Virologie : Wieso sind die Amseln verschwunden?

In deutschen Gärten sind angeblich weniger Amseln zu sehen. Eine Virus-Infektion könnte dazu beitragen. Ein massenhaftes Amsel-Sterben bedeutet das erst einmal nicht.
Eine Amsel

Seit zwei Monaten erreichen den Naturschutzbund (Nabu) in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vermehrt Anfragen besorgter Bürger , wieso die Amseln aus dem Garten verschwunden sind. Schon ist in Boulevard-Medien die Rede von einem rätselhaften "Amsel-Sterben". Naturschützer haben bisher allerdings lediglich sechs tote Tiere dokumentiert.

Eine der Amseln ist durch eine Infektion mit dem Usutu-Virus gestorben . Das haben Virologen des Bernard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg nun herausgefunden.

Ob dieses Virus auch verantwortlich für das Verschwinden der Amseln aus vielen Gärten ist, wisse man aber noch nicht. "Wir müssen erst mehr Tiere untersuchen, um diesen Zusammenhang herzustellen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Hamburger Tropeninstitut. Auch Stefan Bosch, Vogel-Experte des Nabu, warnt vor voreiligen Schlüssen: "Es ist völlig normal, dass Amseln im August kaum zu sehen und zu hören sind."

Im Juli geht die Brutzeit zu Ende, dadurch nimmt das Revierverhalten ab, die Vögel sind weniger aktiv. Weil sie sich in dieser Jahreszeit außerdem ein neues Federkleid zulegen, leben sie zurückgezogen. Es sei denkbar, dass sich dieses natürliche Phänomen und der Befall mit einem Virus überlagern, sagt Bosch.

Auch von anderen Vogelarten werden gelegentlich Kadaver gefunden. "Aber Amseln scheinen besonders anfällig für das Virus zu sein", sagt Bosch. So haben frühere Usutu-Ausbrüche in anderen Gebieten die Amsel-Populationen am stärksten dezimiert.

Die untersuchte tote Amsel wurde von einer Stechmücke infiziert, die das Virus in sich trug. Bereits 2010 fand die Forschergruppe um Schmidt-Chanasit das Usutu-Virus erstmals in deutschen Stechmücken . In einem Kooperationsprojekt erstellen das BNI und die Kommunale Aktionsstelle zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) eine Stechmückenkarte von Deutschland , die festhält, wo welche Mücken auftreten.

Das Usutu-Virus kann über einen Mückenstich auch auf den Menschen übertragen werden. In Deutschland ist das bislang aber noch nie vorgekommen. Der erste Fall wurde 2009 in Italien bekannt . Schwere Verläufe wurden nur bei immungeschwächten und älteren Menschen beobachtet.

Eine Therapie gegen das Virus selbst gibt es noch nicht, behandelt werden die Symptome, wie Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge. "Bei jungen, gesunden Menschen kann die Infektion auch ohne Symptome verlaufen", sagt Schmidt-Chanasit.

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Redaktionsempfehlung?

Ich glaube einigen ist noch nicht aufgefallen dass der Herr von Randow Zeit Redakteur ist und sein Beitrag aus diesem Grund grau hinterlegt ist...

Davon mal abgesehen steht unter seinem Beitrag auch nicht ,,Redaktionsempfehlung", mir ist etwas schleierhaft warum Sie denken das sein Beitrag eine Redaktionsempfehlung bekommen hätte.

Bitte konzentrieren Sie sich auf die Diskussion des Artikelinhalts. Danke. Die Redaktion/wg

"Auch weniger Amseln in Paris"

Auch ich habe bemerkt, dass der Kommentar von
Herrn von Randow (Zeitmitarbeiter) zuerst mit
einer Redaktionempfehlung bedacht wurde.
Was spricht eigentlich dagegen, diesen Fehler oder
Irrtum redaktionell einzugestehen ?
Stattdessen werden die Kommentare von konnat und
dem Mädchen vom Land sowie tkx (die darauf hingewiesen hatten) einfach gestrichen.
So etwas ist zumindest schlechter Stil.