Sonderbericht : Weltklimarat IPCC prognostiziert neue Wetterextreme

Heißere Tage, Starkregen, schnellere Wirbelstürme: Extremwetterlagen nehmen durch den Klimawandel zu. Besonders Entwicklungsländer werden darunter leiden, sagt das IPCC.
Laut dem Bericht des Weltklimarats IPCC wird das Wetter in Zukunft extremer: stärkerer Regen, aber auch häufigere und intensivere Hitzeperioden sind zu erwarten. © annaia/photocase.com

Der weltweite Klimawandel wird bis Ende des Jahrhunderts immer häufiger zu Dürre- und Überschwemmungskatastrophen führen, bestätigt nun einmal mehr auch ein Sonderbericht des Weltklimarates IPCC. Leidtragende bleiben vor allem die armen Länder, erläuterten Wissenschaftler am Freitag in der ugandischen Hauptstadt Kampala. Nur wenige Tage vor Beginn des UN-Klimagipfels im südafrikanischen Durban wird der Weltgemeinschaft damit erneut bescheinigt, welche Auswirkungen ihr Nichthandeln auf die Zukunft der Erde haben kann.

In Zukunft, so schlussfolgert der Bericht, werde es mehr Tage geben, die noch heißer und häufiger vorkommen werden als ohnehin schon. "Im schlimmsten Szenario haben wir in den meisten Regionen zehn mal mehr heiße Tage", sagt der Forscher Thomas Stocker, ein stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe 1 des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). "Ebenso wird es häufiger starken Regen geben und die Windgeschwindigkeit der tropischen Zyklone nimmt zu."

Unter anderem erwarten die Experten eine Zunahme von Überschwemmungen etwa in den Slums von Nairobi und weitere Dürreperioden in der westlichen Sahelzone. Auch für die kleineren Inseln im Pazifik, Atlantik und im Indischen Ozean sieht die Zukunft wegen des Anstiegs des Meeresspiegels nicht gut aus: Negative Auswirkungen auf das Leben der Inselbewohner, die Landwirtschaft, die Wirtschaftslage und die Tourismusindustrie könnten die Folge sein.

In Europa wird die erwartete Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur um zwei bis fünf Grad bis 2100 ebenfalls durch zunehmende Hitzewellen spürbar sein. Während das erwartete Extremwetter in den Industrieländern vor allem riesige Kosten verursachen könnte, bezahlen es in den Entwicklungsländern viele Menschen mit dem Leben, heißt es in der Kurzfassung des IPCC-Berichts "Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation" (SREX). 95 Prozent der Todesfälle durch Naturkatastrophen im Zeitraum von 1970 bis 2008 ereigneten sich in Entwicklungsländern.

Mehr Geld für Katastrophenvorsorge nötig

Das IPCC veröffentlichte zunächst nur eine Zusammenfassung für Politiker. Der gesamte Report soll erst im kommenden Februar erscheinen. "Die Zusammenfassung ermöglicht Politikern Einblicke, wie Katastrophenrisiko-Management und Anpassung daran besonders gefährdeten Gemeinschaften helfen kann, den Klimawandel besser zu bewältigen", sagt der Vorsitzende des IPCC, Rajenda Pachauri.

Es sei nun dringend nötig, mehr Geld in Katastrophenvorsorge und nicht nur in Katastrophenhilfe und Wiederaufbau zu stecken, fügte der Klimaexperte des Internationalen Roten Kreuzes und Mitautor des Berichts, Maarten van Aalst hinzu: "Wir sehen zwar weltweit generell eine Zunahme bezüglich der Bemühungen, sich auf mögliche Katastrophen vorzubereiten, aber das ist lange noch nicht genug."

Als Gegenmaßnahmen empfehlen die Wissenschaftler zudem eine stärkere internationale Zusammenarbeit und Kommunikation, weitere Forschungen, um die Situation zu beobachten sowie eine bessere Wasserver- und Abwasserentsorgung. "Wir hoffen, dass der Bericht die wissenschaftliche Grundlage für vernünftige Entscheidungen bezüglich Infrastruktur, urbaner Entwicklung, öffentlicher Gesundheit und Versicherungen sein kann, ebenso wie für die Planungen von lokalen Organisationen bis hin zum internationalen Katastrophenmanagement", sagte Chris Field, der den Report mitverfasst hat.

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

50 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Immer wieder Klima und Wetter

Wenn man einen Topf Wasser auf eine Herdplatte stellt, kann man, wenn man Menge und Heizenergie kennt, berechnen, wann das Wasser kochen wird, aber nicht wie sich die Wasserturbulenzen im Wasser bilden werden.
Das ist anschaulich gesprochen etwa der Unterschied zwischen Klima und Wetter - womit ich natürlich nicht behaupte habe, das Klima würde zu kochenden Seen führen.

Kann man sich auf Veränderungen einstellen?

Die Aussage ist die, dass es sich bei einer Klima- und einer Wettervorhersage um vollkommen andere Phänomene handelt. Die Wettervorhersage ist aufgrund der langfristigen Wirkung von kleinsten Einflüssen prinzipiell begrenzt.
Beim Klima spielen z.B. die ausgetauschten Energien eine wesentliche Rolle für das Wettergeschehen.
Es geht also nicht darum, ob dies in "einer simplen Formel fassbar ist", sondern ob man dafür (Klima-) Modelle entwickeln kann, die notgedrungen sehr komplex sein müssen, und die uns heute schon eine Vorstellung davon geben können, was uns in den nächsten Jahrzehnten sehr wahrscheinlich erwarten wird.
Man kann natürlich der Überzeugung sein, dass dies prinzipiell unmöglich ist. Und also wartet man z.B. ab, ob die Wasserbrunnen wegen zu geringer Niederschläge einmal versiegen werden - dann kann man ja immer noch reagieren.

Ihre zweite Frage:

Das wird im "Gesetz der großen Zahlen" bewiesen, nachzulesen in statistische-Mechanik-Büchern, theoretische Thermodynamik-Büchern, Stastistik-Büchern oder bei Wikipedie:
http://de.wikipedia.org/w...ßen_Zahl

Das das Gesetz der großen Zahl für Zufallszahlen mit beliebiger Wahrscheinlichkeitsfunktion gilt, gilt es insbesondere auch für Wetterextreme.

Zum ersten Teil Ihrer Frage: was bitte meinen Sie mit Grenzwertproblem?

Fragestellung

1. Definition der Fragestellung:
Es geht hier um Klima kontra Wetter, was das mit Statistik zu tun hat erschliesst sich mir nicht.

2. Thermodynamik ist ein Grenzwertproblem da man sie nur auf grosse Mengen von Teilchen anwenden kann also mglst in der Dimenson des Mols. Bsp: viele Teilchen haben eine Temperatur, ein Teilchen nur eine Geschwindigkeit.

3. Wetter ist ein dynamisches Problem. Das heisst es wird mit Differenzialgleichungen modelliert. Klima wie Wetter im besonderen sind nicht trivial da es chaotische Systeme sind.

4. Der Kommentar auf den ich antwortete implizierte dass Klima, da bezogen auf grosse Flaechen und Zeitspannen, leichter fassbar ist, z.B. in einer Formel (hier nutzte ich eine Hyperbel). Die Existenz einer solchen Formel wuerde desweiteren implizieren dass Klima ein Grenzwertproblem ist weil ein dynamisch-chaotisches System (Wetter) bei grossen Flaechen und Zeitspannen zu eben jener, vereinfachten Formel (Klima) wird.

5. Eine solche Theory liegt noch in weiter Ferne.

6. Just my 0.05 cent

Antwort

1. Sie haben doch gefragt, ob im Fall, dass t groß genug sei, ein einfacher Zusammenhang feststellbar wäre. Und das war die Antwort darauf: falls t groß genug ist, also genug Ereignisse eintreten, lässt sich aufgrund des Gesetzes der großen Zahl wissen, dass es auf einen Grenzwert zustrebt, vollkommen egal wie die Verteilung der Ereignisse ausschaut. Dieser Grenzwert existiert immer, also auch in dem von Ihnen gefragten Fall.

2. Das ist beides nicht richtig. Sie drehen hier die Implikation um und verneinen sie. Das hört sich logisch an, ist leider logisch falsch. Aus A folgt B; aber aus nicht-B folgt nicht-A ist falsch. Richtig ist, dass man Thermodynamik auch auf kleine Teilchenzahlen anwenden kann und man einzelnen Teilchen eine Temperatur anwenden kann. Was aber nicht funktioniert ist, dass man die Bewegungsgleichungen für alle Teilchen eines großen Systems lösen kann. Folglich verwendet man die Thermodynamik im Sinne von Mittelwerten. So rum passt das Ganze.

3. Zustimmung.

4. Wenn Sie - siehe 3. - alle Abhängigkeiten mitnehmen, haben Sie die Formel in der Hand. Ob diese "einfach" ist, kann ich nicht sagen, sie kann aber durchaus einfache Korrelationen beschreiben oder vorhersagen. Die sehr komplizierten Maxwell-Gleichungen beschreiben z.B. auch das einfache Ohm'sche Gesetz.

5. Stimmt nicht, da wir das Ende der Forschung nicht kennen, weswegen wir auch nicht sagen können, dass es erst in weiter Zukunft erreicht wird.

Antwort auf Antwort

1. So wie Sie das interpretieren, von mir aus.

2. Formulieren wir es so: die klassische Thermodynamik ergibt sich aus der statistischen Herleitung fuer grosse Teilchenzahlen?

4. Das wissen wir aber (noch) nicht bzw. Quellen welche dieses behaupten wollte ich wissen. Eine Simulation welche Aussagen ueber das Klima in hundert Jahren macht ist unwissenschaftlich, einfach weil sie sich jetzt oder in wenigen Jahren nicht falsifizieren laesst.

5. Wie loest man denn grosse Systeme von Differenzialgleichungen? Bestimmt nicht algebraisch, sondern numerisch. Und schon das beruehmte Experiment vom Herrn Lorenz in den 60igern zeigte was kleine Abweichungen in den Startwerten ausmachen. Wenn ich mich richtig entsinn' dann waechst der Fehler exponentiell. Entweder das System hat global betrachtet Attraktoren oder aehnliche Eigenschaften welche sich selbst bei numerischen Fehlern leicht erkennen lassen oder Vorhersagen bleiben praktisch unmoeglich.

Wissenschaftlichkeit

Eine wissenschaftliche Hypothese muss nur prinzipiell falsifizierbar sein und sei es in hundert Jahren... Vor allem sollte sie auf einem wissenschaftlichen Fundament beruhen.

Nach ihrer Logik dürften wir auch kein Wetter vorhersagen können. Können wir aber recht gut, so für ne Woche im Vorraus. Mit dem Klima, wo es um Mittelwerte geht, geht's halt für längere Zeiträume. Die zeitlichen Dimensionen sind eben andere und nur auf diesen Maßstäben können dann auch Lorentz-Attraktoren zu Geltung kommen. Glauben Sie, die Klimaforscher sind alle dumm wie Stroh? Die kennen Ihre Einwände. Alle. Und noch viel mehr ;)

Wissenschaflichkeit

1. Absatz: Gut, formulieren wir es so: Eine Hypothese welche sich erst in 100 Jahren falsifizieren laesst, auch wenn wissenschaftlich, ist eine schlechte Hypothese einfach weil sie sich schwierig falsifizieren laesst. Im Endeffekt muss man ja 100 Jahre lang dran glauben.

2. Absatz: Ich stelle die Klimaforschung nicht in Frage. Was mich aergert ist, dass solche Einwaende kaum in den Medien behandelt werden! Und was in den Medien nicht behandelt wird ist sehr wahrscheinlich auch nicht bis zur Politik vorgedrungen. Was ich von den Klimaforschen zu hoeren und zu sehen bekomm' sind froehliche Simulationen nach denen Gelder vergeben werden und Politik ausgerichtet wird. Und davon halte ich persoenlich nicht viel.

Was sagt das IPCC selbst dazu?

Hier ist ein Originalzitat aus dem angeführten IPCC Bericht:

The IPCC report says:

“Projected changes in climate extremes under different emissions scenarios generally do not strongly diverge in the coming two to three decades, but these signals are relatively small compared to natural climate variability over this time frame. Even the sign of projected changes in some climate extremes over this time frame is uncertain”

Die Projektionen für extreme Klimaereignisse sind unsicher, man weiß nict, in welche Richtung die Ereignisse gehen werden (mehr/weniger; wärmer/kälter; stärker/schwächer). Man hält die durch CO2 verursachten Anteile an Klimaextrema in den nächsten 30 Jahren für klein gegenüber den natürlichen Veränderungen.

Das ist aber etwas ganz anderes, als der Artikel sagen will.