Folgen der TsunamikatastropheIn Metallhütten durch Japans strengen Winter

Zehntausende Japaner leben seit dem 11. März in provisorischen Hütten. Sie fürchten zwar den Winter, doch ihre Zuversicht scheint ungebrochen. von 

Ihre Gewächshäuser platzten wie Würstchen in siedendem Wasser, als die Welle sie verschlang. Bilder und Video-Aufnahmen vom 13. März 2011, als der Tsunami an Japans Nordostküste ihre Lebensgrundlage zerfetzte, sind tief im Gedächtnis der Menschen im kleinen Ort Watari verankert.

Die Region um das Städtchen mit seinen 25.000 Einwohnern war Japans Erdbeeren-Wiege, nirgendwo sonst im Land wurden so viele Erdbeeren gesät und geerntet wie hier. Nun sind die meisten Gewächshäuser vernichtet, wie auch mehr als 2.200 Häuser in Watari und weite Landwirtschaftsflächen. Fast alle Erdbeer-Bauern haben ihre Existenz verloren. Die Havarie des Atomkraftwerks Fukushima-1 , dessen Ruinen nur rund 70 Kilometer weiter südlich stehen, ist hier kaum ein Thema. Die Folgen des Tsunamis sind hier greifbar.

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Auch Yumi Asanos Familie musste Haus und Felder zurücklassen, seit Mai wohnt sie auf einem Sportplatz nahe einer Grundschule. "In den ersten Wochen nach dem Tsunami schliefen wir drüben in der Turnhalle zusammen mit Hunderten anderen", erzählt Asano. Dagegen sei ihre neue Bleibe eine große Verbesserung. Zusammen mit ihrem Mann, der Tochter und dem Sohn lebt sie nun in einer von insgesamt rund 1.100 Übergangswohnungen Wataris. Miete müssen sie nicht zahlen, nur Strom, Lebensmittel und Wasser.


Japan nach Beben, Tsunami und GAU auf einer größeren Karte anzeigen

Die Familie teilt sich ein Wohnzimmer, einen Schlafraum, ein Zimmer mit Tisch und Kochzeile und ein kleines Bad – kaum mehr als 20 Quadratmeter Platz. Die Wohnung ist mit dem Nötigsten eingerichtet, Betten haben sie nicht, die stünden nur im Weg. Im Schlafzimmer lehnen schmale Matratzen an den dünnen Metallwänden, auf dem Boden sammelt sich das Spielzeug des dreijährigen Jino.

Wir sollten uns nicht beschweren, so ist die Situation jetzt halt

Isao Yamada, Rentner

"Acht Kilometer von der Küste steht noch unser Haus, erst vor vier Jahren ist es fertig geworden", sagt die 38-jährige Asano, während sie Fotos des Grundstücks auf ihrem Mobiltelefon anschaut. "Das Erdgeschoss ist jetzt unbewohnbar, der erste Stock blieb verschont". Dort lagern sie die Habseligkeiten, die ihnen geblieben sind. Wie lange soll es so weitergehen? "Ich weiß es nicht." Sie hätten mehrere Möglichkeiten – das Haus renovieren, die Felder retten, das Grundstück verkaufen, neu bauen, wegziehen, andere Arbeit finden. Derzeit zahlen die Asanos noch eine Hypothek auf ihr Grundstück ab. In Tokyo rangelt die Regierung mit der Opposition um die Sonderetats für den Wiederaufbau und die Hilfe. Die langsame Bürokratie bereitet in der Provinz Kopfzerbrechen. Zwar wird Geld überwiesen, doch es dauert. "Wir warten, was die Regierung entscheidet", sagt die Frau, die trotz allem Zuversicht ausstrahlt. Noch wisse sie nicht, ob sie überhaupt zurück in ihr Haus dürften, und auch nicht, wie hoch die finanzielle Unterstützung vom Staat ausfallen werde.

"Wir sollten uns nicht beschweren, so ist die Situation jetzt halt", sagt Isao Yamada. Der 64-Jährige spricht aus, was viele hier denken. Lamentieren wird die Situation der Menschen, denen das Meer alles nahm , nicht verändern. "Wir leben zu fünft in zwei Räumen – das ist doch mehr Platz als die meisten Großstädter in Tokyo haben."

Yamada ist froh, dass ihm und seiner Familie nichts zugestoßen ist. Er selbst überlebte die Beben- und Tsunamikatastrophe nur knapp in seinem Auto, das die Fluten packten und mehr als zwei Kilometer landeinwärts trugen. Erst ein Trümmerberg hielt das Fahrzeug fest.

Der Tsunami erreichte die Küste am Nachmittag des 11. März. Yamada war die folgende Nacht im Wagen gefangen, während das Wasser bis über seine Schultern stieg und dann nachließ. "Ich dachte, ich sterbe, das war's", erinnert er sich. Niemand sei zu sehen gewesen, erst am nächsten Morgen fanden ihn zwei Männer und zogen ihn aus dem Auto. Er kam ins Krankenhaus und drei Tage später standen seine Angehörigen am Krankenbett. Sie hatten ihn schon für tot gehalten.

Leserkommentare
  1. ...dass die Mainstream-Medien bis heute das Wort Supergau tunlichst vermeiden.

    Ich vermute zu groß ist der Einfluss der Politik² in dieser meinungsunterdrückenden Unterdrückungsdemokratie.

    ²gesteuert durch Energie-Diktatoren.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

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    • spacko
    • 18. November 2011 14:45 Uhr

    ... und ich war gerade sehr erfreut, endlich mal einen Artikel zu lesen, in dem nicht der Eindruck erweckt wird, dass die Katastrophe in Japan eine Atomkatastrophe mit einem kleinen Wassereinbruch war (was unsrere Atomhysteriker bereitwilligst zu glauben scheinen) sondern eben eine Naturkatastrophe.

    Ihr Energiediktator.

  2. ... Deutschland wie das Kaninchen auf die Schlange nach Fukushima-daiichi geglotzt haben - das Elend der vielen Tausend im Tsunami Ertrunkenen war nicht unser Hauptanliegen. Das Leben in den beschriebenen Behelfshäusern ist nicht unbedingt wünschenswert, allerdings immer noch besser als tot zu sein. Ich war zufällig genau ein Jahr zuvor in genau dieser Gegend und ich habe festgestellt, dass man scheinbar( zumindest in dieser Gegend ) das Wort "Wärmedämmung", "Doppelglasscheiben" und dergleichen nicht unbedingt im japanischen Wortschatz hat. Ich habe mir überlegt, ob man das zu einer Geschäftsidee machen könnte und eine Firma "Isolierung" gründen sollte oder ob man mangels Interesse seitens der potentiellen Kunden sofort Pleite sein würde.
    Die am Haus stehenden Gasflaschen sind absoluter Standard für Heizung und Küche, Einscheiben-Schiebefenster sind Standard, Bettgestelle sind kein Standard. Während man bei 7-11 einkauft, lässt man auch schon mal den Motor laufen, damit das Auto nicht auskühlt - andere Länder, andere Sitten.

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    @NicolaiP

    Ich war bereits mehrere male in Japan und laufende Autos vor dem Supermarkt sind mir nicht aufgefallen. In Japan wie auch im großteil Asiens wird traditionel mit Gas gekocht, wir hingegen beheizen damit ganze Häuser. Eine Gasheitzung habe ich noch nicht erlebt, Öl ja. Was nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Zudem werden Gasflaschen verwendet, da es dort keine Gasinfrasturtur gibt wie bei uns (vielleicht wegen der Erdbeben?) "Wärmedämmung" und "Doppelglasscheiben" sucht man dort tatsächlich zumeist bei alten Häusern vergebens. Alte Häuser werden dort in der Regel nicht nachgerüstet. Die Japaner reißen leiber ab und bauen neu. Bei neuen Häusern ist dies jedoch ein Thema. Man muß sich aber fragen, wie weit dies auch dort sinnvoll ist. Im größten Teilen Japans gibt es heiße/schwüle Sommer und milde Winter. Und wenn wir schon dabei sind. Ich habe Japan im Winter so erlebt, dass sich die Menschen eher in ein oder zwei Zimmern gemeinsam aufhalten und diese auch nur beheitzen. Hier in Deutschland ist es erfahrungsgemäß eher so, dass man gleich die ganze Wohnung/Haus beheitzt.

    Man such dort jedoch Solarpanels auf den Dächern sucht man dort jedoch vergebens. Zumindes sind mir in diesem Jahr die gestiegene Zahl an Windräder aufgefallen. Zudem gibt es sehr viele Wasserkraftwerke. In vielen Dingen sind wir in Deutschland weiter, aber so ganz hinterm Mond leben sie auch nicht. Im übrigen gibt es auch bei uns Schiebetüren - andere Länder, andere Sitten.

    • spacko
    • 18. November 2011 14:45 Uhr

    ... und ich war gerade sehr erfreut, endlich mal einen Artikel zu lesen, in dem nicht der Eindruck erweckt wird, dass die Katastrophe in Japan eine Atomkatastrophe mit einem kleinen Wassereinbruch war (was unsrere Atomhysteriker bereitwilligst zu glauben scheinen) sondern eben eine Naturkatastrophe.

    Ihr Energiediktator.

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    • 2b
    • 18. November 2011 18:21 Uhr

    Zur Überlegung angefügt: Die Rückkehr der Menschen in deren Umgebung verhindert die Strahlenbelastung und nicht weiterhin die damalige Flutkatastrophe?

    Gibt es Überlegungen, tektonische Spannungen regelmässig in den Riftzonen, HotSpots abzubauen (mithilfe geologischer Erkenntnisse), um die Gefahr großer Beben zu minimieren (Nebenwirkungen dieser unterirdischen Vorsorgeeruptionen?)???
    http://www.zamg.ac.at/lex...

  3. Also ich habe keine Gewächshäuser, aber Früchte habe ich noch nie gepflanzt, nur Senker, also Ableger von der Mutterpflanze, die dann irgendwann geblüht haben und später Erdbeeren als Früchte hatten. Haben die Japaner andere Erdbeerpflanzen?

  4. Redaktion

    Liebe weinbaeuerin,

    tatsächlich kennen die Japaner die gleichen Erdbeerpflanzen wie wir. Ich habe Ihren Hinweis im Text berücksichtigt. Danke und Gruß

    • 2b
    • 18. November 2011 18:21 Uhr

    Zur Überlegung angefügt: Die Rückkehr der Menschen in deren Umgebung verhindert die Strahlenbelastung und nicht weiterhin die damalige Flutkatastrophe?

    Gibt es Überlegungen, tektonische Spannungen regelmässig in den Riftzonen, HotSpots abzubauen (mithilfe geologischer Erkenntnisse), um die Gefahr großer Beben zu minimieren (Nebenwirkungen dieser unterirdischen Vorsorgeeruptionen?)???
    http://www.zamg.ac.at/lex...

    • 2b
    • 18. November 2011 18:30 Uhr

    http://de.wikipedia.org/w...

    ... Erdwärme (als "regenerative" Wärmequelle)
    http://de.wikipedia.org/w...

  5. 2b, falls Sie gerade versucht haben, das Seebeben mit der Nutzung von Erdwärme in Verbindung zu bringen, müssen Sie sich daran erinnern, dass die geologische Verwerfung, die zu dem Seebeben führte weit ab im Meer liegt, wo niemand Erdwärme nutzt.

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    • 2b
    • 19. November 2011 5:40 Uhr

    scheinen vorsorglich herbeigeführte, menschliche Erderschütterungen irgendwie hilflos?
    http://de.wikipedia.org/w...ōhoku-Erdbeben_2011#Geophysik
    http://de.wikipedia.org/w...ōhoku-Erdbeben_2011#Energie_des_Erdbebens

    (dann wohl besser den Weg der Vorfahren wählen:
    http://www.spiegel.de/wis...)

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  • Schlagworte Grundstück | Tsunami | Tokio
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