Atom-Katastrophe in JapanFukushima ist nicht Tschernobyl

Fukushima ist nun offiziell ein katastrophaler Unfall. Zu Recht, das war längst bekannt. Doch zu suggerieren, alles sei weit dramatischer, ist falsch, meint S. Stockrahm. von 

Eine Frau wird Ende März auf eine radioaktive Belastung geprüft. Sie wohnt im evakuierten Gebiet in der Präfektur Fukushima.

Eine Frau wird Ende März auf eine radioaktive Belastung geprüft. Sie wohnt im evakuierten Gebiet in der Präfektur Fukushima.  |  © Go Takayama/AFP/Getty Images

Wenig hat sich am Ernst der Lage in den Ruinen von Fukushima-1 verändert. Nach wie vor konzentrieren sich Techniker und Arbeiter in der Anlage auf die dauerhafte Kühlung des Brennstoffs in den Reaktorkernen und zeitweise ausgetrockneten Abklingbecken. Und doch scheint die Situation seit gestern eine andere zu sein: Denn die AKW-Havarie in Japan rangiert nun auf einer Stufe mit dem GAU in Tschernobyl im Jahr 1986. In Fukushima müsse nun doch alles viel schlimmer, dramatischer und gefährlicher sein als bislang gedacht, mutmaßen Medien seither. Japan habe sich "endlich" entschlossen, das wahre Ausmaß der Katastrophe mitzuteilen, heißt es. Im Unterton schwingt mit, dass hier verheimlicht, vertuscht und falsch gehandelt wurde.

Wären nicht ganz andere Maßnahmen getroffen worden, wenn der Unfall von Anfang an so schwerwiegend eingestuft worden wäre? Die Antwort ist Nein. Denn die internationale Skala für nukleare Ereignisse (Ines) sieht für die verschiedenen Kategorien von Atomunfällen keine konkreten Maßnahmen vor. Sie erteilt dazu noch nicht einmal Empfehlungen. Jedes Land entscheidet selbst, wie es auf Reaktorunfälle reagiert. In Japan hatten die Behörden bereits zwei Tage nach dem Ausfall der Kühlung in der Atomanlage mehr als 60.000 der insgesamt rund 80.000 Bewohner im Radius von 20 Kilometern um Fukushima-1 in Sicherheit gebracht. Danach erst sprengte entzündeter Wasserstoff die Außenhülle des Reaktors 3 und beschädigte die Blöcke 2 und 4 zum Teil schwer.

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Was wissen wir wirklich über die Situation in Fukushima? Fünf Experten geben einen Überblick

Was wissen wir wirklich über die Situation in Fukushima? Fünf Experten geben einen Überblick  |  © Jiji Press/AFP/Getty Images

Seit Beginn der Havarie versuchen zudem Arbeiter in der Atomanlage das Menschenmögliche, einen Unfall in den Griff zu bekommen, für den es keinen Notfallplan gibt. Der fehlt, weil keine Atomnation der Erde sich je mit einem solchen Szenario auseinandergesetzt hat. Bis Fukushima war der Glaube an die Beherrschbarkeit der Kernenergie nahezu unerschütterlich, trotz zahlreicher Unfälle und den Erfahrungen aus Harrisburg 1979 und Tschernobyl 1986. Ein desaströses Versagen, für das Japan nun bitter bezahlt.

Die Einstufung Fukushimas als zweiter "katastrophaler Unfall" in der Geschichte war in der Tat überfällig. Dass große Mengen Radioaktivität aus den Unglücksreaktoren entwichen sein mussten, war selbst Laien klar, nachdem die Bilder der explodierenden Blöcke um die Welt gingen.

Die Ines-Stufe 7 sei das "Schandmal, dass man so lange wie möglich vermeiden wollte", formulierte Claus Kleber es im Heute-Journal . Dies ist kaum zu bestreiten. Japans Atomaufsicht hat sich viel zu lange an Details und im Datengewirr festgebissen. Es kann nicht sein, dass diese Behörde Wochen braucht, um etwas festzustellen, das seit einem Monat für jeden offensichtlich ist.

Richtig ist auch, dass Japans Regierung versucht, die Öffentlichkeit zu beschwichtigen. Ein Grund dafür dürfte die Sorge vor Panik sein. Eine bewusste Vertuschung von Messergebnissen oder Erkenntnissen aus den Reaktoren vermuten Fachleute aber bisher nicht .

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Fukushima ist trotz der gleichen Stufe kein zweites Tschernobyl. Der Hergang beider Unfälle und auch das Ausmaß sind sehr verschieden.

Vor 25 Jahren explodierte der Reaktor 4 in der Ukraine in vollem Betrieb. Auf einen Schlag gelangte etwa das Zehnfache an Radioaktivität, das bislang in Fukushima frei wurde, in Höhen von rund 1000 Metern. Der Fallout der strahlenden Partikel verteilte sich über weite Teile Europas. Erst einen Tag nach dem GAU lief die Evakuierung der nur drei Kilometer vom Reaktor entfernten 49.000-Einwohner-Stadt Pripjat an. Während die Kernschmelze offen lag und es tagelang weiter brannte, wurden erst acht Tage nach der Explosion weitere rund 85.000 Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometern in Sicherheit gebracht. Die meisten von ihnen hatten längst radioaktives Jod eingeatmet, ohne es zu ahnen . Bis zu 6000 Schilddrüsenkrebserkrankungen sind als Folge belegt.

Gesundheitsfolgen nach Tschernobyl

In Tschernobyl starben infolge des Reaktorunfalls unmittelbar 28 Menschen nach einer erhöhten Strahlenbelastung. 19 weitere Menschen starben zwischen 1986 und 2005 nachweislich an den gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe. Das ist das Ergebnis eines Berichtes der Vereinten Nationen, der zuletzt Ende Februar aktualisiert worden ist. Insgesamt könnten langfristig bis zu 4000 Menschen an der Radioaktivität sterben, die durch die Explosion des Reaktors freigesetzt wurde, schätzt das internationale Wissenschaftskonsortium. Die meisten von ihnen gehören zu den rund 500.000 Arbeitern, die an den Rettungsmaßnahmen zwischen 1986 und 1987 auf dem Gelände beteiligt waren.

Schilddrüsenkrebs

Für den überwiegenden Teil der Menschen ist das Unglück eher glimpflich verlaufen. 6000 Menschen sind in den zwei Jahrzehnten nach Tschernobyl an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Das ist der einzige Tumor, der sich empirisch eindeutig als Folge von Tschernobyl nachweisen lässt. Diese Art von Krebs gilt als gut behandelbar und verläuft in den allermeisten Fällen nicht tödlich. "Die Wahrscheinlichkeit mit der Diagnose die nächsten 20 Jahre zu überleben, liegt bei etwa 90 Prozent über alle Altersgruppen hinweg", sagt Christoph Reiners, der das WHO-Kollaborationszentrum für medizinische Vorsorge und Hilfe bei Strahlenunfällen leitet.

Das leichtflüchtige Jod kann über die Luft und die Nahrung aufgenommen werden. Das radioaktive Jod hat dieselben chemischen Eigenschaften wie sein stabiles und für die Gesundheit unbedenkliches Isotop. In der Schilddrüse strahlen die radioaktiven Teilchen und belasten das umliegende Gewebe. Besonders für Kinder kann das schwerwiegende Folgen haben, weshalb in diesem Fall die Einnahme von Jodtabletten empfohlen wird.

Der Blick in die Geschichte soll die Gefahr nicht kleinreden. Er soll nur deutlich machen, wie wichtig es ist, zwischen echter und unechter Bedrohung zu unterscheiden. (ska)

Dieses Ausmaß ist in Japan bisher nicht eingetreten, wenngleich noch monatelang die Lecks in den Fukushima-Ruinen abgedichtet und Brennelemente gekühlt werden müssen . Sicher ist auch, dass weiter Radioaktivität austritt und in die Atmosphäre sowie das Meer gelangt. Derzeit schätzen Strahlenmediziner die Gesundheitsgefahr für die Menschen in Fukushima deutlich geringer als 1986, kurz nach Tschernobyl. Lebensmittel und Trinkwasser werden in Japan kontrolliert, Ackerflächen gesperrt.

Das macht das Unglück von Fukushima weder harmlos oder überstanden noch das atomare Restrisiko tolerierbar . Es zeigt aber, dass falsche Vergleiche nicht weiterhelfen, um die Katastrophe fassbar zu machen. Ganz gleich, wie die Lage in Japan zu bewerten ist: Die Kernenergie ist und bleibt unberechenbar. 

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Leserkommentare
  1. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und konkret zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/er

    26 Leserempfehlungen
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    was ist mit dem Osterhasen und dem Weihnachtsmann? Tststs...

    Wir haben im Moment an der Uni einen bekannten japanischen Germanistik-Professor zu Gast. Er hat in den letzten Wochen, die japanische und die deutsche Berichterstattung zur Katastrophe in Japan verfolgt.

    Er persönlich sagte, dass in den deutschen Medien die Statements von Japanern und Sprechern der japan. Regierung etc. häufig manipulativ ins Deutsche übersetzt wurden.

    Als z.B. der japan. Regierungssprecher Edano sagte, dass "der Regierung im Moment keine Untersuchungen vorliegen würdem, die beweisen, dass bisher Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt ist." wurde es im deutschen Fernsehen übersetzt: "Bisher ist keine Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt."

    Wenn Sie also selbst gut genug Japanisch können und die Statements der japanischen Regierung verfolgen konnten, dann ist Ihr sarkastischer Kommentar gerechtfertigt. Wenn Sie das allerdings nicht können, würde ich Ihnen vielleicht zu mehr Vorsicht bei solchen Bewertungen raten.

    Sie sollten den deutschen Sensationsjournalismus nicht uneingeschränkt vertrauen.
    Der angesprochene Professor ist übrigens zu einer anderen Schlussfolgerung gekommen. Demnach wäre die Transparenz der jetzigen japanischen Regierung vorbildlich gewesen, vermutlich sogar zu übereifrig im Streben um Transparenz.

    (Derzeit gibt es an der HU-Berlin / Japanologie Di. 18-20 Uhr eine Arbeitsgruppe zu der Thematik. Wenn Sie also in Berlin seien sollten, sind Sie dazu gerne eingeladen.)

    • onefsn
    • 13. April 2011 17:06 Uhr
    6 Leserempfehlungen
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    • onefsn
    • 13. April 2011 17:14 Uhr

    wenn Greenpeace an Gemüse so hohe radioaktive Werte gemessen hat, wie damals in Tschernobyl und dann der irgendwas-Minister, der vor laufender Kamera ein solches Stück Gemüse als scheinbaren Beweis isst, dass es doch so ungefährlich sei...

  2. ... der Hauptinformationslieferant Tepco heisst und dortige Journalisten vor ihrer Informationsquelle meist nur einen Diener machen, können hiesige Journalisten viel vermuten und vergleichen, wenn der Tag lang ist ...

    5 Leserempfehlungen
    • onefsn
    • 13. April 2011 17:14 Uhr

    wenn Greenpeace an Gemüse so hohe radioaktive Werte gemessen hat, wie damals in Tschernobyl und dann der irgendwas-Minister, der vor laufender Kamera ein solches Stück Gemüse als scheinbaren Beweis isst, dass es doch so ungefährlich sei...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der Regierungssprecher Yukio Edano. Der offizielle Titel lautet: Chefkabinettssekretär und Staatsminister für Angelegenheiten von Okinawa und der Nördlichen Territorien.

    • WIHE
    • 13. April 2011 17:15 Uhr

    Sachschaden ja, Tote nein.

    Wieso ist das Restrisiko nicht tolerierbar?

    Autofahren oder auch nur auf dem Bürgersteig in Hamburg spazuieren zu gehen scheint mir deutlich gefährlicher als neben einem deutschen oder japanischem KKW zu wohnen.

    Eine Leserempfehlung
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    Diese Auto-GAU-Vergleiche sind so sinnlos, dass sie schon nicht mehr hinken, sondern schon im Rollstuhl sitzen. Das bessert sich auch durch ständige Wiederholung nicht.

    Ein Autounfall betrifft die unmittelbar Beteiligten. Ein GAU alle Bewohner eines bestimmten Umkreises der havarierten Anlage.

    • siljan
    • 13. April 2011 17:32 Uhr

    das Sie meistens hinken.

    Bei einem Autounfall sterbe ich gleich oder spätestens in ein paar Tagen im Krankenhaus.

    Die Leutchen in Fukushima hingegen können sich in 20 Jahren raussuchen ob Ihr Lungenkrebs genetische Veranlagung, natürliche Ursache, Asbest oder Strontium 90 als Ursache hatte.

    Abgerechnet wird zum Schluß und das kann bei einem KKW-Unfall dauern.

    Achja. Manche würden sagen was soll es wenn ein jetzt 60-jähriger dann mit 80 an Krebs stirbt.

    Aber ob das die Teenager jetzt geauso gelassen sehen?

    Es mag richtig sein, dass mehr als 30 millionen Menschen bei Verkehrsunfällen seit Tschernobyl umgekommen sind (weiss nicht mehr, wo ich das gelesen oder gehört habe). Es ist auch richtig, dass: "Gasflaschen im Haus explodieren können" (sagte doch der türkische Präsident zur Rechtfertigung des vorgezogenen Baus türkischer KKw`s). Es ist auch richtig, dass Windräder umfallen und jemanden (oder einen vollbesetzten Reisebus auf den dann noch eine Familie mit 5 Kindern auffährt...)erschlagen können.
    Denoch gibt es m.E. einen Unterschied zwischen individuellem und kollektivem Risiko, d.h. Risiken, die ich bewußt eingehe oder in Kauf nehme und einem Risiko, dass in seinen Auswirkungen und seiner Nachhaltigkeit (Genveränderungen durch Strahlung und damit Vererbung)unkalkulierbar ist Dazu:
    http://www.spiegel.de/wis...

    ,deren Kinder nachweislich überdurchschnittlich oft an Leukämie erkranken, was die davon halten, "neben einem deutschen ... KKW zu wohnen".

    Und wenn Sie sich dann mal die Mühe machen, die volksveralbernden Kommentare von Vattenfall zu diesem Thema zu studieren, dann kommen Sie vielleicht mal wieder auf den Teppich.

    Es sei denn, Sie gehören zu den Autofahrern in Hamburg, die das Gehen auf Hamburgs Bürgersteigen so gefährlich machen...

    • yarx
    • 13. April 2011 18:23 Uhr

    Mir scheint Sie wissen ganz wovon Sie reden.
    Die Kernenergie ist eine Technolgie, die in keiner Weise mit einer anderen vergleichbar ist. Außer Kernkraftwerken und der folgenden Aufbereitung verbrauchter Brennstoffe gibt es nichts, was Stoffe herstellt, die zig-tausend Jahre betreut werden müssen, weil sie so lange eine Gefahr darstellen. Dagegen sind selbst Dioxine kurzlebig. Plutonium 239 ist ein Element, daß in der Natur nicht vorkommt. Was es auf Jahrtausende anrichtet weiß niemand. Über den ganzen anderen Teilchen-Zoo reden wir besser erst gar nicht. Es ist immer wieder das gleiche bei Diskussionen über dieses Thema. Es wird nur ein Aspekt betrachtet, und dann sieht alles ja gar nicht so gefährlich aus. Aber zur Kernenergie gehört nun mal die ganz Kette vom Abbau des Urans in afrikanischen Bergwerken mit teils skandalösen Zuständen, über die eigentliche Nutzung im Kraftwerk, bis zur ungelösten Frage der Endlagerung. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten der Waffenproduktion...
    Also bitte mal genauer überlegen, bevor in die Tasten gehauen wird!

    "S-Bahn nach Tschernobyl":

    http://www.zdf.de/ZDFmedi...

    Eigentlich hat schon Harrisbourg und vor allem Tschernobyl gezeigt, das das Restrisiko eben nicht tolerierbar ist.

    Fukushima setzt da nochmal ein Ausrufezeichen hinter ! Ihre Behauptung es sei angeblich nur Sachschaden entstanden ist einen zynische Verniedlichung der Tatsachen.

    Starhlung tötet langsam, das ist bekannt. Die zusätzlichen Krebstoten insbesondere unter den Arbeitern vor Ort aber auch im Umkreis werden folgen.

    Fakten zum Restrisiko:
    1. Es wurde suggeriert ein Supergau sei nach allen Annahmen nur alle ca. 100.000 Jahre zu erwarten:
    Realität: Zwei Supergaus in nur 50 Jahren !

    2. Vorher gab es schon Harrisbourg inkl. Kernschmelze außerdem Stand Forsmark in Schweden 2006 kurz vor der Kernschmelze weil zunächst alle Notkühlsysteme ausfielen.

    3. Flugzeugabstürze kommen in den Sicherheitskonzepten quasi nicht vor zu teuer ! aber natürlich sehr real ob zufällig oder terroristisch.

    4. Sicherheitsrelevante Mängel selbst in deutschen Reaktoren genau wie weltweit sind massenhaft bekannt, oft nicht behoben meist aus Kostengründen (ja die Aktionäre..)

    5. Unsicherheitsfaktor Mensch insbesondere in Paniksituationen wie u.a. in Fukushima. Die verheerenden H2 Explosionen wären wohl zu verhindern gewesen ?!

    6. Völlig ungeklärte Entsorgung des hochradioaktiven Mülls weltweit über 20.000 tausend Generationen ! Rückbau der bestehen Altreaktoren. Beides verursacht zu den großen Risiken immense Kosten= teurer Atomstrom

    7. Es gibt die Alternativen der rergenerativen Energien

    • Otto2
    • 14. April 2011 21:29 Uhr

    Ob ein Mensch an einem Autounfall oder an radioaktiver Verstrahlung stirbt, ist für das Opfer und seine Familie eher zweitrangig.
    Auch die Aufrechnung der Zahl der Gestorbenen mit Verkehrstoten verwischt die Problematik, denn sie sie erhellt.
    Veranschaulichen wir uns das Ganze mit einem Beispiel aus dem Artenschutz: Es gibt in D. viele aufgegebene ehemalige Truppenübungsplätze. Verwundert haben viele registriert, dass auf diesen Plätzen eine Vielzahl Vogelarten usw. überlebten, die ansonsten in unserem Land vom Aussterben bedroht sind oder gar schon ausgestorben sind.
    Das Phänomen ist klar: Durch das Schießen auf diesen Übungsplätzen wurden zwar auch nicht selten einzelne Tiere getötet, was aber erhalten blieb, ist der Lebensraum das Biotop! Das ist die Voraussetzung für den Fortbestand der Arten. Eine weitgehende Verstrahlung großer bewohnter Gebiete oder gar der Erde aber zerstört unseren Lebensraum, unser Biotop! Homo sapiens kann unter starker radioaktiver Strahlung nicht existieren. Die Menschheit kann sich durch diese Technik in die Lage bringen, in die sie bereits viele Arten auf der Erde gebracht hat. Über Autos kann man denken wie man will, Ihr Argument aber, es hinkt jämmerlich!

  3. Zumindest bei Block 3 ist es eigentlich nicht ehr angebracht, von so etwas wie einem definierbaren Abklingbecken zu reden.

    Wenn man sich den aktuellen Zustand des Gebäude ansieht, dann legt ein Vergleich des Zustands von Block drei nach der Explosion (http://cryptome.org/eyeba...) mit der Anlagenskizze im Areva-Bericht (http://cryptome.org/0003/...) den Verdacht nahe, dass der gesamte "Servicebereich" von Block 3 vollständig zerstört ist. Da, wo man den Beladekran vermuten würde, ist nur noch ein einziger Haufen chaotischer Trümmer erkennbar.

    Wie da noch jemand wissen will, ob die Überreste des Abklingbeckens noch intakt und dicht sind, kann ich nicht nachvollziehen. Und Nachschauen dürfte wohl ein wenig gefährlich sein.

    4 Leserempfehlungen
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    Der Verweis auf die Gebäude ist gut. Es ist deutlich zu erkennen das bei Reaktor 3 und 4 die Gebäudehülle auch im "Betonkörper" schwer geschädigt ist, hier ist nicht nur die Trapetzblechverkleidung der Service Etage betroffen sondern das Problem betrifft den massiven Betonteil der Gebäude. Es gibt sogar Videos auf denen kann man die Gitter der Brenelementehalterungen erkennen, sie liegen im freien ohne jede Bedeckung von Wasser.
    Meiner Ansicht nach wird dort nur mit dem Wasser auf die Abklingbecken gesprüht um die freiwerdenden Spaltprodukte zu binden, daher die hohe Belastung im Wasser und im Meer. Wenn gesagt wird das nur 10% der Spaltprodukte von Chernobyl in der Luft sind, dann sind es wohl 400% im Meer. Hochgerechnet auf den Kubikmeter über die Meeresmesspunkte T2 - T9 gibt es eine Belastung an der Oberfläche von 6,5 Mio. Bq/m³ - 0.95 Mio. Bq/m³ und T9 ist 40 km vom Mailer entfernt. Die Messpunkte MA, MB, M1 und M2 in 100 km Entfernung werden vorsichtshalber gar nicht erst veröffentlicht. Wenn man berücksichtigt das die meisten Spaltprodukte absinken und daher die Oberfläche schon weniger belastet ist als tiefere Regionen und man das einmal auf Terra-Bq hochrechnet. Dann ist Chernobyl wohl eher ein "Kataströpfchen".
    Geändert werden kann das nicht mehr, aber es sollte die Wahrheit ans Licht da das Problem offenbar nur international zu lösen ist.
    http://www.jaif.or.jp/eng...

  4. Diese Auto-GAU-Vergleiche sind so sinnlos, dass sie schon nicht mehr hinken, sondern schon im Rollstuhl sitzen. Das bessert sich auch durch ständige Wiederholung nicht.

    Ein Autounfall betrifft die unmittelbar Beteiligten. Ein GAU alle Bewohner eines bestimmten Umkreises der havarierten Anlage.

    14 Leserempfehlungen
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    ... nützt auch nur den Insassen. Das Kernkraftwerk hunderttausenden von Strombeziehern.

    Kennen Sie Asmartam? Ein Süßstoff, bis heute in vielen Softdrinks zu finden. Kürzlich wurde nachgewiesen, daß er sich bereits bei Körpertemperatur zu Formaldehyd zersetzt - was Coca&Konsorten wußten, aber nicht publik machten (so lange, bis sie klammheimlich auf Stevia umgestellt haben).

    Wenn man die "Todesrate" durch diesen Süßstoff genauso hochrechnet wie bei Tscherbobly - üotenziell verringerte Lebenserwartung mal Anzahl der Betroffenen - dann ist Aspartam für zehnmal mehr Tote verantwortlich als die Atomenergie incl. aller bisherigen Unfälle. Im Gegensatz zur Atomenergie hat uns Aspartam aber KEINEN besonderen Nutzen gebracht (billige Energie ohne CO2-Ausstoß).

    Wer schon die Kernenergie für "unverantwortlich" hält, müßte gegen Aspartam täglich einen Molli anwerfen. Daß dies nicht geschieht, zeigt: die Verteufelung der Kernkraft ist vieles, aber nicht logisch.

    ... kann Ihnen nur zustimmen, würde man um jeden Autounfall für die nächsten 30 Jahre eine Schutzzone von 200m einrichten müssen, dann wäre unser Klimaproblem schnell gelöst.
    Und nur wenn jemand indirekt stirbt und sich nacher eine Billionen Euro schwere Industrie mit ein zwei oder drei Milliarden Euro PR Aufwand darum bemüht Sachzusammenhänge zu zerreden und als unwissenschaftlich darzustellen dann ist das alles einfach nur noch gruselig. Wie kommt man da raus aus dieser verlogenen Gesellschaft? Wo erwischen sie einen nicht?

    Eine Person, die in der Nähe eines AKW wohnt und dieses dann einen Unfall hat, ist genauso unschuldig und unbeteiligt, wie eine Person, die von einem Auto angefahren wird, weil sie zufällig auf einem Bürgersteig spazieren geht. Und es sind schon bei solchen Unfällen mehr Menschen ums Leben gekommen als bei der Atomkatastrophe von Fukushima bis jetzt.

  5. 8. [...]

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/se

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  • Schlagworte Japan | Brennelement | Evakuierung | Katastrophe | Kernenergie | Trinkwasser
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