AtomunfallRekord-Strahlenwerte in Fukushima

Im Atomkraftwerk Fukushima tritt hohe Strahlung aus. Im Gehäuse von Block 1 wurden die bisher höchsten Werte gemessen. So hoch, dass niemand dort arbeiten kann. von dpa

Im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima sind Rekord-Strahlenwerte gemessen worden. Wie der Betreiber Tepco am Samstag mitteilte, wurde im Reaktorgehäuse von Block 1 eine Strahlendosis von bis zu 4.000 Millisievert pro Stunde gemessen. Das sei die höchste bisher in der Luft gemessene Radioaktivität in dem zerstörten Kraftwerk. Die hohe Strahlung hatte ein Roboter in der südöstlichen Ecke des Gebäudes registriert, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo den AKW-Betreiber.

Aus einer Öffnung im Boden sei Dampf ausgetreten. Durch die Öffnung verlaufe ein Rohr, das durchs Gebäude führe. Das Rohr selbst sei aber unbeschädigt. Der Dampf scheine aus dem Druckkessel zu kommen, wo sich Kühlwasser angesammelt haben soll. Genaueres wollte Tepco prüfen.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Die Messdaten bedeuten, dass die Arbeiter dort innerhalb von nur vier Minuten der höchsten zulässigen Strahlendosis von 250 Millisievert pro Jahr ausgesetzt wären. Tepco beabsichtigt jedoch nach eigenen Angaben nicht, in dem Gebiet Menschen arbeiten zu lassen. Man werde die weitere Entwicklung genau beobachten.

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Die japanische Regierung hatte den Grenzwert für die maximal erlaubte Strahlenbelastung für Arbeiter in Kernkraftwerken im Zuge der Katastrophe nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März erhöht. Statt 100 gelten seitdem 250 Millisievert pro Jahr als Höchstdosis.

Tepco hatte am Freitag zudem mitgeteilt, dass mehr als 100.000 Tonnen hochgradig radioaktiv belastetes Wasser in der Atomruine schwappen. Der Konzern fürchtet angesichts der nahenden Regenzeit, dass das strahlende Wasser überlaufen könnte.

Nach Informationen von Kyodo kündigte Japans viel kritisierter Ministerpräsident Naoto Kan nun an, im August zurückzutreten. Er hatte am Donnerstag ein Misstrauensvotum im Parlament überstanden, nachdem er zuvor seinen Rücktritt in Aussicht gestellt hatte. Kan wird vorgeworfen, er gehe unzureichend mit der Natur- und Atomkatastrophe um.

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Leserkommentare
  1. Hat bei unseren AKW-Betreibern mal jemand die Notfallkonzepte für eine Kernschmelze anhand der vorliegenden Szenarien gründlich geprüft? Oder gehen die Betreiber einfach stillschweigend davon aus, dass bei einem solchen Unfall als Kollateralschaden sowieso ein paar Zehntausend Quadratkilometer nachhaltig verstrahlt werden, weil er nicht beherrschbar ist?

    In Japan wehte der Wind bislang fast durchgängig vom AKW weg aufs offene Meer hinaus. Nicht auszudenken, wenn solch ein Unfall bei uns passiert, da werden die Evakuierungsflächen sehr viel größer ausfallen, denn unsere AKW sind rundum von dichtbesiedelten Gebieten umgeben.

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    • tisch
    • 04. Juni 2011 19:12 Uhr

    Sie meinen einen eine 10 Meter hohe Tsunami Welle und ein Erdbeben dass 17408 mal stärker ist als das bisher stärkste in Deutschland von 1756?

    Nicht Beherrschbarkeit von atomaren Großunfällen ist doch schon erbracht.

    Aus der Tatsache, dass es keinen Versicherer gibt, der das versichern möchte, wobei Versicherer immer Geld verdienen wollen.

    Damit ist erwiesen - ein GAU in Deutschland wird dem Zufall und dem Bürger überlassen.

  2. Die Informationen sind ja wieder einmal so spärlich, dass man sich fragt, ob TEPCO nichts weiß oder das, was sie wissen, geheimhält. Da also Schlußfolgerungen unmöglich sind, kann man nur spekulieren. Aufgrund der bisherigen Verhaltensweise der Firma unterstelle ich jetzt also spekulativ das Schlimmste: Die Kernschmelze hat den Druckbehälter durchdrungen und schwimmt bereits im Untergrund herum. Niemand kann behaupten, es sei nicht so, das niemand weiß was wirklich los ist.

  3. ... in einem unendlichen Kapital-Wachstumssystem wurde aus Gier das endliche Erdenrund um etliche Quardratkilometer dezimiert und die Verantwortlichen jeglicher kapitalistischer Länder spielen den Vorfall herunter um die Gewinne der Zinseszinsprofiteure zu sichern.

    Selbst wenn ganz Asien verstrahlt ist, wird Merkel (CDU) uns noch verkaufen wollen, dass Atromkraft sicher ist und Wachstum bei allen ankommt...

    • tisch
    • 04. Juni 2011 19:12 Uhr

    Sie meinen einen eine 10 Meter hohe Tsunami Welle und ein Erdbeben dass 17408 mal stärker ist als das bisher stärkste in Deutschland von 1756?

    Antwort auf "Notfallkonzept"
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    • bayert
    • 04. Juni 2011 19:46 Uhr

    ich meine Unfälle wie ein Flugzeugabsturz oder ein Sabotageakt.

    Übrigens hat die Regierung eingeräumt, nach dem Unglück Messwerte nicht weitergegeben zu haben (http://www3.nhk.or.jp/daily/english/04_20.html). So stellt man sich "vorbildliches Verhalten" vor.

    • Acrux
    • 04. Juni 2011 22:56 Uhr

    Intensitaeten vergleichen, um die Zerstoerungskraft eines Bebens abzuschaetzen, nicht Magnituden. Hier ergibt sich ein anderes Bild: Bas Beben 1756 war MSK VIII im Zentrum, das Honshu beben in Fukushima war dort JMA 6+.

    Die Umrechnung gemaess http://www.mri-jma.go.jp/Publish/Papers/DATA/VOL_22/22_177.pdf ergibt, dass JMA 6+ etwa MSK X entspricht. Das ist von MSK VIII keineswegs soweit weg, wie es die Zahl 17408 weismachen will.

    Es geht nicht um einen Tsunami in Biblis, sondern es geht um das systematische Unterbewerten von Gefahren!

    Es ist arrogant, unrealistisch und naiv zu glauben, dass deutsche, französische oder russische Ingenieure Risiken UM GRÖßENORDNUNGEN anders bewerten, als ihre japanischen Kollegen. Wenn Harrisburg, Tschernobyl und nun Fukushima innerhalb weniger Jahrzehnte (und nicht ein paar tausend Jahren!) passieren - was bedeutet das für die die Wahrscheinlichkeit, dass auch unsere Ingenieure sich die Eintrittswahrscheinlichkeit eines GAUs oder SuperGAUs unserer Anlagen schön gerechnet haben?!!

    Fukushima ist der letzte Beweis dafür, dass die Branche die Risiken ihrer Technologie systematisch klein rechnet. In der Vergangenheit war es neben der Möglichkeit, auf billige Weise hohe Gewinne zu erzielen, auch der politische Wille im kalten Krieg, der das Herunterspielen der Risiken bewirkt hat.

    Heute steht im Vordergrund, dass man die Strom-Erzeugung mit AKWs bequem monopolisieren kann. Und so sind Monopol-Gewinne die eigentliche Triebfeder der Anbieter, sich Heerscharen von Lobbyisten zu leisten, die uns und unsere Politiker mit Halbwahrheiten und schön gerechneten Wahrscheinlichkeiten manipulieren.

    Eine 10-Meter Flutwelle ist vollkommen bedeutungslos, wenn Fukushima beweist, dass AKW-Betreiber bei der Bewertung von Risiken von falschen Annahmen ausgehen und wir ungefragt mit den Konsequenzen derer Fehlberechnungen zu tragen haben.

    Das scheint nun auch bei der CDSU anzukommen,
    Y.S.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Forsmark#St.C3.B6rfall_Juli_2006, es braucht nicht unbedingt Erdbeben und Tsunamis für einen Gau.

  4. Logische Schlußfolgerung für Dtl?
    Alle AKWs möglichst schnell abschalten. Der Merkelsche Plan taugt wenig!

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    der Zeit? Nein. So schnell wird man die Evakuierungszone nicht erweitern (können), weil man schlicht und einfach nicht weiß, wohin mit den Menschen. Bei intakter Infrastruktur wäre es ja vielleicht möglich, die Menschen anderweitig unterzubringen, nur: die Infrastruktur ist nicht intakt. Es kommt die Frage der Versorgung hinzu; Japan ist wie Deutschland überaltert, d.h. es reicht nicht, einfach Wohnungen zu finden, sie müssen auch den Bedürfnissen entsprechen. Auch die Lebensmittelversorgung stelle ich mir nicht ganz einfach vor, wenn die Gebiete rund um Fukushima verstrahlt sind, die Verstrahlung sich ausbreitet, und der Pazifik auch verstrahlt ist, so daß Fisch als Nahrung zum großen Teil ausfällt. Die Nutztiere innerhalb der Sperrzone sind getötet worden; sie zu ersetzen, ist sicherlich auch keine Kleinigkeit.
    Man darf auch nicht vergessen, daß der bewohn- und bebaubare Platz in Japan relativ knapp ist, da die Inseln zum großen Teil aus Felsen bestehen.

    auch nur zu den reflexartigen "ABSCHALTEN" Schreiern, oder haben Sie auch eine sinnvolle Lösung anzubieten, wie man bei einer sofortigen Stilllegung aller dt. AKW Stromausfälle oder Importe von AKW Strom aus anderen Ländern vermeiden kann?

    Ein JA dazu. Aber wenn sich die Europäer in der Atom-Frage mal wieder so einig sind wie in anderen fundamentalen Fragen? Herr Sarkodingsda schmeißt ja lieber Bomben auf Nordafrika anstatt an seine tickenden Atomeier zu denken. Kunststück, denn in Frankreich weht der Wind ja auch überwiegend aus Westen....

  5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf werbliche Einträge. Danke. Die Redaktion/er

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    Ich weiß man sollte immer die AGBs lesen, aber was den "Herrn Hoppe und der Atommüll" anbelangt, so handelt es sich hier um eine reines Studentenprojekt ohne irgend eine Gewinnorientierung oder einen bösen Konzern im Hintergrund. Etwas Humor bei all dem Schrecken wäre ja nicht das schlechteste, oder?

    Besten Gruß

    Ihr Herr Hoppe

  6. Nicht Beherrschbarkeit von atomaren Großunfällen ist doch schon erbracht.

    Aus der Tatsache, dass es keinen Versicherer gibt, der das versichern möchte, wobei Versicherer immer Geld verdienen wollen.

    Damit ist erwiesen - ein GAU in Deutschland wird dem Zufall und dem Bürger überlassen.

    Antwort auf "Notfallkonzept"
    • bayert
    • 04. Juni 2011 19:46 Uhr

    ich meine Unfälle wie ein Flugzeugabsturz oder ein Sabotageakt.

    Übrigens hat die Regierung eingeräumt, nach dem Unglück Messwerte nicht weitergegeben zu haben (http://www3.nhk.or.jp/daily/english/04_20.html). So stellt man sich "vorbildliches Verhalten" vor.

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    ... und denken Sie auch an Probleme, die noch nicht so oft genannt wurden.

    In einem Reaktor steckt ein so hohes Schadenspotential auf relativ kleiner Fläche, dass die Absicherung schon dadurch unzureichend ist, dass man ihn überhaupt sieht.

    Kai Hamann

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Atomkraftwerk | Erdbeben | Gebäude | Kernkraftwerk | Kraftwerk | Misstrauensvotum
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