Aus dem Leck der Nordsee-Pipeline vor der schottischen Küste ist weit mehr Öl ausgeströmt als bislang bekannt. Der Mineralölkonzern Royal Dutch Shell teilte mit, es seien mehr als 200 Tonnen oder rund 1.300 Fass Öl ins Meer geflossen. Die Abdichtungsarbeiten hätten aber den Ausfluss auf inzwischen etwa fünf Fass täglich beschränkt, erklärte Shell.

Der Konzern äußerte sich erstmals konkret zum Ausmaß der Havarie. Der Ölfilm bedecke eine Fläche von etwa sechs mal sechs Kilometern, löse sich aber durch die Wellenbewegung auf. Man habe das Leck aber unter Kontrolle und arbeite daran, es zu schließen. Die Menge Öl an der Oberfläche ändere sich ständig, insgesamt liege sie bei etwa einer Tonne.

Die schottische Regionalregierung hatte die Menge des seit Donnerstag austretenden Öls am Samstag auf 750 Barrel oder rund 100 Tonnen geschätzt. Zum Vergleich: Aus dem leckgeschlagenen Bohrloch des Konkurrenten BP ergossen sich im vorigen Jahr fünf Millionen Barrel in den Golf von Mexiko.

Greenpeace wirft Shell mangelnde Transparenz vor

Nach Angaben der britischen Behörden handelt es sich um den größten Störfall dieser Art seit mehr als einem Jahrzehnt. Im Jahr 2009 beispielsweise habe die komplette Menge Öl, die in die Nordsee geflossen sei, bei 50,93 Tonnen gelegen. Das Öl werde aber nicht die Küsten erreichen, hieß es aus dem britischen Energieministerium. Die Küstenwache fliege zwei Mal täglich Kontrollflüge, um die Lage zu überwachen.

Shell hatte das Ölleck nahe der Gannet-Alpha-Plattform etwa 180 Kilometer östlich der schottischen Stadt Aberdeen entdeckt. Shell zufolge ist die Anlage, die gemeinsam mit dem US-Konzern ExxonMobil betrieben wird, weiterhin in Betrieb.

Die Umweltorganisation Greenpeace warf Shell Mangel an Transparenz vor. Der Konzern habe erst nach zwei Tagen über das Ölleck informiert. Shell steht derzeit auch wegen eines UN-Berichts unter Beschuss, demzufolge der Konzern für massive Verschmutzungen durch Erdöl in Nigeria verantwortlich ist.

Der Kurs der Shell-Aktie lag am Montagnachmittag rund ein Prozent im Plus und damit nur unwesentlich unter dem Durchschnitt der anderen Öl- und Gasfirmen.