Bergbau-Experten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) haben einem Zeitungsbericht zufolge davon abgeraten, den Atommüll aus dem einsturzgefährdeten ehemailgen Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel zu bergen. Das berichtet die Braunschweiger Zeitung unter Berufung auf ein internes Schreiben der Behörde an das Bundesumweltministerium. Ein Sprecher des BfS wies den Bericht zurück und sagte, die gesamte Behörde favorisiere weiterhin die Rückholung des Mülls.

In dem Schreiben eines BfS-Abteilungsleiters heißt es der Zeitung zufolge, "alle dargestellten Indikatoren" deuteten darauf hin, "dass im Verlauf der nächsten Monate bis gegen Ende 2012 eine Sachlage eintreten wird, die eine weitere Verfolgung der Stilllegungsoption 'Rückholung' als sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar erscheinen lässt". Bisher hatte es die Behörde stets als oberstes Ziel bezeichnet, den Atommüll zu bergen.

"An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert", sagte der Sprecher des BfS, Florian Emrich, als Reaktion auf den Bericht. Bei der Schließung der Asse sei die "langfristige Sicherheit von Mensch und Umwelt" das oberste Ziel. Dies sei nach derzeitigem Stand nur durch die Rückholung der eingelagerten radioaktiven Abfälle gewährleistet.

Füllort auf der 750-Meter-Sohle: Rechts neben dem Schacht befindet sich ein Container mit einem Handfußkontaminationsmonitor, der die Strahlung anhaftender radioaktiver Verunreinigungen misst. | 360-Grad-Panorama: Stefan Sobotta

Anwohner befürchten Verseuchung von Wasser

Bei dem zitierten Schreiben handelt es sich nach Angaben des BfS um eine Beurteilung aus bergbaulicher Sicht. Die Experten hätten die Lage vor dem Hintergrund der langen Genehmigungsverfahren bewertet. "Je länger diese Verfahren dauern, desto unwahrscheinlicher wird es, dass der Weg der Rückholung gangbar ist", räumte Sprecher Emrich zugleich ein. Er sagte aber auch: Für eine grundlegende Neubewertung der Gesamtsituation der Asse bedürfe es Expertisen weiterer Fachleute der Behörde, beispielsweise des Strahlenschutzes. Sie nehmen die radiologische Bewertung für Bevölkerung, Personal und Umwelt vor.

Im ehemaligen Bergwerk Asse wird derzeit die Anbohrung der ersten Kammer mit Atommüll vorbereitet. Dadurch soll ermittelt werden, in welchem Zustand sich die Kammern und der Atommüll befinden und ob eine Rückholung möglich ist. Örtliche Bürgerinitiativen fordern die Bergung, weil sie angesichts des Wassereinbruchs in den Schacht eine Verseuchung des Grundwassers befürchten.

Bis 1978 wurden in dem früheren Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel 126.000 Behälter mit schwach- und mittelradioaktivem Müll abgekippt.

Beschickungsanlage für mittelradioaktive Abfälle auf der 490-Meter-Sohle. Durch ein Loch im Boden wurden Fässer mit radioaktivem Abfall in die darunter liegende Kammer 8 zur Einlagerung abgesenkt. | 360-Grad-Panorama: Stefan Sobotta