die Rede, dazu Sachschäden in Millionenhöhe.

    Heute hört sich das schlimmer an, angeblich soll sogar ein AKW schwere Schäden aufweisen. Die japanische Regierung beruhigt aber schon wieder, hoffentlich gibt es keine weiteren Nachbeben oder weitere Flutwellen.

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    bereits gestern, freitag, 11.03.2011 war bereits am frühen abend (mez) von mehreren hundert toten die rede, und heute vormittag war offiziell klar, dass wenigstens ein reaktorblock in fukushima schwerste schäden davon getragen hat.

    lesen sie immer die zeitung vom vortag?

    bereits gestern, freitag, 11.03.2011 war bereits am frühen abend (mez) von mehreren hundert toten die rede, und heute vormittag war offiziell klar, dass wenigstens ein reaktorblock in fukushima schwerste schäden davon getragen hat.

    lesen sie immer die zeitung vom vortag?

  3. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

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    mehr kann ich dazu leider nicht sagen...

    mehr kann ich dazu leider nicht sagen...

  4. Man sieht die Prioritäten hier in den Foren.

    Selbst die 3 abgegebenen Beiträge handeln nur vom Atom-Geblubber.

    Keine Zeile zu den menschlichen Schicksalen.

    Gut, von mir auch nicht. Aber ich bin ja auch der böse hier.

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass Japan in einem Jahr diese Katastrophe hinter sich gelassen hat.

    Japan braucht Soforthilfe mit Rettungsteams, Suchhunden. Den Wiederaufbau etc. den bekommt das Land alleine hin.

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    • TDU
    • 12.03.2011 um 15:51 Uhr

    Sie sollten nicht denken, die andern hätten pauschal kein Engagement oder Mitgefühl. Aber man darf doch wohl seine Meinung äussern. Erst recht wenn man genervt ist von der Tatsache dass versucht wird, so ein Unglück in politischer Richtung zu instrumentalisieren und dem Menschen, natürlich nur dem Wirtschaftlich Denkenden als neoliberal Verteufelten, die Schuld dran zu geben.

    [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Meinung sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    • TDU
    • 12.03.2011 um 15:51 Uhr

    Sie sollten nicht denken, die andern hätten pauschal kein Engagement oder Mitgefühl. Aber man darf doch wohl seine Meinung äussern. Erst recht wenn man genervt ist von der Tatsache dass versucht wird, so ein Unglück in politischer Richtung zu instrumentalisieren und dem Menschen, natürlich nur dem Wirtschaftlich Denkenden als neoliberal Verteufelten, die Schuld dran zu geben.

    [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Meinung sachlich. Danke. Die Redaktion/er

  5. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und konstruktiven Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

    • tabora
    • 12.03.2011 um 14:56 Uhr

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen eigenständigen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag

  6. Die japanischen Schrottreaktoren werden jetzt direkt mit Meerwasser gekühlt, damit es nicht zu weiteren Super-Gaus kommt.

    Nachdem die neoliberalen, politischen und wirtschaftlichen "Leistungs-Eliten" 2010 den Golf von Mexiko erfolgreich in eine Todeszone verwandelt haben, wird 2011 nicht nur Nordjapan, sondern auch der Nordpazifik radioaktiv gleich mit verseucht. Gratulation...

    Auch Deutschland darf sich auch auf neue industrielle Großprojekte freuen: verlängerte AKW-Laufzeiten von Schrottreaktoren ohne Sicherheitsnachrüstungen, ein Schienengroßprojekt in Stuttgart, nachdem es in Köln mit z. T. den gleichen Ingenieuren und der U-Bahn so gut geklappt hat, neue AKW's sind auch in der Planung...
    Merkel und Mappus sind ganz vorne mit dabei und verspotten Kritiker als Dagegen-Ignoranten.

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    • TDU
    • 12.03.2011 um 15:44 Uhr

    Na bestens. Dann sollte man ja schnell alle technischen Projekte stoppen. Sonst werden wir wegen Mappus und Co. noch mit einem Erdbeben bestraft. Der Ablasshandel ist ja zumindest eröffnet.

    • TDU
    • 12.03.2011 um 15:44 Uhr

    Na bestens. Dann sollte man ja schnell alle technischen Projekte stoppen. Sonst werden wir wegen Mappus und Co. noch mit einem Erdbeben bestraft. Der Ablasshandel ist ja zumindest eröffnet.

  7. Was geht da eigentlich vor? Was weiß Westerwelle, was wir nicht wissen? +++ Westerwelle rät Deutschen zur Ausreise +++

    [14.59 Uhr] Außenminister Westerwelle warnt Deutsche, die sich in Japan aufhalten: "Eine Ausreise mit kommerziellen Mitteln sollte in Erwägung gezogen werden, insbesondere mit Kindern", sagte Westerwelle, der wegen der Ereignisse in Asien seine Ungarn-Reise abbrach.

    http://berlin2011.wordpre...

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    • joG
    • 12.03.2011 um 16:47 Uhr

    ....wir doch keinen Katastrophenschutz leisten?

    • joG
    • 12.03.2011 um 16:47 Uhr

    ....wir doch keinen Katastrophenschutz leisten?

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