Atom-Katastrophe in JapanFukushima ist nicht Tschernobyl

Fukushima ist nun offiziell ein katastrophaler Unfall. Zu Recht, das war längst bekannt. Doch zu suggerieren, alles sei weit dramatischer, ist falsch, meint S. Stockrahm. von 

Eine Frau wird Ende März auf eine radioaktive Belastung geprüft. Sie wohnt im evakuierten Gebiet in der Präfektur Fukushima.

Eine Frau wird Ende März auf eine radioaktive Belastung geprüft. Sie wohnt im evakuierten Gebiet in der Präfektur Fukushima.  |  © Go Takayama/AFP/Getty Images

Wenig hat sich am Ernst der Lage in den Ruinen von Fukushima-1 verändert. Nach wie vor konzentrieren sich Techniker und Arbeiter in der Anlage auf die dauerhafte Kühlung des Brennstoffs in den Reaktorkernen und zeitweise ausgetrockneten Abklingbecken. Und doch scheint die Situation seit gestern eine andere zu sein: Denn die AKW-Havarie in Japan rangiert nun auf einer Stufe mit dem GAU in Tschernobyl im Jahr 1986. In Fukushima müsse nun doch alles viel schlimmer, dramatischer und gefährlicher sein als bislang gedacht, mutmaßen Medien seither. Japan habe sich "endlich" entschlossen, das wahre Ausmaß der Katastrophe mitzuteilen, heißt es. Im Unterton schwingt mit, dass hier verheimlicht, vertuscht und falsch gehandelt wurde.

Wären nicht ganz andere Maßnahmen getroffen worden, wenn der Unfall von Anfang an so schwerwiegend eingestuft worden wäre? Die Antwort ist Nein. Denn die internationale Skala für nukleare Ereignisse (Ines) sieht für die verschiedenen Kategorien von Atomunfällen keine konkreten Maßnahmen vor. Sie erteilt dazu noch nicht einmal Empfehlungen. Jedes Land entscheidet selbst, wie es auf Reaktorunfälle reagiert. In Japan hatten die Behörden bereits zwei Tage nach dem Ausfall der Kühlung in der Atomanlage mehr als 60.000 der insgesamt rund 80.000 Bewohner im Radius von 20 Kilometern um Fukushima-1 in Sicherheit gebracht. Danach erst sprengte entzündeter Wasserstoff die Außenhülle des Reaktors 3 und beschädigte die Blöcke 2 und 4 zum Teil schwer.

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Was wissen wir wirklich über die Situation in Fukushima? Fünf Experten geben einen Überblick

Was wissen wir wirklich über die Situation in Fukushima? Fünf Experten geben einen Überblick  |  © Jiji Press/AFP/Getty Images

Seit Beginn der Havarie versuchen zudem Arbeiter in der Atomanlage das Menschenmögliche, einen Unfall in den Griff zu bekommen, für den es keinen Notfallplan gibt. Der fehlt, weil keine Atomnation der Erde sich je mit einem solchen Szenario auseinandergesetzt hat. Bis Fukushima war der Glaube an die Beherrschbarkeit der Kernenergie nahezu unerschütterlich, trotz zahlreicher Unfälle und den Erfahrungen aus Harrisburg 1979 und Tschernobyl 1986. Ein desaströses Versagen, für das Japan nun bitter bezahlt.

Die Einstufung Fukushimas als zweiter "katastrophaler Unfall" in der Geschichte war in der Tat überfällig. Dass große Mengen Radioaktivität aus den Unglücksreaktoren entwichen sein mussten, war selbst Laien klar, nachdem die Bilder der explodierenden Blöcke um die Welt gingen.

Die Ines-Stufe 7 sei das "Schandmal, dass man so lange wie möglich vermeiden wollte", formulierte Claus Kleber es im Heute-Journal . Dies ist kaum zu bestreiten. Japans Atomaufsicht hat sich viel zu lange an Details und im Datengewirr festgebissen. Es kann nicht sein, dass diese Behörde Wochen braucht, um etwas festzustellen, das seit einem Monat für jeden offensichtlich ist.

Richtig ist auch, dass Japans Regierung versucht, die Öffentlichkeit zu beschwichtigen. Ein Grund dafür dürfte die Sorge vor Panik sein. Eine bewusste Vertuschung von Messergebnissen oder Erkenntnissen aus den Reaktoren vermuten Fachleute aber bisher nicht .

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Fukushima ist trotz der gleichen Stufe kein zweites Tschernobyl. Der Hergang beider Unfälle und auch das Ausmaß sind sehr verschieden.

Vor 25 Jahren explodierte der Reaktor 4 in der Ukraine in vollem Betrieb. Auf einen Schlag gelangte etwa das Zehnfache an Radioaktivität, das bislang in Fukushima frei wurde, in Höhen von rund 1000 Metern. Der Fallout der strahlenden Partikel verteilte sich über weite Teile Europas. Erst einen Tag nach dem GAU lief die Evakuierung der nur drei Kilometer vom Reaktor entfernten 49.000-Einwohner-Stadt Pripjat an. Während die Kernschmelze offen lag und es tagelang weiter brannte, wurden erst acht Tage nach der Explosion weitere rund 85.000 Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometern in Sicherheit gebracht. Die meisten von ihnen hatten längst radioaktives Jod eingeatmet, ohne es zu ahnen . Bis zu 6000 Schilddrüsenkrebserkrankungen sind als Folge belegt.

Gesundheitsfolgen nach Tschernobyl

In Tschernobyl starben infolge des Reaktorunfalls unmittelbar 28 Menschen nach einer erhöhten Strahlenbelastung. 19 weitere Menschen starben zwischen 1986 und 2005 nachweislich an den gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe. Das ist das Ergebnis eines Berichtes der Vereinten Nationen, der zuletzt Ende Februar aktualisiert worden ist. Insgesamt könnten langfristig bis zu 4000 Menschen an der Radioaktivität sterben, die durch die Explosion des Reaktors freigesetzt wurde, schätzt das internationale Wissenschaftskonsortium. Die meisten von ihnen gehören zu den rund 500.000 Arbeitern, die an den Rettungsmaßnahmen zwischen 1986 und 1987 auf dem Gelände beteiligt waren.

Schilddrüsenkrebs

Für den überwiegenden Teil der Menschen ist das Unglück eher glimpflich verlaufen. 6000 Menschen sind in den zwei Jahrzehnten nach Tschernobyl an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Das ist der einzige Tumor, der sich empirisch eindeutig als Folge von Tschernobyl nachweisen lässt. Diese Art von Krebs gilt als gut behandelbar und verläuft in den allermeisten Fällen nicht tödlich. "Die Wahrscheinlichkeit mit der Diagnose die nächsten 20 Jahre zu überleben, liegt bei etwa 90 Prozent über alle Altersgruppen hinweg", sagt Christoph Reiners, der das WHO-Kollaborationszentrum für medizinische Vorsorge und Hilfe bei Strahlenunfällen leitet.

Das leichtflüchtige Jod kann über die Luft und die Nahrung aufgenommen werden. Das radioaktive Jod hat dieselben chemischen Eigenschaften wie sein stabiles und für die Gesundheit unbedenkliches Isotop. In der Schilddrüse strahlen die radioaktiven Teilchen und belasten das umliegende Gewebe. Besonders für Kinder kann das schwerwiegende Folgen haben, weshalb in diesem Fall die Einnahme von Jodtabletten empfohlen wird.

Der Blick in die Geschichte soll die Gefahr nicht kleinreden. Er soll nur deutlich machen, wie wichtig es ist, zwischen echter und unechter Bedrohung zu unterscheiden. (ska)

Dieses Ausmaß ist in Japan bisher nicht eingetreten, wenngleich noch monatelang die Lecks in den Fukushima-Ruinen abgedichtet und Brennelemente gekühlt werden müssen . Sicher ist auch, dass weiter Radioaktivität austritt und in die Atmosphäre sowie das Meer gelangt. Derzeit schätzen Strahlenmediziner die Gesundheitsgefahr für die Menschen in Fukushima deutlich geringer als 1986, kurz nach Tschernobyl. Lebensmittel und Trinkwasser werden in Japan kontrolliert, Ackerflächen gesperrt.

Das macht das Unglück von Fukushima weder harmlos oder überstanden noch das atomare Restrisiko tolerierbar . Es zeigt aber, dass falsche Vergleiche nicht weiterhelfen, um die Katastrophe fassbar zu machen. Ganz gleich, wie die Lage in Japan zu bewerten ist: Die Kernenergie ist und bleibt unberechenbar. 

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Leserkommentare
    • siljan
    • 14. April 2011 7:10 Uhr

    1.) Ein Auto ist für mich von Belang. Millionen Autos für die ganze Gesellschaft. Jeden von uns.

    2.) Kernkraft ist wirklich billig? Alternativlos? Wirklich ?Mobilität ist nicht ersetzbar. Kernkraft schon.

    3.) Das Aspartamproblem ist mir als Chemiker sehr gut bekannt. Ich nehme deswegen schon lange nur Zucker. Wenn überhaupt. Aber weil auf der Welt eine Problematik nicht konsequent angegangen wir und die breite MAsse das Risiko hier akzeptiert müssen wir mit anderen Risiken genauso verfahren?

    Seltsame Logik haben Sie.

    Antwort auf "Aber das Auto..."
    • siljan
    • 14. April 2011 7:16 Uhr

    aber kein Widerspruch zu meiner Aussage. Bei einem Autounfall ob nun als Verursacher oder Beteiligter trage ich die konsequenzen meist unmittelbar. Bei einem Supergau bin ich meistens eh nur Opfer und keiner weiß wann ich die Konsequenzen werde tragen müssen. Russich Roullette. Nur das mir die Konzerene dabei die Knarre an den Kopf halten ohne meine Einwilligung und ohne großen Benefit für mich

  1. das alles?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Liebe(r) lotharma,

    Sie fragen, woher ich denn meine Informationen habe. In den vergangenen vier Wochen bin ich in regelmäßigem Kontakt mit Nuklearforschern, Radioökologen, Strahlenmedizinern und weiteren Experten. Einige davon melden sich hier zu Wort:

    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-04/fukushima-datenlage

    Bereits eine Woche nach der Havarie der Reaktoren in Japan ist dieses Stück von mir erschienen, das auch mögliche gesundheitliche Auswirkungen beschreibt:

    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-03/fukushima-szenarien-japan

    Zu weiteren Strahlenschäden empfehle ich dieses Stück:

    http://www.zeit.de/wissen/2011-03/attacke-auf-das-erbgut

    Für Radioaktivität in Lebensmitteln:

    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-03/japan-fukushima-lebensmittel

    Zu den Maßnahmen am AKW (für die es in dieser Form keinen Notfallplan gibt):

    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-03/fukushima-massnahmen-reaktoren

    Viele Infos finden Sie auf unterschiedlichen, offiziellen Seiten, eine Auswahl:

    Gesellschaft für Ablagen- und Reaktorsicherheit:
    Bundesamt für Strahlenschutz:
    http://www.bfs.de/de/kerntechnik/papiere/japan/uebersicht.html

    Karlsruher Institut für Technologie:
    http://www.kit.edu/besuchen/6042.php

    Johann Heinrich von Thünen-Instiut: http://www.vti.bund.de/de/startseite/startseite/faq-japan.html

    Institut für Strahlenschutz und Nuklearsicherheit (F): http://www.irsn.fr/EN/Pages/home.aspx

    JAIF: http://www.jaif.or.jp/english/

    Nisa: http://www.nisa.meti.go.jp/english/index.html

  2. "Die Jod-Werte in Tokyo liegen heute unter denen von vor der Katastrophe"

    Da muss es wohl ein bisher der Wissenschaft verborgen gebliebenes Phänomen geben. Möglicherweise wird radioaktives Jod von den andereren (in der Regel ungenannten) Bestandteilen des freigesetzten Radionukleid-Mixes unschädlich gemacht? Möglicherweise neutralisiert sich aber auch die Wirkung verschiedener Radionukleide bei richtiger Zusammensetzung?

  3. Eigentlich hat schon Harrisbourg und vor allem Tschernobyl gezeigt, das das Restrisiko eben nicht tolerierbar ist.

    Fukushima setzt da nochmal ein Ausrufezeichen hinter ! Ihre Behauptung es sei angeblich nur Sachschaden entstanden ist einen zynische Verniedlichung der Tatsachen.

    Starhlung tötet langsam, das ist bekannt. Die zusätzlichen Krebstoten insbesondere unter den Arbeitern vor Ort aber auch im Umkreis werden folgen.

    Fakten zum Restrisiko:
    1. Es wurde suggeriert ein Supergau sei nach allen Annahmen nur alle ca. 100.000 Jahre zu erwarten:
    Realität: Zwei Supergaus in nur 50 Jahren !

    2. Vorher gab es schon Harrisbourg inkl. Kernschmelze außerdem Stand Forsmark in Schweden 2006 kurz vor der Kernschmelze weil zunächst alle Notkühlsysteme ausfielen.

    3. Flugzeugabstürze kommen in den Sicherheitskonzepten quasi nicht vor zu teuer ! aber natürlich sehr real ob zufällig oder terroristisch.

    4. Sicherheitsrelevante Mängel selbst in deutschen Reaktoren genau wie weltweit sind massenhaft bekannt, oft nicht behoben meist aus Kostengründen (ja die Aktionäre..)

    5. Unsicherheitsfaktor Mensch insbesondere in Paniksituationen wie u.a. in Fukushima. Die verheerenden H2 Explosionen wären wohl zu verhindern gewesen ?!

    6. Völlig ungeklärte Entsorgung des hochradioaktiven Mülls weltweit über 20.000 tausend Generationen ! Rückbau der bestehen Altreaktoren. Beides verursacht zu den großen Risiken immense Kosten= teurer Atomstrom

    7. Es gibt die Alternativen der rergenerativen Energien

  4. 'Bis Fukushima war der Glaube an die Beherrschbarkeit der Kernenergie nahezu unerschütterlich, trotz zahlreicher Unfälle und den Erfahrungen aus Harrisburg 1979 und Tschernobyl 1986.'
    Hier fehlt ein kleiner Satz: der Glaube an die Beherrschbarkeit SEITENS DER KERNKRAFTWERKBETREIBER war nahezu unerschütterlich. Die Bevölkerung sah das etwas anders. Schließlich wurde seit Tschernobyl immer wieder gewarnt, daß ein Gau erneut eintreten könnte - und diese Annahme wurde immer als lächerlich und übertrieben hingestellt. Im Brustton der Überzeugung wurde behauptet, so etwas könne nie wieder passieren und die Schuld auf die bösen Russen geschoben, die ja bekanntlich technologisch weit hinter der westlichen Welt zurück waren.
    'Der Hergang beider Unfälle und auch das Ausmaß sind sehr verschieden.'
    Wie das Ausmaß der Katastrophe aussehen könnte, ist bis jetzt völlig unbestimmt. Ich verweise hierzu auf diesen Artikel: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-03/fukushima-szenarien-japan
    'Dieses Ausmaß ist in Japan bisher nicht eingetreten, wenngleich noch monatelang die Lecks in den Fukushima-Ruinen abgedichtet und Brennelemente gekühlt werden müssen. Sicher ist auch, dass weiter Radioaktivität austritt und in die Atmosphäre sowie das Meer gelangt.' Verräterisch ist hier das kleine Wörtchen bisher.
    'Ganz gleich, wie die Lage in Japan zu bewerten ist: Die Kernenergie ist und bleibt unberechenbar.'
    Immerhin eine Erkenntnis, die uns bis jetzt vorenthalten blieb.

  5. Wir haben im Moment an der Uni einen bekannten japanischen Germanistik-Professor zu Gast. Er hat in den letzten Wochen, die japanische und die deutsche Berichterstattung zur Katastrophe in Japan verfolgt.

    Er persönlich sagte, dass in den deutschen Medien die Statements von Japanern und Sprechern der japan. Regierung etc. häufig manipulativ ins Deutsche übersetzt wurden.

    Als z.B. der japan. Regierungssprecher Edano sagte, dass "der Regierung im Moment keine Untersuchungen vorliegen würdem, die beweisen, dass bisher Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt ist." wurde es im deutschen Fernsehen übersetzt: "Bisher ist keine Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt."

    Wenn Sie also selbst gut genug Japanisch können und die Statements der japanischen Regierung verfolgen konnten, dann ist Ihr sarkastischer Kommentar gerechtfertigt. Wenn Sie das allerdings nicht können, würde ich Ihnen vielleicht zu mehr Vorsicht bei solchen Bewertungen raten.

    Sie sollten den deutschen Sensationsjournalismus nicht uneingeschränkt vertrauen.
    Der angesprochene Professor ist übrigens zu einer anderen Schlussfolgerung gekommen. Demnach wäre die Transparenz der jetzigen japanischen Regierung vorbildlich gewesen, vermutlich sogar zu übereifrig im Streben um Transparenz.

    (Derzeit gibt es an der HU-Berlin / Japanologie Di. 18-20 Uhr eine Arbeitsgruppe zu der Thematik. Wenn Sie also in Berlin seien sollten, sind Sie dazu gerne eingeladen.)

    Antwort auf "Wieso denn das?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • siljan
    • 14. April 2011 9:27 Uhr

    Kann durchaus so sein wie von Ihnen geschildert. Die puren Tatsachen an sich unaufgeregt betrachtet und zumindest die englische Übersetzung der Stellungnahmen der japanischen REgierung sprächen dafür, daß es die Regierung erhlich meinen könnte.

    Allerdings muß man auch berücksichtigen, daß Japaner meiner Einschätzung nach noch weit duldsamer und autoritätsgläubiger sind als sonstwer auf der Welt. Insofern muß man die Einschätzung jedes Japaners auch Ihres Profs mit Vorsicht geniesen.

    Zumal man nüchtern feststellen muß und auch die japanische Regierung letztendlich nix anders behauptet als "Die Lage ist ernst und wir wissen im Grunde nicht was genau passiert in Fukushima" Beruhigend ist das nicht.

    Bei TEPCO sieht das allerdings anders aus. Die wurden schon ein paar mal zu oft beim Lügen erwischt. in der Vergangenheit..

    • BenGO
    • 14. April 2011 10:01 Uhr

    koennen Sie für WEB Transparenz in Bezug auf diese
    Kommunikation sorgen?
    Das wäre objektiv interessant!
    mfG

    • siljan
    • 14. April 2011 9:27 Uhr
    112. Hm....

    Kann durchaus so sein wie von Ihnen geschildert. Die puren Tatsachen an sich unaufgeregt betrachtet und zumindest die englische Übersetzung der Stellungnahmen der japanischen REgierung sprächen dafür, daß es die Regierung erhlich meinen könnte.

    Allerdings muß man auch berücksichtigen, daß Japaner meiner Einschätzung nach noch weit duldsamer und autoritätsgläubiger sind als sonstwer auf der Welt. Insofern muß man die Einschätzung jedes Japaners auch Ihres Profs mit Vorsicht geniesen.

    Zumal man nüchtern feststellen muß und auch die japanische Regierung letztendlich nix anders behauptet als "Die Lage ist ernst und wir wissen im Grunde nicht was genau passiert in Fukushima" Beruhigend ist das nicht.

    Bei TEPCO sieht das allerdings anders aus. Die wurden schon ein paar mal zu oft beim Lügen erwischt. in der Vergangenheit..

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Japan | Brennelement | Evakuierung | Katastrophe | Kernenergie | Trinkwasser
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