Das unterschätzte Tier Tropen-Echse im Intelligenztest

Reptilien gelten nicht als die Hellsten. Zu Unrecht? Die leguanartige Echse "Anolis evermanni" fängt im Verhaltenstest den Wurm und rettet so die Ehre der Kriechtiere.

Auch diese in Asien heimische Echse gehört wie "Anolis evermanni" zu den Schuppenkriechtieren. Sie kann wie fast alle Saumfinger-Echsen chamäleonartig ihre Farbe wechseln.

Auch diese in Asien heimische Echse gehört wie "Anolis evermanni" zu den Schuppenkriechtieren. Sie kann wie fast alle Saumfinger-Echsen chamäleonartig ihre Farbe wechseln.

Echsen seien nicht besonders schlau, heißt es unter Zoologen, überhaupt Reptilien insgesamt. Soll das etwa bedeuten, dass Krokodile – immerhin erfolgreiche Räuber, deren Evolutionskonzept schon seit Millionen Jahren aufgeht – nicht ganz helle sind? Und wie steht es mit Chamäleons? Diese sensiblen Multicolor-Wunder, die mit ihrer Haut subtile Signale an Artgenossen senden – doof?

Nun ja. Die Konkurrenz ist hart, wenn man an die Schlaumeier im Tierreich denkt. Und die sind fast ausnahmslos unter den höheren Säugetieren zu finden. Aber vielleicht liegt der schlechte Ruf der Reptilien auch daran, dass Forscher naturgemäß immer nur den Strebern eine Chance geben. Wann darf sich eine Blindschleiche schon mal im Experiment beweisen? Im Wissenschaftsbetrieb zählen halt auch nur Erfolge.

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Die Saumfinger-Echsen

Die Bezeichnung "Echse" ist in der Systematik nicht sehr genau. Biologen unterscheiden in der Klasse der Reptilien grob die Schildkröten, Brückenechsen, Schuppenkriechtiere (darunter fallen auch die Schlangen) und die Krokodile.

Die Arten der Gattung Anolis (auf Deutsch auch Saumfinger genannt), die im Versuch der US-Forscher den Verhaltenstest machten, zählen wie die Echten Eidechsen zu den Schuppenkriechtieren. Diese kleinen zehn bis 30 Zentimeter langen Echsen gehören zur Teilordnung der Leguanartigen (Iguania).

Ähnlich wie Chamäleons können die meisten Saumfinger-Arten ihre Körperfarbe wechseln. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das, wenn zwei Männchen miteinander kämpfen: Am Ende erscheint der Sieger in leuchtendem Grün, der Verlierer dagegen in schnödem Braun.

Die Männchen tragen am Hals einen Hautlappen, die Kehlfahne. Sie hebt sich farblich vom Rest des Körpers ab und ist ein wichtiges Merkmal im Kampf mit Rivalen. Die heute knapp 400 bekannten Anolis-Arten sind in der Karibik, im Süden der USA sowie in Mittel- und Südamerika verbreitet.

Dank winziger Härchen und Lamellen an den mittleren Zehen flitzen die Saumfinger – ähnlich wie Geckos – auf Bäume und durch Büsche, die "Haftsohlen" machen sie zu hervorragenden Kletterern.

Quelle: Brehms Tierleben/The Reptile Database

Charles Darwin über Anolis

Schon Charles Darwin erwähnte 1871 die Gattung Anolis in seinem Werk The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex. Deutscher Titel: Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl.

 In einem übersetzten Auszug heißt es:

"Die Männchen von manchen und wahrscheinlich von vielen Arten von Eidechsen kämpfen aus Eifersucht mit einander. So ist der auf Bäumen lebende Anolis cristatellus von Süd-Amerika außerordentlich kampflustig. Während des Frühjahrs und des ersten Theils des Sommers begegnen sich nur selten zwei Männchen, ohne in einen Kampf zu gerathen. Wenn sie einander zuerst erblicken, so nicken sie drei oder vier Mal mit ihrem Kopfe auf und nieder und breiten zu derselben Zeit den Kragen oder die Tasche unterhalb ihrer Kehle aus. Ihre Augen glänzen vor Wuth und nachdem sie ihre Schwänze einige Secunden lang hin und her geschwungen haben, als wollten sie sich Energie sammeln, stürzen sie wüthend auf einander los, rollen sich kopfüber über einander und halten sich mit ihren Zähnen fest. Der Kampf endet meist damit, daß einer der Kämpfer seinen Schwanz verliert, welcher dann häufig von dem Sieger verzehrt wird."

Quelle: Spiegel/Projekt Gutenberg

Die Biologen Manuel Leal und Brian Powell von der Duke-Universität sind da anders. Sie gaben der kleinen tropischen Echsenart Anolis evermanni aus Puerto Rico, die sonst kaum jemand kennt, die einmalige Gelegenheit, sich – und andere Schuppenkriechtiere – von dem Vorurteil der Dummheit zu befreien.

Unterschätzte Tiere
Sind Reptilien doof? Und wie wehrt sich die Seegurke? Alle Folgen unserer Serie über unterschätzte Tiere.

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Auch wenn das Forscher-Duo selbst nicht wirklich an sie glaubte, nutzte die Echse ihre Chance: Ganz offiziell unter wissenschaftlicher Aufsicht – und für jeden noch zweifelnden Zoologen im Fachblatt Biology Letters nachzulesen – bestand Anolis evermanni den Reptilien-Intelligenztest. Der sei "vollkommen unerwartet" ausgefallen, schreiben Leal und Powell.

Die Forscher präsentierten der Echse zwei Löcher. Das eine davon hatte einen Deckel, darunter steckte ein Wurm, ein echter Leckerbissen. Entsprechend schnell entdeckten die Echsen den Snack. Jedenfalls die meisten. Vier der sechs Versuchstiere lernten, dass sie den Deckel mit der Schnauze anheben oder ihn herunterziehen mussten, um an den Wurm zu gelangen. Mehr noch: Als die Forscher beide Löcher mit verschiedenfarbigen Deckeln bedeckten, krabbelten die Insektenfresser direkt zum richtigen Loch: Sie assoziierten die Deckelfarbe mit dem saftigen Wurm als Belohnung.

Das Video zeigt den Verhaltenstest, den Biologen der Duke-Universität mit den Echsen machten. Quelle: www.duke.edu

Das heißt, die Echsen sind nicht nur in der Lage, neue Probleme zu lösen, sondern können sich die Lösung auch merken. Selbst als die Forscher die Deckel vertauschten und das Loch unter dem bisher mit dem Wurm in Verbindung gebrachten Deckel plötzlich leer war, überraschten zwei Vertreter der Spezies Anolis evermanni mit unerwarteter Cleverness: Sie gingen – nachdem sie das gewohnte Loch leer vorfanden – zum anderen und wurden dort fündig.

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Diese Fähigkeit, das eigene Verhalten anzupassen, wenn sich die Anforderungen ändern, sehen Biologen als Zeichen für ein geistig höher entwickeltes Tier. Da haben wir's. Damit schließen die Echsen mit den Schildkröten und Waranen auf. Auch sie treiben den Intelligenz-Durchschnitt bei den Reptilien entscheidend nach oben. Immerhin werden einige Schildkröten mehr als Hundert Jahre alt, ohne einen tödlichen Fehler zu machen. Und Weißkehlenwarane können sogar zählen, mindestens bis sechs.

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Leser-Kommentare
    • Gafra
    • 19.07.2011 um 12:42 Uhr

    sind bestens an ihre Umwelt angepasst und das ist eben ihre eigene Art der Intelligenz. Ich bin immer wieder perplex, wenn Tiere mit dreijährigen Kindern verglichen werden und mit deren Intelligenz gleich gesetzt wird. Eigentlich ist das lächerlich: Das Maß aller Dinge ist NICHT die menschliche Intelligenz. Welches dreijährige Kind kann wie ein Delphin im Wasser überleben oder wie ein Affe oder Elefant, ein Rabe, ein Oktopus oder eben eine Eidechse.
    Es ist an der Zeit, endlich diesen Anthropozentrismus aufzugeben und die Tiere innerhalb ihres eigenen Lebensraumes und ihres Bezugssystems anzuerkennen. Und da sind sie alle unverzichtbar,........ .....bis auf Blattläuse! :-)

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    "Soll das etwa bedeuten, dass Krokodile – immerhin erfolgreiche Räuber, deren Evolutionskonzept schon seit Millionen Jahren aufgeht – nicht ganz helle sind?"
    Im Fall Krokodil würde ich sagen, dass sie deshalb so gut überleben, weil sie sehr stark sind. Und sind sie ausgewachsen haben sie (abgesehen vom Menschen) keine natürlichen Feinde.
    Das würde ich, ganz spontan, nicht deren Intelligenz zuschreiben (was nicht heißt, dass sie nicht intelligent sein können).

    Ich finde es viel faszinierender, wie kleine Tiere mit vielen Feinden überleben. Dafür ist sicherlich ein hohes Maß an Intelligenz nötig.

    ich wollte das nicht auf Ihren Kommentar antworten ;)
    Da hab ich mich wohl verklickt.

    Ursprünglich wollte ich zu Ihrem Kommentar folgendes schreiben:
    "Und da sind sie alle unverzichtbar,........ .....bis auf Blattläuse! :-)"
    Was sollen denn dann die Marienkäfer fressen? ;)

    Bereits in der Schule hatte ich - richtigerweise - gelernt, dass alles Leben auf dem gleichen Entwicklungsstand sind, da alle etwa gleich alt sind.
    Dieser ständige Vergleich nach menschlichen Maßstäben zeigt doch letztendlich doch nur, dass sich der Mensch doch auf eine höhere Stufe stellt, oder zumindest glaubt sich auf einer höheren Stufe zu befinden....

    "Soll das etwa bedeuten, dass Krokodile – immerhin erfolgreiche Räuber, deren Evolutionskonzept schon seit Millionen Jahren aufgeht – nicht ganz helle sind?"
    Im Fall Krokodil würde ich sagen, dass sie deshalb so gut überleben, weil sie sehr stark sind. Und sind sie ausgewachsen haben sie (abgesehen vom Menschen) keine natürlichen Feinde.
    Das würde ich, ganz spontan, nicht deren Intelligenz zuschreiben (was nicht heißt, dass sie nicht intelligent sein können).

    Ich finde es viel faszinierender, wie kleine Tiere mit vielen Feinden überleben. Dafür ist sicherlich ein hohes Maß an Intelligenz nötig.

    ich wollte das nicht auf Ihren Kommentar antworten ;)
    Da hab ich mich wohl verklickt.

    Ursprünglich wollte ich zu Ihrem Kommentar folgendes schreiben:
    "Und da sind sie alle unverzichtbar,........ .....bis auf Blattläuse! :-)"
    Was sollen denn dann die Marienkäfer fressen? ;)

    Bereits in der Schule hatte ich - richtigerweise - gelernt, dass alles Leben auf dem gleichen Entwicklungsstand sind, da alle etwa gleich alt sind.
    Dieser ständige Vergleich nach menschlichen Maßstäben zeigt doch letztendlich doch nur, dass sich der Mensch doch auf eine höhere Stufe stellt, oder zumindest glaubt sich auf einer höheren Stufe zu befinden....

  1. "Soll das etwa bedeuten, dass Krokodile – immerhin erfolgreiche Räuber, deren Evolutionskonzept schon seit Millionen Jahren aufgeht – nicht ganz helle sind?"
    Im Fall Krokodil würde ich sagen, dass sie deshalb so gut überleben, weil sie sehr stark sind. Und sind sie ausgewachsen haben sie (abgesehen vom Menschen) keine natürlichen Feinde.
    Das würde ich, ganz spontan, nicht deren Intelligenz zuschreiben (was nicht heißt, dass sie nicht intelligent sein können).

    Ich finde es viel faszinierender, wie kleine Tiere mit vielen Feinden überleben. Dafür ist sicherlich ein hohes Maß an Intelligenz nötig.

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  2. 3. Ups...

    ich wollte das nicht auf Ihren Kommentar antworten ;)
    Da hab ich mich wohl verklickt.

    Ursprünglich wollte ich zu Ihrem Kommentar folgendes schreiben:
    "Und da sind sie alle unverzichtbar,........ .....bis auf Blattläuse! :-)"
    Was sollen denn dann die Marienkäfer fressen? ;)

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Gafra
    • 19.07.2011 um 16:55 Uhr

    Was sollen denn dann die Marienkäfer fressen? ;)

    halten Blattläuse wie Kühe, sie melken deren süßen Saft.

    • Gafra
    • 19.07.2011 um 16:55 Uhr

    Was sollen denn dann die Marienkäfer fressen? ;)

    halten Blattläuse wie Kühe, sie melken deren süßen Saft.

  3. Sieh da! Manni hätte ich in der Tat unter den Reptilien verortet, allerdings eher bei den Vokuhilas auf dem Boltzplatz.

    Dass Manni nun auf Abwegen in den Tropen ist, sei ihm zu gönnen. Auch wenn seine Fußball Kumpels wohl eher die umgekehrte Reaktion zeigen: der Verlierer wird grün - vor Neid. Der geschwollene Hahnenkamm ist aber wohl artgenössisch beiden gemein.

  4. Bereits in der Schule hatte ich - richtigerweise - gelernt, dass alles Leben auf dem gleichen Entwicklungsstand sind, da alle etwa gleich alt sind.
    Dieser ständige Vergleich nach menschlichen Maßstäben zeigt doch letztendlich doch nur, dass sich der Mensch doch auf eine höhere Stufe stellt, oder zumindest glaubt sich auf einer höheren Stufe zu befinden....

  5. und nur ein Deckelchen.
    Die ökologische Intelligenz ist weniger beeindruckend, da Arten ansich sonst nicht existieren würden. Auch die Natur ist kein Schema "F". Mich verwundert, warum der Mensch (oder angebl. Wissenschaftler) sich hiervon beeindruckt zeigen sollten.
    Welche, oder wieviele Test braucht man zum Beleg einer funktionierenden Überlebensstrategie oder ökologischen Intelligenz ?
    Selbsterkennung durch aufgeklebte Farbpunkte anhand des Spiegelbildes ? Farbige Deckelchen ?
    Wäre das einzige, was ggf. nicht passt sind prxisfremde Tests. Diese könnte man beweisen. Jedoch nicht die ökologische "Dummheit" einer Art. Das hat uns Disney mit der Lemminglüge genug zu suggerieren versucht !

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  6. des Menschen ist überentwickelt im Vergleich zu dem der Tiere,
    die Sinne dagegen lachhaft verkümmert.
    Wir hören,sehen, riechen usw. teils sogar viel schlechter als so manches Tier.
    Die Strategie des Menschen ist die Nutzung des Gehirns zur Überbrückung dieser Schwächen, er baut sich Werkzeuge wie Nachsichtgläser, Messer etc. und überlebt dadurch.
    Ein Bandwurm sieht zB überhaupt nichts, muss er aber auch nicht um zu überleben und den Bestand zu sichern.
    Jedes Lebewesen muss nur das können, was es braucht um in der jeweiligen ökologischen Nische zu überleben.
    Das heißt aber noch lange nicht, dass wir die besten sind, weil wir die intelligentesten sind.
    Erstens ist ein Vergleich zwischen der Intelligenz von Tieren und Menschen totale Willkür und ein Sieg, dessen Ausgang schon vor dem Wettkampf feststeht, weil Intelligenz nunmal der wichtigste Teil UNSERER Strategie ist, zieht man Sehstärke als Kriterium heran, ziehen wir zB gegen den Adler den Kürzeren. Aus der Sicht des Adlers ist müsste er daher besser als wir Menschen sein, wir machen uns etwas vor weil wir die Wettkampfregeln manipuliert haben.

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  7. Entscheidend ist doch das Bezugssystem und das ist bei beiden Beispielen unterschiedlich. Marathonläufer werden nach bereits gelaufenen Kilometer verglichen, Lebewesen nach ihren Entwicklungsstand nach einer bestimmten Zeit x.
    Unter der Hypothese das alle Lebewesen den gleichen Ursprung haben, sind alle Lebewesen gleichermaßen entwickelt und entsprechend ihrer ökologischen Nische angepasst.

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