Zielgruppe für "faire" Outdoor-Jacken: Atomkraftgegner bei einer Sitzblockade gegen den Transport von Atommüll. © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

"Lasst euch ruhig Zeit", sagt Jennifer Chuk und lacht den Arbeitern am Tisch um sie herum freundlich zu. "Ihr könnt alles in die Fragebögen schreiben, was euch auf dem Herzen liegt. Eure Chefs werden das nicht zu sehen bekommen." 20 Chinesinnen und Chinesen lächeln hinter schwarzen Haarsträhnen schüchtern zurück. Chuk, eine mollige Asiatin Mitte 40, arbeitet für die internationale Organisation Fair Wear Foundation (FWF), die sich weltweit für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzt. Im chinesischen Audit-Team ist Chuk zuständig für die Mitarbeiter-Interviews. Mit zwei Kollegen überprüft sie eine Produktionsfabrik in der südchinesischen Provinz Guangdong: die 2.200 Mitarbeiter starke Firma KTC, die für mehrere europäische Outdoor-Marken Funktionskleidung fertigt.

Audit , das ist etwas, woran sich die Arbeiter hier in den letzten Jahren erst einmal gewöhnen mussten. Heute wissen sie, was es bedeutet: die ein- bis dreitägige Kontrolle der Arbeitsbedingungen. Eine Maßnahme, die immer mehr Markenfirmen für ihre Zulieferbetriebe in aller Welt in Auftrag geben.

"Es ist einiges in Bewegung geraten", sagt Ivo Spauwen während er mit prüfendem Blick durch die neonbeleuchteten Fabrikhallen schreitet. Sein Job ist es, für die FWF in Fabriken Südostasiens die Kontrolle der Sozialstandards zu organisieren. Die Beschäftigten der Textilindustrie in Entwicklungs- und Niedriglohnländern treffen mittlerweile regelmäßig auf Audit-Teams. "Doch die wenigsten wissen, was da eigentlich wie überprüft wird. Und vor allem wissen sie nicht, warum sich nach den Kontrollen manche Arbeitsbedingungen sehr schnell verbessern, andere jedoch nur sehr langsam oder erst einmal gar nicht."

Genau das wüsste man gerne auch am anderen Ende der Produktionskette: bei den Kunden, die – zum Beispiel in Deutschland – Jacken und Hosen aus Chinas Fabriken kaufen. Vor etwa einem Jahr, im Sommer 2010, veröffentlichte die internationale Kampagne für Saubere Kleidung ( Clean Clothes Campaign , CCC) eine Studie .

Überprüft wurden 15 Outdoor-Bekleidungsfirmen und die Arbeitsbedingungen in ihren über die ganze Welt verstreuten Zulieferbetrieben. Das Ergebnis: Lediglich die beiden Schweizer Marken Mammut und Odlo, die schon seit 2008 FWF-Mitglieder waren, wurden als "Gipfelstürmer" für ihr Engagement gelobt, viele andere Unternehmen schnitten deutlich schlechter ab.