KlimawandelGeoengineering kann ein Plan B in der Klimapolitik sein

Großtechnische Eingriffe ins Weltklima sind riskant, doch müssen wir sie offen diskutieren. Der Klimapolitik könnte das neue Impulse geben. von Sabrina Schulz

Die Klimapolitik ist festgefahren, das wird die Weltklimakonferenz, die seit dieser Woche in Durban tagt, einmal mehr zeigen. Die Weltöffentlichkeit ist abgestumpft, die Politik ist mit der Finanzkrise beschäftigt. Zukunftsweisende Impulse erwartet kaum jemand. Gerade jetzt sollten sich die Delegierten daher trauen, in ganz andere Richtungen zu denken als bisher. Die Geo-Engineering-Forschung, die Eingriffe ins Weltklima mittels Großtechnologien untersucht, könnte eine davon sein.

Bis vor Kurzem schien es, als sei eine offene Haltung zum Geo-Engineering besonders in Deutschland eine Sackgasse für eine wissenschaftliche Karriere. Das Klima zu manipulieren, um die Erderwärmung zu bremsen, klingt in vielen Ohren größenwahnsinnig. Doch dies ändert sich allmählich. Selbst der nächste Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC wird diesen Forschungszweig aufgreifen. Dies deutet auf zwei Dinge hin. Erstens, die Wissenschaft wird auch in Deutschland um das Thema nicht mehr herumkommen. Und zweitens, wir müssen uns politisch über Handlungsoptionen und Forschungsprogramme klar werden.

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Bisher ist Geo-Engineering assoziiert mit äußerst riskanten Technologien. Diese sollen entweder die in der Atmosphäre enthaltenen Treibhausgase entfernen (Carbon Dioxide Removal) oder direkt in die Strahlungsbilanz der Erde eingreifen, um so den Temperaturanstieg zu drosseln (Solar Radiation Management). Vor allem die USA und Großbritannien forschen an Modellen, wie etwa Schwefelaerosole in die Stratosphäre eingebracht werden können, um dort die Sonneneinstrahlung auf die Erde zu blockieren.

Umweltgruppen fürchten teils zu Recht die Büchse der Pandora

Die bisherigen Experimente zeigen, dass die Folgen gravierend sein könnten. Schwefelteilchen in der Atmosphäre stehen im Verdacht, den Abbau der schützenden Ozonschicht zu beschleunigen. Außerdem befürchten manche Wissenschaftler desaströse Auswirkungen auf die Menge und die Stärke von Regenfällen in verschiedenen Regionen der Erde. Hinzu kommt, dass niemand solche Maßnahmen einfach über Nacht wieder einstellen kann, ohne dem Klima einen enormen Schock zu versetzen oder gar eine Kettenreaktion auszulösen.

Sabrina Schulz
Sabrina Schulz

Sabrina Schulz ist Expertin und unabhängige Beraterin in Themengebieten an der Schnittstelle von Klima-, Energie-, und Sicherheitspolitik. Von 2009 bis 2011 war sie Policy Advisor im Bereich Klimawandel und Energie beim Britischen Hochkommissariat in Ottawa und leitete ein Projekt zum Thema Klimasicherheit. Derzeit leitet sie bei der Stiftung Neue Verantwortung in Berlin das Projekt Geoengineering.

Das ursprünglich für dieses Jahr geplante britische Spice-Projekt (Stratospheric particle injection for climate engineering) zeigt darüber hinaus, wie Geo-Engineering-Forschung nicht betrieben werden darf. Mangelnde Aufklärung und internationale Abstimmung provozierten Proteste der Öffentlichkeit, die die Forscher letztlich dazu zwangen, das Experiment einzustellen. Dabei ging es lediglich darum, einen Heliumballon auf eine Höhe von einen Kilometer zu bringen und ihn dort Meerwasser in die Luft sprühen zu lassen, um zu testen, ob die Methode sich überhaupt für die Aussetzung von Aerosolen eignet. Es hätte sich nicht einmal um einen wirklichen Feldversuch gehandelt, denn eine Wirkung ließe sich erst mit echten Aerosolen und in 20 Kilometern Höhe beobachten.

Umweltgruppen haben dennoch Recht, dass mit derartiger Forschung die Büchse der Pandora geöffnet wird – und zwar dann, wenn Staaten ohne internationale Absprache und vor allem ohne den Dialog mit der Zivilgesellschaft im eigenen Land handeln.

Das Beispiel zeigt, dass der Diskussions- und Kommunikationsbedarf mindestens so groß ist wie der Forschungsbedarf. Geo-Engineering kann zwar weder eine Alternative zur Emissionsvermeidung, noch zur Anpassung an den Klimawandel sein. Angesichts der stagnierenden internationalen Klimaverhandlungen wäre es allerdings unverantwortlich, Geo-Engineering nicht zumindest als eine Art Rückversicherung zu betrachten, die es zu prüfen und zur Diskussion zu stellen gilt.

Noch steht die Forschung ganz am Anfang. Ihr größtes Problem besteht derzeit in ihrer sehr eingeschränkten Definition von Geo-Engineering-Methoden. So gibt es offiziell noch keine Sparte für nachhaltige Maßnahmen zur Klimaregulierung. In Deutschland denkt zumindest der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell  aktiv darüber nach. Seiner Ansicht nach gibt es vor allem in der Landwirtschaft noch viel Potenzial, zum Beispiel in der Nutzung von Biomasse oder der Förderung des Humusaufbaus in Böden. Solche Methoden könnten neue Kohlenstoffsenken schaffen und dadurch direkt in den CO2-Haushalt der Erde eingreifen. Natürlich sind diese Techniken ein Tropfen auf den heißen Stein und können allein nichts gegen den Klimawandel bewirken. Sie haben dennoch ihren Platz in einer breit gefächerten Vorsorgepolitik verdient.

Voraussetzung für eine aktive Auseinandersetzung mit Geo-Engineering ist eine informierte und ergebnisoffene öffentliche Debatte. Dabei muss es vor allem um heikle Themen wie Risiken, Kosten, Nutzen und notwendige Regulierungsmechanismen auf internationaler Ebene gehen. Als Grundlage kann die Sondierungsstudie Climate Engineering der Bundesregierung dienen. Sollte sich herausstellen, dass Geo-Engineering nicht funktioniert, wissen wir wenigstens, dass es keinen Plan B in der Klimapolitik gibt. Der nächste Sachstandsbericht des Weltklimarats wird 2013/14 veröffentlicht. Ein bisschen Zeit bleibt also noch, um Meinungen zu bilden.

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Leserkommentare
  1. Warum also Chinalichterketten Autos, Bekleidung und
    Stahl? Weil Billig ! Aber nur ohne Klimaschutz...
    und mit Sklavenarbeiten zum Hungerlohn.

    • tobmat
    • 29. November 2011 12:12 Uhr

    Noch lustiger wird es, wenn man sieht das es sogar die gleichen Personen sind, die vor der Katastrophe warnen und die prognostizierte Katastrophe ist sogar identisch geblieben. Extremwetter sollen zunehmen, trockene Gebiete noch trockener und feuchte Gebiete noch feuchter werden. Das prophezeite James Hansen in den 70´ern und er prophezeit es heute. Nur die Ursache (heute Erwärmung, damals Abkühlung) hat er inzwischen geändert.

  2. "Daraus kann man entnehmen, dass die Temperatur weltweit steigt und sich die lokalen Wetterphänomene verändern..."

    ja 'weltweit', nur nicht in deutschland;) ok, wir hatten vor jahren einen oder vielleicht auch zwei heiße sommer aber daraus auf eine 'weltweite' erwärmung zu schließen? eher ist es so, dass die leute seit jahren klagen wie kalt es doch geworden ist. wir hatten die letzten jahre ungewöhnlich kalte und lange winter und die sommer waren voll fürn frust.

    wie MK-Ultra erwähnt hat, früher hat man vor einer eiszeit gewarnt, jetzt vor globaler erwärmung. sagt mir, die haben selber keinen schimmer. aber solche nachrichten dienen gut dazu den leuten panik und angst einzuflößen und irgendjemand macht bestimmt einen gewinn daraus.
    außerdem war doch letztens in den news von gefälschten daten die rede. leider wurde nicht näher drauf eingegangen. warum wohl?
    wem soll man also glauben? am besten niemandem.

  3. Mist, geht ja nicht, die sind ja seit 90 Millionen ausgestorben. Aber mal ehrlich damals vor rund 120 oder 150 Millionenen Jahre, da war Europa tropisch geprägt und die Antarktis, immerhin der kälteste Punkt der Welt war im Sommer mit 15-20 bewohnbar. Vor 600 Millionen war der Planet noch ein "weißer PLanet" weil nur mit Eis bedeckt. Was müssen diese frühen Erbewohner doch für Umweltverschmutzer gewesen sein.

    Wann lernen wir endlich, dass der Planet über die Jahre immer wieder Klimaveränderungen durchgemacht und überlebt hat. Wer sich die letzte Eiszeit anschaut, der sieht dass innerhalb von 3!!! Jahren die Temperaturen um mehrere Grad abgefallen sind. Warum weiß heute keiner.

    Ich glaube eher, die Menschen brauchen ihre persönliche Hölle mit der man Angst machen kann, früher wars die Kirche mit der echten Hölle heute sinds die Umweltschützer mit der Ökohölle, ach ja 1990 hatte man angekündigt, 2010 würde Norddeutschland unter Wasser stehen, wegen Klimaerwärmung und Anstieg des Meeresspiegels. Wo ist das Wasser denn bitte heute? Naja nun ists erst das Jahr 2150, da sind wir dann alle glücklicherweise tot, kann also heute keiner mehr überprüfen.

    • brux
    • 29. November 2011 12:19 Uhr
    37. Na ja

    Na ja, diskutieren kann man das schon, aber naiv darf man nicht sein.

    Die Atomenergie wurde uns als endgültige Lösung aller Energieprobleme präsentiert. 50 Jahre, viele Milliarden Forschungsaufwand und zahllose Debatten später sind die AKWs weiterhin unsicher und keiner weiss, wohin mit dem Müll.

    Geoengineering ist da noch mal ein paar Grössenordnungen komplexer.

    Briten und Amerikaner sind Utilitaristen. Hier geht es aber um moralische Prinzipien und da halte ich mich lieber an Kant als an Mill.

  4. Es gibt Studien die behaupten, dass wir schon längst wieder in einer Eiszeit wären, wenn nicht die Siedlungswelle der neolithischen Revolution, größere Mengen Methan und CO2 freigesetzt hätte.
    Die Industrialisierung, und der einhergehenden hohen Freisetzung von SO2 führte in den 1970er Jahren zu einer Abkühlung, die als Beginn einer neuen Eiszeit gedeutet wurde.
    Der Artikel spielt mit dem Gedanken diesen Effekt technisch zu nutzen, d.h. SO2 gezielt freizusetzen.
    Allerdings findet der Umschwung zu einer Eiszeit innerhalb von Jahrzehnten statt, z.B. im Kristalisationspukt Ostsee. Friert die Ostsee einmalig so stark zu, das sie im kommenden Sommer nicht auftaut, kühlt sich der ganze Bereich durch die Rückstrahlung am Eis so stark ab, das es im folgenden Sommer erst recht nicht auftauen kann, usw. Umgekehrt fürt es zur Warmzeit, wenn das Polarmeer komplett auftaut und dann massive Methan-Freisetzung in der Sibierischen Arktis hinzukommen.
    Setzt man jetzt also massiv SO2 frei, kann schon ein großer Vulkanausbruch soviel zusätzliches SO2 freisetzen, das über Jahre hinweg die Temperatur so niedrig bleibt, das der o.g. Eiszeiteffekt einsetzt.
    Ich bin pessimistisch das Wissenschaftler dieses politische Problem lösen können.
    Etwas sarkastisch Formuliert: Diejenigen die die Asse für Standsicher und einen Unfall wie Fukushima für unmöglich hielten, sollen jetzt global am Klima basteln.
    Ist aber eh nutzlos, das zukünftige Klima wird in Brasilien, Indien und China "gemacht".

    • tobmat
    • 29. November 2011 12:29 Uhr
    39. Falsch

    "Eine gut durchdachte Theorie des Klimawandels, die von über 90% der Wissenschaflter akzeptiert ist"

    Die Aussage ist klar falsch. Die einzigen Umfragen die es zu dem Thema gab waren nicht repräsentativ. Weiterhin gibt es sehr viele Wissenschaftler die sich skeptisch zu dem Thema äußern oder gar nicht, da es gar nicht in ihr Fachgebiet gehört. Ihre Aussage schließt schließlich alle Wissenschaftler ein. Mal ein Beispiel von vielen: Der Heidelberger Apell
    http://www.eike-klima-ene...

    Aber selbst wenn 100% der Wissenschaftler daran glauben würden, hätte das keine Aussagekraft ob die Theorie die Realität abbilden kann.

  5. Deshalb haben die Passagierflugzeuge seit wenigen Jahrzehnten so einen Aerosolschweif, der kaum mehr verschwindet. War in den 40-60er Jahren noch nicht, soweit man das bei Filmaufnahmen noch sehen kann (bin noch nicht so ein altes Semester, als dass ich die Jahre direkt miterlebt hätte).

    Es ist schon ziemlich töricht und unwahrscheinlich arrogant, wenn einige "elitäre" Wissenschaftler glauben, sie könnten unseren Planeten, der so wie er ist, bereits perfekt war und noch immer ist, einfach mal ohne wirklich gravierenden Anlass (Es ist verdammt noch einmal nicht mehr als eine Hypothese, die viele Unterstützer hat, mehr nicht) terraformen.

    Das kann doch nur in die Hose gehen.
    Auf ein real gewordenes Endzeit-Szenario hab ich herzlich wenig Lust.

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