Liebhaber finden die Schweine aber auch unter Gourmets: Ihr Fleisch gilt als besonders kernig, würzig, nussig und saftig. Nicht umsonst heißt es in dem Sprichwort "Die besten Schinken wachsen unter Eichen". Solch hohe Qualität hat ihren Preis: das Fleisch ist doppelt so teuer. "Schließlich muss der ganze Betrieb kostendeckend arbeiten." Um Gewinn geht es dem Verein Basdorfer Hutewald nicht. "Uns ist wichtig, dieses alte Kulturgut zu bewahren und diese alte Tradition nicht in Vergessenheit geraten zu lassen", sagt Leicht, der gleichzeitig zweiter Vorsitzender des Vereins ist.

Forstgeschichte aufleben zu lassen, ist das, was ihn an dem Projekt so fesselt. Schon als Kind war er mit seinen Eltern oft im Wald, wollte Förster werden. Seine Freizeit verbringt der großgewachsene Mann mit dem karierten Hemd und der grauen Fleecejacke in Archiven auf der Suche nach alten Forstverordnungen, die das Eintreiben der Schweine in den Wald regeln.

"Das Erscheinungsbild des heutigen Waldes ist das Ergebnis von hunderten von Jahren menschlicher Tätigkeit an und im Wald ", sagt Leicht und gerät ins Schwärmen. "Das mag für manchen langweilig klingen, aber ich finde das spannend, mir vorzustellen, was im Wald passiert ist, dass er heute genau so aussieht, wie er aussieht."

Eichelmast war ertragreicher als Holzwirtschaft

Der Gewinn, den ein Waldbesitzer durch die Eichelmast erzielen konnte war im 17. Jahrhundert größer als der aus der Holzwirtschaft. Schwere Strafen standen damals auf unerlaubtes Eintreiben von Schweinen oder gar die Beschädigung von Bäumen: "In einer Verordnung heißt es, man möge dem Übeltäter den Darm aus dem Leib ziehen, ihn an der beschädigten Eiche festbinden und ihn so lange um den Baum laufen lassen, bis der Darm vollständig um den Stamm gewickelt ist", übersetzt Leicht aus einem Weistum von 1401.

Auf weniger brutale Weise verändert auch das aktuelle Projekt den Hutewald. "Aus der forstwirtschaftlichen Perspektive müsste man das Wachstum von astreinen Bäumen fördern, die möglichst gutes Holz liefern", sagt der Forstdirektor. "Aber wir durchforsten den Hutewald vor allem nach großen Eichen, die möglichst viel blühen und entsprechend Eicheln produzieren sollen."

Es ist eine Geschichte von fressen und gefressen werden. Der Großteil der Eicheln ist Ende November verputzt, "für die Schweine kommt dann die gefährliche Zeit", sagt Leicht, während er das Forstauto durch den weihnachtlich beleuchteten Ortskern des benachbarten Dorfes lenkt. 20 Tiere pro Jahr werden geschlachtet. "Am Ende werden es Schinken." So ist das Schweineleben, auch im Wald.