Jagd auf ElefantenElfenbein-Schmuggel bleibt ein lukratives Geschäft

Die chinesische Polizei hat in der Provinz Guangxi 707 Stoßzähne beschlagnahmt. Eine Ausnahme. Der illegale Handel mit Elfenbein floriert, mahnen Tierschützer. von 

Elfenbein Stoßzähne Elefantn Thailand

Bereits Anfang April konfiszierte die Polizei in Bangkok 247 Stoßzähne  |  © Pairoj/AFP/Getty Images

Bei einer Routinekontrolle hat die chinesische Polizei vergangene Woche 707 Stoßzähne, 32 Elfenbeinarmbänder und ein Rhinozeroshorn sichergestellt. Ein vergleichsweise großer Fund. Wie chinesische Medien berichten, konfiszierten die Polizisten das Elfenbein im Wert von etwa zehn Millionen Euro bei einer Straßenkontrolle am 10. April in der Provinz Guangxi im Süden Chinas, wo die Grenze zu Vietnam verläuft.

Erst Anfang April hatten thailändische Zollbeamte 247 Elefantenstoßzähne in einer Lieferung Gefrierfisch aus Kenia entdeckt. Das Elfenbein wog etwa zwei Tonnen und hatte einen Wert von umgerechnet rund zwei Millionen Euro.

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Der IFAW (Internationaler Tierschutzfonds) sieht diese Beschlagnahmungen als Beweis dafür, dass der illegale Handel mit Elfenbein floriert. "Erfahrungswerte zeigen, dass nur etwa zehn Prozent der Elfenbeinschmuggler ertappt werden", sagt Peter Püschel vom IFAW, der seit 30 Jahren gegen den illegalen Handel mit Wildtierprodukten kämpft und in Afrika, Indien und China im Elefantenschutz gearbeitet hat.

Ein Hauptproblem sei die immer noch vorhandene Nachfrage nach Elfenbein, vor allem in China. "Inzwischen werden Elfenbeinprodukte auch im Internet angeboten, was potenziellen Käufern suggeriert, die Produkte seien legal käuflich", sagt Püschel. Der IWAF hatte deshalb mit Auktionshäusern wie Ebay und dessen chinesischem Pendant Taobao zusammengearbeitet, die den Handel mit Elfenbein auf ihren Seiten seit einigen Jahren komplett verbieten.

Zwar ist der Handel mit Antiquitäten aus Elfenbein und zertifizierten Produkten immer noch in vielen Ländern, auch in der EU, erlaubt – doch das birgt große Probleme für die Behörden, wenn sie illegalen Händlern auf die Spur kommen wollen. "Es ist leicht für Händler, neben legalem Elfenbein, für das es ein Zertifikat gibt, auch Illegales in die Regale zu legen. Und die Polizei muss im Ernstfall erst einmal nachweisen, zu welchen Stück Elfenbein eine Handelserlaubnis gehört", sagt Püschel. Selbst auf Antiquitätenmärkten in London würden Experten immer wieder neues Elfenbein entdecken, das als Antiquität angeboten wird. Nur geschulte Experten können den Unterschied zwischen antiken und modernen Schnitzereien erkennen.

Cites-Abkommen

Viele Tiere und Pflanzen sind durch den internationalen Handel vom Aussterben bedroht. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen wurde 1973 ins Leben gerufen, um den Handel mit bedrohten Arten zu begrenzen oder ganz zu verbieten. Auf Englisch ist das Abkommen unter dem Namen Cites (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) bekannt. Inzwischen hat es 177 Mitgliedsländer.

Geschützte Arten

In das Abkommen sind bislang mehr als 5.000 Tier- und rund 29.000 Pflanzenarten aufgenommen worden. Sie werden in drei Anhängen gelistet:

Anhang I enthält vom Aussterben bedrohte Arten wie Großwale, Menschenaffen, Tiger und – mit Ausnahmen für einige Länder – Elefanten. Mit diesen Arten oder ihren Produkten darf international nicht gehandelt werden.

Anhang II umfasst etwa Geckos und einige Affenarten. Der Handel mit ihnen unterliegt strengen Auflagen. Die Art darf dadurch nicht weiter gefährdet werden. Die meisten der gelisteten Arten stehen in diesem Anhang.

Anhang III
verzeichnet Arten, die von einem Land in seinem Hoheitsbereich unter Schutz gestellt wurden. (Quelle: dpa)

Ergebnisse der Bangkok-Konferenz

Erstmals seit des Washingtoner Artenschutzabkommens wird der Handel mit fünf kommerziell und weltweit gefischten Haiarten unter Aufsicht gestellt. Weißspitzen-Hochseehaie, drei Arten Hammerhaie und Heringshaie dürfen künftig nur noch aus nachhaltigen Beständen in den Handel kommen.

Der unkontrollierte Handel mit Ebenhölzern, Rosenhölzern und Palisander aus Südostasien, Lateinamerika und Madagaskar wird gestoppt. Holzlieferungen brauchen künftig Exportpapiere, die nur ausgestellt werden dürfen, wenn die Art durch die Abholzung nicht gefährdet ist.

Angesichts der steigenden Wilderei von Elefanten und Nashörnern in Afrika wird Wildtierkriminalität künftig nicht mehr nur als Vergehen, sondern als Straftat eingestuft.

Der Handel mit Dutzenden Arten (darunter Seekühe, Schildkröten, Frösche, Geckos) wird erstmals unter Aufsicht gestellt.

Ein Antrag auf Einschränkung des Handels mit Eisbärfellen scheiterte. Jedes Jahr sterben deshalb rund 400 Eisbären, vor allem in Kanada. Die Gegner sagen, die Bestände  seien noch nicht gefährdet.

Der Handel mit Tigern und Menschenaffen ist zwar seit langem verboten, doch wird auch hier gewildert. Die Unterzeichner der Konvention einigten sich nur darauf, die Lage zu beobachten und resoluter gegen Wilderer vorzugehen.

Die Tierschützer fordern daher, auch den legalen Handel mit Elfenbein dauerhaft zu unterbinden. Die internationale Artenschutzkonferenz hatte in den Jahren 1997 und 2007 einzelnen afrikanischen Staaten den Verkauf vorhandener Elfenbeinbestände erlaubt. Die Staaten argumentierten auch damit, den Erlös für den Naturschutz in den Lebensräumen der Elefanten einsetzen so wollen. "Wir haben bisher allerdings keinen Beleg dafür, dass damit zusätzliche Naturschutzmaßnahmen finanziert wurden", sagt der Wildtierhandelsexperte vom IWAF. "Immer wieder hört man das Argument, der legale Elfenbeinhandel sei eine wichtige Säule gegen die Armut und für den Naturschutz in den Ländern, in denen gewildert wird. Das ist falsch und täuscht über die wahren Armutsprobleme hinweg, gegen die dringend gehandelt werden muss", sagt Püschel.

Solange es einen florierenden Markt für die Stoßzähne von Elefanten oder die Hörner von Nashörnern gibt, ist das Geschäft auch für illegale Händler attraktiv. Auf der Artenschutzkonferenz in Doha im Mai 2010 im Emirat Qatar war ein Antrag der Staaten Sambia und Tansania abgelehnt worden. Die Länder wollten mehr als 100 Tonnen Elfenbein auf legalem Wege verkaufen.

Trotz dieses Teilerfolgs für den Artenschutz geht der illegale Handel weiter. Der April 2011 war einer der bisher fatalsten Monate für Elefanten. Neben den Elfenbeinfunden in China und Thailand wurden im zentralafrikanischen Tschad Mitte April 30 tote Elefanten aufgefunden, denen die Stoßzähne abgehackt worden waren. Die Wilderer töteten außerdem einen Militärangehörigen, der versucht hatte, die Elefanten zu beschützen.

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Leserkommentare
  1. Auch wenn der Antiquitätenhandel aufschreien wird. Im Rahmen von echten Antiquitäten wird massenhaft neues Elfenbein, auf alt getrimmt, in den Handel gebracht, gerade in Form von Asiatika. Das gleiche gilt für Felle von Tigern, Bären etc.
    Es ist nur ein kleiner Teil der gehandelten Antiquitäten und ist für den Markt problemlos vershmerzbar.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Europäische Union | Artenschutz | Auktionshaus | China | Ebay | Elfenbeinhandel
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