Infektionskrankheiten In Südostasien erkranken Menschen an Affen-Malaria
"Plasmodium knowlesi" wurde erst 2004 bei Menschen in Südostasien nachgewiesen. Jetzt steht fest: Javaneraffen sind der Hauptwirt des Malaria-Erregers.
© André Ueberbach/Wikimedie Commons

Ein Makake in Asien
Javaneraffen (Macaca fascicularis) können Malaria auf Menschen übertragen. Schon seit den 1930er Jahren weiß man, dass diese in Südostasien lebende Makakenart den Malaria-Erreger Plasmodium knowlesi in sich trägt. Mit dem Menschen konnte dieser einzellige Parasit jedoch lange nicht in Verbindung gebracht werden. Erst vor wenigen Jahren fand man ihn in Malaria-Patienten, die in Südostasien lebten oder in Malaysia, China oder Myanmar Urlaub gemacht hatten.
Zwar lag der Verdacht nahe, dass diese Fälle menschlicher Infektionen mit Plasmodium knowlesi ihre Ursache in den Affen hatten. Doch der Beweis stand aus. Den hat jetzt ein Team um Kim-Sung Lee von der University Malaysia Sarawak erbracht. Die Primatenforscher haben im malaysischen Teil der Insel Borneo 108 wild lebenden Makaken Blut entnommen. Bei 78 Prozent der Tiere fanden sie den Erreger Plasmodium knowlesi. Außerdem trugen viele der Affen einen oder mehr Erreger bestimmter Malaria-Parasiten in sich, die bis jetzt noch nicht im Menschen nachgewiesen werden konnten.
- Was ist Malaria?
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Malaria ist eine Krankheit, die durch den Stich weiblicher Anopheles-Mücken übertragen wird. Dabei gelangt ein Parasit ins Blut, der sich dort vermehrt und den Organismus schädigt.
Je nach Art des Erregers leiden die Patienten an grippeähnlichen Symptomen, schweren Fieberschüben und Schädigungen der Organe.
Jährlich erkranken nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 243 Millionen Menschen an der Tropenkrankheit.
Eine neue Auswertung der Malaria-Sterblichkeit hat zudem ergeben, dass die Schätzungen der WHO zu den Todesfällen durch das Wechselfieber wohl deutlich zu gering ausgefallen sind. Zwar gebe es Fortschritte im Kampf gegen die Seuche. Doch verstarben allein 2010 weltweit 1,24 Millionen Menschen nach den neuen Berechnungen an der Krankheit. In ihrem Malaria-Bericht von 2011 geht die WHO bislang von etwa der Hälfte aus.
- Die Erreger
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Lange waren nur vier Erreger bekannt, die beim Menschen Malaria auslösen: Plasmodium falciparum, Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae.
Am tödlichsten ist Plasmodium falciparum, der die Malaria tropica verursacht. Infektionen mit einem der drei anderen Erreger verlaufen eher gutartig.
Vor gut sieben Jahren wandelte sich das Quartett der Malaria-Erreger zu einem Quintett: Plasmodium knowlesi wurde als ernst zu nehmender Krankheitsauslöser für den Menschen erkannt.
- Malaria als Reisekrankheit
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Malaria ist in vielen Entwicklungsländern, vor allem in Afrika, ein großes Problem. Aber auch Touristen können sich auf Reisen mit den Parasiten infizieren. Informationen dazu, in welchen Ländern eine Malaria-Prophylaxe durch Medikamente nötig ist, gibt es bei Tropeninstituten wie dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg und auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts.
Grundsätzlich sollten sich Reisende in tropischen Gebieten mit Moskitonetzen, langer Kleidung und DEET-haltigen Repellents vor Mückenstichen schützen. Denn die Insekten können neben Malaria auch andere Krankheiten, wie Dengue-Fieber übertragen.
"Wir haben die im Affen gefundenen Erreger mit denen von infizierten Menschen verglichen und fanden den exakt gleichen Typ von Plasmodium knowlesi vor", sagt Balbir Singh, Mitautor der in PloS Pathogens veröffentlichten Studie. Damit sei klar, dass die dadurch ausgelöste Malaria eine Zoonose sei – eine Infektionskrankheit, die vom Tier auf den Menschen übertragen wird. Die Makaken fungieren dabei als Nebenwirte, Überträger ist die Anopheles-Stechmücke.
Die Ergebnisse der asiatischen Studie sind für Christian Meyer vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin ein weiteres Steinchen im großen Mosaik der Malaria-Erkrankung. "Langfristig ist es dann zum Beispiel sinnvoll, über eine Malaria-Prophylaxe für die betroffenen Gebiete nachzudenken."
Mit der ausführlichen Genanalyse des Erregers konnten die Wissenschaftler nun auch dessen historische Entwicklung nachvollziehen. "Wir haben es hier mit einem sehr, sehr alten Parasiten zu tun", sagt Balbir Singh. Seit mindestens 98.000 Jahren lebt Plasmodium knowlesi in den Affen, also lange bevor die ersten Menschen Südostasien besiedelten. Der dominierende Wirt des Parasiten ist demnach der Makake.
Allerdings könnte sich das in naher Zukunft ändern: "Der Mensch rückt immer näher in die Lebensgebiete der Affen vor, Touristen gehen jagen oder übernachten im Dschungel, da kommen sie unweigerlich häufiger mit den Stechmücken in Kontakt als in Siedlungen", sagt Singh. Hinzu komme, dass die Populationen der Makaken riesig seien. Das heißt: Die Stechmücken können sich aus einem schier unendlichen Reservoir bedienen und den gefährlichen Erreger verbreiten. Schützen könne man sich lediglich durch den exzessiven Einsatz von Sprays und Moskitonetzen.
Hat man sich erst einmal infiziert, zählt jede Stunde: Plasmodium knowlesi ist der schnellste der fünf Malaria-Parasiten. Innerhalb von 24 Stunden hat sich die Zahl der Erreger im Blut verdoppelt. Eine schnelle Behandlung ist hier besonders wichtig. Fatalerweise ähnelt Plasmodium knowlesi dem vergleichsweise harmlosen Plasmodium malariae unter dem Mikroskop so sehr, dass es hier zu verhängnisvollen Fehldiagnosen kommen kann.
- Datum 08.04.2011 - 07:30 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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