Das verstaubte Oma-Image gebührt dem Pudel schon lang nicht mehr. So wird er erfolgreich als Blinden- und Katastrophenhund eingesetzt.

Marie Antoinette, Grace Kelly und Maria Callas hatten einen, wie auch Ludwig van Beethoven, Arthur Schopenhauer und Heinrich Heine. Die Rede ist vom Pudel, oder französisch-elegant: Caniche.

Das ist lange her. Mittlerweile begegnet uns der Pudel zumeist entweder an der Rollhundeleine der betagten Großtante oder flippig eingefärbt auf den Präsentiertischen fragwürdiger Hundeshows. Wer heute einen süßen Schoßhund will, greift zum beleibten Mops, handlichen Chihuahua oder neuerdings auch wieder zum traditionellen Dackel – auf das Comeback des Pudels jedoch wartet man vergeblich. Höchste Zeit also, um hinter die hübsch frisierten Pompons zu blicken, auf den eigentlichen Kern des Pudels.

Im 17. und 18. Jahrhundert, seiner ersten Glanzzeit, war der Pudel dem Adel ein hochgeschätzter Begleiter. Die gepuderte Gesellschaft war geradezu entzückt von dem wolligen Vierbeiner, sodass vor allem die Damen nur noch ungern von ihrem vorzugsweise weißen Gefährten lassen wollten. Damit dieser entsprechend bequem auf Frauchens Schoß Platz nehmen konnte, mussten schnell kleinere Varianten des recht stattlichen Königspudels her. So wurde die Art des Kleinpudels und bald auch die des Zwergpudels ins Leben gezüchtet.

Bald war klar, dass der treue Vierbeiner mehr sollte, als nur adrett gefönt und parfümiert auf dem adeligen Schoß zu thronen: Den Pudel zog es auf die Bühne. Im Rampenlicht des Zirkus vollführte er Kunststückchen und ließ die Kassen klingeln.

Mitte des 19. Jahrhunderts war vorerst Schluss mit dem schillernden Pudel-Leben. In den fünfziger und sechziger Jahren dann, seiner zweiten Glanzzeit, erlangte er wieder weltweit außerordentliche Popularität. Geschätzt für sein ausgeglichenes Gemüt und den puscheligen Look wurde er schnell zum Modehund Nummer eins. Da der Pudel nicht haart, ist er darauf angewiesen, dass Frauchen ihn regelmäßig bürstet und ihm außerdem alle sechs bis acht Wochen eine Schur verpasst. Diese ursprünglich praktische Gesinnung wandelte sich jedoch in eine teils bizarre Form der Hundepflege: Wie es dem Besitzer eben gefiel, wurde, und wird bis heute, der Pudel mit Mustern, Farben und Hochfrisuren "verschönert".

Vom Haarspray benebelt scheinen wir jedoch vergessen zu haben, dass der Pudel immer noch zu den intelligentesten Hunderassen überhaupt gehört. Gerade den Groß- und den Königspudel sollte man nicht unterschätzen: Als Katastrophen- und Blindenhund wird er heute erfolgreich eingesetzt. Als Vollblutathlet geht er gerne schwimmen oder joggen. Geschicklichkeitsübungen absolviert er mit Bravour. Der Kleinpudel beispielsweise diente sogar als Trüffelhund, da er den unterirdisch wachsenden Edelpilz verlässlich erschnüffeln konnte.

Es wird also Zeit, dem Pudel einmal mehr den Staub aus dem Fell zu schütteln.