Schwedisches Atommüll-Endlager Ein Fels für die radioaktive Ewigkeit

In Schweden ist der Bau des weltweit ersten Endlagers für radioaktive Abfälle fast beschlossene Sache. Doch Forscher zweifeln am Sicherheitskonzept.

Blick in das Zwischenlager am Atomkraftwerk im schwedischen Forsmark. Hier werden bereits schwach radioaktive Abfälle in Granitstollen gelagert.

Blick in das Zwischenlager am Atomkraftwerk im schwedischen Forsmark. Hier werden bereits schwach radioaktive Abfälle in Granitstollen gelagert.

Wasser rinnt über den schwarzen Fels, in der Ferne brummt ein Dieselmotor. 500 Meter tief im Granitgestein führt Jenny Rees durch einen spiralförmig gewundenen Tunnel mit gewaltigen Katakomben. Die Schwedin spricht für die private Atomfirma SKB, die mit der Entsorgung der radioaktiven Abfälle aus den schwedischen Meilern betraut ist. Im Äspö-Labor bei Oskarshamn in Mittelschweden wird das Verfahren seit 1995 erprobt. Eingeschweißt in bis zu 25 Tonnen schwere Kupferkapseln und von einem Gesteinspuffer aus Bentonit wasserdicht umhüllt, sollen die verbrauchten Brennstäbe mindestens 100.000 Jahre ruhen. Erst dann hat ihre Strahlung so weit abgenommen, dass sie nicht mehr gefährlich ist. "Für uns Menschen ist das eine unfassbar lange Zeit", sagt Rees. "Aber geologisch betrachtet ist es nur ein kurzer Augenblick."

Im Halbdunkel des Stollens müht sich Techniker Toni Andersson, die 75 Tonnen schwere Deponierungsmaschine mit Feingefühl zu steuern. Das Ungetüm ist ein Unikat aus Deutschland. Solche Gerätschaften könnten einmal die eingekapselten Brennstäbe in ihre in den Stollen gebohrten Granitgräber versenken. Und bei Bedarf wieder ans Licht ziehen, sollten eines Tages unerwartete Komplikationen eintreten oder ungeahnte Techniken zur Wiederverwertung des Brennstoffs zur Verfügung stehen. Mitte März reichte SKB bei den zuständigen Aufsichtsbehörden den Bauantrag ein. Rees versichert, man habe in 30 Jahren intensiver Forschung alle nur denkbaren Szenarien – vom Erdbeben bis zur Eiszeit – in Erwägung gezogen.

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Nach Prüfung der geologischen Eignung und der Einlagermethode sowie einem Regierungsbeschluss könnte frühestens 2013 mit dem Bau am langjährigen Atomstandort Forsmark auf einer Halbinsel in der Ostsee begonnen werden. 

Ab 2020 soll das Endlager dann die ersten Kupferkapseln aufnehmen. Bis zu 12.000 Tonnen Atommüll werden die schwedischen Reaktoren bei einer geplanten Betriebsdauer von 60 Jahren produzieren. Bisher verwahrt SKB die verbrauchten Brennstäbe in einem Zwischenlager auf dem Gelände des AKW Oskarshamn. Zur Kühlung lagern sie in Wasserbecken. "Die Verwahrung dort ist sicher, solange man eine Bewachung rund um die Uhr und eine funktionierende Kühlung hat", sagt Rees. "Allerdings muss man an der Oberfläche mit Erdbeben und Tsunamis rechnen, wie wir sie gerade in Japan erlebt haben. Tief unter der Erde wäre das Material viel besser aufgehoben."

Doch so sicher, wie SKB glauben macht, ist die gewählte Endlagermethode nicht. In der Wissenschaftszeitschrift Catalysis Letter hat eine internationale Forschergruppe eigene Studien präsentiert. Sie legen nahe, dass sich Kupfer ohne Beisein von Sauerstoff im Grundwasser auflöst. "Kupfer reagiert mit Chloriden und Sulfiden, aber auch mit dem Wassermolekül an sich", sagt Peter Szakálos, Materialforscher an der Königlich Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm. "In unseren Experimenten können wir zeigen, dass die Korrosion 1.000 oder gar 10.000 Mal schneller abläuft, als SKB in ihrer so genannten Sicherheitsanalyse angibt." Die Kapseln könnten folglich schneller als gedacht zerfallen, hochgiftige Nuklide in das Grundwasser und damit an die Oberfläche gelangen. "Der Mantel der Kupferkapsel müsste einen Meter dick sein, um einen Zeitraum von 100.000 Jahren zu überstehen", warnt Szakálos. "Zumal die Korrosion in der ersten Phase wegen der hohen Temperaturen durch die Strahlung noch zusätzlich befördert wird."

Leser-Kommentare
  1. Das Salzberwerk dort ist hermetisch abgeschirmt, und ebenso sicher wie wassserdicht! Da kommt nichts raus, da sickert nichts durch, das hält für die Ewigkeit!

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    ... kein ernstzunehmender Forscher hat je behauptet, daß sich Asse als Endlager eignet. Dieses Versuchskraftwerk wurde mißbraucht (der eigentliche Skandal ist, daß es dafür meines Wissens noch kein Strafverfahren gibt).

    Der Vergleich mit Gorleben, der hier mal wieder insinuiert wird, ist einfach lächerlich. Das ist so, als würde man behaupten, eine meterdicke Stahlwand sei instabil, weil man Alufolie zerreißen kann.

    Dann lesen Sie mal
    http://de.wikipedia.org/w...

    Instabilität der Grube
    Das Institut für Gebirgsmechanik (IfG) in Leipzig, das diese Entwicklung seit 1996 kontinuierlich überwacht, prognostizierte im Jahr 2007, dass es ab Anfang 2014 zu einer Zunahme des Tragfähigkeitsverlustes und damit zu erhöhten Verschiebungen im Deckgebirge kommen wird. Diese Verschiebungen können möglicherweise zu einer unbeherrschbaren Zunahme des Wasserzuflusses führen und den weiteren trockenen Betrieb der Grube unmöglich machen.

    ... kein ernstzunehmender Forscher hat je behauptet, daß sich Asse als Endlager eignet. Dieses Versuchskraftwerk wurde mißbraucht (der eigentliche Skandal ist, daß es dafür meines Wissens noch kein Strafverfahren gibt).

    Der Vergleich mit Gorleben, der hier mal wieder insinuiert wird, ist einfach lächerlich. Das ist so, als würde man behaupten, eine meterdicke Stahlwand sei instabil, weil man Alufolie zerreißen kann.

    Dann lesen Sie mal
    http://de.wikipedia.org/w...

    Instabilität der Grube
    Das Institut für Gebirgsmechanik (IfG) in Leipzig, das diese Entwicklung seit 1996 kontinuierlich überwacht, prognostizierte im Jahr 2007, dass es ab Anfang 2014 zu einer Zunahme des Tragfähigkeitsverlustes und damit zu erhöhten Verschiebungen im Deckgebirge kommen wird. Diese Verschiebungen können möglicherweise zu einer unbeherrschbaren Zunahme des Wasserzuflusses führen und den weiteren trockenen Betrieb der Grube unmöglich machen.

  2. die Betreiber auch in die Pflicht nehmen

  3. >>Eingeschweißt in bis zu 25 Tonnen schwere Kupferkapseln und von einem Gesteinspuffer aus Bentonit wasserdicht umhüllt, sollen die verbrauchten Brennstäbe mindestens 100.000 Jahre ruhen.<<

    Das heißt doch, dass die Behälter gar nicht mit Grundwasser in Berührung kommen, da sie von Bentonit umhüllt sind.

    Die Gefahrenanalyse merkt an:

    >>Sie legen nahe, dass sich Kupfer ohne Beisein von Sauerstoff im Grundwasser auflöst. "Kupfer reagiert mit Chloriden und Sulfiden, aber auch mit dem Wassermolekül an sich", sagt Peter Szakálos, Materialforscher an der Königlich Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm. <<
    Ok, ich sehe ein, dass es zu einer Korrosion kommen könnte, wenn die Kupferbehälter mit Wasser in Berührung kommen würden.
    Aber da die Kupferbehäter aber nun im wasserdichten Bentonit stecken sollen, frage ich mich, wo das Wasser herkommen soll.

    Ich bin zwar kein Freund von Atomenergie, aber für den Müll, der bisher angefallen ist, müssen wir unbedingt gute und tragbare Lösungen finden. Dazu gehören auch kritische Gegengutachten, die ich nachvollziehen kann (was ich bei der oben vorgetragenen Argumentation aber nicht kann, zumindest nicht, wenn sie derart unlogisch und unzusammenhängend vorgetragen wird).

    Und bitte: Die Asse ist nun wirklich kein Maßstab!

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    Kupfer ein sehr wichtiger Rohstoff und der wird für diesen Atommüll verschwendet.

    Kupfer ein sehr wichtiger Rohstoff und der wird für diesen Atommüll verschwendet.

  4. Schade, dass gleich die Überschrift des Artikels irreführend ist: es gibt weltweit bereits etliche Endlager - für schwach- und mittelradioaktive Substanzen, vor allem aus Medizin und Forschung. Allein in Tschechien existieren mehrere.

    Was es nicht gibt sind Lager für hochradioaktive Abfälle.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber Leser.

    Sprechen Sie denn von Lagern für schwach- und mittelradioaktive Substanzen, die wirklich als Endlager - also auf Jahrtausende - ausgerichtet sind?

    Wir in der Redaktion sind der Auffassung, dass das Lager in Schweden das einzige bisher ist, das man nicht mehr als Zwischenlager bezeichnen kann. Unter diesem Gesichtspunkt wäre der Teaser des Artikels richtig.

    Wenn Sie weitere Informationen haben, die das widerlegen, posten sie Sie doch bitte.

    Beste Grüße.

    müssen nicht über Jahrtausende gelagert werden, da die Substanzen mehrheitlich deutlich geringere Halbwertszeiten haben als hochradioaktive Abfälle.
    Endlager sind sie m.W. gleichwohl, denn die Abfälle werden ja dort verbleiben.
    Solche als Endlager bezeichneten Stätten gibt es viele in der Welt, siehe z.B. http://de.wikipedia.org/w...

    Beste Grüße,

    Ulrich Nehls

    Das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Abfälle wird in Finnland liegen; das Endlager Olkiluoto im westlichen Teil des Landes ist schon im Bau. Es gibt Dokumentarfilme und zahlreiche Reportagen über das finnische Endlager. Es ist ein bisschen merkwürdig, dass die "Zeit" das ignoriert hat.

    Redaktion

    Lieber Leser.

    Sprechen Sie denn von Lagern für schwach- und mittelradioaktive Substanzen, die wirklich als Endlager - also auf Jahrtausende - ausgerichtet sind?

    Wir in der Redaktion sind der Auffassung, dass das Lager in Schweden das einzige bisher ist, das man nicht mehr als Zwischenlager bezeichnen kann. Unter diesem Gesichtspunkt wäre der Teaser des Artikels richtig.

    Wenn Sie weitere Informationen haben, die das widerlegen, posten sie Sie doch bitte.

    Beste Grüße.

    müssen nicht über Jahrtausende gelagert werden, da die Substanzen mehrheitlich deutlich geringere Halbwertszeiten haben als hochradioaktive Abfälle.
    Endlager sind sie m.W. gleichwohl, denn die Abfälle werden ja dort verbleiben.
    Solche als Endlager bezeichneten Stätten gibt es viele in der Welt, siehe z.B. http://de.wikipedia.org/w...

    Beste Grüße,

    Ulrich Nehls

    Das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Abfälle wird in Finnland liegen; das Endlager Olkiluoto im westlichen Teil des Landes ist schon im Bau. Es gibt Dokumentarfilme und zahlreiche Reportagen über das finnische Endlager. Es ist ein bisschen merkwürdig, dass die "Zeit" das ignoriert hat.

  5. endlich mal wieder ein Thema für die geschätzen 70 Millionen Atomexperten in diesem Lande.

    Da kann man sich mal wieder nach Herzenslust auslassen über das, was andere, echte Experten, so alles falsch machen beim handling mit den bösen, bösen Atomen.

    Soll ich Ihnen mal was verraten? Es führen mehrere Wege nach Rom, keiner ist vollkommen ideal. aber solange dieser Idealweg nicht gefunden ist, muss man eben die anderen Wege nutzen.

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    • dth
    • 03.05.2011 um 16:35 Uhr

    Solche Probleme entstehen ja meist nicht deshalb, weil die Experten keine Ahnung hätten, sondern wegen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.
    Man muss sich nur das Theater um ein Endlager in Deutschland ansehen, und es ist recht klar, dass Expertenmeinungen da eher von untergeordneter Bedeutung sind.

    • dth
    • 03.05.2011 um 16:35 Uhr

    Solche Probleme entstehen ja meist nicht deshalb, weil die Experten keine Ahnung hätten, sondern wegen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.
    Man muss sich nur das Theater um ein Endlager in Deutschland ansehen, und es ist recht klar, dass Expertenmeinungen da eher von untergeordneter Bedeutung sind.

  6. klingt erstmal selstam, da Bentonit ja Wasser aufnimmt und z.B. als Schmiermittel für Bohrungen genommen wird. Oder besteht der "Wasserschutz" in der hohen Aufnahmefähigkeit oder nicht, wie ich erstmal gedacht habe, in einer Wasserundurchlässigkeit?

    • dth
    • 03.05.2011 um 16:35 Uhr

    Solche Probleme entstehen ja meist nicht deshalb, weil die Experten keine Ahnung hätten, sondern wegen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.
    Man muss sich nur das Theater um ein Endlager in Deutschland ansehen, und es ist recht klar, dass Expertenmeinungen da eher von untergeordneter Bedeutung sind.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Ach herrlich"
    • JaneO.
    • 03.05.2011 um 16:38 Uhr

    aha, und man ist sich jetzt tatsächlich sicher für 40.000 Menschengenerationen eine Lösung für tötlichen Atommüll gefunden zu haben?
    Hat da nicht schon wieder jemand den Mund zu voll genommen?
    Bei einer Erprobungszeit von 16 Jahren kann eine Garantie für 1,2 mio Jahre abgegeben werden?

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    hundert Jahre die Brennstäbe in freien Abklingbecken liegen lassen, um weiter zu forschen. Würden Sie sich dann sicherer fühlen?

    • JaneO.
    • 03.05.2011 um 16:51 Uhr

    denn es gibt keine Lösung. Also hat sich auch jedes Alternativangebot erledigt.
    Aber es wird weiterhin fröhlich Atommüll produziert.

    Dann lasse ich die nächsten 40 Jahre sehr gut auf das Zeug aufpassen.

    Danach...

    • JaneO.
    • 03.05.2011 um 16:58 Uhr

    das machen vorerst Hartz-ler oder 1-Euro Jobber (das Aufpassen)....aber bald gibt es vielleicht wieder Sklaverei, dann wird`s noch billiger

    hundert Jahre die Brennstäbe in freien Abklingbecken liegen lassen, um weiter zu forschen. Würden Sie sich dann sicherer fühlen?

    • JaneO.
    • 03.05.2011 um 16:51 Uhr

    denn es gibt keine Lösung. Also hat sich auch jedes Alternativangebot erledigt.
    Aber es wird weiterhin fröhlich Atommüll produziert.

    Dann lasse ich die nächsten 40 Jahre sehr gut auf das Zeug aufpassen.

    Danach...

    • JaneO.
    • 03.05.2011 um 16:58 Uhr

    das machen vorerst Hartz-ler oder 1-Euro Jobber (das Aufpassen)....aber bald gibt es vielleicht wieder Sklaverei, dann wird`s noch billiger

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