WiederansiedelungWie der Wolf durch Deutschland streift

Wölfe können sehr schnell weit wandern und lassen sich dabei nicht von Grenzen und Straßen aufhalten, so eine Studie. Bevölkern sie deswegen bald ganz Deutschland?

In Deutschland leben derzeit zwölf Wolfsrudel. Die Tiere können überraschend weite Strecken zurücklegen.

In Deutschland leben derzeit zwölf Wolfsrudel. Die Tiere können überraschend weite Strecken zurücklegen.  |  © MBCH/photocase.com

Zwar leben Wölfe bereits seit elf Jahren wieder in Deutschland, aber erst jetzt gibt es erste Einblicke in das Ausbreitungs- und Abwanderungsverhalten der Tiere. "Wir wollten wissen, ob Straßen oder Grenzen ein Hindernis sind für wandernde Wölfe, welche Lebensräume sie wählen und wie groß ihre Territorien sind", sagt Ilka Reinhardt vom Wildbiologischen Büro Lupus, das gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) dazu nun eine Studie abgeschlossen hat.

Um die Ausbreitung der Wölfe zu verfolgen, statteten Forscher sechs Tiere mit GPS-Sendern aus und sammelten drei Jahre lang Funkdaten. Demnach legten die Wölfe mitunter mehr als 70 Kilometer am Tag zurück. Wolf Alan, einer der Probanden, entfernte sich schon mit zwölf Monaten von seinem Rudel in Sachsen und lief in zwei Monaten 1.550 Kilometer weit bis nach Weißrussland. Dabei überquerte er Autobahnen, durchschwamm die Weichsel und die Oder und überwand irgendwie die überwiegend mit Elektrozäunen gesicherte Grenze zwischen Polen und Weißrussland.

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Leben und Vorkommen des Wolfes

Der Wolf (Canis lupus) ist das bekannteste heimische Raubtier. Er ähnelt einem Schäferhund und hat einen buschigen Schwanz.

Wölfe leben in der Regel in Familien, als sogenannte Rudel, zusammen. Jungtiere unternehmen vereinzelt Ausflüge, kehren aber meist zu ihren Eltern zurück – so lange, bis sie eine eigene Familie gründen. Eine Wölfin bekommt einmal pro Jahr Welpen, die diesen Status wiederum ein Jahr lang behalten. Werden neue Welpen geboren, leben manchmal noch ältere Geschwister bei den Eltern. So können Rudel rund fünf bis zehn Tiere umfassen.

An seinen Lebensraum stellt der Wolf keine hohen Ansprüche und ist sehr anpassungsfähig. Er kann durchaus – etwa in den Vororten Roms – in enger Nachbarschaft des Menschen leben und ist nicht auf Wildnis angewiesen. In Sachsen hält er sich in relativ störungsarmen Gebieten mit überdurchschnittlich hohem Waldanteil auf.

Mensch und Wolf

Der letzte Wolf wurde 1904 in Sachsen erlegt, erst seit wenigen Jahren sind sie wieder hier heimisch. Im Jahr 2000 siedelte sich ein aus Polen eingewandertes Wolfspaar in Sachsen an und zog erstmals seit rund 150 Jahren wieder Welpen in Deutschland auf.

Seit 1990 stehen Wölfe unter Artenschutz, trotzdem wurden sie seitdem immer wieder illegal gejagt und erschossen. Nicht wenige wurden zudem überfahren: seit dem Jahr 2000 allein in der Lausitz mindestens 14 Wölfe.

Alans Bruder Karl hingegen blieb 19 Monate lang beim Rudel, ehe er in 16 Tagen 400 Kilometer nach Berlin und zurück lief, um sich dann in der Nähe des elterlichen Rudels ein eigenes Territorium abzustecken. Dort hat er nun sein eigenes Rudel gegründet. Dagegen lebt Schwester Mona nach 27 Monaten noch immer bei den Eltern.

"Uns hat überrascht, wie individuell unterschiedlich etwa das Abwanderungsverhalten oder die Größe der Territorien sind", sagt Reinhardt. Die Studie zeige wertvolle Einblicke in das Verhalten der Tiere, wenngleich sie mit einer derart geringen Anzahl beobachteter Tiere nicht repräsentativ sei.

In Deutschland leben derzeit zwölf Rudel

"Der Otto-Normal-Wolf lebt in ähnlichen Strukturen wie wir Menschen", sagt die Biologin. Üblicherweise leben sie in Kleinfamilien: die Eltern mit ihren Kindern. Werden die Jungtiere erwachsen, ziehen sie los, um selbst eine Familie zu gründen. Dabei steckt die neue Familie ihr eigenes Territorium ab, in dem sie dann auch keine anderen Wolfsfamilien duldet. "Deshalb braucht man auch keine Sorge zu haben, dass es zu einer Überbevölkerung mit Wölfen kommt", sagt Reinhardt. "Die Anzahl an Wölfen, die in Deutschland leben können, ist durch den vorhandenen Platz begrenzt."

Derzeit gibt es hierzulande zwölf Wolfsrudel, neun davon in der Lausitz, drei weitere leben in Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Der Wildtierökologe Felix Knauer von der Universität Freiburg hat bereits 2009 für das BfN in einer Studie ermittelt, wie viele Wolfsrudel in Deutschland Platz finden würden. Dazu untersuchte er, welche Lebensräume Wölfe in Polen besiedeln und verglich, welche Standorte in Deutschland diesen Bedingungen entsprechen. Sein Ergebnis: Rund 400 Wolfsfamilien würden in Deutschland Platz finden. So seien vor allem west- und süddeutschen Mittelgebirgsregionen sowie der Alpenraum passend für die Tiere.

Leserkommentare
  1. Die Natur kehrt zurück.

  2. 'Sein Ergebnis: Rund 400 Wolfsfamilien würden in Deutschland Platz finden.'

    Wenn es gelaenge zahme Wolfsrudel zu zuechten, dann wuerde ich auch nicht zoegern ein dutzend Woelfe oder mehr morgens Gassi zu nehmen und mir von ihnen am Abend die Haende schlecken zu lassen. Schoener als viele moderne Hunderassen finde ich den Wolf allemal.

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    Der Wolf ist ein schönes Tier, aber wenn es ums Futter geht wird es auch mal hart und da muss man als Mensch auch vorsichtig sein.

    Aber Sie können sich einen Tschechischen Wolfshund kaufen. Ist ein Schäferhund mit einem Wolf gekreuzt.
    Ich bin mir aber nicht sicher die wievielte Generation verkauft werden darf.
    Ich denke mal in der ersten Kreuzung steckt noch zu viel Wolf im Hund.

    • cardiac
    • 29. Oktober 2011 11:37 Uhr

    Wenn sie Wölfe schön finden, schaffen sie sich einen "Tamaskan" an. Eine noch nicht anerkannte finnische Hunderasse, Kreuzung aus dt. Schäferhund und Husky und noch irgendeiner Rasse.

  3. Der Wolf ist ein schönes Tier, aber wenn es ums Futter geht wird es auch mal hart und da muss man als Mensch auch vorsichtig sein.

    Aber Sie können sich einen Tschechischen Wolfshund kaufen. Ist ein Schäferhund mit einem Wolf gekreuzt.
    Ich bin mir aber nicht sicher die wievielte Generation verkauft werden darf.
    Ich denke mal in der ersten Kreuzung steckt noch zu viel Wolf im Hund.

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    • qbrick
    • 29. Oktober 2011 14:25 Uhr

    Und die Wildnis ist nicht bei Ihnen zuhause.

    Dass manche immer alles "haben" müssen, anstatt es so zu lassen wie es ist.

  4. "Der Otto-Normal-Wolf lebt in ähnlichen Strukturen wie wir Menschen"

    Ich liebe diesen Satz.

    @Weltenseher
    "Aber Sie können sich einen Tschechischen Wolfshund kaufen. Ist ein Schäferhund mit einem Wolf gekreuzt."

    Soweit ich weiß, sollten diese Wolfshunde ursprünglich in der Armee eingesetzt werden, erwiesen sich aber als zu "wölfisch". Ich würde also zweimal über einen Kauf nachdenken.

    Zudem: Wir müssen uns nichts jedes Tier, das uns gefällt, im Hause halten. Lassen wir die schönen Wölfe in der Natur. Dort gefallen sie mir am besten.

    Eine Leserempfehlung
  5. @Weltenseher:

    Ich bin nicht ganz sicher, meine aber dass es die sechste Generation sein muss, bis die Züchtung als eigene Rasse anerkannt wird.

    @Nachbarplanet:

    Der Begriff "wölfisch" erweckt den Eindruck, dass es gefährliche Hunde seien. Das Gegenteil war der Fall: der tschechische Grenzschutz konnte die Hunde aus diesem Zuchtversuch nicht gebrauchen, weil sie scheu, vorsichtig und nicht genügend aggressiv wurden.

    Es sind sehr schöne, mittelgroße Hunde, aber bestimmt nichts für Anfänger.

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    "Der Begriff "wölfisch" erweckt den Eindruck, dass es gefährliche Hunde seien. Das Gegenteil war der Fall: der tschechische Grenzschutz konnte die Hunde aus diesem Zuchtversuch nicht gebrauchen, weil sie scheu, vorsichtig und nicht genügend aggressiv wurden."

    Danke für den Hinweis. Welch intelligenten Tiere, selbst in der Kreuzung. Verweigern sich durch Sanftmut der Armee. Wunderbar.

  6. "Der Begriff "wölfisch" erweckt den Eindruck, dass es gefährliche Hunde seien. Das Gegenteil war der Fall: der tschechische Grenzschutz konnte die Hunde aus diesem Zuchtversuch nicht gebrauchen, weil sie scheu, vorsichtig und nicht genügend aggressiv wurden."

    Danke für den Hinweis. Welch intelligenten Tiere, selbst in der Kreuzung. Verweigern sich durch Sanftmut der Armee. Wunderbar.

    Antwort auf "Vorsichtig"
  7. Bleibt nur zu hoffen das Edmund Stoiber von der Sache noch nichts mitbekommen hat.
    Sonst stehen demnächst die Wölfe als Mottenfänger in Deutschen Museen (Bruno der Problembär).

  8. Endlich sind sie da. Wundervolle Tiere.

    Nebenbei: Ich fühle mich sicher. Ein Wolf passt nicht durch meine Katzenklappe. Zum Glück.

    Wooouuuuw.

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    Haben sie mal ihre Katze zu dem Thema befragt?
    Ich könnte mir vorstellen, das ihre Katze ihre Begeisterung nicht teilt. ;-)

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  • Schlagworte Alpenraum | Forstwirtschaft | Nutztier | Pilz | Skandinavien | Studie
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