Freiburger Stadtwald Der Herr über den Traum aller Förster

Hans Burgbacher ist stolz auf seinen Freiburger Stadtwald – und scheint mit ihm verwachsen. Die Douglasie ist das Rückgrat dieses vorbildlich bewirtschafteten Waldes.

"Haben Sie schon mal einen Baum umarmt? Schauen Sie, richtig ran an den Riesen, das ist ein unglaublich tolles Gefühl." – Hans Burgbacher schmiegt seine rechte Wange an die dunkle Rinde der Buche und schlingt starke Männerarme um den Stamm. Er umfasst ihn gerade mal zur Hälfte. "Solche Exemplare", sagt der Leiter des Städtischen Forstamts Freiburg und klopft sich nach der freundschaftlichen Baumbegegnung kleine Rindenkrümel von der hellbraunen Wildlederjacke, "stehen im Wirtschaftswald nicht mehr, die werden geerntet, sobald sie 60 Zentimeter dick sind, sonst verdirbt das Holz". Hier aber, im Buchenmuseum des Freiburger Stadtwaldes, dürfen die Bäume ganz entspannt 140, 150 Jahre alt werden und sich ihre 90-Zentimeter-Stämme auch mal drücken lassen.

Es ist ein goldener Oktobertag im Breisgau und Hans Burgbacher führt durch den Wald wie ein Schlossherr. Nicht wie einer, der protzen will, sondern wie einer, der weiß, was er zu bieten hat. Burgbacher lässt Fakten sprechen. Nur hin und wieder blitzt in seinen Augen hinter der randlosen Brille ein wenig Stolz auf, wenn er von den Besonderheiten des 5.200 Hektar großen Stadtwaldes spricht, dessen Chef er seit 19 Jahren ist. Besonders – das ist sein Lieblingswort an diesem Vormittag.

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Grundlage für die Eigenheiten des Freiburger Waldes ist seine einmalige Lage: zwischen den klimatisch und geologisch völlig verschiedenen Großlandschaften Oberrheinische Tiefebene und dem Schwarzwald. "Wir haben hier eine ungewöhnlich große Zonierungstiefe, vom Weinbauklima über submontane und montane Regionen bis zu hochmontanen Gebieten – und überall ändert sich die Zusammensetzung der Baumarten", erklärt Burgbacher. Rund 60 Prozent der städtischen Waldfläche sind Bergwald, der Rest Auewald. Wärmeliebende und eichenreiche Laubwälder der Ebene stehen in direkter Nachbarschaft zu eher von Nadelbäumen geprägten Bergmischwäldern. Verwaltet und bewirtschaftet werden diese Flächen vom 1835 gegründeten Freiburger Forstamt, das heute eines der größten und gleichzeitig ältesten kommunalen Forstämter Deutschlands ist.

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Als vor etwa 10.000 Jahren die Würmeiszeit zu Ende ging, waren in Süddeutschland viele Baumarten ausgestorben, der Bergwald in Freiburg bestand hauptsächlich aus Fichten und Tannen, Buchen und Eichen. Die Alpen versperrten den Weg aus dem Süden, neue Arten konnten – außer an der Burgundischen Pforte bei Besancon – nicht hochwandern. Die wären aber dringend notwendig gewesen, um den Nutzholzertrag des Waldes zu verbessern. Die vorhandenen Arten waren ökonomisch uninteressant. Also machten sich die Mitarbeiter des städtischen Forstamtes Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Suche nach neuen, einträglicheren Bäumen. In Amerika, wo die Rocky Mountains dank ihrer Nord-Süd-Ausdehnung keine Artenwanderung blockierten und die Wälder stark durchmischt sind, stießen sie schließlich auf die Douglasie.

Die Douglasie ist ein Traumbaum

Das erste Exemplar im Breisgau wurde 1896 gepflanzt, den nordamerikanischen Samen bezogen die Freiburger von einer Hamburger Pflanzschule. In den folgenden fünf Jahrzehnten wurden eifrig Douglasien angebaut, heute macht die Gastbaumart Pseudotsuga menziesii mehr als 300 Hektar des Stadtwaldes aus und bildet das wirtschaftliche Rückgrat des Forstbetriebes. Denn die alten Stadtförster hatten ein äußerst glückliches Händchen, sagt Hans Burgbacher und blickt den schlanken Stamm einer Douglasie empor, deren Ende irgendwo im Freiburger Himmel allenfalls erahnbar ist. Um die 50, 60 Meter hoch werden die amerikanischen Einwanderer hier, theoretisch möglich wären bis zu 100 Meter.

Die Douglasie zickt nicht rum wie die Fichte oder die Tanne

Hans Burgbacher, Leiter des Stadtwalds Freiburg

Die Douglasie ist ein Traumbaum. Sie wächst deutlich schneller als andere Baumarten, nämlich 20 Kubikmeter pro Jahr und Hektar, während Tannen es auf zwölf, Buchen auf neun und Eichen gerade mal auf sechs Kubikmeter bringen. "Außerdem zickt die Douglasie nicht rum wie die Fichte, die sehr sensibel auf Trockenheit reagiert und anfällig ist für Borkenkäfer oder die Tanne, die sehr nährstoffreichen Boden verlangt. Sie wächst schnell an vielen Standorten, ist relativ trockenresistent und wird nahezu nie krank ", erklärt Burgbacher die Freiburger Douglasienliebe. Tatsächlich ist die Art "besonders" gegen Schnee und Sturm, Pilze und Insekten gewappnet.

Derart widerstandsfähiges Holz muss nicht mit chemischen Schutzmitteln behandelt werden, wenn es zu Gartenstühlen, einer Spielplatzschaukel oder Waldhütte verarbeitet wird, ein weiterer wirtschaftlicher Pluspunkt. Mehr noch: Die Douglasienart, die die Freiburger da angepflanzt haben, ist so vital und qualitativ hochwertig, dass sie als "Freiburger Sonderherkunft" zur Saatgutgewinnung nach dem Forstsaatgutgesetz zugelassen ist.

Leser-Kommentare
  1. Dem kann ich nur zustimmen. Die Douglasie ist für einen Waldbesitzer ein toller Baum, widerstandsfähig und ein enormer Zuwachs. Vergleichbare Ergebnisse bringt aber auch die Lärche (zumindestens auf sandig-feuchten Böden in Norddeutschland).

    • marxo
    • 24.11.2011 um 17:50 Uhr

    "keine Kahlschläge, keine Befahrung der Böden,"

    Dabei ist es doch das, was Artenvielfalt erzeugt. So ein hübscher Waldbrand oder Windwurf und sofort sind Dreizehenspecht und Ruderalarten da. Was soll eine Kreuzotter im ewig dunklen Forst? Die braucht Lichtungen.
    Und das Befahren der Böden, nun ja... Orchideen wird es im Douglasienwald nicht so sonderlich viele geben, die meisten deutschen Arten sind kalkhold und mögen Buchen. Dafür brauchen Gelbbauchunken gerade in Baden-Württemberg schöne Radspuren mit hübsch verdichtetem Boden.

    • Atan
    • 24.11.2011 um 17:56 Uhr

    bemerkenswert, weil sonst zum Thema "Wald" gerne unreflektiert die Positionen der Naturschutzverbände nachgebrabbelt werden, die "nichtheimische" Bäume wie die Douglasie eigentlich immer nur zugunsten "heimischer" Bäume ausmerzen wollen.
    http://baden-wuerttemberg...

    Erfreulich, wenn auch zu den eigentlich den exotischeren "Land"-Themen öfter selbst recheriert wird, statt nur kostengünstig die gängigen Klischees zu verbreiten!

    • keibe
    • 24.11.2011 um 21:21 Uhr

    "Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii), umgangssprachlich auch Douglastanne, Douglasfichte oder Douglaskiefer genannt, ist ein in Nordamerika heimisches, in Europa forstlich angebautes, fremdländisches Nadelgehölz aus der Gattung der Douglasien."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • eklipz
    • 24.11.2011 um 23:51 Uhr

    Was ist jetzt an fremdländischen nadelgehölz schlimm? Sie hätten mal den wiki-artikel weiterlesen sollen: "Als eingeführte Spezies hat sich die Douglasie in vielen Ländern der Erde bewährt, sie ist die in Europa bei weitem wichtigste nicht heimische Forstbaumart. Die ersten, nun 120-jährigen Versuche in Deutschland ergeben je nach Unterart faszinierende Waldbilder."

    Stichwort Bereicherung.

    • eklipz
    • 24.11.2011 um 23:51 Uhr

    Was ist jetzt an fremdländischen nadelgehölz schlimm? Sie hätten mal den wiki-artikel weiterlesen sollen: "Als eingeführte Spezies hat sich die Douglasie in vielen Ländern der Erde bewährt, sie ist die in Europa bei weitem wichtigste nicht heimische Forstbaumart. Die ersten, nun 120-jährigen Versuche in Deutschland ergeben je nach Unterart faszinierende Waldbilder."

    Stichwort Bereicherung.

    • keibe
    • 24.11.2011 um 21:21 Uhr
    • eklipz
    • 24.11.2011 um 23:51 Uhr

    Was ist jetzt an fremdländischen nadelgehölz schlimm? Sie hätten mal den wiki-artikel weiterlesen sollen: "Als eingeführte Spezies hat sich die Douglasie in vielen Ländern der Erde bewährt, sie ist die in Europa bei weitem wichtigste nicht heimische Forstbaumart. Die ersten, nun 120-jährigen Versuche in Deutschland ergeben je nach Unterart faszinierende Waldbilder."

    Stichwort Bereicherung.

    • Todoy
    • 25.11.2011 um 6:56 Uhr

    ""Haben Sie schon mal einen Baum umarmt? Schauen Sie, richtig ran an den Riesen, das ist ein unglaublich tolles Gefühl.
    Hans Burgbacher schmiegt seine rechte Wange an die dunkle Rinde der Buche und schlingt starke Männerarme um den Stamm.""

    Die Deutschen lieben halt ihre Heimat und die Wälder.

  2. Ja ja, die Douglasie, da haben viele Umwelt-Naturschützer schon ein Problem mit. Klar, auch ich denke man darf es mit ihrem Anbau nicht übertreiben. Aber schon seltsam: Nur im Wald und in der Natur soll alles möglichst ganz statisch bleiben. Aber viel der heutigen "wertvollen" Natur ist stark antropogen geprägt und es sind z.B. eher Grünwähler, die ansonsten eher für eine erfolgreiche Immigration sind- Dies könnte man auch auf Wald und Douglasie beziehen.

    Grüße nach Freiburg- Ihr habt schon einen schönen Stadtwald und könnt stolz drauf sein. Trotz sehr guter Bewirtschafteung H. Burgbachers und seines Teams ist nicht zu vergessen, dass das heutige Erscheinungsbild des Stadtwaldes insbesondere auch das Ergebnis jahrzehnterlanger Forstwirtschaft seiner Vor-Vor-Vorgänger, mit teils intensiver Nutzung und ökonomischen Zielen ist - und trotzdem ist der Freiburger Wald auch ökolokisch ganz respektabel.

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