Die Demontage des havarierten Atomkraftwerks Fukushima wird mindestens 40 Jahre dauern. Das geht aus ambitionierten Plänen der japanischen Regierung hervor. Der Abriss werde in mehreren Etappen erfolgen, sagte Umweltminister Goshi Hosono.

Bereits in zwei Jahren sollen Arbeiter damit beginnen ausrangierte Brennelemente zu bergen, die in den Abklingbecken der zum Teil schwer beschädigten Reaktoren lagern. Allein das werde mehrere Jahre dauern, da die Kühlsysteme und Becken neu instand gesetzt werden müssten.

Sehr viel schwieriger wird die Beseitigung der geschmolzenen Kernbrennstäbe. Temperatur- und Radioaktivitätsmessungen belegen, dass die Brennelemente in den Blöcken 1 bis 3 des AKWs  Fukushima-Daiichi nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März geschmolzen sind. Zuvor war das Wasserkühlsystem ausgefallen und hatte das radioaktive Material komplett freigelegt. Innerhalb weniger Stunden verflüssigte es sich. Die Bergung dieses Atommaterials soll in zehn Jahren beginnen und binnen 20 Jahren abgeschlossen werden, sagte Hosono. Hierfür seien neue technische Anlagen nötig. Die Arbeiten sollten erfolgen, ohne dass sich neue Risiken für die Bevölkerung ergäben.

Kritik an der verkündeten "Kaltabschaltung" der Anlage

Bis zur kompletten Stilllegung der Atomanlage würden 30 bis 40 Jahre vergehen. Dies heiße aber nicht, dass die Menschen aus der Umgebung nicht in ihre Häuser zurückkehren könnten, sagte Handelsminister Yukio Edano. Etwa 80.000 Menschen mussten im Umkreis von 20 Kilometern wegen der hohen Strahlenbelastung und aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen verlassen. Die ersten von ihnen sollen bereits im kommenden Frühjahr zurückkehren dürfen. Bereits Ende September konnten Menschen in einige Städte am Rande der Sperrzone zurückkehren. Die Strahlenbelastung schwankt von Ort zu Ort dramatisch. Manche Gemeinden wurden weitestgehend vom radioaktiven Fallout verschont, andere wurden evakuiert, obwohl sie rund 40 Kilometer vom AKW entfernt liegen.

Vergangenen Freitag hatte die Regierung bereits erklärt, die Reaktoren auf der Anlage seien mittlerweile im Zustand einer "Kaltabschaltung". Kerntechniker und Nuklearexperten kritisieren allerdings diese Einschätzung. Zwar habe sich die Lage auf der Anlage deutlich stabilisiert, doch sei man weit davon entfernt, sie unter Kontrolle zu haben. Zudem gelten die Kriterien einer Kaltabschaltung, also der Zustand, in dem eine Kettenreaktion langfristig durch funktionierende Kühlsysteme unterbunden werden kann, nur für technisch einwandfrei funktionierende Anlagen.