Urteil zu Gentechnik: Honig mit Genmais-Spuren darf nicht ungeprüft in den Handel

Ein deutscher Imker bekommt vom Europäischen Gerichtshof Recht auf Schadenersatz. Sein Honig hatte Pollen von genetisch verändertem Mais enthalten.

Was kann der Imker dafür, wenn sein Honig Pollen genveränderter Mais-Pflanzen enthält, den dann niemand mehr kaufen will? Diese Frage beschäftigt den Augsburger Hobby-Imker Karl Heinz Bablok seit Jahren.

Da seine Bienen rund um die Landesanstalt für Landwirtschaft des Freistaates Bayern auf Nahrungssuche gingen, wo genetisch veränderter Mais vom Typ MON 810 der Firma Monsanto angebaut wurde, ließ er seinen Honig im Jahr 2004 testen.

Das Ergebnis: Der Honig enthielt Spuren der Pollen des genveränderten Maises – und war damit unverkäuflich. Der Imker vernichtete den Honig und klagte, inzwischen mit Unterstützung anderer Imker, gegen den Freistaat Bayern auf Schadenersatz.

Die oft als "Genmais" bezeichnete Maissorte MON 810 ist nicht als Lebensmittel zugelassen. Derzeit ist der Anbau von genetisch verändertem Mais in der Bundesrepublik verboten .

Der Fall ging durch mehrere Instanzen und landete nun vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Dort bekam der Imker am Dienstag Recht. In Folge des Urteils (AZ: C-442/09) muss Honig mit gentechnisch veränderten Pollen künftig vor dem Vertrieb geprüft und gesondert zugelassen werden. Die Menge der enthaltenen Pollen ist dabei nicht entscheidend, urteilten die Richter.

Die EU-Kommission hatte vor Gericht eine andere Meinung vertreten. Sie hatte argumentiert, in dem Honig seien nur geringste Pollenmengen enthalten, weshalb eine eigene Zulassung vor dem Verkauf nicht nötig sei.

In dem Honig-Streit geht es juristisch nicht um die Frage, ob "Genmais" gesundheitsschädlich sein könnte oder eine Gefährdung für die Umwelt darstellt. Die Gerichte hatten vielmehr zu klären, ob genetisch verändertes Material den Honig unverkäuflich macht, und ob die geltenden Verordnungen auf die Pollen der Maissorte MON 810 anwendbar sind.

Die Richter in Luxemburg befanden nun, dass eine EG Verordnung aus dem Jahr 2003 auch für den kontaminierten Honig gilt: Danach sind alle Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten, zulassungspflichtig. Der Imker Heinz Bablok produzierte neben dem Honig auch Pollen als Zusatz für Nahrungsergänzungsmittel. Auch sie dürfen nach dem EuGH-Urteil nicht mehr ungeprüft auf den Markt, wenn sie Spuren von "Genmais" enthalten.

Das Gericht beschäftigte sich vor allem mit der Frage, ob Pollen im Sinne des Gesetzes als genetisch veränderter Organismus (GVO) angesehen werden können. Da Pollen sich nicht vermehren und ihr genetisches Material daher nicht übertragen können, verneinten die Richter dies. Der mit Pollen aus "Genmais" kontaminierte Honig fällt aber nach Ansicht der Juristen unter die Lebensmittel, "die Zutaten enthalten, die aus GVO hergestellt wurden."

Das Urteil wird den Import von Honig nach Europa erschweren. In vielen Ländern außerhalb der EU ist der Anbau von genmanipulierten Pflanzen zugelassen. Auch für den möglichen Anbau genetisch veränderter Pflanzen in Deutschland kann das Urteil weitreichende Folgen haben: Denn Landwirte, die in Zukunft "Genmais" anbauen, müssten mit Schadensersatzklagen rechnen, wenn Spuren ihrer Pflanzen die Produkte anderer verunreinigen. Der EuGH verlangt nun Schutzmaßnahmen, um eine Kontamination zu verhindern. Eine Forderung, die praktisch kaum umsetzbar ist.

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Kommentare

96 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Vom EuGH

gibt es ja nicht immer positive Meldungen, das ist mal eine. Das Gericht hat logisch entschieden: Der Verursacher haftet, der Imker hat gar keine Chance, genfreien Honig herzustellen, außer er würde ein geschlossenes Ökosystem im Gewächshaus herstellen. Hoffentlich hat das Urteil die positive Folge, dass uns der Anbau von Gen-Pflanzen erspart bleibt, sonst bekommt man gen-freie Lebensmittel wirklich nur noch aus dem Gewächshaus. Aber bei der Gen-Lobby ...

Sorry, sorry, sorry!!

"Was kann der Imker dafür, wenn seine Bienen an Blüten von genmanipuliertem Mais Nektar sammeln und den Honig dann niemand mehr kaufen will?"

Seit wann hat denn Mais Blüten? Der Pollen von Maispflanzen wird durch Windbestäubung übertragen!

http://de.wikipedia.org/w...äubung#Windbest.C3.A4ubung

Insofern:

1. den Artikel bitte noch mal überarbeiten,

2. vielleicht besser die "Sachkompetenz" der Richter des EuGH in das Zentrum des Artikelinhalts rücken.

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Redaktionsempfehlung Dagny Lüdemann
#3.1  —  6. September 2011, 20:07 Uhr

Mais blüht durchaus

Lieber Leser,

Mais blüht durchaus. In Urteilen, die dem des EuGH vorausgingen, hatten Richter deshalb sogar zum Teil von den Bauern, die genetisch veränderten Mais anbauen, verlangt, dass sie den Mais vor der Blüte ernten.

Meines Wissens bilden Maisblüten allerdings keinen Nektar, die Pollen könnten für Bienen aber interessant als Nahrung für die Larven sein.

Herzliche Grüße.