Naturkatastrophe Tsunami richtet leichte Schäden an Amerikas Küsten an

Während Japan durch das Beben und die dadurch verursachten Flutwellen schwer verwüstet wurde, kamen die USA und Südamerika glimpflicher davon. Trotzdem starb ein Mensch in Kalifornien.

Eine Gruppe von Männern in einem Boot im Hafen von Santa Cruz

Eine Gruppe von Männern in einem Boot im Hafen von Santa Cruz

In den Stunden nach dem schweren Erdbeben in Japan haben von den Erstößen ausgelöste Flutwellen in der Nacht von Freitag auf Samstag zahlreiche Länder erreicht.

An der Westküste der USA wurden Hafenanlagen und Boote beschädigt, ein Mensch starb. Beim Auftreffen an der Küste der US-Bundesstaaten Kalifornien und Oregon sollen die Wellen bis zu  2,4 Metern hoch gewesen sein. Im nordwestkalifornischen Bezirk Del Norte County starb ein 25-Jähriger, nachdem er ins Meer gerissen wurde. Er wollte mit einigen Freunden Fotos des ankommenden Tsunamis machen.

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Twitter, Behördenseiten und Livestreams

Erdbeben- und Wetterdienste: Meteorologischer Dienst Japans, Japanseite des Potsdamer Geoforschungszentrums, Liveübersicht des Geoforschungszentrums über neue Erdstöße,Tsunamiwarnzentrum der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA, Erdbebenvorhersage-Institut Tokyo, Erdbebenerforschungszentrum Tokyo

Reaktorsicherheit: japanische Atomaufsichtsbehörde, internationale Atomenergiebehörde IAEA, Facebookseite der IAEA mit aktuellen Informationen, englischsprachige Seite des AKW-Betreibers Tokyo Electric Power Company (Tepco)

Nachrichtenblogs: CNN, Wall Street Journal, japanische Nachrichtenagentur Kyodo (auf englisch)

Livestream: öffentlich-rechtlicher japanischer Sender NHK

Notfallinformationen: Informationen über Evakuierungen in der Region Fukushima (englisch), Google "Person Finder" auf japanisch, Google "Person Finder" auf englisch, Google-Seite mit Nachrichten, aber auch Notfallhinweisen und Telefonnummern

Karten und Grafiken: Satellitenfotos vorher/nachher bei der New York Times, interaktive Grafik eines Siedewasserreaktors bei der NYT, Erdbebenrisiko-Karte Japans bei U.S. Geological Survey

Für die gesamte Westküste der USA war eine Tsunami-Warnung herausgegeben worden. Einwohner in besonders gefährdeten Küstenabschnitten wurden aufgerufen, in höher gelegenen Regionen Schutz zu suchen. Auch die Westküste Südamerikas blieb von einem größeren Tsunami verschont.

In Ecuador, wo etwa 260.000 Menschen evakuiert worden waren, gab Präsident Rafael Correa Entwarnung, nachdem die auf der anderen Seite des Pazifik ausgelösten Wellen nur noch bis zwei Meter hoch waren.

 

Das Erdbeben vom 11. März

In fast 90 Prozent der Fälle werden Tsunamis durch Seebeben ausgelöst. Dabei brechen oder reißen aufeinander stoßende Erdplatten und erschüttern den Untergrund des Ozeans. In Japan taucht die Pazifische unter die Eurasische Platte.

Infografik Erdbeben
Klicken Sie auf das Bild, um die Weltkarte der Erdbebengefahr herunterzuladen

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Durch solche Erdverschiebungen können gewaltige Wassermassen in Bewegung gesetzt werden. Einmal angestoßen, beginnt eine Kettenreaktion: So wie ein Dominostein den nächsten anstößt, pflanzt sich die Bewegungsenergie im Wasser fort – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Kilometern in der Stunde.

In Japan ereignete sich am 11. März 2011 um 14.46 Uhr Ortszeit (06.46 Uhr MEZ) ein großes Erdbeben der Stärke 9. Zahlreiche weitere Beben erschütterten die Region. Das Epizentrum lag 130 Kilometer östlich der Stadt Sendai und fast 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokyo. Das Beben löste mehrere Flutwellen aus, die weite Landstriche verwüsteten.

Mehr als 15.800 Menschen starben durch die Naturkatastrophen, mehr als 3.200 gelten weiterhin als vermisst. Rund 120.000 Gebäude wurden zerstört, Hunderttausende weitere zum Teil erheblich beschädigt (Quelle: National Police Agency, Japan).

Der Tsunami

Eigentlich bedeutet das japanische Wort Tsunami "Hafenwelle". Meist ist es aber nicht eine einzige Welle, die ausgelöst durch ein Erdbeben die Küsten trifft, sondern die Erschütterungen lösen gleich eine ganze Serie von Flutwellen aus.

Treffen diese Wellen nach ihrer rasanten Ausbreitung über den offenen Ozean auf flachere Gewässer, türmen sich die Wassermassen meterhoch auf. Als gewaltige Brecher schlagen die Fluten an Land und können so kilometerweit ins Landesinnere vordringen.

Mit Beben muss man auf Japans Hauptinsel Honshu stets rechnen. Das Land liegt im Bereich des Pazifischen Feuerrings. Damit ist ein Vulkangürtel gemeint, der den Pazifischen Ozean umringt.

GAU in Fukushima

Während des Bebens am 11. März 2011 wurde auch das an der Ostküste der Präfektur Fukushima gelegene Atomkraftwerk Fukushima-1 beschädigt. Der anschließende Tsunami zerstörte sowohl die Notstromversorgung als auch wichtige Kontrollmöglichkeiten der sechs Reaktoren.

Grafik Radioaktivität
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Nachdem das Kühlsystem ausfiel, kam es zu mehreren Explosionen durch entzündeten Wasserstoff. Die Wände der Reaktoren 1, 2, 3 und 4 wurden teils schwer dadurch beschädigt. Zudem ereigneten sich Kernschmelzen in den Reaktoren 1 bis 3. Radioaktivität trat in hohen Mengen in die Umwelt aus.

Das umliegende Gebiet musste evakuiert werden. Noch immer sind Städte und Dörfer in einem Radius von 20 Kilometern um die Atomanlage gesperrt. Mindestens 60.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.

Der AKW-Betreiber Tepco versucht, die havarierten Reaktoren langfristig unter Kontrolle zu halten. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Entwarnung gab es auch auf den Galapagosinseln mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Allein auf den Inseln Santa Cruz und San Cristobal habe es einige Überschwemmungen gegeben. Von der Osterinsel vor der Küste Chiles wurde nur von einer kleinen Tsunami-Welle berichtet. 

In Chile selbst, das vor gut einem Jahr von einem ähnlich schweren Erdbeben wie in Japan verwüstet worden war, verbrachten Zehntausende Menschen küstennaher Orte die Nacht zu Samstag in höher gelegenen Regionen. Der Tsunami war jedoch auch hier kleiner als zunächst befürchtet. Ähnlich war die Situation an den Westküsten Kolumbiens und Perus. In Lima fiel ein Schaulustiger von einem Felsen vor der Küste, von dem aus er den Tsunami beobachten wollte. Er fiel ins Meer und konnte nur noch tot geborgen werden.

Auf den tiefliegenden Pazifik-Inseln war vom Tsunami kaum etwas zu merken. Auf den Fidschi-Inseln gab es nur etwa 30 Zentimeter höhere Wellen, berichtete der Rundfunk.

Die Behörde für Katastrophenschutz hatte die Küstenbewohner aufgerufen, ins Landesinnere zu gehen oder wenigstens in Bereitschaft für eine schnelle Evakuierung zu sein. Die Behörde hob den Alarm am frühen Samstagmorgen auf. Die vor der japanischen Ostküste ausgelösten Wellen rasten mit einer Geschwindigkeit von 800 Kilometern in der Stunde über den Pazifik Richtung Südosten.

Auch die anderen Inselstaaten im Pazifik meldeten keine größeren Wellen, berichtete der australische Rundfunk. Auf Tonga waren viele Menschen auf Anhöhen geflüchtet, doch blieb das Meer ruhig. Ähnlich war die Situation auf den Marshall-Inseln, auf Kiribati, Nauru und Vanuatu, Papua-Neuguinea und Samoa.

Das Beben ist nach Einschätzung von Forschern mit dem Tsunami im Dezember 2004 in Südostasien vergleichbar. Es sei zwar nicht ganz so groß, aber von ähnlichen Ausmaßen, sagte der Seismologe Michael Weber vom Geoforschungszentrum in Potsdam. Über Monate hinweg kann es auch noch schwere Nachbeben bis zu Stärke 8 geben.

 
Leser-Kommentare
  1. müssen Menschen einen Tsunami fotografieren?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aus Sensationslust? Um Zeugnisse für die Mit- und Nachwelt zu schaffen?

    • c2j2
    • 13.03.2011 um 22:11 Uhr

    Würde ich auch wollen, gebe ich sofort zu - aber entsprechend vorsichtig, das sollte man mittlerweile gelernt haben.

    Aus Sensationslust? Um Zeugnisse für die Mit- und Nachwelt zu schaffen?

    • c2j2
    • 13.03.2011 um 22:11 Uhr

    Würde ich auch wollen, gebe ich sofort zu - aber entsprechend vorsichtig, das sollte man mittlerweile gelernt haben.

  2. Aus Sensationslust? Um Zeugnisse für die Mit- und Nachwelt zu schaffen?

    Antwort auf "Warum...."
  3. Dummheit gibt es doch immer wieder, oder soll man hier doch das harmlosere Wort Leichtsinn benutzen? Möge dieser Mensch in Frieden ruhen.

    • c2j2
    • 13.03.2011 um 22:11 Uhr

    Würde ich auch wollen, gebe ich sofort zu - aber entsprechend vorsichtig, das sollte man mittlerweile gelernt haben.

    Antwort auf "Warum...."

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