Abholzen, verbrennen, bauen, pflanzen, wachsen lassen, ernten. Holz war immer schon ein wichtiger Rohstoff und je nach dem, wie dringend er gerade gebraucht wurde, haben sich die Menschen genommen, was sie wollten. Das hat die Waldlandschaft in Deutschland und in ganz Europa stark verändert. Zwar nimmt der Waldbestand seit dem 20. Jahrhundert langsam wieder zu, doch das war nicht immer so.

Noch zu Zeiten der Römer war Deutschland zu weiten Teilen bewaldet – im Vergleich dazu scheint das heutige Deutschland nahezu kahl dazustehen. Zwei großen Abholzungsperioden im Mittelalter fielen zwei Drittel des damaligen Waldbestandes zum Opfer: In der ersten von 500 bis 800 nach Christus rodeten die Menschen vor allem zum Teil bewaldetes Land nahe ihrer Siedlungen entlang der Ränder des Urwaldes, um die Landwirtschaft voranzutreiben. In der zweiten großen Rodungsperiode von 1.100 bis 1.300 wurde der Landausbau erweitert, der Urwald erschlossen.

Zum Ende des Mittelalters waren die Waldgebiete ähnlich verteilt, wie sie es heute sind – der Waldbestand wurde jedoch weiter verringert. Im 17. Jahrhundert erholte sich der Wald vorübergehend, weil sein "Feind", der Mensch, sich während des 30-jährigen Krieges selbst so stark geschwächt hatte, dass er dem Wald weniger Schaden zufügen konnte.

Aufgrund der Holzknappheit im 18. Jahrhundert wurden weniger Wälder gerodet, man begann Holz wirtschaftlicher zu nutzen und verkehrsgünstige Waldungen zu erschließen – Flößer erlebten ihre Hoch-Zeit. Die Agrarkrise in der Mitte des 19. Jahrhunderts war für den Wald positiv: Aufgrund gesunkener Getreidepreise rechnete es sich nicht mehr, Wald in Ackerland umzuwandeln.

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Doch insgesamt änderte sich der Bewaldungsgrad Deutschlands seit dem 14. Jahrhundert kaum noch. 1900 waren – wie 1400 auch – rund 26 Prozent des Landes bewaldet, erst danach wuchs der Wald langsam wieder: 1950 hatte Deutschland drei Prozent mehr Waldfläche als 50 Jahre zuvor, im Jahr 2010 waren 31 Prozent unseres Landes bewaldet.

Genaue Karten gibt es laut Forstwissenschaftlern für die einzelnen Zeitpunkte der Geschichte nicht – höchstens Beschreibungen darüber, wie das Land ausgesehen hat. "Was als Wald angesehen wurde, hat sich im Laufe der Zeit stark verändert", sagt Axel Bader vom Institut für Forstgeschichte und Forstpolitik der Universität Göttingen . "Ein mittelalterlicher Wald, in den zum Beispiel Schafe zur Waldweide getrieben wurden, hat mit einem heutigen Wirtschaftswald nichts gemein und wäre für uns auch als solcher nicht zu erkennen."

Auch wenn es heute genauere Eingrenzungen und Festlegungen gibt: Wann ein Stück Land mit Bäumen darauf als Wald gilt, ist in den Staaten Europas unterschiedlich. "In Deutschland gilt eine Fläche als Wald, wenn sie senkrecht fotografiert mehr als 30 Prozent bewaldet ist", sagt Bader. Das sei zwar in der Wissenschaft in dieser Form allgemein anerkannt, aber nicht gesetzlich geregelt.

Selbst wenn eine Fläche als Waldland gewidmet ist, müssen darauf nicht unbedingt Bäume stehen: Auch wenn sie gefällt sind, gilt das Gebiet noch als Wald .