Das unterschätzte Tier : Bei Regen den Kopf zwischen den Knien

Der Stumpfnasenaffe hat es wirklich nicht leicht: Die Natur hat ihn mit einer Nase gesegnet, in die es hineinregnet. Der Primat macht das Beste daraus.

Wie ein Geniestreich der Evolution wirkt der Burmesische Stumpfnasenaffe auf den ersten Blick nicht. In seinem unbehaarten Gesicht scheint die Nase zu fehlen: Sie ist so stumpf, dass man denken könnte, sie sei abgefallen. So sind die Nasenlöcher weit geöffnet und zeigen nach oben. Daher auch der Name der Affenart, die im Norden Burmas lebt: "Mey Nwoah" bedeutet im örtlichen Dialekt "Affe mit aufgestellter Nase".

Die außergewöhnliche Physiognomie bringt den Tieren nicht nur optische Nachteile, sondern auch ganz praktische: Bei Regen läuft ihnen das Wasser in die Nase, sodass sie immerzu niesen müssen. So werden sie zur leichten Beute für Jäger, denn die hören die Tiere bei schlechtem Wetter schon von Weitem – hatschi .

Die Wissenschaft brauchte trotzdem etwas länger, um den Niesern unter den Primaten auf die Spur zu kommen: Diese Art aus der Gattung der Stumpfnasenaffen wurde erst im vergangenen Jahr von Forschern entdeckt, was für einen doch recht stattlichen Affen ungewöhnlich ist. Sie beschrieben die neue Art in der Fachzeitschrift American Journal of Primatology .

Die Strategie, die die Affen bislang entwickelt haben, um das Regenproblem zu beheben, wirkt noch nicht ganz ausgereift: Schlechtwettertage verbringen sie offenbar zusammengekauert mit dem Kopf zwischen den Knien , damit das Wasser nicht in die Nase hineinläuft, sondern abfließt und auf den Boden tropft.

Und zu guter Letzt bekamen die Stumpfnasenaffen der neuen Art von ihren Entdeckern auch noch einen saublöden Namen: Rhinopithecus strykeri – eine lateinisch-englische Kombination, nach Jon Stryker, einem Förderer der Forscher.

Nach all diesen bemitleidenswerten Details aus dem Leben dieser Primaten mag man es kaum mehr glauben: Stumpfnasenaffen leben oft hoch im Gebirge und haben damit einen Lebensraum erobert, der nicht ohne Herausforderungen ist. Ganz so schlecht kann es die Evolution mit ihnen also nicht gemeint haben.

Anzeige

Stellenangebote in Wissenschaft & Lehre

Entdecken Sie Jobs mit Perspektive im ZEIT Stellenmarkt.

Job finden

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Evolutive Vorteile durch diese Nase?

Richtig, ich las den Artikel ebenfalls in der Hoffnung, warum dieser Affe denn nun diese Nase hat. Gut, er ist noch nicht besonders gut beschrieben und vermutlich ist die Datenlange über Wild-Beobachtungen sehr mager. Aber, um das im Artikel angesprochene Thema aufzugreifen: Die Evolution hat bei dieser Nase ganz offensichtlich in zumindest einer Hinsicht "Mist gebaut". Es kann definitiv nicht im Sinne des Affen sein, bei Regen zusammengekauert rumzusitzen und durch laute Niesgeräusche eventuelle Freßfeinde auf sich aufmerksam zu machen.

Also, wenn bei dieser Nase so große Kompromisse eingegangen werden mussten, müssen die selektionsrelevanten Vorteile immens sein. Eigentlich gibt es nur 2 Dinge die mir in den Sinn kämen...

- durch die Nase ergeben sich Riechvorteile in irgendeiner Art. Unwahrscheinlich, da andere Tiere die bekanntermaßen sehr gut riechen ohne solche Nasen auskommen.

- sexuelle Selektion durch visuelles Ornament: Die Weibchen dieser Art stehen einfach auf diese Art der Nase. Realistischer, dieser Art der Selektion ist so ziemlich die einzige, bei der objektiv dem effektiven Überleben entgegengesetzte Merkmale weitervererbt werden (wie beim Pfauenschwanz)

Also, weiß jemand genaueres? Interessant ist, dass im wissenschaftlichen Artikel, in dem der Affe erstbeschrieben wurde, nur gesagt wird "angeblich", nach Einheimischenaussage, versteckt der Affe das Gesicht bei Regen, niest laut, usw. Könnte also auch Folklore sein die derartig selten beobachtet wird.