Ein klassischer rot-schwarzer Marienkäfer mit sieben Punkten. In Deutschland ist diese Form die häufigste. © AP-solution/photocase.com

Der Marienkäfer kleckert nicht, er klotzt. Nicht in dem Sinne, dass er ein besonders fleißiger Zeitgenosse wäre. Nein, das anscheinend so brav und bieder auf den Blättern hockende Käferchen hat’s faustdick hinter den Fühlern. Und einen ausgeprägten Hang zu Maßlosigkeit und Angeberei.

Das geht schon bei den Arten los: DEN Marienkäfer gibt es nicht. Es gibt auch nicht zig Arten oder vielleicht ein paar Hundert. Unfassbare 4.000 Arten Coccinellidae tummeln sich auf unserem Planeten, davon rund 80 in Deutschland . Und als ob es damit nicht genug wäre, hat jede diverse Varianten gebildet. Luzerne-Marienkäfer zum Beispiel gibt es in noch einmal 4.000 einzelnen Farben und Formen.

Masse statt Klasse ist auch das Motto bei den Punkten. Es soll nicht verschwiegen werden, dass einige Arten durchaus mit zwei, vier, fünf, sieben oder zehn Punkten auf ihren harten Deckflügeln auskommen. Doch die Natur scheint wahrhaftig darauf zu pfeifen, dass so ein kleiner, zwischen einem und zwölf Millimeter langer halbkugelförmiger Körper nun einmal nur begrenzten Punkteplatz bietet. Völlig unarrangiert quetschen sich auf dem Rücken mancher Arten bis zu 24 schwarze, braune, rote oder auch mal helle Punkte . Oft verschmelzen sie derart, dass der Käfer aussieht, als wäre er ganz schwarz. Und aus ist die Punktepracht.

Dem in Deutschland am häufigsten Sieben-Punkt-Käfer Coccinella septempunctata kann zumindest das nicht passieren. Falsch ist übrigens die Annahme, die Punkte würden etwas über das Alter des Marienkäfers aussagen. Wer sein Käferdasein mit elf Punkten startet, hat auch als Marienkäfer-Greis keinen einzigen zusätzlichen Punkt.

Auch wenn Maßlosigkeit nicht unbedingt eine Tugend ist, dafür, dass der Marienkäfer sie auch beim Fressen an den Tag legt, sollte man ihm Respekt zollen. Zwischen 50 und 100 Blattläuse , Schildläuse, Spinnmilben, Wanzen und ähnliches Getier, das der Pflanzenfreund nicht im Garten haben möchte, verspeist der Käfer. Das sind bis zu vier Stück pro Stunde.

Ein gelbes Gift schreckt Fressfeinde ab

Solch ein Pensum verträgt keine Störung. Um zeitraubende Rangeleien mit Fressfeinden auf ein Minimum zu reduzieren, hat sich Coccinellidae daher eine umfassende Verteidigungsstrategie aufgebaut: Er sondert bei Gefahr eine gelbliche, übelriechende Flüssigkeit ab, die giftige Alkaloide enthält, und stellt sich dabei tot. Wird er doch verschlungen, ist er kein leckeres Mahl, er schmeckt unangenehm bitter. Und damit der potenzielle Angreifer gleich Bescheid weiß, hat der Marienkäfer seine Deckflügel möglichst knallig – meist rot – gefärbt. Diese Signalfarbe wird von den natürlichen Farbstoffen Alpha- und Betacarotin sowie Lycopin gebildet.

Arten, Punkte, Blattlausmengen – wer so gerne aus den Vollen schöpft, macht auch bei der Liebe keine Ausnahme. Der Marienkäfer steht auf Sex. Der Akt an sich ist wenig spektakulär, besticht jedoch durch seine Dauer: Bis zu 18 Stunden lang paart sich ein Marienkäferpärchen. Theoretisch würde das eine Mal genügen, um das Weibchen zu befruchten. Doch Marienkäferweibchen lassen sich mehrfach begatten – bis zu zwanzig Mal, von unterschiedlichen Männchen . Gerne auch, während sie fressen.

Es scheint, als seien die kleinen Punktekäfer einfach unersättlich.