FossilienfundIn Bernstein eingeschlossene Milbe fasziniert Forscher

In filigraner Arbeit haben Forscher nun ein außergewöhnliches Fossil durchleuchtet: Auf dem Rücken einer Spinne entdeckten sie die wohl älteste erhaltene Milbe der Welt. von 

Eine unscheinbare Milbenlarve stellt zurzeit Rekorde auf. Das Spinnentier ist 176 Mikrometer lang, damit nicht mal halb so groß wie ein Salzkorn und 49 Millionen Jahre alt. Forschern ist es gelungen, das winzige Tierfossil per Computertomografie darzustellen. Es ist das erste Mal, dass Wissenschaftler ein so kleines Tier aus Bernstein in so hoher Auflösung zeigen.

Jason Dunlop und Stefan Wirth vom Naturkundemuseum Berlin haben ihre Bilder von dem winzigen Fossil nun in der Zeitschrift Biology Letters veröffentlicht. Eingeschlossen in Baltischem Bernstein klebt die Milbe auf dem Kopf einer Spinne. Weil das Tier so klein und fest mit der Spinne verschmolzen ist, konnten die Forscher nicht erkennen, um welche Art es sich handelte.

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Für eine biologische Einordnung von Milben sind Merkmale an ihrer Unterseite wichtig, durch das Mikroskop war aber nur der Rücken sichtbar. Um Bauch und Beine des Gliederfüßlers betrachten zu können, schoben Dunlop, Wirth und ihr Team den Bernsteinklumpen in einen Computertomografen. So gelang es den Forschern, ein dreidimensionales Bild der Milbe zu rekonstruieren, auf dem sich deutlich ihre acht Beinchen und eine Art Saugnapf erkennen lassen, mit dem sie sich am Spinnenkopf festhielt.

In den detailreichen 3-D-Aufnahmen konnten die Wissenschaftler sehen, dass es sich bei ihrem Fund um ein Mitglied der heute noch lebenden Familie der Histiostomatiden handelt. Diese Milben gehören zur Gruppe der Astigmata und können Sauerstoff direkt über die Haut aufnehmen. Zum Zeitpunkt des Todes noch eine Larve, kann das Tier heute als ältester beschriebener Vertreter seiner Art gelten.

Auf die Spinne war die Milbe nicht als Parasit geklettert, sondern um sich von ihr ein Stück mitnehmen zu lassen – ein typisches Verhalten bei Tieren dieser Größe, deren Beine für weite Strecken zu kurz sind. Aus dem Ausflug wurden 49 Millionen gemeinsame Jahre im Bernstein.

In einer früheren Version dieses Artikels wurde die entdeckte Milbe als Insekt bezeichnet, was jedoch falsch ist. Milben gehören in die Gruppe der Spinnentiere, die sich von den Insekten dadurch unterscheiden, dass sie insgesamt acht statt sechs Beine haben.

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Leserkommentare
  1. Sehr geehrte Frau Verlinden,

    nach gültiger zoologischer Taxonomie gehören Milben dem Stamm Arachnida (dt.= Spinnentiere) an und bilden hier den Unterstamm der Acari (dt.= Milben). Der Stamm der Arachnida zeichnet sich durch 4 Beinpaare am Prosoma aus. Wie sie in ihrem Artikel beschrieben haben, fanden Dunlop und Wirth ein Tier mit "acht Beinchen". Die Klasse der Insecta (dt.= Insekten) zeichnet sich u.a. dadurch aus, an jedem der 3 Thoraxsegmente ein Beinpaar zu besitzen (3x2=6). Ich bitte darum diesen, doch eklatanten Fehler in ihrem Artikel zu verbessern. Eine Quelle zum Nachschlagen bildet jedes Zoologielehrbuch.
    Mit freundlichen Grüßen
    Noserider

    2 Leserempfehlungen
    • aehrenr
    • 09. November 2011 12:11 Uhr

    "ein typisches Verhalten bei Insekten dieser Größe, deren Beine für weite Strecken zu kurz sind."

    Weder die Spinne, noch die auf ihr reitende Milbe sind Insekten (jene haben 6 Beine), sondern Spinnentiere (eben mit 8 Beinen). Die beiden Gruppen haben nicht viel miteinander gemeinsam ausser dass sie beide Gliedertiere (Arthropoden) sind, wie etwa auch Krebse uva.

  2. Dafür gibt's nicht erst an der Uni schwere Punktabzüge ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • d_bolle
    • 09. November 2011 16:33 Uhr

    Milben sind so kleine Krabbelkäfer, und alle Käfer sind Insekten. Darum sind Milben eben auch Insekten. Ist doch logisch!

  3. Milben sind Cheliceraten, keine Insekten. Außerdem zeigt Bild 3 keine Rekonstruktion der Milbe, sondern eine Rasterelekronenmikrographie - wahrscheinlich von einer ähnlichen noch heute lebenden Milbe,

  4. Redaktion

    Liebe Leser,

    vielen Dank für Ihre Hinweise, wir haben den Text und die Bildergalerie entsprechend überarbeitet.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion

    • d_bolle
    • 09. November 2011 16:33 Uhr

    Milben sind so kleine Krabbelkäfer, und alle Käfer sind Insekten. Darum sind Milben eben auch Insekten. Ist doch logisch!

    Eine Leserempfehlung
    • bugme
    • 09. November 2011 18:27 Uhr

    Erstaunlich, dass die Lebewesen vor 49 Mio. Jahren, nicht viel anders als heute aussehen!

  5. Ich staune über die Bildqualität. Da sag' mal einer Winzlinge erforschen sei langweilig...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Rekord | Spinne | Tier | Familie | Tod | Zeitschrift
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