Marodes AKW : Fukushima ist längst nicht unter Kontrolle

Japans Premier hat die Kaltabschaltung des AKWs Fukushima-Daiichi verkündet. Damit täuscht er sein Volk und die Welt, denn die Anlage bleibt unsicher. Ein Kommentar
Am 12. November 2011 durften Journalisten und Fotografen auf das Gelände der japanischen Atomanlage Fukushima-Daiichi. Beben und Tsunami vom 11. März lösten hier einen GAU aus. © David Guttenfelder/AFP/Getty Images

Ein "großer Angstfaktor" sei beseitigt, sagte der japanische Premierminister Yoshihiko Noda, als er vor die Journalisten trat. Noch vor Ablauf des festgelegten Zeitplans soll die Kaltabschaltung der maroden Reaktoren auf der Kernanlage Fukushima-Daiichi geglückt und die Lage unter Kontrolle sein . Kühlendes Wasser soll die drei hochradioaktiven Kernschmelzen, die der GAU ausgelöst hat, sowie den übrigen Kernbrennstoff in den Blöcken 1 bis 4 dauerhaft beruhigt haben.

Doch tatsächlich kann von Entwarnung keine Rede sein. Zwar sind rein formal betrachtet die Kriterien für die Kaltabschaltung erfüllt. Seit einigen Wochen schon herrscht in den wasserdurchfluteten Sicherheitsbehältern offenbar kein erhöhter Druck mehr. Die Temperaturen haben sich zum Teil deutlich unter den kritischen Wert von rund 100 Grad Celsius eingependelt. Eine Kettenreaktion ist so zunächst unterbrochen.

Doch die Atomkatastrophe an Japans Nordostküste ist damit keineswegs vorbei oder im Griff. Die Definition der Kaltabschaltung gilt für vollkommen intakte Kernreaktoren, die kontrolliert heruntergefahren worden sind. Seit dem GAU in Fukushima-Daiichi passiert vieles, doch von "kontrollierten Bedingungen" sprechen Anlagensicherheitsexperten und Nuklearingenieure nicht .

Dabei sind Fortschritte am AKW unbestritten. Zu viel Optimismus aber könnte sich rächen. Noda macht einen Fehler, denn er wiegt sein Volk und die Welt in einer Sicherheit, für die er nicht garantieren kann.

Vom havarierten Atomkraftwerk geht immer noch Gefahr aus, auch wenn sie durch den Einsatz der 3.000 Aufräumarbeiter in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich kleiner geworden ist. Die Kühlung läuft einigermaßen stabil, wenngleich es immer wieder zu Lecks und Rissen in den Rohrleitungen kommt. Die Stromversorgung ist größtenteils wiederhergestellt. Doch das stark kontaminierte Kühlwasser bereitet weitere Probleme. Auf der Anlage lagern davon noch bis zu 86.000 Tonnen, wie die Japan Times berichtet . Die wollte Tepco längst dekontaminiert haben. Es gibt also enorme Fortschritte, doch von einem sicher funktionierenden und mehrfach abgesicherten System ist man weit entfernt.

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Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Fakten oder Kommentare

Wird in dem Artikel jetzt über den Fakt berichtet, die Anlage wäre "Kalt-Drucklos" oder wird hier ein Kommentar geschrieben wie die Lage aus deutscher Sicht sein sollte?
Wenn niemand in der sogenannten "Strahlenhölle" gewesen ist, woher sind dann die Zeit Informationen?
[...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Danke. Die Redaktion/sc

sachlich genug?

Eine sachliche Diskussion beruht darauf,Wahrheiten zu benennen.Und Wahrheiten im Falle des Super-GAU von Fukushima waren und sind,dass Betreiber und Regierung die Wahrheiten verschwiegen und verschleiert haben,und die Bevölkerung durch Verschweigen und Verschleiern fahrlässig großen Gefahren ausgesetzt haben.Das sich das geändert haben sollte
--dass ist meine Meinung--
wage ich doch sehr zu bezweifeln.Wie es doch so schön heißt:wer einmal lügt ....