Hochwasser in Thailand Regierung erwägt, Bangkoks Straßen aufzureißen

Thailands Hauptstadt erwartet einen gewaltigen Flutkamm. Die Regierung prüft nun, die Straßen in Abflussgräben umzuwandeln, um die Wassermassen abzuleiten.

In Bangkok sichern Menschen mit Sandsäcken die Hochwasserdämme des Flusses Chao Phraya.

In Bangkok sichern Menschen mit Sandsäcken die Hochwasserdämme des Flusses Chao Phraya.

Die Regierung in Thailand überlegt, fünf Straßen im Osten der Hauptstadt aufzureißen, um die überwältigenden Wassermassen ablaufen zu lassen. Den Vorschlag unterbreitete eine Gruppe unabhängiger Ingenieure und Wasserexperten dem Einsatzstab der Regierung. Die Straßen aufzureißen, dauere nur zwei Stunden, zitierte die Bangkok Post Transportminister Sukumpol Suwanatat.

Inzwischen hat sich er gegen den radikalen Plan gestemmt, Straßen in der Hauptstadt Bangkok zu Abflussgräben umzufunktionieren. "Dafür besteht keine Notwendigkeit", sagte Suwanatat. Er habe die Hochwasserlage im Norden und Osten der Stadt vom Helikopter aus in Augenschein genommen – das Wasser könne durch die bestehenden Kanäle in Richtung Meer abfließen. Regierungschefin Yingluck Shinwatra will am Nachmittag endgültig über den Vorschlag entscheiden.

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Der Fluss Chao Phraya erreichte mit 2,47 Metern inzwischen eine kritische Marke. Die Hochwasserdämme sind 2,50 Meter hoch. Weil im Golf von Thailand eine Springflut erwartet wird, drückt neben den Wassermassen aus den Überschwemmungsgebieten auch Wasser aus dem Meer in die Flussmündung.

Touristen sind bislang kaum vom Hochwasser betroffen

"Für den 29. Oktober wird in Bangkok gegen 18 Uhr der Scheitelpunkt der Überschwemmung erwartet, bei dem es auch zu Überschwemmungen in der Innenstadt Bangkoks kommen kann", teilte die deutsche Botschaft ihren Landsleuten mit. Sie richtete eine Notbereitschaft für das Wochenende ein, um Deutschen im Fall von Schwierigkeiten beistehen zu können. Weiter schrieb sie, dass von den 50 Bezirken der Stadt aktuell die sechs Außenbezirke Don Mueang, Lak Si, Bang Khen, Chatujak, Bang Sue und Sai Mai betroffen sind. Den Stadtkern Bangkoks haben die Fluten bisher nicht erreicht. Dennoch werde von nicht unbedingt erforderlichen Reisen in den Großraum Bangkok und nach Zentralthailand "dringend abgeraten".

Die Tourismusbehörde in Bangkok teilte mit, die touristisch interessanten Orte in der Innenstadt von Bangkok seien zu erreichen. Die U-Bahn funktioniere derzeit normal, auch der internationale Flughafen, Suvarnabhumi Airport, bleibe geöffnet und operiert unverändert. Reisenden wird empfohlen, sich bei ihrem Reiseveranstalter, über die örtlichen Medien sowie den Thailändischen Wetterdienst über die aktuellen Bedingungen und Vorhersagen für ihr Reiseziel zu informieren. Außerdem stellt das Thailändische Fremdenverkehrsamt regelmäßig aktualisierte Informationen zur Überschwemmungslage inklusive Detailangaben zu den einzelnen Regionen bereit. 

Während es für Touristen offenbar kaum Einschränkungen gibt, fliehen immer mehr Thailänder aus Furcht vor einer drohenden Überflutung weiterer Teile der Zwölf-Millionen-Metropole. Zehntausende Autos verstopften die Ausfallstraßen. Auch an Bahnhöfen und Busstationen in Bangkok kam es zu erheblichem Gedränge, weil Touristen und Einheimische nach einer Möglichkeit suchten, die Stadt zu verlassen. Noch offene Supermärkte mussten wegen Hamsterkäufen Grundnahrungsmittel rationieren.

Die Menschen sind in Sorge, die Dämme des Flusses könnten am Wochenende brechen und zu einer dramatischen Ausweitung der Überflutung der Hauptstadt führen. Schon jetzt stehen die Thailänder bei dem zum Teil durch heftige Monsunregen ausgelösten Hochwasser vor der schlimmsten Flutkatastrophe des Landes seit rund einem halben Jahrhundert. Mehr als zwei Millionen Menschen in den Zentral- und Nord-Provinzen des Landes leiden bereits unter den Überschwemmungen. Bislang starben 377 Menschen. Die Armee setzt Zehntausende Soldaten zur Unterstützung der Bevölkerung ein.

Thailands Arbeiter nach Japan eingeladen

Derweil hat die Bank von Thailand ihre Vorhersage für das Wirtschaftswachstum des Landes halbiert – auf 2,6 Prozent. Schon jetzt ist die zweitgrößte südostasiatische Volkswirtschaft durch die Fluten angeschlagen. Da Thailand ein wichtiger Zulieferer für die Auto- und Computerindustrie ist, sind auch Firmen dieser Branchen weltweit betroffen. Die Hauptstadt steht für 41 Prozent der thailändischen Wirtschaftsleistung.

Nun hat die japanische Regierung Tausende Arbeiter aus betroffenen Gebieten zum Arbeiten nach Japan eingeladen. Wie ein Regierungssprecher in Tokio sagte, mussten Dutzende Firmen wie Honda und Toyota mit Niederlassungen und Zulieferfirmen in den Überschwemmungsgebieten ihre Produktion vorübergehend stoppen. Japan werde daher thailändische Arbeiter japanischer Firmen im eigenen Land unter bestimmten Bedingungen akzeptieren. Dazu gehöre die Garantie der Firmen, dass die Arbeiter nach sechs Monaten wieder nach Hause zurückkehren sollten.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn man Wasserwege zuschüttet und darauf Straßen und Häuser baut, darf man sich nicht wundern, wenn sich die Natur gelegentlich den ihr abgerungenen Raum zurücherobert. Aber das thailändische Volk und das Bangkoks wird diese noch recht spielerische, wenn auch nicht opferlose, Episode natürliche Naturgewalt überstehen.

    "Die erste "richtige" Straße Bangkoks wurde erst im Jahr 1862 gebaut. Bis dahin, und auch noch lange danach, fanden alle Transporte ausschließlich auf dem Fluss und den Klongs - d.h. Kanälen - statt. Heute muss man den Fluss in Bangkok suchen. Wenn man ihn gefunden hat und das Treiben auf dem Wasser betrachtet, dann weiß man, dass er ein wichtiger Verkehrsweg geblieben ist. [...] Mittlerweile sind die einst zahlreichen Klongs und Kanäle Bangkoks verschwunden. Nach 1950 hat man sie einfach zugeschüttet und mit mehrspurigen Straßen überbaut, um Platz für die Autos zu schaffen. Häuser wurden nicht mehr, wie früher, auf Pfähle gesetzt, sondern direkt auf den neu gewonnenen Boden. Die Folge sind die verstopften Straßen während der Trockenzeit und überflutete Häuser und Straßen während der Monsunzeit." (zitiert aus: http://www.ingrids-welt.d...)

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    wa nicht wirklich verwundert, ist diese Stadt doch in einem meeresnahen Delta errichtet worden.

    Da ist es schon unglabubwürdig wenn sich Menschen von gelegentlich eindringendem Seewasser oder entsprechenden Abflussereignissen überrascht sehen.

    Ein grundsätzliches Problm der HW-Höhe ist hier sicher auch die Tatsache dass zu viel örginärer Abflussquerschnitt tatsächlich zugebaut worden ist as natürlich den Wasserstand im verbleibenden Querschnitt erhöht.

    Wasserbauliche Ignoranz und "hydologischer Frevel" im Hinterland (Minderung des Retentionsvermögens durch Holzeinschlag) bleiben eben nicht folgenlos.

    MfG Karl Müller

    wa nicht wirklich verwundert, ist diese Stadt doch in einem meeresnahen Delta errichtet worden.

    Da ist es schon unglabubwürdig wenn sich Menschen von gelegentlich eindringendem Seewasser oder entsprechenden Abflussereignissen überrascht sehen.

    Ein grundsätzliches Problm der HW-Höhe ist hier sicher auch die Tatsache dass zu viel örginärer Abflussquerschnitt tatsächlich zugebaut worden ist as natürlich den Wasserstand im verbleibenden Querschnitt erhöht.

    Wasserbauliche Ignoranz und "hydologischer Frevel" im Hinterland (Minderung des Retentionsvermögens durch Holzeinschlag) bleiben eben nicht folgenlos.

    MfG Karl Müller

    • rama6
    • 28.10.2011 um 18:07 Uhr

    Lebe in der Nähe von Hua-Hin.Ebend in den Nachrichten,der Zugverkehr wird in Thailnd eigestellt.
    Die Preise Explödieren,Wasser,Suppen,Eier,Reis sind kaum noch zu erhalten,oder unterm Tisch für den vierfachen Preis.
    Hotels hier haben ihre Preise auf über 1500,-Baht 40,-Euro angehoben,alles ausgebucht.

    Das Meer stink,wo soll auch das Abwaser aus den Gruben hin?

  2. wa nicht wirklich verwundert, ist diese Stadt doch in einem meeresnahen Delta errichtet worden.

    Da ist es schon unglabubwürdig wenn sich Menschen von gelegentlich eindringendem Seewasser oder entsprechenden Abflussereignissen überrascht sehen.

    Ein grundsätzliches Problm der HW-Höhe ist hier sicher auch die Tatsache dass zu viel örginärer Abflussquerschnitt tatsächlich zugebaut worden ist as natürlich den Wasserstand im verbleibenden Querschnitt erhöht.

    Wasserbauliche Ignoranz und "hydologischer Frevel" im Hinterland (Minderung des Retentionsvermögens durch Holzeinschlag) bleiben eben nicht folgenlos.

    MfG Karl Müller

  3. Hallo liebe Redaktion,

    leider funktioniert der Link "Informationen zur Überschwemmungslage" nicht ;)

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