Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg (Archivbild) © Sean Gallup/Getty Images

Der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß ist im Jahr 2010 um insgesamt 1,6 Gigatonnen angestiegen. Das berichtet die Internationale Energieagentur IEA in einer am Montag veröffentlichten Bilanz. Der für das vergangene Jahr verzeichnete Emissionsanstieg sei der höchste seit Beginn der Messungen. Insgesamt betrug die CO2-Emission 2010 weltweit 30,6 Gigatonnen.

"Das sind die schlimmsten Nachrichten zum Thema Klima", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol der britischen Zeitung The Guardian. "Es wird zu einer außerordentlichen Herausforderung, wollen wir das Ziel noch erreichen und die Klimaerwärmung unter zwei Grad halten."

Mit den neuen Emissionswerten wird klar, dass sich die weltweite Rezession – im Gegensatz zu Prognosen – nur minimal auf CO2-Ausstöße ausgewirkt hat. Etwa drei Viertel des Mehrausstoßes stammt aus Entwicklungsländern. 2009 war der Kohlendioxid-Ausstoß im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2008 etwas gesunken.

Wissenschaftler glauben, dass eine durchschnittliche Erderwärmung von mehr als zwei Grad Celsius gefährliche Folgen für das Klima und somit die gesamte Flora und Fauna der Erde nach sich ziehen wird. Im vergangenen Dezember hatten sich die Teilnehmer des UN-Klimagipfels im mexikanischen Cancún deshalb erstmals geschlossen zur Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad bekannt.

Wenn dieses Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden soll, dürften die weltweiten CO2-Emissionen bis 2020 nach Berechnungen der IEA auf maximal 32 Gigatonnen jährlich steigen. Sollte der Anstieg des letzten Jahres nicht drastisch gedrosselt werden, würde diese Grenze bereits Ende des laufenden Jahres überschritten.

Doch bereits jetzt scheint dieses Ziel unrealistisch. Denn 80 Prozent der Kraftwerke, die im Jahr 2020 in Benutzung sein werden, sind oder werden bereits gebaut. Die meisten davon produzieren Energie aus fossilen Brennstoffen, werden also vermutlich noch weit über das Jahr hinaus CO2 ausstoßen. Diese Kraftwerke alleine machen nach Berechnungen der IEA 11,2 Gigatonnen aus – von insgesamt 13,7 Gigatonnen aus der Elektrizitätsproduktion. Somit müsse vor allem an anderer Stelle gekürzt werden.

Ein weiteres Problem liegt laut Birol in der neuerdings verstärkten Abkehr von der Atomenergie. "Es mag sein, dass viele Menschen die Kernkraft nicht mögen, sie stellt jedoch eine der wichtigsten Technologien zur kohlendioxidfreien Energiegewinnung dar", sagte Birol. Es sei unwahrscheinlich, dass erneuerbare Energieformen vollständig das Vakuum füllen würden, das durch die zurückgefahrene Kernkraft entstehe, was dazu führen könne, dass wieder vermehrt fossile Brennstoffe eingesetzt würden.

Zusätzlich hätten die internationalen Bemühungen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, nachgelassen: "Die Bedeutung des Klimawandels in internationalen politischen Debatten ist weitaus weniger ausgeprägt als noch vor wenigen Jahren", sagte Birol.

In der kommenden Woche ist das nächste UN-Treffen von Regierungsvertretern in Bonn geplant. Beobachter erwarten jedoch wenige Fortschritte.