Wilderei in AfrikaHightech-Jagd auf Nashorn-Jäger

In Asien glauben die Menschen, mit dem Horn von Nashörnern Krebs heilen zu können. Das fördert die Wilderei in Afrika. Jetzt werden Nashörner mit Satelliten überwacht. von  und

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Zwei Nashorn-Bullen in der Savanne von Kenia  |  © Roberto Schmidt/AFP/Getty Images

Es ist ein Bohrer wie aus dem Baumarkt. Rusty Hustler setzt ihn an, dreht ein Loch in das Horn des Rhinos, so groß, dass ein Tennisball gerade hineinpassen würde. Dann wird ein Chip hineingesetzt. Das vier Tonnen schwere Tier scheint vor dem Wildschützer zu knien – und spürt von allem nichts.

Hustler, Mitarbeiter der North-West-Provinz-Verwaltung in Südafrika, will mit diesem kleinen Eingriff Nashörner vor dem Tod bewahren. Zurzeit werden so viele Tiere gewildert wie schon lange nicht mehr. Allein in Südafrika waren es 333 Nashörner im vergangenen Jahr . 2011 starben bereits mehr als 70 Tiere.

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In Kenia wurde nach Informationen der staatlichen Organisation Kenya Wildlife Service zum ersten Mal seit 25 Jahren die kritische Marke von einem Prozent überschritten: Dort töteten Wilderer im Jahr 2009 fast zwei Prozent der Spitzmaulnashorn-Population. Deshalb setzen die Betreiber der Nationalparks in Afrika eine Technik ein, wie sie auch das Militär verwendet: Mit Mikrochips und Satelliten werden die Tiere nun überwacht.

In den vergangenen Monaten wurden in mehreren Nationalparks in Südafrika, Kenia und Tansania RFID-Mikrochips in die Hörner der Tiere eingesetzt. Jedes Nashorn bekommt damit eine individuelle Nummer. Sophie Haupt vom südafrikanischen Unternehmen, das die Chips produziert, erklärt: "Die Transponder haben den Vorteil, dass sie klein und einfach einzusetzen sind und über mehrere Jahre wartungsfrei funktionieren." Ein Chip koste 1550 Rand, rund 160 Euro. Die Geräte senden verschlüsselt die Position des Tieres über das Global Positioning System (GPS) an die Computer oder Handys der Park-Ranger.

Die letzten Nashörner

In Afrika leben schätzungsweise noch 3700  Spitzmaulnashörner (Quelle: WWF).

Während das Nördliche Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum cotoni) so gut wie ausgestorben ist, haben vom Südlichen Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum simum) schätzungsweise 14.500 Exemplare überlebt.

Vor allem in Simbabwe geht die Jagd auf Nashörner nahezu ungehindert weiter. Asiatische Banden wildern die Tiere in dem korrupten und politisch instabilen Land, während Naturschützer dort wenig ausrichten können.

Verschiedene Alarm-Funktionen lassen sich programmieren: Eine für den Moment, in dem ein Tier plötzlich losrennt; eine andere, wenn ein Nashorn länger als sechs Stunden schläft. "Beides ist nicht normal", sagt Rusty Hustler. "In diesen Fällen fahren die Mitarbeiter sofort raus zum Tier."

Außerdem schlägt das System Alarm, wenn der Chip ein bestimmtes Gebiet oder den Nationalpark verlässt. Dann, räumt Sophie Haupt ein, sei es allerdings meistens zu spät. Mehrmals pro Woche finden die Ranger in den afrikanischen Steppen die tonnenschweren Tiere in Blutlachen. Die Wilderer schlachten meist bei Nacht; aus kleinen Hubschraubern, die auf Pickups passen, schießen sie Betäubungspfeile auf die Nashörner. Wenige Minuten später graben sich Motorsägen in das Fleisch der Tiere, das Horn wird so herausgesägt, dass der Kopf nur noch matschiges, dunkelrot-glänzendes Fleisch ist. Die Nashörner verbluten.

Die Hörner verkaufen die Wilderer vor allen nach Südostasien und Fernost, wo die Menschen glauben, damit Krankheiten heilen zu können. Seit Jahrtausenden gilt Nashorn-Mehl in Asien als Wundermittel gegen Impotenz, Fieber und Krebs. Und seit Jahren wächst deshalb der Markt: Rund zweitausend Euro soll ein Kilo Horn derzeit wert sein.

"Wir haben es mit globaler, organisierter Kriminalität zu tun", erklärt David Mabunda von der Dachorganisation der südafrikanischen Nationalparks . "Die Wilderer sind weltweit vernetzt und aktiv."

Vielerorts in und um die Nationalparks Afrikas fehlen alternative Einkommensmöglichkeiten für die Einheimischen. Das Geld, das mit dem Tourismus verdient wird, fließt überwiegend in die Kassen südafrikanischer Unternehmer. Das Engagement der Wildhüter in den einzelnen Parks kann gegen dieses soziale Problem kaum etwas ausrichten.

Kaza-Park
Chobe Nationalpark Botswana Flusspferd Safari Afrika

Ein neues Projekt soll den Tourismus im Süden Afrika fördern und die Wildnis schützen.  |  © Kevin Coombs/Reuters

Hier setzen Projekte wie der grenzübergreifende Kavango-Sambesi-Naturpark (KAZA) an. Die Länder Angola, Botsuana, Namibia, Sambia und Simbabwe haben ein Memorandum unterzeichnet, wonach sie in einer Region so groß wie Deutschland den Tourismus fördern und gleichzeitig die Wildnis schützen wollen. Ein Kernelement ist, dass die Einheimischen erstmals Rechte an den Land erhalten, auf dem sie wohnen. So können auch sie von Tourismus und legaler Jagd profitieren.

Solange tote Tiere für die Menschen in der Region allerdings wertvoller sind als lebendige, müssen Rusty Hustler und seine Kollegen weiterhin kreativ sein, um die Nashörner vor dem Aussterben zu bewahren.

Der Einsatz der Mikrochips schützt nicht nur die Tiere besser, sondern macht auch die Verfolgung der Wilderer einfacher. Die Transponder senden auch nach dem Tod des Tieres Daten an den Computer – damit kann die Polizei die Spur der Nashorn-Jäger verfolgen.

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Leserkommentare
  1. Da hilft nur eines, aus den Jägern Gejagte machen. Sonst geht das so weiter.

    Eine Leserempfehlung
  2. als ich das zum ersten mal in Südafrika gesehen habe. Ich meine gesehen, wie die Nationalparks geschützt werden.

    Die haben alles: Nachtsichtgeräte, Scharfschützengewehre, automatische Waffen bis hin zur festen MG am Ende des Pickups. Und sie müssen immer sofort schießen, wenn sie Wilderer entdecken. Die Wilderer sind meist total zugedröhnt und haben eh nichts zu verlieren (außer ihrem Leben, das ihnen nicht viel wert ist).

    Und am Tag ist die heile Touristenwelt mit Safari und Cocktails!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Afrika | Tourismus | Computer | Fleisch | GPS | Impotenz
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