MadagaskarDer kleinste Primat der Welt

Knapp 700 Arten haben Forscher in den vergangenen elf Jahren auf Madagaskar bestimmt – darunter ein winziges Mausmaki-Äffchen und einen Gecko, der die Farbe wechselt.

Sie gehören zu den Feuchtnasenaffen, sind kleiner als ein Smartphone und suchen vor allem in der Nacht im Urwald Madagaskars nach Beute: Berthe-Mausmakis ( Microcebus berthae ). Ihre großen Augen helfen ihnen dabei, auch in der Dunkelheit Früchte und Insekten zu finden.

Wenn man einmal von ihrem Schwanz absieht, der noch einmal genauso lang ist wie das ganze Tier, sind diese Lemuren die kleinsten Primaten der Welt. Zumindest die kleinsten, die man bisher gefunden hat. Schon jetzt stehen sie auf der Roten Liste bedrohter Arten – sie gelten als gefährdet.

Anzeige

Dass es in den madagassischen Wäldern noch viel zu entdecken gibt, hat sich in den vergangenen elf Jahren gezeigt. Allein in dieser Zeit spürten Forscher auf der Insel vor der Ostküste Mosambiks 615 neue Arten auf: 385 Pflanzen, 42 wirbellose Tiere, 17 Fischarten, 69 Amphibien und 41 bisher unbekannte Säugetiere. Das berichtet die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) in einem aktuellen Bericht.

Der nach Indonesien zweitgrößte Inselstaat der Welt ist bekannt für seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Die meisten der dort lebenden Arten sind auf Madagaskar endemisch, das heißt, sie kommen nirgendwo anders auf der Erde vor. Auch zwei Drittel der seit 1999 neu entdeckten Spezies leben nur auf der Insel im Indischen Ozean. Viele der kaum erforschten Tiere und Pflanzen stehen genau wie der winzige Mausmaki bereits auf der Roten Liste, die die Weltnaturschutzunion IUCN  aufstellt.

Zu den Exoten der neu entdeckten Arten gehört auch ein Gecko (Phelsuma borai) , der seine Farbe verändern kann, ähnlich wie ein Chamäleon. Diese im Jahr 2009 von deutschen Forschern aus München, Darmstadt und Braunschweig erstmals beschriebenen Echsen leben im Nationalpark Tsingy de Bemaraha auf trockenen Kalksteinfelsen im Westen Madagaskars. Ihre normalerweise gräulich-braune Körperfarbe können sie schnell ändern und etwa blau leuchten. Die Forscher vermuten, dass  die meisten heute farbenfrohen Gecko-Arten von einem gemeinsamen afrikanischen Vorfahren abstammen. Dieser lebte im Gegensatz zu den feuchten Urwäldern Madagaskars in trockenen Wüstengebieten und hatte eine helle Tarnfarbe – passend zur Umgebung. Vermutlich lebten die ersten Geckos der Insel im Indischen Ozean entlang der trockenen Felsen im Westen.

Den größten Anteil der Artenvielfalt machen aber auch auf Madagaskar Pflanzen aus. Ein besonders interessantes Exemplar fand kein Forscher, sondern ein Bauer: Die Fächerpalme Tahina spectabilis . Diese Palme blüht nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Ihre Früchte werden von Lemuren gefressen. Sie verbreiten die Samen mit ihrem Kot – und sorgen so dafür, dass neue Fächerpalmen wachsen können.

Die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist stark bedroht: 90 Prozent der Regenwälder auf der Insel sind bereits zerstört. Viele der dort einst heimischen Arten sind wohl ausgestorben, bevor sie von Forschern entdeckt werden konnten. "Wenn die wenigen verbleibenden Wälder nicht gerettet werden, verschwinden unzählige Arten, die wir noch nicht einmal kennengelernt haben", sagte Martin Geiger vom WWF.

Ein weiteres Problem ist nach Ansicht der Umweltschützer die Jagd auf Wildtiere. Auf Madagaskar würde das Buschfleisch aus den Wäldern – etwa von Lemuren – für umgerechnet weniger als drei Euro pro Teller angeboten. Dies sei eine der wenigen Einkommensquellen für die arme Bevölkerung der Insel, auf der wegen politischer Unruhen auch die Kriminalität zunehme.

 
Leser-Kommentare
  1. Und wie groß ist so ein "Smartphone"?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "So ein Smartphone" ist der ganze Modekram der auf den Markt geworfen wird.

    Von dem Obst und mit dem google Betriebssystem - etwa 10-12cm lang, 1-1,5cm dick und so um die 5cm breit.
    (Schätzung)

    (Ironischerweise eigentlich alles "Featurephones" - Smartphones gibt es nur wenige, von RIM (BlackBery) , Nokia und ich meine Sony Ericsson hatte auch mal eines)

    Redaktion

    Es gibt natürlich verschiedene Smartphones - ich hatte zunächst ein bestimmtes genannt, das ziemlich genauso klein ist wie ein Berthe-Mausmaki.

    Der Kollege hatte das aber zu Recht heraus redigiert, da wir hier ja keine Werbung für bestimmte Telefone machen wollen...

    Also so ein Lemur dieser Art hat eine Körperlänge von rund neun Zentimetern und einen Schwanz, der in etwa elf bis 13 Zentimeter lang ist.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    "So ein Smartphone" ist der ganze Modekram der auf den Markt geworfen wird.

    Von dem Obst und mit dem google Betriebssystem - etwa 10-12cm lang, 1-1,5cm dick und so um die 5cm breit.
    (Schätzung)

    (Ironischerweise eigentlich alles "Featurephones" - Smartphones gibt es nur wenige, von RIM (BlackBery) , Nokia und ich meine Sony Ericsson hatte auch mal eines)

    Redaktion

    Es gibt natürlich verschiedene Smartphones - ich hatte zunächst ein bestimmtes genannt, das ziemlich genauso klein ist wie ein Berthe-Mausmaki.

    Der Kollege hatte das aber zu Recht heraus redigiert, da wir hier ja keine Werbung für bestimmte Telefone machen wollen...

    Also so ein Lemur dieser Art hat eine Körperlänge von rund neun Zentimetern und einen Schwanz, der in etwa elf bis 13 Zentimeter lang ist.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    • chamsi
    • 06.06.2011 um 15:18 Uhr

    gerade entdeckt...und schon vom Aussterben bedroht.
    Der WWF hat heute im Zusammenhang mit den neu entdeckten
    Tier- und Pflanzenarten noch einmal darauf hingewiesen,
    dass viele dieser Arten aussterben, bevor sie überhaupt
    entdeckt werden.
    Von ProWildlife gab es heute eine Petition, die sich gegen
    das Töten von wildlebenden Affen in den Holzplantagen der
    FSC richtet...

    2 Leser-Empfehlungen
  2. "So ein Smartphone" ist der ganze Modekram der auf den Markt geworfen wird.

    Von dem Obst und mit dem google Betriebssystem - etwa 10-12cm lang, 1-1,5cm dick und so um die 5cm breit.
    (Schätzung)

    (Ironischerweise eigentlich alles "Featurephones" - Smartphones gibt es nur wenige, von RIM (BlackBery) , Nokia und ich meine Sony Ericsson hatte auch mal eines)

    Antwort auf "Größe"
  3. Redaktion

    Es gibt natürlich verschiedene Smartphones - ich hatte zunächst ein bestimmtes genannt, das ziemlich genauso klein ist wie ein Berthe-Mausmaki.

    Der Kollege hatte das aber zu Recht heraus redigiert, da wir hier ja keine Werbung für bestimmte Telefone machen wollen...

    Also so ein Lemur dieser Art hat eine Körperlänge von rund neun Zentimetern und einen Schwanz, der in etwa elf bis 13 Zentimeter lang ist.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    Antwort auf "Größe"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service