Neun Monate nach der Katastrophe von Fukushima erhebt ein Zwischenbericht schwere Vorwürfe gegen den Betreiber Tepco und die japanische Regierung. Sowohl Tepco als auch die zuständigen Behörden seien auf eine Katastrophe dieses Ausmaßes vollkommen unvorbereitet gewesen, zitierten lokale Medien aus dem Bericht, den eine unabhängige Kommission im Auftrag von Japans Regierung verfasst hat. Tepco selbst hatte behauptet, keine Fehler im Umgang mit dem Unglück gemacht zu haben. Laut Bericht aber trägt der Atomanlagenbetreiber Verantwortung für die Katastrophe.

Die Reaktion auf das Unglück sei unkoordiniert gewesen, die Kommunikation mangelhaft. Tepco habe wichtige Informationen nur langsam an die Regierung weitergegeben, diese wiederum habe beim Zusammentragen der Information schlecht reagiert. Schon im Vorfeld sei das Risiko unterschätzt worden. Tepco hätte die nötigen Vorkehrungen für ein Reaktorunglück treffen müssen. "Selbst wenn es sich hier um ein sehr unwahrscheinliches Phänomen handelt, bedeutet das nicht, dass man es einfach ignorieren kann", heißt es im Bericht, der rund 500 Seiten umfasst.

Arbeiter waren nicht ausreichend geschult

Tepco habe seine Arbeiter nicht ausreichend ausgebildet, um das Unglück zu bewältigen. Durch die falsche Annahme etwa, das Kühlsystem in Reaktor 1 sei unbeschädigt, hätten sich die Rettungsarbeiten verzögert. In Reaktor 3 hätten die Arbeiter die Notkühlung gestoppt, ohne dies zu melden. Demnach wäre möglicherweise weniger Radioaktivität ausgetreten, wenn sie in beiden Fällen richtig reagiert hätten.

Der Bericht lässt Chaos bei den Rettungsarbeiten vermuten: Die Mitarbeiter hätten auf Taschenlampen zurückgreifen müssen, als der Strom im Werk ausfiel. Auch ihre Handys seien ausgefallen. Das habe die Kommunikation mit dem Koordinierungsbüro im Werk erschwert.

Kritik übt der Bericht auch an ungenauen Regierungsvorgaben für die Evakuierung betroffener Regionen. Einige Bewohner sollen dabei in radioaktiv verseuchte Gegenden gebracht worden sein.

Die japanische Regierung hatte eine unabhängige Kommission unter der Leitung des Ingenieurwissenschaftlers Yotaro Hatamura beauftragt, die Vorfälle zu untersuchen. Der Bericht basiert auf 900 Interviewstunden mit 456 Beteiligten. Im Sommer wird der Abschlussbericht erwartet. Darin sollen auch Interviews mit Regierungsvertretern, wie dem damaligen Ministerpräsident Naoto Kan, ausgewertet werden.