Evolution : Der Stammbaum des Menschen hat mehr Äste als gedacht

Neue Untersuchungen bestätigen, dass "Australopithecus sediba" ein Bindeglied zwischen Affe und Mensch war. Aber sie widersprechen der gängigen Theorie.
1,977 Millionen Jahre sind die Handknochen dieser Frühmenschenfrau alt, die hier auf der Handfläche eines modernen Menschen liegen. © Peter Schmid/Lee Berger/Universität Witwatersrand

Für den südafrikanischen Anthropologen Lee Berger ist die Sache klar: Bei den zwei Millionen Jahre alten Skeletten aus der Malapa-Höhle nahe Johannesburg handelt es sich um unsere unmittelbaren Vorfahren. Sie knüpfen eine Verbindung zwischen affenähnlichen Fossilien und den moderneren Menschenarten. Diese kompromisslose Zuordnung wollen andere Forscher zwar nicht unbedingt teilen. Beeindruckend sind die Fossilien des Australopithecus sediba aber allemal. Sie zeigen Merkmale, die die Wissenschaftler zwingen, ihre Vorstellung vom Werden des Menschen zu überdenken.

Auch Frühmenschenforscher Ottmar
 Kullmer vom Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt am 
Main sagt: "Das ist ein fantastischer Fund ." Gerade einmal 40 Kilometer von der heutigen Stadt Johannesburg in
 Südafrika entfernt war eine Gruppe von Frühmenschen vor recht genau 1,977
 Millionen Jahren in die Malapa-Höhle gestürzt. Bald danach versteinerten 
ihre Überreste im Sediment eines Höhlensees. "Forscher können dann gut
 feststellen, welche Knochen zu einem bestimmten Individuum gehören", erklärt Kullmer. Die Zeitschrift Science
 stellt diesen Fund in einer Serie von fünf Artikeln vor (Band 333, ab Seite
1402).


Am 15. August 2008 hatte das Team um Lee Berger von der Universität von Witwatersrand die Fossilien entdeckt – Überreste von mindestens fünf
 Individuen, darunter Schädel, Beckenknochen, Fuß- und Handknochen. Am Ende der Analyse standen die Forscher vor einem
 Mosaik aus neu und alt: In einigen Bereichen erinnern die Skelett-Teile an unsere frühen Vorfahren, die vor ein paar Millionen Jahren 
noch im Kronendach des Regenwaldes zu Hause waren und dann den Boden der
 Savanne als Lebensraum entdeckten. Andere Teile unterscheiden sich kaum von den Knochen
 eines Menschen im 21. Jahrhundert.

Das Gehirn eines jugendlichen
 Australopithecus sediba ähnelt mit seinen 420 Millilitern Inhalt eher dem eines Schimpansen. Der moderne Mensch kann durchschnittlich 1.400 Milliliter aufweisen. Die extrem feinen Strukturen im Stirnbereich, die Forscher an der Europäischen Synchrotronstrahlungsanlage ESRF in Grenoble sichtbar machten, sind dagegen eher typisch für Homo sapiens .


Diese Mischung zeigt sich besonders an der Hand der 
vielleicht 30-jährigen Frühmenschenfrau, deren Knochen die 
Kanadierin Tracy Kivell vom Max-Planck-Institut für evolutionäre
 Anthropologie in Leipzig analysiert hat. "Mit dieser Hand konnte die
 Australopithecus-sediba -Frau sehr gut in Bäumen klettern", erklärt 
Kivell.
 Andererseits sind die Fingerknochen ziemlich 
gerade, während Schimpansen leicht gekrümmte und deutlich längere
 Fingerknochen haben. Der Daumen ist wiederum 
länger als bei baumbewohnenden Menschenaffen. "Er ist sogar
 länger als der Daumen eines modernen Menschen."

Damit "lässt sich ein Glas oder ein Ei sicher zwischen
den Fingerspitzen halten, ohne es zu zerbrechen oder fallen zu lassen", 
sagt Kivell. Diese Entwicklung der Hand mit der Fähigkeit zum "Präzisionsgriff" war nach Meinung aller
 Frühmenschenforscher ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum modernen
 Menschen.

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

"... die Wissenschaftler zwingen, ihre Vorstellungen ...

... vom Werden des Menschen zu überdenken."

Prima!

Und auf Seite 2 die trockene Feststellung: "Werkzeuge beherrschten mehrere Frühmenschen."
Von den Werkzeugen beherrscht zu werden, das könnte doch wohl d a s Problem gerade der Spätmenschen sein.
Wer die Menschwerdung verstehen will, könnte sich jeden Tag unseren Winzlingen zuwenden, ohne sich dabei von den Werkzeugen beherrschen zu lassen allerdings.
Haben Sie gewusst, dass es auch Menschen ganz ohne Finger gibt?

(Die Antropologen werden es mir hoffentlich nicht übel nehmen.)

Der Mensch stammt ab...

von Adam und Eva...

B I N G O !

Ach so, und was ist mit den
heute bereits wieder ethisch
soziologisch degenerierten
Unmenschen..., eben die nicht
nur zu Langfingern mutiert sind,
sondern auch noch zu Gierhälsen...;

dies beinhaltet nicht das morphologisch
zwingende Streben zum Menschen...; ab-
sichtlos geschieht eben überhaupt nichts,
auch wenn die Absicht sich zu verbergen
weiß...; ist aber ebenso entwicklungs-
physiologisch eine Absichtserklärung.

Unmöglichkeit - Evolution

In Wirklichkeit gibt es eine Evolution des Lebens aus toter Materie nicht! Es sind alles Gedankengebäude der Menschen. Naturgesetze zur Information bezeugen das unumstößlich, und damit ist die Achillesferse der Evolution getroffen.

Frage: "Woher stammt die Information in unserer DNA?"
Denn Information kann NIEMALS selbstständig entstehen, sondern benötigt immer einen intelligenten Urheber.
Weitere Details zu dieser spannenden und das Denken verändernden Frage unter:

www.was-darwin-nicht-wuss...

Grüße ....

@ Junghans # 3

"Unmöglichkeit - Evolution

In Wirklichkeit gibt es eine Evolution des Lebens aus toter Materie nicht! Es sind alles Gedankengebäude der Menschen. Naturgesetze zur Information bezeugen das unumstößlich, und damit ist die Achillesferse der Evolution getroffen.

Frage: "Woher stammt die Information in unserer DNA?"
Denn Information kann NIEMALS selbstständig entstehen, sondern benötigt immer einen intelligenten Urheber."
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Der gedankliche Fehler der Apologeten ´Intelligenter Urheber´ liegt unter anderem darin, daß ´Evolution´ und ´Intelligenter Urheber´ nicht zueinander passen würden.

Im Übrigen gibt es auch solch Erklärungen:

Die Natur hat den Menschen erschaffen, um sich selbst zu erklären. :)

Ich dachte die Aufklärung hätte sich durchgesetzt.

"Woher stammt die Information in unserer DNA?"
Gibt es irgendeinen Hinweis darauf, dass es Gott war?
Als DNA zufällig in der Ursuppe entstanden ist, gab es nämlich noch keine Inteligenz, die das hätte aufzeichnen können.
Deshalb gibt es nicht einen Grund zu glauben, dass es wohlmöglich Gott war, oder auch Papaschlumpf, ausser totale Verblendung.

@Junghans

Wer`s glaubt, wird seelig. Ich kann mich nicht helfen. Dieses Geschwurbel auf der von Ihnen genannten Seite klingt nach einem verzweifelten Versuch, das Unerklärbare erklärbar zu machen und somit schon wieder komisch.

Wie wäre es, wenn wir einfach akzeptieren, dass alles letztlich ein einziger Zufall ist, der uns entsehen ließ. Wenn man sich alleine die zeitlichen Dimensionen vor Augen führt (wir sprechen hier von Milliarden von Jahren), erscheint es mir geradezu grotesk, von einer geistigen Quelle sprechen zu wollen, die mit ein paar Rechenschiebertricks Leben entsehen ließ, was, verglichen mit den zeitlichen Dimensionen, nicht mal die Dauer eines Wimpernschlages beträgt. Die Epoche Mensch ist verglichen mit der Epoche Dinosaurier derart kurz, dass ich nicht umhin komme festzustellen, dass der Mensch für den Lieben Gott nicht so wichtig zu sein scheint. Sonst würde der Liebe Gott uns länger auf diesem Planeten verweilen lassen und nicht Affen. Wobei letztere vom Menschen womöglich bald ausgerottet werden.

hatte ich unserem 'theologisch verkrachten'

Biologielehrer entgegengeschleudert,
'ich habe nichts dagegen, wenn Sie sich
als Affe empfinden', dies als dieser Kerl
'uns' als zarte katholische Musterknaben
eröffnete, 'der Mensch stammt vom Affen ab';

und es setzte eine schallende Ohrfeige;
aber mir war es das wert...;

so viel zu dieser rabiaten Fraktion der
aggressiven Evolutionsgeiferer.

Doch Affen.

"Affen und Menschen haben gemeinsame Vorfahren. Etwas anderes hat Darwin nie behauptet."

Und dieser gemeinsame Vorfahre, war war das für ein Lebewesen? Meerschweinchen? Regenwurm? Primel? Quatsch!

Das war selbstverständlich auch ein Affe! Keine der heute lebenden Arten, sondern eine mittlerweile ausgestorbene. Aber eben doch ein Affe / Primat. So wie wir Menschen auch Affen sind. Ganz besondere Affen, wie es sonst keine gibt - aber eben doch (auch) Affen.

Der auch von vielen Biologen gedankenlos nachgeplapperte Satz "Der Mensch stammt nicht vom Affen ab" ist eine unerträgliche Anbiederung an den Kreationismus.

Klärung

Ja das ist vollkommen richtig. Im biologischer Terminologie. Aber da hier ja auf der populärwissenschaftlichen Ebene diskutiert wird, kann man diesen Lapsus in der Terminologie vielleicht verzeihen. Fakt ist doch, dass die meisten fachfremden Menschen beim Wort "Affe" an Schimpanse oder Gorilla denken, die ja doch menschenähnlich sind (oder umgekehrt).
Richtig wäre es, die biologische Terminologie zu nutzen. Und zu sagen, dass Homo Sapiens und Pan Troglodytes einen gemeinsamen Vorfahr der Familie der Hominidae hatten.
Wichtig aber ist, und das betont eben diese Vereinfachung, das der Mensch nicht vom rezenten Affen abstammt. Nicht ganz sauber, das ist wahr...

Kein Problem der Terminologie

Das hat nichts mit biologischer Terminologie zu tun; ich verwende gar keine Fachausdrücke. Aber ich finde, man sollte Tatsachen so darstellen, wie sie sind, und sie nicht verbiegen, nur damit die Realität für andere Menschen leichter erträglich ist.

Das Problem ist, dass Kreationisten eben auch behaupten, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt, wobei zudem auf den Vorfahren verzichtet wird. Der besagte Spruch klingt wie ein halber Schritt in deren Richtung, wobei sorgfältig vermieden wird, jenen Vorfahren näher zu spezifizieren, damit niemand durch den Vergleich mit einem Tier gekränkt wird. Ich kann darin keinen Gewinn sehen!

Man könnte doch auch sagen "Der Mensch stammt nicht vom Schimpansen ab, sondern von einem ausgestorbenen Affen", das wäre genauso prägnant und wenigstens richtig!