Eingeschleppte TierartenWas nicht ins Outback gehört, muss sterben

Kamele, Kröten, Kaninchen. Australien kämpft mit harten Mitteln gegen eingeschleppte Arten. Im Outback ist man dabei nicht zimperlich. von 

Nun sollen also Kamele für Australiens miserable CO 2 -Bilanz büßen, wie ein Plan einer Regierungsbehörde belegt. Hunderttausende der geschätzt 1,2 Millionen Kamele in den ariden Klimazonen des Kontinents sollen zum Abschuss aus Helikoptern freigegeben werden. 1840 gelangten sie als Lasttiere nach Australien und wurden, als man sie nicht mehr brauchte, sich selbst überlassen. Doch der Abschussplan ist entweder Eselei oder Geschäftemacherei – denn ob das australische Camelus drome-darius mit seiner Verdauung dem Klima tatsächlich schadet, ist wissenschaftlich höchst umstritten.

Andere Befunde sind eindeutiger: Die sich schnell vermehrenden Herden rund um die Simpsonwüste, die Große Sandwüste, die Central-Ranges-Region und die Tanamiwüste tragen signifikant zur Bodenerosion bei. Wildtiere und Vieh konkurrieren mit den Kamelen um Nahrung.

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Hier liegt das eigentliche Problem: Eingeschleppte Tierarten sind eine hohe, zuweilen auch extreme Bedrohung für die einzigartige Flora und Fauna des Kontinents, sagt der Ökologe Michael Tyler, Privatdozent an der University of Adelaide . Korrigiere der Mensch Fehler der Vergangenheit nicht, seien irreparable Schäden unausweichlich. Australien sei sehr sensibel für Tierinvasionen.

Geologisch betrachtet war Ozeanien lange vom Rest der Welt isoliert, es entwickelte sich ein einmaliges Ökosystem. Nicht-heimische Arten konnten sich nicht zuletzt aufgrund der geringeren Bevölkerungsdichte schnell vermehren. Zudem erstreckt sich der Kontinent über verschiedene Klimazonen: So können Tierarten, die an sehr unterschiedliche Bedingungen angepasst sind – von großer Hitze und Trockenheit bis hin zu kühleren feuchten Regionen – in Australien eine Nische zum Überleben finden. "Es gibt kaum Chancen, Tierinvasionen zu verhindern oder zu kontrollieren", sagt Clive Williams, Artenschützer der Wildlife Preservation Society of Australia .

Lange vor den Kamelen machte die Aga-Kröte ( Bufo marinus ) Schlagzeilen . Betreiber von Zuckerrohrplantagen brachten sie einst nach Nord-Queensland. Mit dem Ziel, Schädlinge biologisch zu bekämpfen. 40.000 Kröten, die die Farmer 1935 aussetzten, haben sich bis heute auf geschätzt 200 Millionen vermehrt. Jährlich wächst ihr Bestand um ein Viertel. Die Kröte hat inzwischen fast den gesamten subtropisch-tropischen Norden erobert.

Die Auswirkungen der Aga-Kröte auf das ökologische Gleichgewicht des Kontinents wurden auf fatale Weise unterschätzt. Dank ihrer hochgiftigen Hautdrüsensekrete hat die Kröte nur wenige Fressfeinde, andererseits aber ein breites Nahrungsspektrum. "Ihr Gift kann sogar Haustiere töten, indem sie deren Trinkwasser vergiftet", sagt Artenschützer Clive Williams. Auch viele Wildtiere würden der Aga-Kröte zum Opfer fallen. So sei der heimische Beutelmarder "fast ausgelöscht" worden, sagt Amphibien-Spezialist Tyler: "Die Drüsensekrete der Kröten können selbst Süßwasser-Krokodile töten."

Die Landwirtschaft kämpfte zudem jahrzehntelang mit einer Kaninchenplage. Mit den ersten europäischen Siedlern kamen sie 1788 nach Westaustralien, wo die Tiere sich schon 1900 massenhaft vermehrt und ausgebreitet haben. Zwischen 1901 und 1908 investierte die Regierung eine für damalige Verhältnisse enorme Geldsumme, um auf einer Gesamtlänge von 3.300 Kilometern drei Zaunreihen zu errichten – den Rabbit Proof Fence . Er reicht von der Großen Australischen Bucht im Süden bis zum Indischen Ozean im Nordwesten. Doch ähnlich wie eine bewusst ausgelöste Kaninchen-Epidemie brachte auch der Zaun nur mäßigen Erfolg. Mehr als 200 Millionen Kaninchen ( Oryctolagus cuniculus ) verursachen bis heute zum Teil erhebliche Schäden.

Leserkommentare
  1. Guten Tag,

    also das Argument, Kamele sind schlecht für das Klima ist nicht haltbar. Was nicht von Kamelen gefressen werden würde, vermodert früher oder später und es wird somit exakt die gleiche Menge CO2 freisetzen. Abgesehen davon bewegt sich Australien noch im Steinzeitalter was Klimaschutz angeht. Die sollten sich erstmal Solaranlagen bauen und Strom erzeugen. Das geht mit geeigneter Wärmespeichertechnik sogar über Nacht. Da ist einsparpotential nicht bei Kamelen.

    Das Kamele aber nicht nach Australien gehören, steht auch außer Frage. Dafür ist die Flora&Fauna zu einmalig. Daher müssen Kamele und andere Arten unter Kontrolle gebracht werden. Nur warum wird in der Argumentationskette dieser lächerliche Umweg über Klimaschutz gemacht?

    Ich finde es also sinnvoll fremde Arten zu dezimieren. Nur warum an einen Tag? Ich bin mir sicher das Kamele großartig schmecken. Man kann doch z.B. 100 Kamele pro Tag erschießen und verkaufen. Dabei kann die Regierung sogar Geld machen.

    Es gibt übrigens tolle Kamel-Rezepte:
    Karpfen mit Datteln und Eiern füllen, zwei Schafe mit Karpfen füllen und ein Kamel mit den zwei Schafen füllen. (siehe http://www.bs-net.de/koch...) Das wäre der Hit für jede Party! Wie bei "Asterix erobert Rom"...

    Wenn Australier nicht Kamele essen wollen, könnte man das immernoch für Touris anbieten. Ich wäre sofort dabei! Und so ein Büffel oder wilde Kaninchen wären auch nicht schlecht...

    3 Leserempfehlungen
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    • riciru
    • 12. Juli 2011 17:54 Uhr

    sie schon mal kamel gegessen?
    scheinbar nicht.

    das fleisch ist zäh und kaum essbar!

    "Was nicht von Kamelen gefressen werden würde, vermodert früher oder später und es wird somit exakt die gleiche Menge CO2 freisetzen."
    Falsch, so einfach ist das leider nicht. Während Pflanzen, welche nicht in den Verdauungstrackt eines Kamels (oder einer Kuh, eines Rinds, eines Büffels usw.) wandern grösstenteils aerob abgebaut werden, findet im Verdauungstrackt dieser Tiere auch ein anaerober Gärungsprozess statt. Dabei wird neben dem vollständig oxidierten C-Atom (CO2) eben auch das reduzierte Methan (CH4) frei. Dies wäre an sich noch kein Problem, hätte 1 Tonne CH4 nicht das gleiche Treibhauspotential wie 21 Tonnen CO2!
    Somit ist dieser australische "Umweg über Klimaschutz" gar nicht mehr so lächerlich, oder?
    Ihr Vorschlag, die Kamele zu schiessen, zu transportieren, zu schlachten und dann zu verkaufen tönt ja erst mal auch nicht schlecht. Nur lassen Sie da die enormen Transportwege ausser Acht, genauso wie die Tatsache, dass die Kadaver der (aus der Luft geschossenen) Kamele in den meisten Fällen wohl kaum in unmittelbarer Nähe zu den ohnehin spärlich gesäten Verkehrswegen zu liegen kommen. Somit müssten die Kadaver per Hubschrauber transportiert werden, Stück für Stück, womit die Ökobilanz dann derart mies würde, dass Sie sich die ganze Übung hätten sparen können.

    • riciru
    • 12. Juli 2011 17:54 Uhr
    2. haben

    sie schon mal kamel gegessen?
    scheinbar nicht.

    das fleisch ist zäh und kaum essbar!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Kamele kann man essen"
  2. Guten Tag,

    ja ich habe mal Kamel gegessen, als Burger! Ich weiß nicht was der Trick ist das gut zu machen, vielleicht nur junge Tiere verwenden? Ich muss aber zugeben, dass ich keinen unterschied zu einem "normalen" Burger geschmeckt habe.

    Und wirklich neu ist die Idee Kamele zu essen auch nicht:

    http://www.pm-magazin.de/...
    http://derstandard.at/124...
    http://www.reiseziel-duba...

    Was allerdings sicher ein Argument ist: die Logistik ist nicht ohne. Man muss das Tier irgendwie schnell verarbeiten. Und nicht jeder Helikopter kann 900kg Nutzlast tragen.

    2 Leserempfehlungen
    • Konga
    • 12. Juli 2011 18:29 Uhr

    "Eine Frage der Höcker
    Es ist sehr einfach die beiden auseinander zu halten und dennoch kommt es immer wieder zu Verwechslungen. Wer hat wie viele Höcker?
    Kamele besitzen zwei Höcker und sind hauptsächlich in Asien zu finden. Dromedar haben nur einen Höcker und stapfen vor allem in Afrika umher. Übrigens sind die Höcker keine Wasserspeicher, wie oft angenommen. In ihnen befinden sie die Fettreserven der Tiere."

    aus: http://www.tierchenwelt.d...

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    Kamele bezeichnet die Ganze Familie Camelidae

    Dazu Gehören ua. das Dromedar, das zweihöckrige Trampeltier, und Lama, Alpacka und deren Wildformen

    Das Dromedar ist ebenso ein Kamel, wie das Trampeltier ;).

    • hareck
    • 12. Juli 2011 18:37 Uhr

    trotz Vegetarierdasein auch einmal Kamelfleisch gegessen...auf Einladung in Marokko, die man nicht abschlagen sollte.

    Es war OK, wahrscheinlich kommt es darauf an, wie man es zubereitet. Besser als verwesen lassen wäre es allemal, sie zu essen.

    Und bei dem vermeintlichen CO2-Problem aus den Mägen der Kamele dürfte es sich wahrscheinlich eher um ein Methan-Problem handeln, so wie bei unseren heimischen Kühen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Kamele bezeichnet die Ganze Familie Camelidae

    Dazu Gehören ua. das Dromedar, das zweihöckrige Trampeltier, und Lama, Alpacka und deren Wildformen

    Das Dromedar ist ebenso ein Kamel, wie das Trampeltier ;).

    4 Leserempfehlungen
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    Was, aber bitteschön, ist mit dem Camel und dem Marlboro?

  4. [...] Wie auch immer, Spaß beiseite, Uebervoelkerung ist immer problematisch und muss in den Griff bekommen werden. Das Argument Klima ist natuerlich ein willkomenes, wennauch recht scheinheiliges ß gerade in Australien, wo man hinsichtlich Klimaschutz in der Dritten Welt lebt, abgesehen von ein paar Inseln der Vernunft.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

    • Quarax
    • 12. Juli 2011 22:56 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Äußerungen und beteiligen Sie sich nur an der Diskussion, wenn Sie Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung haben. Danke. Die Redaktion/vn

    3 Leserempfehlungen
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    Auf dieses Argument habe ich gewartet, aber wehe wenn Sie diesen Gedankengang wirklich bis zu Ende denken...

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  • Schlagworte Outback | Australien | Adelaide
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