Atom-Unglück in JapanWas wissen Experten wirklich über die Lage in Fukushima?

Ob Messwerte von Radioaktivität oder der Stand an den Reaktoren – was sind die Meldungen wert, die täglich aus Japan kommen? Fünf Experten erklären die Informationslage von 

Offiziere der japanischen Streitkräfte in Strahlenschutzanzügen an 25 März 2011

Offiziere der japanischen Streitkräfte in Strahlenschutzanzügen an 25 März 2011  |  © Jiji Press/AFP/Getty Images

Täglich erreichen uns neue Meldungen von dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima-1 im Nordosten Japans. Seit dem schweren Beben am 11. März versuchen Arbeiter und Rettungskräfte die beschädigten Reaktoren einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Doch sie verwirrt, die dahinrieselnde Kakofonie aus Messwerten, Expertenmeinungen und teils widersprüchlichen Aussagen von Regierung und dem misstrauisch beäugten AKW-Betreiber Tepco .

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Nuklearsicherheitsforscher, Strahlenmediziner, Radioökologen, Strahlenschutzfachmänner und viele andere Experten versuchen seit nunmehr einem Monat, die Lage in Japan einzuschätzen. Sie müssen sich auf ihren Sachverstand und die Daten verlassen, die sie von unterschiedlichen Stellen bekommen. Die Informationen aus Fukushima, die um die Welt gehen, stammen weitgehend von der Betreiberfirma des Atomkraftwerks Tepco , der japanischen Atomaufsicht (Nisa) , dem japanischen Wissenschaftsministerium MEXT , dem japanischen Atomindustrieforum JAIF und der internationalen Atomenergieagentur IAEA .

Hinzu kommen die Fernsehberichte des TV-Senders NHK , die der japanischen Zeitungen sowie Meldungen vor allem der Nachrichtenagenturen Jiji und Kyodo .

Doch was nützen Messwerte, wenn ihre Bedeutung nicht vermittelt wird? Welche Daten sind verlässlich? Werden Informationen zurückgehalten? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Öffentlichkeit. ZEIT ONLINE hat deshalb fünf Wissenschaftler befragt, die mit den Informationen aus dem Katastrophengebiet umgehen, die die Lage einordnen und Prognosen erstellen müssen. Sie beschreiben, auf welcher Grundlage sie ihre Arbeit machen.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Leserkommentare
    • tabe
    • 12. April 2011 11:51 Uhr

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und artikelbezogen. Danke. Die Redaktion/lv

    • Crest
    • 12. April 2011 11:53 Uhr

    Hätte man einen solchen Überblick nicht schon vorher zusammenstellen können?
    (Aber man wird bescheiden :-( und freut sich :-), dass es hiermit immerhin geschehen ist. In diesem Sinne vielen Dank. )

    Herzlichst Crest

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    • Spez
    • 12. April 2011 12:16 Uhr

    Da Sie meinem Gedanken zuvorgekommen sind, kann ich Ihnen nur beipflichten.

    Da kann ich mich Crest nur anschließen...

  1. Ob es sich um einen Unfall der Stufe 5, 6 oder 7 handelt, hängt vom Ausmaß der Auswirkungen auf die Umgebung ab. Da man von der völligen Zerstörung der 4 Anlagen ausgehen kann, besteht kein Zweifel, dass es ein Unfall von 5..7 ist.

    Jedoch hängt das Ausmaß der Auswirkungen auch vom eigenen Maßstab ab: In welchem Umfang wird Bevölkerung evakuiert und nach Maßgabe welcher Grenzwerte? Je strenger die Richtlinien, umso schwerer wird der Unfall bewertet.

    Die Unfälle in Chernobyl und in Fukushima haben jedoch nichts miteinander gemein: Nicht nur war die Menge an Aktivität in Chernobyl um eine Größenordnung größer und diese verteilte sich über sehr lange Zeit durch die Atmosphäre über große Gebiete, sondern entscheidend ist der gesamte Unfallhergang, der wiederum vom Design abhängt:

    In Chernobyl kan es PLÖTZLICH und ohne Vorwarnung für Betreiber und Behörden zu einer Leistungsexkursion (ohne schwere äußere Belastung des Reaktors). Der Reaktor ließ sich nicht mehr abschalten. Da die Situation nur sehr spät richtig erkannt und gemeldet wurde, konnte man erst ca. 48 Stunden nach Beginn überhaupt Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung ergreifen. Dies ist der Grund, warum es zu massiven Schäden durch Jod kam. In Fukushima gab es viele Stunden Vorwarnzeit und das Unglück blieb ohne Verzweiflungsmaßnahmen in gewissen Grenzen beherrschbar, was v.a. dem Reaktordesign zu verdanken ist. Daher werden massive Gesundheitsfolgen ausbleiben.

    Die Gleichsetzung mit Chernobyl ist daher unseriös.

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    Weise könnte man Fukushima eher noch höher einstufen als Tschernobyl.
    Die Explosion in Tschernobyl hat dazu geführt, daß radioaktive Partikel hoch in die Atmosphäre geschleudert wurden und sich großflächtig verteilt haben. Der Gau in Fukushima kann dazu führen, daß eine intensive radioaktive höhere Verstrahlung auf dieses Gebiet beschränkt bleibt, aber eben, solange der Austritt von Strahlung nicht wirklich gebannt ist, weiter zunimmt. Wie aus dem Artikel ja deutlich wird, kann es Monate bis Jahre dauern, nur die Kühlung aufrecht zu erhalten. Einen Sarkophag zu bauen, der den Strahlungsaustritt verhindert, ist ebenfalls nicht möglich, da man dann a. nicht wüßte, was darunter vorgeht und b. keinen Zutritt mehr hätte.
    Zudem war die Zone um Tschernobyl relativ dünn besiedelt. Das ist in Japan anders.
    Da wir nicht wissen, wie sich die Situation in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird, finde ich dieses Abstreiten der Gleichsetzung von Tschernobyl und Fukushima lächerlich. Hier soll nur weiter verharmlost werden.

    Die Tatsache, dass Betreiber und Regierung einen Monat lang ueber die Schwere des Ungluecks gelogen und betrogen haben, sollte Einblicke in die Tiefe der Bedrohung durch die Atommafia geben.

    Das Disaster ist jetzt auch offiziell in Japan als schlimmst moegliche Katastrophe, Super-GAU, INES 7 klassifiziert.

    Unabhaengige Experten haben das an Tag 3 gesagt, natuerlich haben wir davon in der ZEIT nicht gelesen, in anderen Tageszeitungen allerdings schon.

    Erst der "Klonie jetzt der Gier", wie sich doch die notorisch verharmlosenden Statements zu Fukushima gleichen...

    Richtiger werden sie dadurch nicht, Stufe 7 war längst erreicht nach Angaben der Nisa schon Mitte März, zugegeben wurde es erst jetzt, die Wahrheit bricht sich Bahn, ich wiederhole mich da gern.

    Fakten:
    1. Ein Radius von mindestens 30 km wird über Jahre bis Jahrzehnte nicht mehr bewohn- bzw. nutzbar sein (Landwirtschaft, Trinkwasser, Fischfang). Dummerweise halten sich Meeretiere nicht an Sperrzonen. Deshalb wird die Radioaktivität in die Nahrungskette gelangen !
    (Allein Cäsium 137 Halbwertzeit ca. 30 Jahre) Genaue Zahlen dazu werden der Öffentlichkeit ja weiter vor enthalten (Plutonium MOX Brennstäbe ? )

    2. Die Lecks sind selbst gemäß Tepco nicht gestopft, es kann sogar am Ende mehr Radioaktivität austreten als in Tschernobyl (Zitat Tepco...). Wenn die das schon zugeben...
    Das Radioaktive Inventar ist ja auch weitaus größer als in Tschernobyl allein BEI DEN VIER HAVARIERTEN Reaktoren der Atomruine.

    3. Die sytematische Verschleierung ist Teil der Strategie der Atomlobby und auch der IAEO, aber Sie haben sich nun endgültig selbst entlarvt.

    4. Die Atomkraft ist nun endgültig ein Auslaufmodell und zwar weltweit, weil immer mehr Völker sich weltweit wehren werden selbst in China denn das Internet lässt sich nicht total zensieren, die Menschen informireren sich an den mächtigen Meinungsmachern wie Putin etc. vorbei.
    http://www.focus.de/wisse...

    ... vielleicht können sie ja noch ihre Kontonummer angeben und großzügig die Kostenübernahme für die Behandlungskosten möglicher Geschädigter durch Fukushima anbieten. Ihrer Aussage nach ist da ja nichts zu befürchten.

    Ich halte das für ausgemachten Unfung was sie da schreiben. Die Folgen sind nur infolge des "Designs" noch nicht erkennbar. Alle Messungen über Land betreffen einen Raum entgegen der Windrichtung. Im unmittelbaren Raktorumfeld gibt es nach wie vor steigende Werte für Jod bei einer Halbwertzeit von nur 8 Tagen müssten dort die Werte doch längst zurückgehen wenn "alles unter Kontrolle ist". Die Radionuklide werden lediglich in Wasser gebunden und wir haben günstige Windbedingungen wäre das anders, wäre die Frage der Vergleichbarkeit zu Chernobyl eine vollkommen andere unabhängig vom "Designfaktor".

    Es gibt Meldungen nach denen in der Landschaft 2 - 3 Meilen um Fukushima herum Teil von Brennelementen gefunden worden sind - soviel zum Thema Design. Bei all den Messungen werden Alphastrahler kaum berücksichtigt, da zu Aufwendig.

    Ich weis nicht ob Arnie Gundersen ein aggresiver Umweltaktivist und Panikmacher ist ich halte seine Berichte nach wie vor für die detailliertesten und klarsten in der Fragestellung. So auch in der Analyse der Explosion von Reaktor 3 die nun einemal deutlich unterschiedlich zu der von Reaktor 1 war und ich seit Wochen eine Berichterstattung darüber vermisse: http://vimeo.com/22865967

  2. "Was wissen Experten wirklich über die Lage in Fukushima?"
    Ganz einfach: Viel weniger als Crest und Konsorten.
    Aussagen wie:
    "Wir brauchen für eine Beurteilung noch weitere Daten.",
    "Unsere Analyse ist noch sehr unsicher. Wir wissen nicht genau, wie der Zustand der Brennelemente ist[...]",
    "Die Messungen reichen aber nicht aus, um flächendeckende Aussagen für die ganze Region treffen zu können.",
    "Wegen der oft seewärts gerichteten Winde können diese Werte aber nur bedingt Anhaltspunkte dafür liefern, wie der Fallout das Meer vor Fukushima belastet." usw. liest man ja von diesen Foristen nie.

    Sehr erfrischend hier mal ernstzunehmende differenzierte Einschaetzungen echter Experten abseits von Provokation, Zynismus und absolutem Wahrheitsanspruch lesen zu koennen.

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    Nachdem ich nun einige Wochen das Vergnügen hatte, Crest's Beiträge zu lesen, so ist mir eins aufgefallen:

    Die Aussagen bezogen sich schlichtweg auf die neusten offiziellen (genau von den 'Experten', die sie in ihrem Kommentar ansprechen) Angaben. Ich sehe es fast als eine - stellenweise vielleicht unpassende - Zynik auf die hierzulande ablaufenden Diskussion, die sich vielfältig in absolut unbestätigten Mutmaßungen verheddern und somit schon ins Absurde rutschen.
    Diese Mutmaßungen und Modelle sind im Moment hauptsächlich für eine Partei wichtig: Die Japaner selbst. Sie müssen aufgrund der noch sehr unklaren Lage herangezogen werden, um präventiv Maßnahmen gegen die Strahlenaussetzung einer großen Bevölkerungsgruppe zu unternehmen.

    Wie diese (mehr oder weniger wissenschaftlich belegten) Ratespielchen jedoch in anderen Regierungen zur Beeinflussung der Politik verwendet werden hat seinen eigenen bitteren Beigeschmack.

    Genau aus diesem Grund muss ich diesen sehr differenzierten Beitrag in höchsten Tönen loben. Hier werden die bisher bekannten Fakten mit Verweis auf die immer noch (vor)herrschende Unklarheit dargelegt.

    • Crest
    • 12. April 2011 17:39 Uhr

    ich darf also kurz darauf eingehen.

    Wissenschaftler in einer offiziellen Rolle wie die Autoren dieses Artikels haben gewisse Regeln der Kommunikation einzuhalten. Vergleichbar einem Juristen, der erst dann offiziell von "Mörder" sprechen darf, wenn das Urteil gefällt wurde.

    Wissenschaftler in einer privaten Runde ("außerhalb eines Protokolls") dürfen offener und weniger zurückhaltend sein, ebenso wie besagter Jurist.

    In diesem Sinne nutze ich im Forum das Privileg, mich als Privatmann nicht an solche kommunikativen Rituale halten zu müssen. Ich "darf" also (im übertragenen Sinne) "Mörder" sagen, auch wenn das "formale Urteil" noch nicht gefällt wurde.

    Herzlichst Crest

  3. für diesen Artikel. Man sieht eben doch, was Qualität ausmacht.
    Insbesondere freut es mich, daß alle Aussagen auf den bis jetzt gemachten Meldungen und Messungen basieren und klargestellt wird, daß sich die Lage in Fukushima u.U. auch wieder verändern kann, bzw. daß auch offen eingestanden wird, daß noch niemand sagen kann, wie sich beispielsweise die Einleitung des radioaktiven Wassers in den Pazifik auswirkt. Ich mißtraue immer den Meldungen von 'Experten', wenn diese sich 100%ig sicher sind, daß nur das eintreten wird, was sie voraussagen. Ich bin Anhänger von Murphys Gesetz ;-D.
    Leider, so gern ich das auch hätte, sind die langfristigen Prognosen nicht eindeutig. Aber Wunder darf man halt nicht erwarten.
    Ich hoffe, die Zeit bleibt bei ihrer qualitativ hohen Berichterstattung - auch wenn online manchmal Schnellschüsse dabei waren; aber ich nehme an, das beruht auch darauf, daß schnell-schnell berichtet werden muß und eine qualitativ durchdringende Berichterstattung eben Zeit erfordert.

    • Meykos
    • 12. April 2011 12:06 Uhr

    Gibt es in der Aufstellung keine eindeutige Ursache (Erschütterung, Wassereinbruch, Bedienungsfehler, technische Mängel oder dergl.) für den Ausfall der Blöcke.

    Bedeutet: "Abschaltung nach Beben",man hat insofern auch keine Ahnung oder nicht einmal Vemutungen?

    Es kursieren auch in diesem nicht unwichtigen Bereich die unterschiedlichsten Versionen ...

    Das würde mich wirklich sehr interessieren.

  4. Vielen Dank das diesmal kompetente Menschen befragt wurden und nicht wieder Alarmisten/Öko-Scharlatane wie Sebastian Pflugbeil. Wichtig sind verlässliche Informationen und nicht bewusst geschürte Panikmache.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Oder Lengfelder &co.

    Pflugbeil, der einzige, der bei Krümmel Brennstoffkügelchen als Leukämieauslöser gefunden haben will, was 5 andere Studien widerlegt haben.

    Pflugbeil, der behauptet hat, durch Fukushima würde Tokyo unbewohnbar werden.

    Pflugbeil, der davon sprach, die Arbeiter in F. hätten "kaum eine Überlebenschance".

    Pflugbeil, ein bekannter alter Anti-Atom-Zausel aus der DDR, dem alle Mittel recht sind, um die Kernenergie zu verhetzen.

    Die vier ersten Experten arbeiten fuer Organisationen, die entweder direkt fuer das Nuklearprogramm arbeiten , nahe mit der Atomindustrie zusammenarbeiten oder der Agrar- und Fischereiindustrie verbunden sind - nachzulesen durch Anklicken der links.
    Kritische und unabhaengige Diskussion der Gefahren von Atomenergie ist von diesen Experten kaum zu erwarten, da ihre Berufsbeschreibung darin liegt, die Gefahren der Atomenergie kontrollierbar zu machen oder es zumindest so darzustellen.

    Nur ein Experte ist tatsaechlich finanziell und beruflich unabhaengig von Industrie und Regierung (Oekoinstitut Darmstadt) - der Leser mag seine/ihre Schluesse ziehen.

    Was die Qualitaet der Aussagen angeht moechte ich zuerst auf das hinweisen, was nicht gesagt worden ist, nachzulesen in anderen Medien. Von dem was gesagt wurde gefaellt mir am besten dieses Bonmot: Die erweiterte Evakuierung wurde nur angeordnet, weil die Situation im AKW jetzt stabil ist?!
    Darauf muss man erstmal kommen.

    Dazu die bewusste Fehlinformation, dass Spaetfolgen von Radioaktivitaet erst ab 100mSievert belegt sind: Arbeiter der Nuklearindustrie mit jaehrlichen Belastungen zwischen 20 und 100mSievert haben signifikant erhoehte Krebsraten mit 1-2% zusaetzlicher KrebsTODE, nicht Krebserkrankungen wie behauptet aufgrund der 'legalen' radioaktiven Belastung. http://www.ncbi.nlm.nih.g...

    Qualitaet und unabhaengige Berichterstattung sieht in meinen Augen anders aus.

    Es liegt in der Natur der Dinge, dass sich Experten meist professionell mit dem Gegenstand in welchem sie die Expertise haben beschäftigen. Das macht sie gerade zu Experten. Würden sie einen Gärtner fragen wenn ihr Auto kaputt ist? Ich kann bei den Befragten keine übermäßige Abhängigkeit von der Atomindustrie erkennen.
    Was die zitierte Studie angeht: Ja, Strahlung ist schädlich und erhöht die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken. Nur erhöht die Arbeit auf dem Bau auch die Wahrscheinlichkeit einem tödlichen Arbeitsunfall zu erliegen und die Arbeit als Berufskraftfahrer die Wahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsunfall zu sterben.
    Wenn wir über Energieerzeugung diskutieren, dann ist doch die Frage interessant wie viele Tote wir pro erzeugter kWh Strom haben. Schaut man sich in diesem Zusammenhang Kohle, Öl, Gas, Photovoltaik an, dann sind deren Bilanzen wahrscheinlich schlechter als die der AKWs. Dafür muss man nicht einmal die "Krieg für Öl Toten" mit einbeziehen.

  5. Danke für diese sachliche Darstellung.

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