AtomkatastropheJapan empfiehlt Rückkehr in Gebiete nahe Fukushima

Gegenden, die mehr als 20 Kilometer von der Atomruine Fukushima entfernt sind, können wieder bewohnt werden. Das hat die japanische Regierung beschlossen. von dpa und AFP

Die japanische Regierung hat ihre Evakuierungsempfehlung für Gebiete im Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometern um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima aufgehoben. Der für die Bewältigung der Atomkatastrophe zuständige Minister Goshi Hosono nannte die Entscheidung einen "großen Fortschritt". Die Sperrzone in einem Umkreis von 20 Kilometern rings um Fukushima wird aber beibehalten.

Seine Regierung werde den aus Angst vor den radioaktiven Strahlen geflohenen Menschen helfen, sicher wieder zurückzukehren, sagte Hosono. Wirtschaftsminister Yukio Edano versprach den verunsicherten ehemaligen Bewohnern der betroffenen Gebiete zugleich, dass der Staat hart daran arbeiten werde, den verseuchten Boden zu dekontaminieren.

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Betroffen von der am 22. April erfolgten Evakuierungsempfehlung waren die Bewohner der Stadt Hirono, Teile der Städte Minamisoma und Tamura, die Stadt Naraha und das Dorf Kawuichi. Alle diese Gebiete liegen in der Provinz Fukushima.

Vor dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März, in deren Folge das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zerstört wurde, lebten hier 59.000 Menschen. Die meisten von ihnen waren zwischenzeitlich geflohen, einige sind bereits wieder heimgekehrt.

Psychologische Folgen der Evakuierung

Aus der Atomruine entweicht weiter Radioaktivität, wenngleich erheblich weniger als noch zu Beginn der Katastrophe. Nach offiziellen Angaben liegt die Konzentration bei 200 Millionen Becquerel pro Stunde. Das sei ein 4-Millionstel der radioaktiven Menge vor knapp sieben Monaten.

Strahlendosis

Die Strahlenwirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird häufig in Sievert pro Stunde angegeben. Mit Hilfe der Einheit lässt sich abschätzen, wie schädlich eine Strahlung für einen Organismus ist. Sie berücksichtigt dabei die Strahlungsdauer, -art und -wirkung. 1 Sievert entspricht 1.000 Millisievert oder 1.000.000 Mikrosievert. Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von 6.000 Millisievert als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Ob eine Person, die einer geringen Strahlendosis ausgesetzt war, gesundheitliche Schäden zu erwarten hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Grenzwerte beziehen sich in der Regel auf ein Jahr. Manche Experten gehen davon aus, dass dieselbe Strahlendosis über einen längeren Zeitraum weniger schädlich ist. Andere sagen, die Strahlung müsse addiert werden.

Natürliche Quellen

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines Jahres aufnimmt, liegt zwischen zwei und fünf Millisievert. Diese äußere Bestrahlung, der der Mensch je nach Ort und Zeitin unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung genannt. In dieser Deutschlandkarte des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Strahlungsstärke je nach Region verzeichnet.

Bei medizinischen Untersuchungen werden zum Teil viel höhere Einzeldosen erreicht, die aber auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sind. So nimmt ein Mensch während einer Computertomografie (CT)seines Kopfes ungefähr zwei Millisievert auf, bei der Mammografie 0,4 Millisievert.

Andere Einheiten

Die Energiedosis einer Strahlenquelle wird in Gray angegeben. Ein Gray bedeutet, dass ein Körper von einem Kilogramm Masse eine Energiemenge von einem Joule aufgenommen hat. Für die in Atomkraftwerken vor allem freigesetzte Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist die Einheit Grayidentisch mit der Äquivalenteinheit Sievert, ein Gray ist also gleich einem Sievert. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Äquivalentdosis statt in Sievert in Rem angegeben. Das meinte die Strahlendosis in Roentgen, die ein Mensch aufgenommen hat.

Innerhalb der Evakuierungszone gibt es Gebiete, die kaum bis gar nicht durch radioaktive Strahlung belastet worden sind. So ist die radiologische Gefahr für Bewohner in bestimmten Regionen gering.

Nach der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl 1986 waren die psychischen Folgen für Menschen gravierend, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und nie zurückkehren konnten. Dementsprechend müssen die japanischen Behörden für die Region um Fukushima zu befürchtende gesundheitliche Gefahren gegen die psychologischen Folgen einer dauerhaften Evakuierung abwägen.

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Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Diskussionbeiträge. Danke. Die Redaktion/vn

    2 Leserempfehlungen
    • Obscuro
    • 30. September 2011 19:23 Uhr

    "Das hat die japanische Regierung beschlossen."

    Beschlossen ist beschlossen.Und daran hat sich auch die Strahlung zu halten.

    Klingt mir nach unserer Bundesregierung die alle Fakten und Warnungen in den Wind schlägt da ja irgendwo Wahlen anstehen oder ihr Portmonee bedroht ist.

    2 Leserempfehlungen
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    Energy Source Death Rate (deaths per TWh)

    Coal – world average 161 (26% of world energy, 50% of electricity)
    Coal – China 278
    Coal – USA 15
    Oil 36 (36% of world energy)
    Natural Gas 4 (21% of world energy)
    Biofuel/Biomass 12
    Peat 12
    Solar (rooftop) 0.44 (less than 0.1% of world energy)
    Wind 0.15 (less than 1% of world energy)
    Hydro 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
    Hydro - world including Banqiao) 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)
    Nuclear 0.04 (5.9% of world energy)

    Quelle: http://nextbigfuture.com/...

  2. Für die nicht-Naturwissenschaftler hier im Forum:

    http://xkcd.com/radiation/

    3 Leserempfehlungen
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    • vril
    • 30. September 2011 22:29 Uhr

    Ich glaube keiner Statistik !

  3. Energy Source Death Rate (deaths per TWh)

    Coal – world average 161 (26% of world energy, 50% of electricity)
    Coal – China 278
    Coal – USA 15
    Oil 36 (36% of world energy)
    Natural Gas 4 (21% of world energy)
    Biofuel/Biomass 12
    Peat 12
    Solar (rooftop) 0.44 (less than 0.1% of world energy)
    Wind 0.15 (less than 1% of world energy)
    Hydro 0.10 (europe death rate, 2.2% of world energy)
    Hydro - world including Banqiao) 1.4 (about 2500 TWh/yr and 171,000 Banqiao dead)
    Nuclear 0.04 (5.9% of world energy)

    Quelle: http://nextbigfuture.com/...

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Beschlossen."
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    ... ist ja alles gut.

  4. Nach offiziellen Angaben liegt die Konzentration bei 200 Millionen Becquerel pro Stunde.Was so wenig....Hahahahaha

    Eine Leserempfehlung
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    komplett wertlose aussage, und noch dazu falsch; bq als einheit enthält bereits den zeitfaktor - bq/h ist daher völliger unsinn.

    • ASasse
    • 01. Oktober 2011 21:25 Uhr

    In dem Text heißt es: "Aus der Atomruine entweicht weiter Radioaktivität... Nach offiziellen Angaben liegt die Konzentration bei 200 Millionen Becquerel pro Stunde."

    Die Angabe bezogen auf die Zeit "pro Stunde" ist durchaus auch dann sinnvoll, wenn bedacht wird, dass in Becquerel bereits die Zeiteinheit Sekunde drin steckt.

    Vielleicht wird das deutlicher wenn nicht von "Konzentration" geschrieben würde, sondern von Emission: "Die Atomruine Emittiert weiter strahlendes Material. Innerhalb der Menge die in einer typischen Stunde entweicht zerfallen 200 Millionen Atomkerne pro Sekunde."

  5. komplett wertlose aussage, und noch dazu falsch; bq als einheit enthält bereits den zeitfaktor - bq/h ist daher völliger unsinn.

    2 Leserempfehlungen
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    solange sie ein durchschnitts Mensch sind. ist die natürliche Strahlung des Menschen (K 40 und C 14)

    Ein Kilo Kalium (sie wissen schon Dünger und so) kommt auf 32000 Bq/kg

    Ja ,sie haben absolut recht, das Becquerel ist als Zerfall pro Sekunde definiert und wird auf m³, m², kg normiert.

    Die Messwerte von um und in Fukushima (Luft, Boden, Wasser, Tag für tag) , die offiziellen, finden sie hier.

    http://radioactivity.mext...

    Wo da 200 Millionen Becquerel pro Stunde herkommen sollen ist nicht ersichtlich.

    Wenn man sich die Zahlen anschaut ist eher logisch, dass die,Leute endlich zurückkehren können.

    Und wenn mann sich die -"Konzentration" (aha) bei 200 Millionen Becquerel die Stunde- anschaut, weiss man dass Recherche eine Tugend des Journalismus ist.

    • vril
    • 30. September 2011 22:22 Uhr

    Nach dem Motto, sterben müssen wir alle !

    2 Leserempfehlungen
    • vril
    • 30. September 2011 22:29 Uhr

    Ich glaube keiner Statistik !

    Antwort auf "radiation chart"
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    Was der Link zeigt ist keine Statistik, sondern es ist ein Versuch die Größenordungen darzustellen.
    Was Statistiken angeht: "Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe" spricht ein politisches Problem an. Versicherungen habe ein großes Interesse daran, dass ihre Statistiken möchlichst exakt die Realität abbilden. Da sie sowohl die Statisten erstellen wie auch ihre Nutzniesser sind, funktionieren Statistiken für sie sehr gut. Ähnlich sieht es für Naturwissenschaftler aus, welche bei einer klar definierten Frage eine klares statistischer Ergebnis bekommen. Ihre Abneigung gegen Statistiken sollten sie deshalb vielleicht eher auf den marketing / politischen Komplex beschränken.
    Und was den Glaube bezüglich technischer Fragen angeht hilft Ihnen vielleicht dieser Link weiter.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Erdbeben | Evakuierung | Kernkraftwerk | Konzentration | Tsunami | Wirtschaftsminister
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