"Wat de Buur net kennt, frett he net", sagt ein plattdeutsches Sprichwort – was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Viele Gentechnik-Gegner leben nach diesem Motto. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs im "Honig-Prozess" stärkt jetzt die Rechte dieser Skeptiker. Sie wollen keinen Honig, in dem Rückstände von genetisch verändertem Mais stecken.

Aufgabe der Richter in Luxemburg war allerdings nicht, darüber zu entscheiden, wie groß das Risiko durch genetisch veränderte Lebensmittel für Umwelt und Gesundheit ist, sondern abzuklopfen, ob das geltende Gesetz auch für Honig mit "Genmaispollen" gilt.

Auf dem Weg durch die Instanzen wurden einige Grundsatzfragen geklärt: So gilt Honig, der Spuren genetisch veränderter Maispflanzen enthält, vor dem Gesetz als unverkäuflich. Außerdem stellten die Richter fest: Pollen sind keine genetisch veränderten Organismen (GVO) im Sinne einer geltenden EU-Verordnung, weil sie ohnehin keine Organismen sind. Am Ergebnis ändert das nichts: Denn auch für Speisen mit Zutaten, die aus Genmais stammen, gilt: Ohne Lebensmittel-Zulassung dürfen sie nicht in den Supermarkt. Der "Genhonig" muss also raus aus Europas Regalen.

Aber was sagt das dem Verbraucher? Genau genommen nichts. Zwar wird in der Praxis der Anbau von "Genmais" nun erschwert, genau wie der Import von Honig. Doch das sind lediglich Nebeneffekte eines juristischen Gedankenspiels. Die zentrale Frage bleibt: Ist "Genmaispollen-Honig" ungesund?

Darauf hat die Justiz keine Antwort, die Wissenschaft sucht noch. Das war auch den Richtern in Luxemburg klar. Sie haben sich im Honig-Streit an einen alten Grundsatz gehalten: Im Zweifel für die Sicherheit. Dass Gentechnik-Gegner das Urteil jetzt als Erfolg feiern, ist Unsinn. Die Richter haben damit nämlich nicht geurteilt, dass "Genmais" in Honig gefährlich ist. Nach aktuellem Stand der Forschung ist er es nicht.

Aber: Solange eine Firma wie Monsanto nicht mit einer Zulassung nachweist, dass ihre Genpflanzen oder deren Nebenprodukte auch als Lebensmittel harmlos sind, darf kein noch so winziges Molekül davon in einem Lebensmittel enthalten sein. Null-Toleranz heißt die Leitlinie, an die sich auch Europas höchstes Gericht hält.

Was der Richter nicht kennt, erlaubt er nicht. Und das ist gut so.