Das unterschätzte Tier : Diese Fliege hätte den Nobelpreis verdient

Für große Erkenntnisse der Wissenschaft haben schon Millionen schwarzbäuchige Taufliegen ihr Leben gelassen. Drosophilas Einsatz war nicht vergeblich.
Fliegen der Gattung "Drosophila" – wie dieses rotäugige Exemplar – eignen sich gut, um die Vererbung zu erforschen.

Fliegen zählen zu den unbeliebtesten Haustieren. Sie werden mit Essig, Klebebändern und Klatschen gejagt und unter Flüchen erlegt – mitunter gar sieben auf einen Streich. Rund 45.000 Arten umschwirren und plagen Mensch und Tier weltweit.

Eine davon jedoch birgt einen Schatz an Wissen in sich. Es geht um die schwarzbäuchige Taufliege ( Drosophila melanogaster ), im Volksmund fälschlicherweise gerne als Fruchtfliege bezeichnet. Sie ist das erfolgreichste Labortier der Welt. Ihre Markenzeichen sind die für den Wildtyp charakteristischen knallroten Augen und der schwarze Hinterleib.

Die bahnbrechende Karriere als Versuchstier begann 1901, als der Vererbungsforscher William Ernest Castle an ihr die Wirkung von Inzucht untersuchte. Erstmals beschrieben wurde die Taufliege allerdings bereits 1830 vom Entomologen Johann Wilhelm Meigen: "Die Schwinger sind weiß, die Flügel ungefärbt", bemerkte dieser.

Schnell ging es mit der Karriere steil bergauf. Der Fliege mit dem wohlklingenden Namen verdanken wir die Entwicklung der Chromosomentheorie, die Analyse von Mutanten und Erkenntnisse zur Evolutions- und Verhaltensforschung sowie zur Entstehung der Sexualität. Und es war eine Drosophila, die Christiane Nüsslein-Volhard zur ersten deutschen Medizin-Nobelpreisträgerin machte. An den Eiern des Versuchstiers erforschte die Biologin die frühe Embryonalentwicklung. So ist der Zweiflügler mittlerweile eine der am besten untersuchten Arten der Welt und aus Genetik-Laboratorien nicht mehr wegzudenken.

Den Schlüssel zum Erfolg tragen die Winzlinge – sie sind im Schnitt drei Millimeter lang – in den Genen. Die Tierchen besitzen nur vier Chromosome, lassen sich leicht züchten und haben eine kurze Generationenfolge. Das macht sie zu perfekten Labortieren. Informationen über das Erbgut sind in der Flybase-Datenbank gespeichert. Die Nummer eins, beziehungsweise FBsp00000001, ist natürlich die Taufliege .

Trotz ihrer selbstlosen Dienste für die Wissenschaft hat es Drosophila melanogaster nicht bis an die Spitze der Tiere-die-man-mögen-muss-Skala geschafft. Und seien wir ehrlich: Das wird sie auch nie. Umso schöner, dass sie es zumindest zu einem Buch gebracht hat (mit sich selbst in der Hauptrolle). Das Werk Drosophila des Biologen Martin Brookes ist zwar kein Bestseller, hat aber genug Seiten, um bei absolutem Missfallen als Fliegenklatsche missbraucht zu werden.

Anzeige

Stellenangebote in Wissenschaft & Lehre

Entdecken Sie Jobs mit Perspektive im ZEIT Stellenmarkt.

Job finden

Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nüsslein-Volhard war nicht die erste...

Christiane Nüsslein-Volhard in allen Ehren, aber die erste deutsche Nobelpreisträgerin war sie nicht. Da weiss Wikipedia offenbar besser Bescheid als die Zeit-Redakteure... Vor ihr waren:
1963 Maria Goeppert/Mayer (Physik)
1966 Nelly Sachs (Literatur)

Allerdings war Frau Nüsslein-Volhard in der Tat die erste deutsche Preisträgerin für Physiologie oder Medizin.

Ode to Drosophila (A.N. Other)

My beloved drosophila,
it's you I adore.
I need all your progeny,
For I love to score.
Observing your phenotype,
Gives me a high.
Oh! What sweet delight
I derive from a fly!
With long curled wings,
Dark ebony features,
You deserve my love,
Above all other creatures.
I've worked with rabbits,
Frogs and even snails,
But nothing can beat,
My Drosophila male!
The geneticists I've known,
Try to lead me astray,
But with you, dear eukaryote,
I'll always stay.
To be worthy of your love,
Is just truly divine,
I'll worship you,
If you'll only be mine.
Stay true to me,
My closest friend,
And you'll always be
Loved until the end!
No drowning in alcohol,
No fly morgue to fear,
After analysis,
You'll be set free, my dear!

(http://boredbiochemist.com)