Das unterschätzte TierWolliges Multitalent mit Trendfaktor

Sein Image ist ziemlich eingestaubt. Doch der Pudel kann mehr als nur bei Oma auf dem Schoß sitzen: Er hat viele Talente – und eine glamouröse Vergangenheit. von Jana Drews

Das verstaubte Oma-Image gebührt dem Pudel schon lang nicht mehr. So wird er erfolgreich als Blinden- und Katastrophenhund eingesetzt.

Das verstaubte Oma-Image gebührt dem Pudel schon lang nicht mehr. So wird er erfolgreich als Blinden- und Katastrophenhund eingesetzt.  |  © Judywie/photocase.com

Marie Antoinette, Grace Kelly und Maria Callas hatten einen, wie auch Ludwig van Beethoven, Arthur Schopenhauer und Heinrich Heine. Die Rede ist vom Pudel, oder französisch-elegant: Caniche.

Das ist lange her. Mittlerweile begegnet uns der Pudel zumeist entweder an der Rollhundeleine der betagten Großtante oder flippig eingefärbt auf den Präsentiertischen fragwürdiger Hundeshows. Wer heute einen süßen Schoßhund will, greift zum beleibten Mops, handlichen Chihuahua oder neuerdings auch wieder zum traditionellen Dackel – auf das Comeback des Pudels jedoch wartet man vergeblich. Höchste Zeit also, um hinter die hübsch frisierten Pompons zu blicken, auf den eigentlichen Kern des Pudels.

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Herkunft und Schur

Als Herkunftsland des Pudels (Caniche) gilt seit 1945 offiziell Frankreich. Etymologisch ist die Bezeichnung Caniche auf das französische Wort cane (Ente) zurückzuführen, da der Pudel ursprünglich für die Wasserjagd gezüchtet wurde.

In dieser Zeit entwickelten die Jäger auch seine spezifische Schur: Damit er im Wasser schnell vorwärts kam, wurde des Pudels Fell an Bauch, Lenden und den hinteren Schenkeln geschoren. Der Rest blieb dicht und schützte so Gelenke und Organe vor dem kalten Wasser.

Auch der noch heute geläufige Ausdruck des "begossenen Pudels" entstammt dieser Zeit. Der apportierfreudige Jagdhund von damals ist zum treuen, ausgeglichenen und überdurchschnittlich intelligenten Gesellschaftshund geworden.

Rasse

Die Rasse des Pudels kennt vier Arten, die sich ausschließlich in ihrer Körpergröße unterscheiden: den Groß- oder Königspudel (bis 60 cm Schulterhöhe), den Klein- (bis 45 cm), Zwerg- (bis 35 cm) und Toypudel (unter 28 cm), der erst in den achtziger Jahren zugelassen wurde.

Jeder Pudel ist der Größe seiner Art entsprechend quadratisch gebaut und hat das typische dichte, wollige Fell, das keinen natürlichen Haarwechsel durchmacht. Lange Zeit waren die Pudel ausschließlich weiß, braun oder schwarz. Mittlerweile gibt es sie auch in silber, apricot, rot oder gescheckt. Der Pudel bewegt sich durchaus stolz und leichtfüßig.

Im 17. und 18. Jahrhundert, seiner ersten Glanzzeit, war der Pudel dem Adel ein hochgeschätzter Begleiter. Die gepuderte Gesellschaft war geradezu entzückt von dem wolligen Vierbeiner, sodass vor allem die Damen nur noch ungern von ihrem vorzugsweise weißen Gefährten lassen wollten. Damit dieser entsprechend bequem auf Frauchens Schoß Platz nehmen konnte, mussten schnell kleinere Varianten des recht stattlichen Königspudels her. So wurde die Art des Kleinpudels und bald auch die des Zwergpudels ins Leben gezüchtet.

Bald war klar, dass der treue Vierbeiner mehr sollte, als nur adrett gefönt und parfümiert auf dem adeligen Schoß zu thronen: Den Pudel zog es auf die Bühne. Im Rampenlicht des Zirkus vollführte er Kunststückchen und ließ die Kassen klingeln.

Mitte des 19. Jahrhunderts war vorerst Schluss mit dem schillernden Pudel-Leben. In den fünfziger und sechziger Jahren dann, seiner zweiten Glanzzeit, erlangte er wieder weltweit außerordentliche Popularität. Geschätzt für sein ausgeglichenes Gemüt und den puscheligen Look wurde er schnell zum Modehund Nummer eins. Da der Pudel nicht haart, ist er darauf angewiesen, dass Frauchen ihn regelmäßig bürstet und ihm außerdem alle sechs bis acht Wochen eine Schur verpasst. Diese ursprünglich praktische Gesinnung wandelte sich jedoch in eine teils bizarre Form der Hundepflege: Wie es dem Besitzer eben gefiel, wurde, und wird bis heute, der Pudel mit Mustern, Farben und Hochfrisuren "verschönert".

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Vom Haarspray benebelt scheinen wir jedoch vergessen zu haben, dass der Pudel immer noch zu den intelligentesten Hunderassen überhaupt gehört. Gerade den Groß- und den Königspudel sollte man nicht unterschätzen: Als Katastrophen- und Blindenhund wird er heute erfolgreich eingesetzt. Als Vollblutathlet geht er gerne schwimmen oder joggen. Geschicklichkeitsübungen absolviert er mit Bravour. Der Kleinpudel beispielsweise diente sogar als Trüffelhund, da er den unterirdisch wachsenden Edelpilz verlässlich erschnüffeln konnte.

Es wird also Zeit, dem Pudel einmal mehr den Staub aus dem Fell zu schütteln.

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Leserkommentare
  1. Wieso war der Teufel im Faust zunächst ein Pudel? Die Frage stelle ich mir, seit ich den gelesen habe. ;)

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    Vielleicht, weil Goethe im Rahmen seiner Tätigkeit als Theaterdirektor in Weimer eine kleine "Meinungsverschiedenheit" mit einem dressierten Pudel hatte. Dieser durfte nämlich gegen seinen Willen in einem Stück auftreten, worauf Goethe empört zunächst Urlaub und dann seinen Hut nahm. Er fühlte sich vom Pudel vertrieben. :)

  2. Vielleicht, weil Goethe im Rahmen seiner Tätigkeit als Theaterdirektor in Weimer eine kleine "Meinungsverschiedenheit" mit einem dressierten Pudel hatte. Dieser durfte nämlich gegen seinen Willen in einem Stück auftreten, worauf Goethe empört zunächst Urlaub und dann seinen Hut nahm. Er fühlte sich vom Pudel vertrieben. :)

    Antwort auf "Mephisto"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...habe ich vergessen, so ein Ärger.

  3. ...habe ich vergessen, so ein Ärger.

    • CM
    • 13. Dezember 2011 14:40 Uhr

    Angesichts dieser Epidemie kann ich nur mit Tucholsky sprechen:

    -
    Der Hund bellt immer.

    Er bellt, wenn jemand kommt, sowie auch, wenn jemand geht – er bellt zwischendurch, und wenn er keinen Anlaß hat, erbellt er sich einen. Er hört auch so bald nicht wieder auf, ja, es scheint, als besäßen die Hunde eine Bellblase, die man nur anzustechen braucht, damit sie sich entleere. Ein besserer Hund bellt seine vier, fünf Stunden täglich. (Weltrekord: Hund Peschke aus Königswusterhausen; bellte am 4. Oktober 1927 zweiundfünfzigtausendvierhundertachtundsiebzigmal in sechzehn Stunden. Als das vorbei war, sprach sein Herr: »Ich weiß gar nicht, was der Hund hat – er ist so still?«)

    Wenn ein Hund sehr lange bellt, hört es sich an, als übergebe sich einer.

    Ein Hund bellt, wenn er mit den Sinnen etwas wahrgenommen hat; daraufhin, weil ihn sein Bellen erschreckt und aufregt, und des weiteren, weil sich das wahrgenommene Objekt um ihn kümmert, nicht um ihn kümmert oder davonläuft. Dieses Geschrei wird von vielen Leuten als Wachsamkeit ausgelegt; schon der französische Kynologe Hispa sagt: »Der Hund ist ein wachsames Tier, das mit seinem Gebell den Herrn nachts aufweckt, damit der aufsteht und ruft: ›Halt die Schnauze!‹« Da Hunde immer bellen, so dient ihr Gebrüll lediglich dazu, dass sich die Einbrecher vor ihrem Geschäft Gift besorgen und es dem Hundchen streuen.
    -
    Dem ist hinzuzufügen, daß die bellenden Verdauungsschläuche Wohngebiete und Parks zukoten und ansonsten keinen Zweck haben.

    • c s
    • 13. Dezember 2011 21:19 Uhr

    Das dem Pudel heute die Popularität fehlt liegt tatsächlich daran das ihm keiner mehr den Staub aus den Haaren schütteln will.Üblicherweise geht man alle 4 Wochen zum schneiden. Dazu haben die meisten Leute heute kein Geld.Und man sollte täglich sein Fell bis zur Haut durchbürsten.
    Sparsame gingen dann alle 5 Wochen jetzt steht hier alle 6-8 Wochen.Dann zahlt man das doppelte ,denn dann muss ein Tierfriseur das doppelte schaffen.
    Ordentliche Tierhalter färben auch keine Pudel wie RTL das letztens zeigte.
    Als Trüffelsuchhund ist der Lagotto Romagnolo bekannt. Der Pudel hatte als Apportierhund für Wasserwild ausgesorgt als es die ersten Schrotflinten gab und die modernere und Rasse des Deutsch Kurzhaar gab, denn sein damals langes Rastalocken Fell blieb gnadenlos im Geäst des Waldes hängen. Man erkannte das er deshalb dazu ungeeignet war.
    Blinde haben sehr selten Hunde und heute noch viel seltener Pudel weil es heute viel mehr Hilfsmöglichkeiten gibt und ein filzender Hund evtl mit Zecken im Fell nicht Behinderten gerecht ist.Der Pudel ein Sprinter- grausam ihn zum stehen zu verpflichten. Nicht das er es nicht könnte .Aber sein Wesen ist es nicht!
    Der Pudel ist ein Familienhund der Sauberkeit und weiche Decken liebt und für Leute geschaffen,die die Liebe haben konsequent Fellpflege zu leisten.Draußen Sportler !
    Billig ist das nicht. Und arbeitsersparend auch nicht um wieder populär zu werden. Und das macht alle froh die ihn selten in Tierheimen sehen wollen.

    • c s
    • 13. Dezember 2011 21:25 Uhr

    p.s und das Foto das Ihr da habt ist eine Schande !

    Genau die verroppten die man ungepflegt auf der Straße von alten Damen sieht, die es nicht können oder als Tierschutzhund aus Spanien kommen.
    Man hätte ja auch einen normalen Pudel nehmen können.

    • axelkli
    • 15. Dezember 2011 10:18 Uhr
    7. Pudel

    ...sind sehr liebenswerte und intelligente Hunde. Man muß sie ja nicht so omamäßig frisieren, ich finde, sie sehen am natürlichsten und schönsten aus, wenn sie einfach überall gleichmäßig lang geschoren sind. Die Kreuzung aus Pudel und Labrador, Labradoodle, ist auch ein sehr liebenswürdiger Hund und löst auch keine Allergien aus.

    Eine Leserempfehlung
    • Jch92
    • 26. Januar 2012 0:49 Uhr

    Liebe/r C S,

    eine Schande finde ich es, den armen Hund täglich die Bürste anzutun, ihn jeden Monat zum Friseur zu schlürfen, ihn unnatürlicherweise zu frisieren und rasieren und ihm anschließend das Schleifchen um den Hals zu binden. Was meinen Sie welchem Hund es dabei besser geht?

    Davon mal ab ist der kleine Pudel auf dem Foto sicher gepflegt und vermittelt mal endlich nicht das typische Oma-Pudel Image mit rosa Schleifchen und halbrasiertem Körper.

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