Atom-Unfall : Japans Regierung bestätigt weitere Kernschmelzen

Im AKW Fukushima-1 hat es Kernschmelzen nicht nur in Reaktor 1, sondern außerdem in 2 und 3 gegeben. Davon geht nun auch die Regierung aus und nannte neue Strahlenwerte.

Drei Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin außer Kontrolle. Die Regierung bestätigte am Montag, dass es bereits kurz nach Beginn der Katastrophe in den Reaktoren 1 bis 3 des AKW zu Kernschmelzen gekommen war. Die in den ersten fünf Tagen seit dem Beben und dem Tsunami in Fukushima am 11. März freigesetzte Radioaktivität sei mit 770.000 Terabecquerel doppelt so hoch gewesen wie zunächst geschätzt. Das gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt.

Die Regierung erwägt, wegen der langfristigen Strahlenbelastung noch mehr Menschen außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern.

Der Betreiber der Atomruine, Tepco, hatte bereits im Mai bekannt gegeben, dass die Kernbrennstäbe in Reaktor 1 zum größten Teil geschmolzen sind. Zu dem Zeitpunkt hatte Tepco erklärt, dass dies möglicherweise auch in den beiden anderen Reaktoren passiert sei. Das wurde von der Behörde jetzt bestätigt. Die Atomanlage war durch das Erdbeben und dem folgenden Tsunami schwer zerstört worden. Sollten noch mehr Menschen außerhalb der Sperrzone der Gefahr einer Strahlenmenge von mehr als 20 Millisievert im Jahr ausgesetzt sein, könnte die Regierung auch sie laut Medien auffordern, die Region zu verlassen.

Die Reparaturtrupps in der Atomruine arbeiten weiter. Berichte, wonach zwei Vertragsarbeiter wegen Dehydration in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, zwangen den Betreiberkonzern Tepco zu der Zusage, sich mehr um die Gesundheit der Arbeiter zu kümmern. Neun der Arbeiter mussten wegen Hitzebelastung behandelt werden. Da es mit dem nahenden Sommer allmählich immer wärmer und schwüler wird, wird es für die Arbeiter in Fukushima in ihren Schutzanzügen immer anstrengender.

Der Chef der Tokyoter Börse hat eine geordnete Insolvenz für den AKW-Betreiber Tepco ins Gespräch gebracht. Eine vorübergehende Verstaatlichung sollte in Erwägung gezogen werden, zitierte das Online-Magazin Asahi Judiciary den Börsenchef Atsushi Saito. Er forderte die Regierung auf, über die geplanten Stützen für Tepco in Form von Staatshilfen hinaus zu gehen.

Obwohl die Regierung den Äußerungen Saitos entgegentrat und bekräftigte, es werde keine solche Restrukturierung für Tepco geben, reagierten die Aktien des Unternehmens deutlich. Die Titel verloren bis Börsenschluss 27 Prozent und markierten zeitweise ein Rekordtief. Seit der Atomkatastrophe haben die Papiere 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Tokyoter Börse teilte mit, sie habe keine Ermächtigung, die Titel vom Handel zu nehmen, so lange die Finanzmitteilungen in Ordnung seien und Saito nur seine persönliche Meinung äußere.

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Kommentare

95 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Kommt das noch für jemanden

überraschend, daß Tepco lügt? Freigesetzte Radioaktivität doppelt so hoch wie geschätzt und die Lage nach 3 Monaten noch nicht unter Kontrolle - die wird auch nie unter eine wirkliche Kontrolle kommen; da muß man sich keine Illusionen machen. Bestenfalls wird hier so gut improvisiert, wie es eben geht.
Das 'Restrisiko' mag ja minimal sein - aber wenn es denn mal zuschlägt, ist der Schaden dafür riesig und dauerhaft. Da es auf der Welt inzwischen 500 Atomreaktoren gibt, können wir in 25 Jahren mit dem nächsten Supergau rechnen - bei dem Tempo könnte ein guter Mathematiker sicher ausrechnen, wie lange es dauert, bis der größte Teil des bewohnbaren Landes verstrahlt ist - vermutlich wesentlich weniger Jahre als die Strahlung selbst.
Naja, dann werden wir halt mit und als Mutationen leben müssen - sollte es nicht klappen, wird die Natur eine andere Spezies bevorzugen; Ratten vielleicht?

Gezielte Verbreitung falscher Informationen

Nicht genug, dass man diese Form der Energiegewinnung einfach niemals in trockene Tücher bekommen wird - Naturkatastrophen, Terrorgefahr etc. - und schlimmstenfalls auf Jahrtausende hin ganze Landstriche dadurch unbewohnbar gemacht werden(Plutonium), nein auch die Informationspolitik der jeweiligen Betreiber von AKWs wird wohl immer ein Netz aus Lügen und Beschwichtigungen sein.

Menschliche Schicksale hinter physikalisch-mathematischen Daten

Immer, wenn ich eine weitere Hiobsbotschaft lese, wie weitere Kernschmelzen, Verseuchung weiterer Teile des Landes, Verseuchung von Teilen des Pazifiks, so werde ich sehr wütend, wie zerstörerisch Profitinteressen auf unseren Planeten großflächig wirken können.

Gleichzeitig versuche ich mir vorzustellen, wie es den einzelnen Familien mit ihren Kindern wohl ergehen mag, wenn sie ihre Heimat verlassen müssen mit der Angst, dass ihre Kinder vielleicht schon so verstrahlt sind, dass sie das Erwachsenen alter nicht erreichen oder Kinder gebären werden, die nicht lebensfähig sind, die als "Missgeburt" ohne Hirn oder ohne Extremitäten geboren werden.

Umsiedlung, Vertreibung und Verlassen der Heimat hat auch nach den Kriegen in Europa traumatisierte Generationen hinterlassen.

Neben der Natur- und Nuklearkatastrophe findet in Japan wohl auch eine menschliche Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes statt.

Da muss ich manchmal heulen. Ich bin auch Mutter.

Ihre Emotionen und Ängste

sind in diesem Fall falsch kalibriert: Die Strahlenbelastungen waren weit davon entfernt, dass ihre Kinder vielleicht schon so verstrahlt sind, dass sie das Erwachsenenalter nicht erreichen oder Kinder gebären werden, die nicht lebensfähig sind, die als "Missgeburt" ohne Hirn oder ohne Extremitäten geboren werden..

Ich weiß, Sie werden dies nicht glauben.

Irgendwann werden Sie es. :-)

Herzlichst Crest

Traumatisierung

Die Traumatisierung hat nach dem Krieg leider nicht lange angehalten, schwupps hatten wir eine Armee, schwupps sind wir nicht zur Verteidigung sondern aus anderen Gründen mit ihr in der Welt aktiv und die Vertriebenenorganisationen waren, na, sagen wir mal, rechtslastig ohne Ende.
Wenn Sie heulen mögen , dann trauern sie doch um die 15 000 Toten, die nicht mal eine Beerdigung erhalten können, weil sie einfach weggespült worden sind.
Trauern Sie um die Haitianer, die nach 2 Jahren immer noch so leben ( und sterben ) als sei das Erdbeben gestern gewesen.
Trauern sie um die Kinder , die an Hunger sterben , mir fällt da zuviel ein.

Was kuemmert mich mein Geschwaetz von Gestern?

in Ihrem Kommentar http://www.zeit.de/gesell... erzaehlen Sie noch, dass man auch schon auf Grund eines einzigen Atomzerfalls Krebs bekommen koenne und jetzt Kommentieren Sie von oben herab die Angst eines Mitforisten, der sich ob der simplen Annahme mehr Zerfaelle -> hoeheres Risiko so seine Gedanken macht als vollkommen unbegruendet, jedoch ohne jegliche Begruendung.

Traurig diese Form der Rabulistik in diesem Forum mit ansehen zu muessen.

Bitte verzichten Sie auf Streitigkeiten. Danke, die Redaktion/se.

Abwehrkräfte gelten nicht für Bestrahlung

Sehr geehrter Herr /(Frau)Crest,

ich habe einige Ihrer Kommentare gelesen, in denen Sie eine Art von "Abhärtung" gegen radioaktive Strahlung empfehlen, sukzessive geringe Aufnahme von atomarer Strahlung, um überlebensfähiger sein zu können bei atomaren Katastrophen. Nein, das funktionniert nicht.

Es geht hier nicht um Bakterien oder Viren, gegen die ein Körper bei Exposition Antikörper entwickelt. Bei Exposition von Strahlung (Sonnen oder atomarer) wird der Schaden an Organismen additiv oder expotiental gerechnet.

Also eine Exposition zur Strahlung ist für einen menschlichen Körper und auch andere vergleichbare Organismen ein destruktives Geschehen.

Darin liegt kein Widerspruch:

Es ist richtig, dass ein einzelner Zerfall, ein einzelnes ionisierendes Teilchen Krebs auslösen kann.

Es spielt für das praktische Leben trotzdem keine Rolle.

Ich darf mal eine grundsätzliche Frage stellen: Ist es denn wirklich ein vernünftiges Ziel, so zu leben, dass die Anzahl der DNA-Code-Änderungen absolut minimiert wird? Mutationen waren für das Leben von Anbeginn an essenziell, warum soll dies gerade jetzt nicht mehr gelten?

Haben Sie sich schon einmal klargemacht, dass allein aufgrund der Wärmebewegung es zu Ablesefehler im genetischen Code kommen kann/aus theoretischen Gründen kommen muss. Auch das fällt unter Schicksal, so wie ich es im von Ihnen zitierten Kommentar genannt habe. Wollen Sie sich nun auf Minus 273° einfrieren lassen, um das zu verhindern? Sie würden, und das wissen Sie selbst, damit das Kind mit dem Bade ausschütten.

Die Natur ist stets zweischneidig, und nicht nur hier.

Herzlichst Crest

Kopfschuettel

Auch weitere Allgemeinplaetze beseitigen nicht den Widerspruch in Ihrer Argumentation die ja aussagt dass keine Gefahr von Missbildungen auf Grund von Strahlung besteht (falsch kalibrierte Angst..).
Im Gegenteil bestehen Sie auch noch auf der in Ihren Augen scheinbar ausschliesslich positiven Auswirkung.
Dabei redet hier niemand wie Sie behaupten von absoluter Minimierung sondern von der Vermeidung ueberfluessiger Maximierung.

Guten Abend

Die Natur lässt Fehlerraten bei der DNA-Kopien nur bis zu einem Schwellenwert zu. (Genauer: die Evolution favorisiert für Populationen eine stabile Fluktuation der DNA-Sequenzen um einen sog. dominanten Wildtyp.)

Auf diese Weise hat die Population stets viele "Eisen im Feuer". Damit dies funktioniert, muss einerseits eine gewisse Mutagenität zugelassen werden. Gleichzeitig darf diese Mutagenität nicht zu groß sein. Hierzu haben Zellen Reparaturmechanismen entwickelt, die Mutationen begrenzen, und DNA-Fehler reparieren.

Wer definiert, was ein "Fehler" ist, werden Sie fragen? Niemand. Es wird, so würden wir heute sagen, einfach die letzte Sicherungskopie genommen, oder es wird improvisiert.
Diese Prozesse brauchen, so haben wir heute Grund anzunehmen, einen laufenden Stimulus. Denn Prozesse, die aus einem cold-state heraus angeworfen werden müssen, sind in aller Regel weniger effizient.

Sie dürfen aber, auch das ist wenig bekannt, nicht zu effizient sein. Dies würde zu einem genetischen Stillstand führen. (Auch das gibt es, erfordet aber für die betreffenden Organismen eine über (evtl. hunderte von) Jahrmillonen stabile ökologische Nische.)

Die Mutagenität hat Kollateraleffekte wie den der Entstehung von Krebs.

Dies alles führt dazu, dass über einen großen Bereich (mehrere Größenordnungen) die Radioaktivität vom Organismus toleriert wird. (Man vergleiche die Höhenstrahlung am Titicaca See mit der in der norddeutschen Tiefebene.)

Herzlichst Crest

Lieber Crest - selbst falsch kalibriert

Ich glaube kaum, dass Sie mit Sicherheit sagen können, dass die heutigen Kinder von Fukushima keine Schäden ihres Erbguts davontragen werden. Noch können Sie ausschließen, dass daraus mißgebildete Nachkommen entstehen werden.

Mir scheint, hier hat Sie einfach ein teufelchen geritten, der Welt zu demonstrieren, wie Data Sie sind.
Sind Sie aber nicht.
Data hat sich immerhin bemüht, mit Emotionen der Menschen respektvoll umzugehen.
Freundlichst
Ihr Alraschid

Lassen Sie es mich noch einmal präzisieren

Angst hat nur dann einen Sinn, wenn sie sich auf besondere Gefahren bezieht.

Die Krankheitsrate der japanischen Bevölkerung wird nach Fukushima keine andere sein als vorher. Der Angst fehlt in diesem Fall der objektive Bezugspunkt. Sie hat keine Funktion mehr und ist vergleichbar einem körperlichen Schmerz, der ohne äußere Gründe durch ein "Schmerzgedächtnis" hervorgerufen wird, einem Phantomschmerz vergleichbar.

Herzlichst Crest

P.S.
Ich weiß, dass es zu den Basics eines konstruktiven Dialogs gehört, die geäußerten Ängste und Befürchtungen zunächst einmal nicht als unangemessen zu apostrophieren, (die Menschen "also dort abzuholen wo sie stehen"). Es gibt dennoch irgendwann einen Zeitpunkt, an dem die "technische Neurotizität" eines Gefühls konstatiert werden muss - will man überhaupt weiterkommen.

Ich hab aber Angst

Nein, nicht vor der Atomkraft, sondern vor Menschen wie Crest. [....] Da könnte selbst ich zum Wutbürger werden, wenn ich daran denke, dass der anonyme Crest keinerlei Verantwortung übernehmen muss für seine Äußerungen. Sag er doch mal seine selbstgemachten "Wahrheiten" den Betroffenen ins Gesicht...

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/er

Ihre Bemerkung hat was,

und sie ist es wert, darauf einzugehen.

Es ist vergleichsweise leicht

1. eine Minderheitsmeinung zu vertreten, wenn man vermuten darf, dass sie auf absehbare Zeit nicht mehrheitsfähig wird.

2. eine Mehrheitsmeinung zu vertreten, die sich "selbst trägt".

In beiden Fällen braucht man keine persönliche "Nagelprobe" zu fürchten.

Bleiben wir in meinem Fall bei 1.

Man könnte das Argumentieren gegen einen Mainstream mit dem "Speerwerfen gegen den Wind" vergleichen. Jeder Sportler weiß, dass der Gegenwind den Speer gut trägt. Es ist deshalb eine gute geistige Übung sich vorzustellen (ich würde sagen mindestens 1 mal wöchentlichh vor dem Zubettgehen), dass der Mainstream sich änderte, aus dem Gegenwind also ein anderer Wind wird:

Viele dann der "Speer" zu Boden?

Darüber hinaus würde es die geistige Hygiene abrunden, sich vorzustellen (ebenfall 1 mal wöchentlich vor dem Zubettgehen), dass der eigene Standpunkt, die eigene Argumentation einen Stimmmungsumschwung bewirken würde. Nicht, dass das ein realistischer Standpunkt sein müsste, aber man wird dabei reflexhaft (und authentisch) empfinden, ob man die daraus resultierende Verantwortung tatsächlich zu tragen bereit wäre.

Ich wäre!

Herzlichst Crest

Behauptung

"Die Krankheitsrate der japanischen Bevölkerung wird nach Fukushima keine andere sein als vorher"
Vielleicht stimmt das, bis aufs 10tel prozent bezogen auf die Gesamtbevölkerung.
Aber:
Dies schließt nicht aus, dass es für lokal Betroffene ganz anders aussieht.
Sie vergessen sicher nicht, dass die Leukämieraten selbst in der Umgebung deutscher nicht havarierter KKW überdurchschnittlich hoch sind, auch wenn die "Wissenschaft" eine dem entsprechende Plausibilität "noch" nicht gefunden hat. Da sollten sich also jene, die in der 20 oder 30 km Zone wohn(ten) nun nicht rational ängstigen dürfen?

In der Tat

Sie argumentieren halt gerne! Deshalb bin auch ich der Meinung, dass es völlig unnötig ist, Angst vor Ihren Argumentationen zu haben.

Hier in diesem Thread begeben Sie sich ja auch auf ein Level, auf dem es völlig ungefährlich ist, zu argumentieren, weil die Zeiträume, von denen Sie schreiben, zu groß sind, als dass Menschen Einfluss darauf hätten:

Es ist natürlich völlig richtig, dass Mutationen Ursache von positiven Veränderungen sind. Dennoch kann man keinem Menschen raten, sich vor der Zeugung/Empfängnis bestrahlen zu lassen, weil halt ebenso gut auch nicht gewünschte Mutationen auftreten können.

Sie könnten mit gleichem Recht argumentieren, dass die Pestepidemie im Mittelalter dem Genpool der Europäer gut getan hat. Für den einzelnen, den es damals getroffen hat, wäre diese These dennoch keine Tröstung.

Und was Ihre These zur Nutzung der Kernenergie in Deutschland in zwei Generationen angeht: Da teile ich ihre Einschätzung nicht. Im Gegenteil bin ich davon überzeugt, dass Japan eines der nächsten Länder sein wird, das auus der Kernenergie aussteigt und dass viele andere folgen werden. Aber warten wir es doch einfach ab, denn auch das wird dauern.

mfG gustav

"...keinem Menschen raten,"

sich vor der Zeugung/Empfängnis bestrahlen zu lassen,

genau das tue ich ja nicht.

Ich rate vielmehr nicht ab, vor der Zeugung/Empfängnis etwa einen Transatlantikflug zu unternehmen (der mit einer Erhöhung der Strahlenbelastung verbunden ist). Denn der potenzielle Schaden ist vernachlässigbar (die zusätzlihe Dosis liegt im Bereich dessen, was der Organismus toleriert). Demgegenüber hat der Transatlantikflug für den Fluggast einen nichttrivialen Nutzen.

Herzlichst Crest

P.S.
Darf ich mir eine persönliche Bemerkung erlauben?
"Angst vor Argumantationen" braucht man eigentlich nur dann zu haben, wenn das Ziel die Immunisierung des eigenen Standpunktes und nicht so sehr die Wahrheitsfindung ist.

Transatlantikflüge sind out

Ach Crest, ich hätte nicht gedacht, dass Sie das Transatlantikflugargument noch immer strapazieren. Erstens handelt es sich bei der dabei auftretenden Exposition um eine äußere, die es vor dem Flug für das Individuum noch nicht gibt und nach dem Flug nicht mehr gibt. Da kann man in der Tat eine halbwegs vernünftige Risiko-Nutzen-Abschätzung machen. Vor allem kann man selbst entscheiden, ob man sich diesem Risiko aussetzen will oder nicht.

Hingegen der Fallout von Fukushima, von Tschernobyl, von den atmosphärischen Kernwaffentests des vergangenen Jahrhunderts und die Emissionen aus dem laufenden Betrieb von KKW ist/sind zum Teil partikelgebunden. Die von den radioaktiven Stoffen im Partikel emittierte Strahlung wirkt lebenslang, wenn Partikel inkorporiert werden. Das Zeug bleibt dazu noch sehr sehr lange in der Atmosphäre und Nahrungskette präsent.

Und die Ansicht, dass es eine tolerierbare Dosis gibt, ist nichts als eine Ansicht, keine wissenschaftlich haltbare Tatsache. Viele Wissenschaftler sind da auf Grund anderer Forschungsergebnisse anderer Ansicht. Und selbst wenn wir da ganz spitzfindig werden und sagen, da steht dann halt Ansicht gegen Ansicht, nun, ich würde es dann doch vorziehen, mich gegen ein plausibles Risiko zu schützen statt es darauf ankommen zu lassen.

Sie sind eher der Risiko-Typ, nicht? Das Problem ist nur, fliegen Sie ruhig. Aber halten Sie ihre radioaktiven Stoffe bitte unter Verschluss. Die bedrohen uns nämlich alle.

Ohne jedes Schamgefühl (@ 18, Crest)

"Ich darf mal eine grundsätzliche Frage stellen: Ist es denn wirklich ein vernünftiges Ziel, so zu leben, dass die Anzahl der DNA-Code-Änderungen absolut minimiert wird? Mutationen waren für das Leben von Anbeginn an essenziell, warum soll dies gerade jetzt nicht mehr gelten?"

Nicht schlecht, Herr Specht, ich muss schon sagen - das gibt die Goldene Gurke für das unverschämteste 'Argument' des Tages (wenn nicht der Woche).

a) Die Evolution hat es lange genung ohne Kernkraftwerke ganz gut geschafft - warum braucht sie jetzt unsere Nachhilfe?

b) Mutationen sind in erdgeschichtlichen Zeiträumen wichtig für die Evolution, für Individuen jedoch meist negativ. Sollen wir unsere Energiepolitik in den Dienst einer ganz neuen Turbo-Evolution stellen oder doch lieber an den Interessen der Menschen ausreichten? Hm, ich weiß nicht, ich weiß nicht ...

"Haben Sie sich schon einmal klargemacht, dass allein aufgrund der Wärmebewegung es zu Ablesefehler im genetischen Code kommen kann/aus theoretischen Gründen kommen muss. Auch das fällt unter Schicksal, so wie ich es im von Ihnen zitierten Kommentar genannt habe. Wollen Sie sich nun auf Minus 273° einfrieren lassen, um das zu verhindern?"

Genau so ein Stuss wie das vorherige 'Argument': Die Wärmebewegung ist ein notwendiger Aspektn unserer physikalischen Umwelt, Kernkraftwerke sind es nicht. Was soll also Ihr Hinweis?

Auch hier noch einmal ein paar grundsätzliche Bemerkungen

Der Körperzelle ist es "egal" ob es sich um Strahlung handelt, die von "außen" kommt wie bei der Höhenstrahlung oder um Strahlung von "innen", also von radioaktiven Substanzen, die Sie inkorporiert haben.

Das kann Cäsium sein, in jedem Fall aber ist es Kalium 40, dem Sie sich auf keine ! Weise entziehen können und mit dessen Gammastrahlung Sie zudem Ihre Frau, Ihren Lebenspartner oder Ihren Lebensabschnittspartner "beglücken". (Hier haben Sie recht, Ihre Dame kann selbst entscheiden ob sie sich Ihrer Strahlung zusätzlich aussetzen mag, oder nicht. ;-))

Und jetzt denken Sie noch einmal an UV-Strahlung und das vielleicht schon oft gehörte Faktum, dass "die Haut nicht vergisst". Dasselbe gilt für den Transatlantikflug, auch da ist einiges auf "Festplatte" gespeichert worden. Nicht viel, nichts um was man sich ernsthaft Sorgen machen müsste, aber doch so, dass der Unterschied zwischen der Wirkung externer und interner Strahlung verwischt.

Kurz: Die akkumulierte Summe ist relevant (zumindest in erster Näherung), und es spielt weniger eine Rolle, ob sich diese Summe "häppchenweise" durch einzelne Transatlantikflüge ergibt oder kontinuierlich durch inkorporierte Radioaktivität.

Herzlichst Crest

Nicht ganz leicht hierauf einzugehen

Ich versuchs mal trotzdem:

a) Die Evolution hat es lange genung ohne Kernkraftwerke ganz gut geschafft - warum braucht sie jetzt unsere Nachhilfe?

Braucht sie nicht. Kriegt sie auch nicht.

Der Punkt ist ja, dass die "künstliche" Radioaktivität im Rauschen der "natürlichen" Radioaktiviät untergeht und auch größere Schwankungsbreiten vom Organismus abgepuffert werden. (Ich denke damit erledigt sich auch der Punkt b))

Die Wärmebewegung ist ein notwendiger Aspekt unserer physikalischen Umwelt, Ja, und ein gewisses Quantum an Radioaktivität auch. (Ich weiß, dieses Punkt wird sicher gleich zu einem Appell für den Einsatz einer Kobaltbombe "hochskaliert" :-))

Herzlichst Crest

Verstrahlung

@Crest
Sie meinen die Verstrahlung in der Umgebung sei nicht gesundheitsschädlich? Beziehen Sie Ihr Gehalt direkt von Tepco? Zu erzählen, daß das Gebiet rund um die Strahlkerzen keineswegs gesundheitsgefährdend verstrahlt sei ist fahrlässig. Warum dann der Aufwand mit dem Kühlwasser? Warum ein Schiff, daß dieses abtransportieren soll? Man kann doch daraus einfach ein Angelsee machen, wo zur Abkühlung die Tepco-Mitarbeiter ein Bad nehmen können und zum Grillen herrlichen Fisch angeln. Ach was rede ich Fisch, fertiges Sushi kann man da angeln.

mfg.

Minimierung der akkumulierten Summe

57. "Die akkumulierte Summe ist relevant" - Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Allerdings ziehe ich daraus den Schluss, dass es sinnvoll ist, diese Summe möglichst zu minimieren.

60. "diese Bandbreite wird durch den Einstz der Kerntechnik nicht verlassen, auch wenn in Einzelfällen wie in Fukushima der Spielraum nach oben hin ausgereizt wird." - Jetzt hatten wir ja nun schon (mindestens) 2 (bekannt gewordene) Einzelfälle. Die sich akkumulieren. Und die sich zu den Kernwaffen-Fallouts akkumulieren. Und die sich zu den "Normal-"Emissionen der KKW akkumulieren. Wieviel Spielraum haben wir noch?

Unsinns-Bandbreite wieder überschritten (@ 60, Crest)

Es wird nicht besser, was?

"Der Punkt ist, dass das Leben sich mit einer gewissen Strahlenbelastung innerhalb einer großeren Bandbreite gut arrangiert. [...] Nun, diese Bandbreite wird durch den Einstz der Kerntechnik nicht verlassen auch wenn in Einzelfällen wie in Fukushima der Spielraum nach oben hin ausgereizt wird."

So so, die wird also "durch den Einstz der Kerntechnik nicht verlassen". Nie und nimmer? Aus Prinzip nicht? Weil Sie es so sagen? Erlauben Sie, dass ich über einen derart schwächlichen Beschwichtigungsversuch leise lache? Peinlich, peinlich, echt.

"Nach oben hin ausgereizt" wird der Spielraum durch Fukushima also. Bei wie viel Erhöhung der gemessenen Strahlungswerte würden Sie denn sagen, dass der Spielraum überschritten ist?

Immerhin ist es schön, dass Sie sich mit Ihren Postings so lächerlich machen, dass jeder sieht, wie verzweifelt die Atom-Apologten ob der Nachrichten aus Fukushima sind. Ja, das ist bitter, wenn einem die Felle wegschwimmen. Das kann man auch mit arrogantem Gehabe nicht überspielen.

Noch mehr Quark (@ 59, Crest)

"Der Punkt ist ja, dass die 'künstliche' Radioaktivität im Rauschen der 'natürlichen' Radioaktiviät untergeht und auch größere Schwankungsbreiten vom Organismus abgepuffert werden."

Ich erwarte Ihren Vor-Ort-Bericht aus Fukushima - ich wette, die "'natürlichen' Radioaktiviät" rauscht auch dort so stark, dass sich die künstliche in all dem Rauschen gar nicht nachweisen lässt. Oder etwa doch?

"Die Wärmebewegung ist ein notwendiger Aspekt unserer physikalischen Umwelt, Ja, und ein gewisses Quantum an Radioaktivität auch. (Ich weiß, dieses Punkt wird sicher gleich zu einem Appell für den Einsatz einer Kobaltbombe 'hochskaliert' :-))"

Na, wenn Sie selbst gemerkt haben, dass Ihre Argumentation unsinning ist, warum posten Sie sie dann trotzdem?

Faszinierend,auf wie viele Weisen man missverstanden werden kann

Niemand (und ich denke wirklich niemand!, stellt sich auf den Standpunkt, dass es keine Bereiche gibt, die gesundheitsschädlich sind.

Wenn man die Reaktionen auf die Meldung betrachtet, dass auch in den Reaktoren 2 und 3 die Brennstäbe zerstört worden sind, muss man jedoch den Eindruck gewinnen, hier sei plötzlich was ganz außergewöhnliches, was neues geschehen. (Es wurde schon der Ruf nach "Sondersendungen" laut.)

Tatsächlich hat sich der Sachverhalt grundsätzlich nicht verändert. Kein Einfluss auf die zur Zeit freiwerdende Radioaktiviät. Es findet vielmehr quasi keine zusätzliche Kontamination der weiteren Umgebung statt.

Ich denke, darauf darf man hinweisen.

Herzlichst Crest

"es sinnvoll ist, diese Summe möglichst zu minimieren."

Aber Sie gewinnen nichts durch diese Minimierung (der gesundheitliche Grenznutzen ist quasi null) und binden für diese Minimierung wirtschaftliche Ressourcen, die Ihnen an anderer Stelle fehlen.

Das sehe ich nicht als sinnvoll an.

Zur Ihrer Frage "Wieviel Spielraum haben wir noch?". Dies können Sie abschätzen, indem Sie die hierdurch zusätzlich entstehende Strahlenbelastung in Beziehung setzen zu den Schwankungsbreiten der "natürlichen" Radioaktivität in verschiedenen Regionen der Erde.

Kurz: da ist noch viel Luft nach oben.

Herzlichst Crest

Quasi

65. "Tatsächlich hat sich der Sachverhalt grundsätzlich nicht verändert. Kein Einfluss auf die zur Zeit freiwerdende Radioaktiviät. Es findet vielmehr quasi keine zusätzliche Kontamination der weiteren Umgebung statt."

Hoho. Man achte auf die typische Wortwahl: grundsätzlich, quasi, zusätzliche, weitere.

Außerdem widerspricht der Autor sich selbst in 2 aufeinanderfolgenden Sätzen. So lange Radioaktivität frei wird, findet logischerweise ständig eine zusätzliche Kontamination der Umgebung statt, und zwar lokal und global.

Die Nachricht hat ja nur deshalb keinen "Einfluss auf die zur Zeit freiwerdende Radioaktiviät", weil die Kernschmelzen bereits kurz nach dem Erdbeben erfolgten (was bis jetzt ja konsequent geleugnet wurde). Seither wird Radioaktivität frei und kontaminiert die Umgebung, auch die weitere, nachrichtenunabhängig.

Lassen Sie mal Ihre KI überholen, dieser Turing-Test hier mit "Crest" beginnt mich zu langweilen...

Achtung,

Sie geraten gerade auf dieselbe schiefe Ebene, auf der schon zorc gerade entgleist.

Zur Sache, und um es kurz zu machen: Die Aussage So lange Radioaktivität frei wird, findet logischerweise ständig eine zusätzliche Kontamination der Umgebung statt, und zwar lokal und global. ist so richtig und so sinnvoll wie die Aussage "So lange ich in einen Fluss - pardon - pinkele, so lange steigt sein Wasserpegel."

Ich denke, damit ist die Bedeutung des Wortes "quasi", das wpohl die meisten linguistischen Bauchschmerzen verursachte, geklärt.

Herzlichst Crest

Keinen Wert (@ 67, Crest)

"Legen Sie noch Wert darauf, dass ich Ihnen weiter antworte? Oder möchte Sie hier nur noch poltern und 'die Sau rauslassen'?"

Wie kommen Sie auf die Idee, ich legte Wert darauf, dass Sie mir antworten? Da Sie nicht daran interessiert sind, ernsthaft über das Thema zu diskutieren, sondern durch hanebüchenes Beschönigen und an den Haaren herbeigezogene Argumente nach dem Muster von 'Kernkraft bringt die Evolution voran' eine solche ernsthafte Diskussion verhindern, wäre ich in der Tat ganz dankbar, wenn Sie von weiteren Antworten absähen - heraus kommt dabei sowieso nichts.

Dass Sie sich zudem noch einer arrogant herablassenden Tonfalls befleißigen, der durch die 'Qualität' Ihrer Beiträge in keinster Weise gerechtfertigt ist, macht die Sache nicht besser. Aber vielleicht brauchen Sie das für den Seelenfrieden.

1+0.1 = 1

"Der Punkt ist ja, dass die "künstliche" Radioaktivität im Rauschen der "natürlichen" Radioaktiviät untergeht"

Bei der Wahrnehmung von Schall gehen leisere Geraeusche gegenuber lauteren unter.
Ansonsten gilt: 0.1 Liter Wasser gehen nicht in 1l Wasser unter sondern ergeben 1.1l Wasser.

Aber da Sie zu den Leuten gehoeren, die Grenzwerte grundsaetzlich als zu niedrig ansehen...

@21: Inhumaner Denkfehler

Ich muss schon sagen, die Beiträge von Ihnen, "herzlicher" Crest sind im Provokationsgrad kaum noch zu übertreffen. Also "Respekt", sind Sie wirklich "gut" darin, Nebenkriegsschauplätze und Ablenkungsmanöver aufzubauen. Leider ist dies nur eine rhetorisch negative, keine inhaltliche Glanzleistung, die zum eigentlichen Thema hier konstruktiv nicht viel beiträgt, ausser viele rhetorisch weniger gut geschulte Leute sehr aufzuregen.

Aber zum Inhalt: Die Diskussion zu der evolutionären Anpassung an Radioaktivität mag ja in irgendwelchen weltfremden Forschungslaboren sinnstiftend sein. Nur, aus einem Grund ist diese ganze Diskussion im Zusammenhang mit Fukushima völlig unangebracht und das Gegenteil von herzlich: Selbst wenn es solche Anpassungsprozesse (evolutionär über Jahrmillionen gedacht!) wirklich geben sollte (was hier nicht bewiesen noch widerlegt werden kann), dann nützt dies den heute konkret lebenden Menschen in Japan herzlich wenig, denn die haben keine 1000000 Jahre Zeit sich anzupassen. Sie leben wie wir alle 60-80 Jahre,
ihre Gen-Ausstattung ist festgelegt und sie werden heute verstrahlt, langsam aber sicher.

Ich finde es extrem menschenfeindlich, mit diesen fehlgeleiteten Argumentationen hier auf Kosten der Opfer weiter rumzuspielen.

Bitte achten Sie alle auf einen sachlichen Umgangston und verlieren Sie sich nicht in persönliche Streitigkeiten. Danke. Die Redaktion/er

Notiz

Die Anpassungsprozesse haben schon stattgefunden - in der Vergangenheit. Denn das Leben war von Beginn an und permanent einer gewissen Strahlendosis ausgesetzt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Diese Anpassungsprozesse haben zu einer Strahlentoleranz der Organismen in einem relativ weiten Bereich geführt.

Um das noch einmal zu verdeutlichen:

Die Astronauten der Nasa haben ein jährliches Limit von 200 Millisievert und ein Berufslimit von 400 Millisievert. Das jährliche Limit liegt damit um 2 Größenordnungen (!) über Ihrer jährlichen Belastung aufgrund der "naürlichen" Radioaktivität.

Die Aufräummannschaften in Tschernobyl erhielten m.W. eine Dosis von bis zu 500 Millisievert.

Das ist verharmlosend sagen Sie? Das rückt die Maßstäbe zurecht, sage ich.

Eine "langsame Verstrahlung", wie sie hier suggeriert wird, gehört deshalb ins Reich der Legende, und eine "Argumenation auf Kosten der Opfer" findet nicht statt.

Herzlichst Crest