Ein Korallenriff mit Luftblasen © Pic2Gram/photocase.com

Wenn es irgendwo richtig laut ist, in einer Disko, am Flughafen, auf der Geburtstagsparty des eigenen Kindes, dann hat man manchmal das Gefühl, die Ohren seien ein bisschen taub geworden. Wenn es plötzlich wieder still ist, spürt man diesen leichten Druck auf dem Ohr.

Den Tieren im Ozean geht es ähnlich, nur, dass sie nicht für den Krach um sie herum verantwortlich sind. Forscher benutzen Schallkanonen mit einer Lautstärke von 200 bis 250 Dezibel, um Öl und Gas zu finden. Der Krach eines Düsentriebwerks beträgt "nur" 120 Dezibel, alles, was 130 Dezibel übertrifft, empfindet der Mensch als Schmerz. Die Schallkanonen sind so laut, weil der Schalldruck bis zu zehn Kilometer in den Boden eindringen muss. Mit Sonargeräten spürt die Marine U-Boote auf, und Fangflotten finden damit Fischschwärme. Um Windparks oder Ölplattformen zu bauen, müssen riesige Stahlrohre in den Ozeanboden gehämmert werden. Das alles verursacht Lärm.

Doch Schall verhallt im Meer nicht einfach so. Wasser ist viel dichter als Luft, sodass die Schallkanonen, die vor der Ostküste Kanadas abgefeuert werden, 3.000 Kilometer entfernt inmitten des Atlantiks gehört werden. Je tiefer die Frequenz eines Geräusches, desto weiter wandert sie im Wasser.

Der Bioakustiker Michel André von der Polytechnischen Universität von Katalonien in Barcelona schätzt, dass das ozeanische Hintergrundrauschen um 20 Dezibel zugenommen hat, seit Beginn der Industriellen Revolution vor 150 Jahren. Das Meer war nie leise. Regen prasselt auf die Oberfläche, die Brandung schlägt an Felsen, Erdbeben erschüttern den Ozeanboden. "Doch diese Geräusche liegen in einer anderen Frequenz als jene, die wir Menschen produzieren – und sie dauern auch nicht lange an", erklärt André. Kein Erdbeben und kein Dauerregen macht seit 16 Jahren so einen Krach, wie die Sea Troll Plattform , die größte Bohrinsel der Welt, die bereits so lange in der Nordsee vor Norwegen verankert ist. Drei Jahre brauchte man für den Bau.

Tintenfische lassen sich ablenken

André erforscht mit einigen Kollegen im Projekt Listen to the Deep-Ocean Environment die Kakophonie unter Wasser . Er hat herausgefunden, dass Schall den Gleichgewichts- und Hörsinn von Tintenfischen, Kraken und anderen Kopffüßern schädigt, sie erleiden ein Schalltrauma. Bei den Meerestieren ist der Hörsinn ungleich wichtiger als bei uns Menschen, denn unter Wasser sieht man nicht viel, hören kann man hingegen sehr gut.

Fische und andere Meeresbewohner nutzen den Hörsinn, um miteinander zu kommunizieren, Nahrung zu finden, vor Feinden zu flüchten, sich fortzupflanzen. Ist der Sinn betäubt, verändern Tiere ihr Verhalten. Die Folgen: Wale, die stranden , weil sie der Küste zu Nahe kommen; Stichlinge, die ihre Nahrung nicht mehr finden ; Rifffische, die sich verirren .

Es gibt Gebiete in den Ozeanen, da ist es besonders laut: Rund um Häfen und Ölplattformen zum Beispiel, oder dort, wo Windparks stehen. Anders als bei Schallkanonen oder Ortungen mit dem Sonar, sind die Geräusche, die dabei entstehen, nur ein Abfallprodukt. Man braucht sie nicht. Deshalb könnte man sich auch aus dem Wasser filtern oder abschwächen.