UntersuchungskommissionFukushima-Bericht erhebt schwere Vorwürfe gegen Tepco
Seite 2/2:

Fast alle Atomreaktoren in Japan derzeit abgeschaltet

Ein Gremium aus Wissenschaftlern hatte Mitte Dezember in einem Kommentar im Fachmagazin Nature ebenfalls schwere Versäumnisse im Umgang mit der Katastrophe festgestellt: Die Forscher fordern die Verstaatlichung des AKW in Fukushima und Zugang zu den Reaktoren, damit endlich eine unabhängige, nicht von Tepco gesteuerte Risikoanalyse möglich wird.

In der Atomanlage Fukushima war am 11. März durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 und anschließenden Tsunami-Wellen das Kühlsystem so schwer beschädigt worden, dass die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 vollständig schmolzen. Es ist der schwerste Atomunfall seit der Katastrophe in Tschernobyl 1986.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Nur noch sechs Reaktoren laufen in Japan

In Japan laufen derzeit nur noch sechs der 54 Atomreaktoren. Der Stromversorger Kyushu Electric Power nahm in der Nacht zum Montag seinen Reaktor in Genkai im Südosten des Landes für vorgeschriebene Wartungsarbeiten vom Netz. Bis Ende Mai 2012 müssen auch die letzten laufenden Reaktoren für Wartungsarbeiten vorrübergehend abgeschaltet werden. Die mehrwöchigen Kontrollen sind alle 13 Monate vorgeschrieben. Vor dem Wiederanfahren müssen sie aufgrund der Atomkatastrophe von Fukushima Stresstests bestehen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Wie sind wir und unsere Nachbarländer auf eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes vorbereitet? Die Offizielle Linie scheint immer "Bei uns passiert so etwas nicht".

    Sind die Katastrophen- und Notfallpläne in Europa und Deutschland geeigneter? Ich bitte um Journalistische Recherche.

  2. Redaktion

    Lieber Leser,

    zu Ihrer Frage empfehle ich, noch einmal das sehr umfassende Dossier aus der ZEIT zu diesem Thema:

    http://www.zeit.de/2011/1...

    Herzliche Grüße.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Danke für den Link. Ich meinte aber nicht die technische Sicherheit - hier wissen wir aus den letzten Monaten, in welchem Umfang sie gegeben ist und wo technische Grenzen der heutigen Kraftwerke liegen (also für welchen GAU sie ausgelegt wurden).

    Ich wollte vielmehr nach den Notfallplänen der AKW-Betreiber und der Regierung fragen. Wer ist für was verantwortlich. Sind die Behörden auf die Evakuierung vorbereitet? Gibt es genug Jodtabletten, die an die Bevölkerung ausgegeben werden? Wer geht im Falle eines Unfalls in die Kraftwerke um sie herunterzufahren, falls es nicht mehr sicher ist die AKWs in den Notleitständen zu steuern?

  3. 3. Danke

    Danke für den Link. Ich meinte aber nicht die technische Sicherheit - hier wissen wir aus den letzten Monaten, in welchem Umfang sie gegeben ist und wo technische Grenzen der heutigen Kraftwerke liegen (also für welchen GAU sie ausgelegt wurden).

    Ich wollte vielmehr nach den Notfallplänen der AKW-Betreiber und der Regierung fragen. Wer ist für was verantwortlich. Sind die Behörden auf die Evakuierung vorbereitet? Gibt es genug Jodtabletten, die an die Bevölkerung ausgegeben werden? Wer geht im Falle eines Unfalls in die Kraftwerke um sie herunterzufahren, falls es nicht mehr sicher ist die AKWs in den Notleitständen zu steuern?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte AKW | Evakuierung | Katastrophe | Kommunikation | Reaktor | Erdbeben
Service