Eine prächtige Grünlilie im Wohnzimmer, ein paar Benjamini im Büro – Grünpflanzen, das haben wir schon in der Schule gelernt, sorgen für gute Luft. Ein für Nichtchemiker nur schwer verständlicher Vorgang namens Photosynthese ist dafür verantwortlich. Was im Kleinen mit Zimmerpflanzen funktioniert, erfüllt auch im Großen seinen Zweck: Bäume verbessern die Luft in Städten.

Wie viel ein Baum zur guten Luft beitragen kann, hängt vor allem vom Durchmesser seiner Krone ab. "Wenn die Krone mächtig genug ist, kommen bei einem fünfzehn bis zwanzig Meter hohen Baum schnell 100 bis 150 Quadratmeter Grundfläche zusammen. Da kann auch der Stamm schmal sein", sagt der Freiburger Biologe und Pflanzenphysiologe Edgar Wagner. "Ist diese Krone dann auch noch dicht beblättert, sind 1.200 bis 1.500 Quadratmeter Absorptionsfläche keine Seltenheit." Eine alte Buche kann so zum Beispiel 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Stunde produzieren – damit können 50 Menschen eine Stunde lang atmen .

Der Baum selbst atmet durch kleine Spaltöffnungen, die sich an der Unterseite der Blätter gut erkennen lassen. Diese Spalten können sich öffnen und schließen, ganz nach Bedarf. Hat der Baum wenig Wasser, schließen sich die Spalten automatisch. Steht er prall im Saft, öffnen sie sich. Mit diesem fein justierten Instrument können sich die Bäume an verändernde Umweltbedingungen anpassen und flexibel reagieren. Diese Eigenelastizität kann jedoch beschädigt werden, zum Beispiel durch Schadstoffe in der Luft. "Geht den Spalten diese Fähigkeit verloren, bleiben sie offen und geben unentwegt das Wasser aus den Blättern ab," sagt Wagner. Der Baum vertrocknet, ganz gleich, ob er genug Wasser mit den Wurzeln aufnehmen kann oder nicht.

Hauptsache Baum lautet die Devise, wenn Stadtplaner für eine grüne Lunge inmitten von Hochhäusern und Straßenkreuzungen sorgen wollen. Und je mehr von ihnen, desto besser. Es gibt keine bestimmte Baumart, die sich durch besonders intensives Luftsäubern von den anderen abhebt. Zwar variieren die aufgenommenen CO 2 -Mengen durchaus abhängig von der Art, aber andere Faktoren, wie Lichtintensität, Bodenbeschaffenheit, Alter oder Holzdichte, wiegen viel schwerer. Ein und derselbe Baum nimmt in Mitteleuropa zum Beispiel weniger Kohlendioxid auf, als wenn er in den Tropen stünde .

Kurzum: Aktiv sind sie alle. Zwischen 30.000 und 40.000 Kubikmeter Luft verarbeitet ein Baum in unseren Breitengraden täglich. Dabei nimmt er Kohlendioxid auf, gibt Sauerstoff ab, feuchtet die Luft an und filtert sie von Schadstoffen. Möglich wird das durch die innere Struktur der Blätter, die einem Schwammgewebe gleicht und alles aufnimmt – Bakterien, Sporen, Feinstaub.  "Sie müssen sich das vorstellen wie die Dunstabzugshaube in Ihrer Küche", sagt Wagner. "Da strömt die Luft auch durch, und im Filter bleiben die Duftstoffe hängen." Ist der Filter voll, wird er ausgetauscht. Laubbäume wechseln ihre Filter im Herbst, die Blätter fallen ab. Nadelbäume haben eine weniger große innere Oberfläche, die Nadeln werden meist bis zu zehn Jahre alt und fallen dann ab, während gleichzeitig neue nachwachsen. Das passiert allerdings ganzjährig und fällt von außen betrachtet nicht auf.

Viele Baumarten geben flüchtige Substanzen ab, die zum Beispiel dazu dienen, sich vor Mikroorganismen zu schützen. Wer einmal in einem Fichtenwald tief Luft geholt hat, wird eine sehr charakteristische Duftnote wahrgenommen haben: Das Atmen der Bäume kann man riechen.