Die Betreibergesellschaft des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima-1 geht von einer Kernschmelze in den Reaktoren 2 und 3 aus. Dies sei wie in Reaktor 1 "sehr wahrscheinlich", sagte ein Tepco-Sprecher bei der Veröffentlichung neuer Messwerte. Demnach sind nun alle drei Reaktoren, die zum Zeitpunkt des schweren Erdbebens und des darauffolgenden Tsunamis am 11. März in Betrieb waren, von einer möglichen Kernschmelze betroffen. Sie würden aber gekühlt und seien "stabil", ergänzte der Unternehmenssprecher.

Bislang war nur eine Kernschmelze in Reaktor 1 von Tepco bestätigt worden. Insgesamt verfügt die Anlage am Pazifik über sechs Reaktoren. In den ersten Wochen nach der Naturkatastrophe hatten der Energiekonzern und die japanische Regierung stets nur eine teilweise Kernschmelze für möglich gehalten. Der Ausfall der Kühlsysteme sorgte damals für eine Überhitzung der Reaktoren und löste die folgenreichste Atomkatastrophe seit Tschernobyl vor 25 Jahren aus.

Derweil traf ein sechsköpfiges Expertenteam der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) in Tokyo ein. Die Gruppe solle die Reise eines größeren Teams vorbereiten, das vom 24. Mai bis zum 2. Juni Daten zur Nuklearkatastrophe in Fukushima erheben soll. Der Direktor der IAEA-Abteilung für atomare Sicherheit, Jim Lyons, hatte vor dem Abflug der Gruppe in Wien gesagt, es sei noch nicht sicher, ob sie das Atomkraftwerk selbst besuchen würden.

Das Unglück in Fukushima wird auch auf dem G-8-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Deauville thematisiert. Ursprünglich sollte das Treffen ganz im Zeichen des Internets stehen. Nun hat die Katastrophe in Japan aber die Frage nach der Zukunft der Atomkraft aufgeworfen. Hier gehen die Ansichten vor allem zwischen Deutschland und Frankreich auseinander. Während der Gastgeber Nicolas Sarkozy auf sichere Atomkraftwerke setzt, bereitet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Atomausstieg vor. Weitere Themen werden die Turbulenzen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Aufstände in den arabischen Ländern sein.