Fangquoten : Bis zum letzten Fisch

Die EU hat einen Vorschlag zur Reform der Fischereipolitik gemacht. Der aber geht längst nicht weit genug, darf doch weiter gefischt werden, bis alle Fische weg sind.
Gefangene Fische in einer Eisbox. ©Bethany Clarke/Getty Images

Die EU versucht, mit einer Reform der Fischereipoliti k das Problem der Überfischung zu lösen. Am Mittwoch hat die EU-Kommission dazu im einen Vorschlag eingebracht, der bis zum 1. Januar 2013 rechtskräftig werden soll. Der Gesetzantrag enthält folgende Regelungen:

  • Das Fischereimanagement wird stärker dezentralisiert und nach Regionen und Meeresräumen aufgeteilt.
  • Fischer werden dazu verpflichtet, alle gefangenen Fische an Land zu bringen.
  • Es soll klare Zeitpläne geben, um die Überfischung zu stoppen und bis 2015 einen nachhaltigen Fischfang aufzubauen.
  • Verbraucher sollen besser über Qualität und Nachhaltigkeit der gekauften Produkte informiert werden.
  • Die Flottengröße soll an die Fangquoten angepasst werden, überzählige Schiffe also vermieden werden.
  • Die vorgeschlagenen Maßnahmen gelten auch, wenn Fischer aus der EU in Gewässern außerhalb der europäischen Union fischen.

Mit diesem Reformkonzept greifen die EU-Politiker viele Punkte auf, die unter anderem die Umweltstiftung WWF und das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM GEOMAR) am bisherigen Zustand kritisiert hatten.

Aber der wohl wichtigste Kritikpunkt ändert sich dadurch nicht: "Es gibt keine Grenze, an der die Fischerei aufhört. Man darf bis zum letzten Fisch fischen", sagt Rainer Froese, Fischereibiologe vom GEOMAR. Dennoch sei das Ganze ein "großer Schritt" in die richtige Richtung: "Zu 90 Prozent bin ich mit dem Antrag zufrieden, weil er vieles aufgegriffen hat, was zuvor kritisiert wurde."

Die Schwierigkeit werde nun darin bestehen, den Antrag von den Landwirtschaftsministern absegnen zu lassen. Dabei ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich. Froese fürchtet, dass die Reform an den Ministern scheitern könnte.

"In der Einigung steht, man wolle 'ökosystembasiert' handeln", sagt er. Dazu müsse man die Rolle einzelner Fischarten im gesamten Ökosystem verstanden haben und wissen, welche Auswirkungen eine Überfischung hätte, sagt der Fischereibiologe. "Dieses Verständnis sehe ich bei den Landwirtschaftsministerien nicht."

Deshalb wünscht sich Froese, dass das Thema Fischereimanagement dem Landwirtschaftsministerium entzogen und an das Umweltministerium übertragen wird. Bei letzterem stünden andere Motive im Vordergrund, sagt der Biologe.

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Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Mir schmeckts auch weiterhin

Ich esse auch weiterhin jeden Fisch den es in guter Qualität
bei gutem Preis-Leistungsverhältnis zu kaufen gibt.
Bevor die Meere leergefischt sind, wird sich der industrielle
Fischfang nicht mehr lohnen. Im Übrigen kann ich mich auch über die Qualität der uns immer wieder madig gemachten Fische aus Aquakultur nicht beklagen. Pangasius? Lecker?
Viktoriabarsch? Auch sehr gut. Also mir schmeckts.

der Pangasius aus Aquakultur kommt eigentlich aus den Flüssen

die Pangasius-Aquakulturen werden oft mit Wildfängen von Jungfischen oder Larven aufgefüllt, da sich die Fische in Gefangenschaft nicht so recht vermehren lassen.
Gerade beim Fang der Larven werden oft sehr feinmaschige Netze verwendet, in denen alles hängenbleibt.
Sehr "nachhaltig" ist das also nicht.

Außerdem war dieser Fisch immer ein relativ preiswertes Essen für die einheimische Bevölkerung in Südost-Asien. Jetzt, wo das meiste exportiert wird, ist er für viele dort zu teuer geworden.

Das Problem ist nicht der Geschmack...

Ehrlich gesagt, den Pangasius habe ich ersatzlos gestrichen. Nicht weil er schlecht schmeckt und auch nicht, weil ich ein großer Jesus-Fan, strenger Veganer oder Weltverbesserer bin, sondern weil ich eine Doku gesehen habe (ARD)in der mal unangenehm deutlich wurde, in was für einer trüben Brühe das bedauernswerte Viehzeug lebt und wie viele Antibiotka es bis zu seiner Schlachtung verfüttert bekommt. Diese kann man leider nicht schmecken. Man kann sich damit nur Antibiotikaresistenzen züchten, das ist alles - und irgendwie ungesund, wie ich finde.
Wenn Sie sowas weiter essen wollen, ist das Ihre Sache, aber ich für meinen Teil verkneife es mir, etwas zu essen, was vermutlich aus einem Wasser kommt, das ekliger aussieht als das in europäischen Kanalisationen...*schüttel*

Hoffentlich schmecken dann bald auch die Heuschrecken und Käfer

Wer so argumentiert - hauptsache billig, mir doch egal, wies produziert wird - sollte nicht vergessen seinen Kindern und Enkeln Insekten schmackhaft zu machen, den das wird übrigbleiben, wenns weiterhin billig sein soll. Ach ja, und krank werden sollte man dann auch nicht mehr, den resistent sind wir dann auch gegen alles, weils ja tausendfach in den Viechern steckt.

Öko-System

Genau diese verbohrte Denke (egal was, Hauptsache es schmeckt) ermöglicht es der Lebensmittellobby und ihren politischen Mietmäulern, uns alles unter zu jubeln. Egal auf wessen Kosten, egal für welchen Preis.

Für unseren gierigen Fleischkonsum (Hauptsache billig und viel) aber auch für unser Unvermögen, auch nur halbwegs nachhaltig mit Ressourcen umzugehen, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten, können wir eigentlich jetzt schon beginnen, uns bei den nächsten Generationen zu entschuldigen.

Es ist ein schauriges Schauspiel direkt vor unseren Augen und es bekleckert sich wahrlich keiner mit Ruhm.